Hypertextleser sehen sich immer wieder mit Orientierungsproblemen konfrontiert. Die Möglichkeit einer selbst bestimmten, interessengeleiteten Lektüre ist untrennbar mit dem Verlust einer linear-hierarchischen und leicht nachvollziehbaren Repräsentation verbunden. Gerade bei hypertextuell organisierten Studienmaterialien ist es wichtig, dass die relevanten Informationen durch die Studierenden auch aufgefunden werden können. Wir stellen Ihnen daher einige Navigationshilfen vor, wie sie insbesondere in komplexen Hypertextsystemen zum Einsatz kommen:
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Hilfefunktionen, die die Benutzung des
Hypertextes
unterstützen,
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Informationsmanagementfunktionen, die
insbesondere bei wiederholter Benutzung die Übersicht erleichtern,
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Kontextualisierungshilfen, die dem Benutzer
helfen, seine Position innerhalb des Hypertextes zu bestimmen,
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Information Retrieval Funktionen, die den Zugriff
auf Informationen erleichtern,
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Übersichtshilfen, die dem Nutzer eine Übersicht
der Hypertextstruktur vermitteln.
Die vorgestellten Navigationshilfen unterstützen den Zugriff auf gesuchte
Information. Welche der dargestellten Hilfen Sie realisieren, hängt von der
Komplexität der hypertextuellen Struktur, dem Themengebiet, der Zielgruppe
und nicht zuletzt von den zur Umsetzung vorhandenen Ressourcen ab.
Orientieren Sie sich zusätzlich im Bereich
Navigationsmetaphern, um Anregungen für die
Gestaltung der Navigation zu erhalten.
Da es anders als im Printbereich für digitale Medien keine tradierten,
einheitlichen Gestaltungsregeln gibt, sollten Sie für die Benutzung des
Hypertextes unterstützende Informationen bereitstellen.
Eine
Guided Tour
dient dazu, sich beim (ersten) "Betreten" eines
Hypertext-Systems einen Überblick zu verschaffen. So können Sie zum Beispiel
in die Navigation und allgemeine Benutzung einführen, einen Überblick der
Inhalte geben oder für unterschiedliche Nutzergruppen Touren durch das
System zusammenstellen. Die
Guided Tour der NZ
ist ein Beispiel für eine Einführung
in die Benutzung.
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Ein
Assistent
oder Lernbegleiter kann die Nutzer bei der
Auswahl von Inhalten beraten oder eine Einführung moderieren.
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Eine in den Hypertext integrierte
Hilfeseite
ist eine einfache
Methode, den Nutzer bei der Navigation zu unterstützen. Ein Beispiel ist die
Hilfe von e-teaching.org.
"Wo war denn das noch?" Auch digitale Informationen kann man "verlegen",
indem man vergisst, auf welchem Weg man zu der Quelle gelangt ist. Die hier
aufgeführten Funktionen erleichtern ein wieder Auffinden und werden von
gängigen
Browsern
bereitgestellt. Je nachdem, wie vertraut Ihre Studierenden im
Umgang mit dem
WWW
sind, sollten Sie ggf. auf diese Funktionen gesondert hinweisen.
Eine
Markierungsfunktion
(Bookmarks, Lesezeichen) erleichtert es,
bei wiederholter Benutzung eines Hypertextes interessante Informationen
wieder zu finden. Die Abbildung zeigt die entsprechende Oberfläche des
Browsers Mozilla.
Eine
Rückwärtsnavigation
(Backtracking) ist sinnvoll, um
Orientierung und Kontrolle zu erleichtern und Navigationswege
nachzuvollziehen.
Per
History Funktion
hat der Nutzer stets den Überblick darüber,
welche Knoten bereits besucht worden sind und kann zu einem gewünschten
Dokument gezielt zurückspringen. Die Abbildung zeigt eine History Liste aus
dem Browser Mozilla.
Eine detaillierte Beschreibung der Browser-Funktionen
Bookmarks anlegen
sowie
History und
Backtracking
finden Sie in e-teaching.org Hilfe.
Beim Verfasser von Hypertexten ist zu bedenken, dass ein Hypertextknoten,
anders als einen Absatz in einem Printtext, als abgeschlossene Einheit
wahrgenommen wird uns sich somit nicht nahtlos und natürlich in die
Gesamtstruktur einfügt (Conklin, 1987) . Kontextualisierungshilfen sollen den Benutzer dabei
unterstützen, seine Position innerhalb des Hypertextes zu verstehen und
Zusammenhänge zu erschließen.
