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E-Teacher
Werner Walser

Prof. Werner Walser ist seit 1994 Professor für Informatik an der Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen.

Werner Walser studierte nach einer Ausbildung zum Elektrofeinmechaniker an der FU Berlin Politologie, Soziologie, Physik und Informatik. Von 1984 bis 1994 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Fachdidaktik Physik und Lehrerbildung der TU Berlin bzw. am Deutschen Institut für Fernstudienforschung an der Universität Tübingen.

Prof. Walser ist E-Teacher der ersten Stunde. Seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten digitaler Medien für die Lehre. Er hat dafür mehrere Werkzeuge konzipiert und implementiert. Für seine Entwicklungen im Bereich grafischer Modellbildungssysteme erhielt er 1991 zusammen mit Jürgen Klüser und Joachim Wedekind den Deutschen Hochschulsoftwarepreis im Fachbereich Mathematik. Im Folgenden schildert er seine Erfahrungen an der Hochschule für Polizei:

Ein Praxisbericht

Mit meinem Bericht möchte ich den Einsatz des eLearnings im Fach Informatik an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen darstellen. Wir setzen eLearning als Pflichtbestandteil in diesem Fach bereits seit vielen Jahren ein. Die Einsatzformen wurden im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt und optimiert. An der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen nehmen pro Jahr ca. 420 Studierende das Studium auf. Im Grundstudium (erstes und zweites Semester) wird ein Jahrgang aufgeteilt in 14 Studiengruppen mit je ca. 30 Studierenden. Das Fach Informatik ist dabei verpflichtender Bestandteil mit einer 3-stündigen Veranstaltung über ein Semester. Das Ziel der verpflichtenden Veranstaltungen im Grundstudium ist die Vermittlung von adressatenorientiertem Grundlagenwissen im Bereich "Informations- und Kommunikationstechnik ".

Im Gegensatz zum Grundstudium belegen die Studierenden im Hauptstudium Veranstaltungen aus einem Kanon von Pflichtfächern. Zusätzlich müssen im Hauptstudium I und Hauptstudium II jeweils zwei Schwerpunktfächer (dreistündige Veranstaltungen) belegt werden. Die Informatik-Inhalte werden im Rahmen des Schwerpunktstudiums angeboten.

Bereits vor der Einsetzung eines Senatsausschusses für E-Learning habe ich mehrfach in meinen Veranstaltungen Versuche mit dem Einsatz einer Lernplattform im
Internet durchgeführt. Das Schwerpunktfach "Datenanalyse mit Excel" hat einen Umfang von drei Stunden pro Woche. In den ersten 30 bis 40 Minuten gebe ich im Hörsaal einen Überblick über das jeweilige Thema (mit Demonstrationen). Hieran anschließend wird die Veranstaltung im Rechnerraum fortgesetzt, wo die Studierenden in jeder einzelnen Veranstaltung ein ausführliches Aufgabenblatt erhalten, mit dem Ziel, die Aufgaben zu lösen.

Meine ursprüngliche Erwartung war, dass sich die Lernplattform und die in die Lernplattform integrierten Kommunikationsmöglichkeiten, vor allem das Forum, dazu nutzen ließe, dass die Studierenden Lösungsvorschläge für die Aufgaben untereinander diskutieren. Meine Erfahrungen mit Lernplattformen entsprechen allerdings nicht der Bedeutung, die die Diskussion um Lernplattformen im Bereich des eLearning hat. Der Grund für die ernüchternden Erfahrungen ist einfach: Die Studierenden an der Hochschule für Polizei haben Anwesenheitspflicht. Für sie ist deshalb beim Einsatz der Lernplattform kein Mehrwert erkennbar. Das Diskutieren von Lösungen bzw. Lösungsmöglichkeiten im Forum im Vergleich zu den Möglichkeiten, die die Präsenzveranstaltung bietet, führt vielmehr zu einem Mehraufwand. Auch die Verwendung der Lernplattform zur Verteilung von Unterlagen im weitesten Sinne (Skripten usw.) konnte sich nicht durchsetzen. Auch hier ist der Grund einfach: Schon lange erhalten die Studierenden alle Materialien, die ich im Laufe einer Veranstaltung herausgebe, per Mail. Dies bietet für mich mehrere Vorteile:
  • Das Verschicken einer Mail ist weniger zeitaufwendig als der Upload eines Dokuments auf die Lernplattform und die dortige Konfiguration des Dokuments.
  • Ganz wesentlich ist für mich auch die Sicherheit, dass die gesamte Studiengruppe das Arbeitsblatt erhalten hat. Wenn ich das Arbeitsblatt auf der Lernplattform zur Verfügung stelle, weiß ich hinterher nicht, ob alle Mitglieder der Studiengruppe das Arbeitsblatt wirklich verfügbar haben.        
  • Alle Studierenden verfügen mit dem Tag ihres Studienbeginns über eine Mail-Adresse an der FHPol und können mit Mail umgehen.
Die Zielsetzung von eLearning im Fach Informatik (Grundstudium): In der Fachgruppe Informatik führen wir regelmäßig Befragungen unter den Studierenden zu deren Vorwissen durch. Insgesamt hat sich das Niveau des Vorwissens in den letzten Jahren erhöht. Dies ist sowohl auf den verstärkten Einsatz von EDV bei der Polizei als vor allem auf den privaten Einsatz von Computern, und hier vor allem des Internets, zurückzuführen. Nach wie vor ist allerdings das Spektrum des Vorwissens sehr heterogen. Einige Studierende haben vor der Aufnahme des Studiums bei der Polizei im EDV-Bereich gearbeitet, andere verfügen nur über ein minimales Vorwissen. Bei der Einteilung der Studiengruppen kann auf das EDV-Vorwissen aber keine Rücksicht genommen werden. Daher kann sich das breite Spektrum an Vorwissen in jeder Studiengruppe wiederfinden. Für den Einsatz von eLearning ergab sich daraus von Anfang an eine dominante pädagogisch-didaktische Zielsetzung: Mit eLearning sollte es möglich werden, in angemessener Form auf die Unterschiede im Vorwissen der Studierenden zu reagieren.