Ein
Krümelpfad
(Breadcrumb Trail) ist eine Verortungshilfe, die
anzeigt in welcher Navigationstiefe sich der Nutzer aktuell bewegt und
erlaubt, per Hyperlink auf höhere Ebenen zu springen. Insbesondere bei einer
komplexeren vertikalen Navigation dient ein Pfad der Orientierung.Auch das
Portal e-teaching.org verfügt über einen Krümelpfad, der sich oberhalb des
Inhaltsbereichs befindet.
Das
Navigationsmenü
kann selbst eine Art Krümelpfad darstellen,
indem die jeweils ausgewählten Navigationspunkte markiert werden. Im Portal
e-teaching.org wird der Weg hin zur aktuellen Position durch einen fetten
Textsatz im linken und rechten Menübereich abgebildet. Die Abbildung zeigt
ein weiteres Beispiel und verdeutlicht, wie die Struktur eines Hypertextes
durch das Menü visualisiert werden kann.
Abb.: Beispiel für ein kontextualisiertes Menü
Die automatisch
im Browser angezeigte
URL
kann für den Nutzer – ähnlich wie der Pfad – eine
Orientierungshilfe sein, indem durch geschickte Ordnerbenennungen
hierarchische Strukturen innerhalb der Website sichtbar werden.
Abb.: Beispiel für eine nutzerfreundliche URL
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Eine
Farbnavigation
kann die Orientierung des Benutzers
unterstützen, indem die Zugehörigkeit von Inhalten zu einem
Inhaltsbereich durch Farben symbolisiert wird. Farbe kann systematisch
eingesetzt werden, um wichtige Konzepte zu betonen oder Unterscheidungen
hervorzuheben. Für Farbsysteme gibt es allerdings Grenzen: Sollen zu
viele Informationen farbig codiert werden, fällt es schwer, die
Abstufungen zu unterscheiden und die Farben den einzelnen Elementen
zuzuordnen (Hooper & Hannafin, 1991) . Die Abbildung zeigt die farbige
Gestaltung der Navigation bei
spiegel.de, ein weiteres Beispiel
ist die Navigation von e-teaching.org.
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Ergänzend zur Farbnavigation werden häufig
Schlüsselbilder
(Key
visuals) eingesetzt. Schlüsselbilder sind fixierte Symbole für verschiedene
Inhaltsbereiche eines Hypertextes. Sie dienen dazu, inhaltliche Segmente
abzugrenzen und die Orientierung zu erleichtern. Gestalterisch ist darauf zu
achten, dass zwischen dem visuellen Zeichen und dem symbolisierten
Inhaltsbereich eine Ähnlichkeitsbeziehung besteht (Wirth, 2002) .
Auf einzelnen Inhaltsseiten Ihres hypertextuellen Informationsangebotes
können Sie weiterführende Links auf
ähnliche Seiten
anbieten,
die den Nutzern Seiten desselben Themengebietes empfehlen. Diese
Navigationshilfe soll neben der aktuellen Seite weitere mit dieser Seite
verbundenen Informationsressourcen sichtbar machen. Einige
Content Management Systeme
bieten eine automatische Zuordnung der
jeweils passenden Links, die aus den bei der Erfassung der Inhalte
angegebenen
Metadaten
generiert werden. Ein Beispiel ist der
Internetauftritt
der ARD.
„Mit einem „
Weiter-Button
“ wird dem Benutzer angeboten, eine
Website bzw. einen Teil einer Website nach einem vorgegebenen Weg zu
durchlaufen. Dies bietet sich oft bei Lernmodulen an, bei denen die
Informationen aufeinander aufbauen.
Durch eine unterschiedliche gestaltete,
typisierte Links
können
Sie den Nutzern Ihres Hypertextes Informationen darüber geben, wohin ein
Hyperlink führt - bevor der Nutzer den Link anklickt. Auf e-teaching.org
werden zum Beispiel externe Links (
) und Glossarlinks (
) durch
Icons
kenntlich gemacht. Es kann zudem die Orientierung unterstützen,
wenn Links hervorgehoben werden, die vom Benutzer schon einmal gesichtet
worden sind.
Einige
Autorenwerkzeuge, wie zum Beispiel
Storyspace, ermöglichen es,
konditionale (bedingte)
Links
zu setzten, um die Lesereihenfolge zu beeinflussen. Hyperlinks auf
bestimmte Knoten werden nur dann angezeigt, wenn die zum Verständnis nötigen
Inhalte bereits gesichtet wurden (vgl.
Landow, 1997).