Schon sehr früh sind an der FHPol dann folgende weitere Aspekte von eLearning in den Vordergrund gerückt:
  • Einen wirklichen Mehrwert für unsere Studierenden bietet der Einsatz von interaktiven Lernprogrammen.
  • Lernprogramme können dazu verwendet werden, um Studierenden mit unterschiedlichem Vorwissen und mit unterschiedlichen Lernstilen Lernwege zu bieten, die dem einzelnen Lerner besser angepasst sind als eine dozentenorientierte Veranstaltung.
  • Beim Einsatz von Lernprogrammen können die Studierenden in dem Tempo lernen, das für sie angemessen ist. Auch dies ist beim dozentenzentrierten Vorgehen nicht möglich.
  • Das Lernprogramm muss als Hypertext aufgebaut sein. Bei Bedarf muss es möglich sein, weitere Informationen über Links aufrufen zu können.
  • Sehr oft wird in den Übungen das Arbeiten mit einem Programm (PowerPoint, Browser, Excel usw.) behandelt. Dies führt regelmäßig dazu, dass in einer komplexen Bildschirmdarstellung Details erläutert werden müssen. Das macht erforderlich, dass mit einfachen Mitteln die Aufmerksamkeit der Studierenden auf bestimmte Details gelenkt werden kann.
  • Der Zeitaufwand sowohl für die Erstellung der Lernprogramme als vor allem für die Wartung muss minimal sein.
  • Ein Lernprogramm besteht letztlich aus einzelnen Seiten. Nicht für alle Studierenden ist das Durcharbeiten von Text am Bildschirm optimal geeignet. Daher muss es möglich sein, die Inhalte des Lernprogramms auch als pdf-File verfügbar zu machen.
Die Realisierung: Seit der Verfügbarkeit von Word 2003 habe ich mich mit der Entwicklung eines auf Word basierten Systems beschäftigt. Als wesentlicher Vorteil hat sich herausgestellt, dass das spätere Lernprogramm und das Aufgabenblatt im gleichen Dokument stehen, und damit Änderungen lediglich an einem einzigen Dokument vorgenommen werden müssen. Damit befinden sich Lernprogramm und Aufgabenblatt immer auf dem gleichen Aktualitätsniveau.

Am Anfang des Semesters erhalten die Studierenden einen Plan, aus dem verlässlich hervorgeht, wann welches Thema behandelt wird. Die Themen sind auch so angelegt, dass sich jeweils in sich abgeschlossene Einheiten ergeben, die natürlich aufeinander aufbauen. Am Anfang einer Lehrveranstaltung trifft sich die gesamte Studiengruppe in einem normalen Hörsaal. Hier gebe ich einen Überblick über das Thema der jeweiligen Veranstaltung und stelle dabei Bezüge zum Lernprogramm und zu den Aufgaben her. In diesem einführenden Teil beschäftige ich mich aber noch nicht mit der Lösung der Aufgaben.

Anschließend haben die Studierenden am Rechner dann mehrere Möglichkeiten:
  • das Lernprogramm von Anfang bis Ende durch zu arbeiten und dabei die Aufgaben zu lösen,
  • sich sofort mit der Lösung der Aufgaben zu beschäftigen,
  • die Aufgaben zu lösen und dabei die in der Online-Version verfügbaren Links sowie das Glossar als Unterstützung zu nutzen.
Die geänderte Rolle des Dozenten: An dieser Stelle noch ein Wort zu meiner Rolle als Dozent: Im Kontext neuer Lernformen ist vielfach die Rede davon, dass sich die Rolle der Lehrenden von Wissensvermittlern zu Moderatoren von Wissensprozessen ändert. Dies ist auch bei mir der Fall. Einen Teil der Wissensvermittlung habe ich, bildlich gesagt, an die Lernprogramme abgetreten. Dies führt dazu, dass ich während einer Lehrveranstaltung in den Rechnerräumen mehr Zeit habe, mich um einzelne Studierende zu kümmern. „Kümmern“ heißt in diesem Fall, dass ich versuche, zusammen mit Studierenden zu erarbeiten, warum sie eine Aufgabe z.B. falsch gelöst haben oder nicht in der Lage sind, eine Aufgabe zu lösen. Dies erfordert Zeit. Diese Zeit steht mir durch den Einsatz der Lernprogramme zur Verfügung.

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