Für die Strukturierung von Hypertexten gibt es keine allgemeingültige
Ontologie, die von jedem Nutzer intuitiv verstanden würde. Sie können nicht
davon ausgehen, dass Nutzer die Struktur Ihres Hypertextes vollständig
erkennen und genau wissen, wo welche Informationen zu finden sind. Es bietet
sich daher an, alternative Zugänge aufzubauen, die den Zugriff auf
Informationen erleichtern.
Indizes (Register)
sind alphabetisch geordnete Auflistung und dienen
der gezielten Suche nach Namen, Themengebieten, Medientypen, etc. Indizes
können als einfache Linkliste oder als
Dropdown-Menü
realisiert werden. Wenn Sie mit einem Content Management
System arbeiten, das über die Vergabe von Metadaten eine Verschlagwortung
unterstützt, können Sie die Schlagwortliste als Index ausgeben. Sie können
auch verschiedene Indizes für unterschiedliche Zielgruppen anbieten. Ein
Beispiel für diese Vorgehensweise sind die
Navigationshilfen von SelfHTML.
Ein
Glossar
kann als Index-ähnliche Navigationshilfe dienen.
Voraussetzung ist, dass das Glossar neben der alphabetisch geordneten
Beschreibung einzelner Begriffe auch Links auf Inhaltsseiten enthält,
in denen die jeweiligen Begriffe näher erläutert oder thematisch vertiefend
behandelt werden.
Eine
Suche
erleichtert das gezielte Auffinden von Informationen. Man
unterscheidet die Volltextrecherche von einer Expertensuche nach bestimmten
Datensätzen. Es lohnt sich, immer eine Volltextsuche anzubieten, mit deren
Hilfe auch solche Informationen zu finden sind, die nicht verschlagwortet
wurden. Mit einer Expertensuche kann man in großen Informationsmengen
effizient recherchieren. Um gute Rechercheergebnisse zu ermöglichen, sollte
die Suchmaschine
Boolsche Operatoren
und
Wildcarts
unterstützen.
Eine
FAQ-Liste, die häufig gestellte Fragen beantwortet, kann einen
problemorientierten Zugang zu den hypertextuell aufbereiteten Inhalten
ermöglichen.
Gerade eine Webseite lebt davon, dass aktuelle Inhalte leicht erkennbar
sind. Als „Fast click“ wird ein schneller Klick zu ausgewählten
Informationen bezeichnet. Diese Form der Navigation funktioniert wie das
Cover eines Magazins. Wichtige Themen, Aktuelles oder Special Features
werden direkt von der Homepage verlinkt. Damit gibt es – neben dem
„normalen“ Weg über die Hauptnavigation – für den Benutzer einen schnellen
Zugriff auf ausgewählte Informationen, die beispielsweise neu und besonders
wichtig sind.
Im Gegensatz zu Print-Produkten, die haptisch und visuell erfassbar sind,
kann sich der Leser im Hypertext nur schwer einen Überblick über dessen
Umfang und Aufbau verschaffen. Übersichtshilfen vermitteln einen Einblick in
die Struktur und Komplexität des Hypertextes.
Eine
Sitemap
beinhaltet die Themen eines Hypertextes in einer
kategorialen Auflistung, die der Navigationshierarchie entspricht. Die
Sitemap bietet so eine – meist vollständige – Übersicht über alle
Hypertextknoten, ist also vergleichbar mit einem Inhaltsverzeichnis eines
Buches. Die Nutzer sehen auf einen Blick, welche Informationen die Webseite
enthält, und in welchen thematischen oder hierarchischen Zusammenhängen
diese zueinander stehen. Die einzelnen Punkte der Sitemap sollten verlinkt
sein und so auch einen schnellen Zugriff auf die Inhalte erlauben. Die
Sitemap kann grafisch oder textuell realisiert werden.
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Es gibt auch
dynamische Sitemaps, die dem Nutzer anzeigen, an
welcher Stelle der Hypertextbasis er sich befindet. Solche Sitemaps
geben nicht nur eine Übersicht, sondern erfüllen auch eine
Kontextualisierungsfunktion.
Eine Sonderform solcher dynamischer Sitemaps sind
Fish-eye
views. Das aktuell betrachtete Dokument steht in der Fish-eye view
im Vordergrund, Informationsknoten im weiteren Umfeld werden nur in
geringer Genauigkeit angezeigt. Dadurch verliert der Nutzer den Kontext
und die Position des betrachteten Inhaltsbereichs im Gesamt-Hypertext
nicht aus den Augen. Die Abbildung (aus
Gutwin, 2002) zeigt ein Beispiel.
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