Gemäß der lateinischen Bedeutung von experimentum, nämlich Versuch, Probe, Beweis, handelt es sich beim Experiment um eine Untersuchung, bei der gezielt eine bestimmte Annahme oder Vermutung geprüft und entweder bewiesen oder widerlegt werden soll. Das Experiment ist ein Verfahren zur Datenerhebung, das hauptsächlich in den Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften wie der Psychologie und Soziologie angewendet wird.
| Hier geht es darum, vorher formulierte Aussagen durch eine
systematische Überprüfung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, indem
einzelne Bedingungen des Versuchaufbaus bewusst und aktiv verändert
werden. Die aktive Manipulation macht den wesentlichen Charakter des
Experimentes im Vergleich zu anderen Methoden der Datenerhebung aus. Hier
unterscheidet sich das Experiment deutlich von passiv orientierten
Verfahren wie z.B. der reinen Beobachtung. |
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Grundlagen des Experiments
Ein Experiment besteht immer aus bestimmten
Faktoren, dazu
zählt:
1. das untersuchte Objekt bzw. Subjekt
2. der Beobachter
3. die Methoden der Untersuchung bzw. der
Versuchsaufbau
4. der Vorgang der Untersuchung selbst.
Um die Aussagekraft eines Experimentes zu gewährleisten, müssen einige
Bedingungen
eingehalten werden:
- In psychologischen Experimenten kann die Versuchsperson (1.)
Schwankungen bezüglich bestimmter psychologischer Faktoren unterliegen,
z.B. kann sie besonders motiviert sein, eben weil sie sich in einer
Experiment-Situation befindet. Ähnliches gilt für den Beobachter bzw.
Versuchsleiter (2.), der durch bestimmte Erwartungen das Ergebnis
beeinflussen kann („Rosenthal-Effekt“).
- Hinsichtlich der Untersuchungsmethoden (3.) muss die
Replikation
berücksichtig werden: Die gefundenen Ergebnisse eines Experimentes müssen
überprüfbar sein, das heißt die Konzeption eines Versuches muss so
gestaltet sein, dass dieser Versuch jederzeit wiederholt werden kann.
- Die Untersuchung selbst (4.) schließlich muss nach dem Experiment
analysiert werden, was in der Regel durch die
Auswertung
der
gefundenen Ergebnisse und Daten geschieht.
Die wichtigsten Elemente eines Experimentes sind zweifellos die
Variablen, bei denen zwischen abhängigen, unabhängigen und so
genannten Störvariablen unterschieden wird. Unter
unabhängigen
Variablen
versteht man dasjenige Element des Versuches, welches aktiv
und bewusst beeinflusst wird, um eventuell eine Veränderung messen zu
können. Die Auswirkungen dieser Veränderungen betreffen die
abhängigen
Variablen, deren Beeinflussung durch ein Experiment überprüft werden
soll. Als
Störvariablen
bezeichnet man schließlich Elemente innerhalb
des Versuchsaufbaus, die ebenfalls die abhängigen Variablen beeinflussen und
so das Ergebnis des verfälschen.
Ein Beispiel:
Wenn mit einem Experiment untersucht werden soll, inwiefern die Tageszeit
die Konzentrationsfähigkeit beeinflusst, dann ist die Uhrzeit die
unabhängige Variable und die Konzentrationsfähigkeit der Versuchspersonen
die abhängige Variable. Störvariablen könnten hier beispielsweise
Kaffeegenuss, Motivationszustand oder auch der aktuelle Müdigkeitszustand
des Probanden sein.
Generell kann man sagen: Je besser die Störvariablen kontrolliert werden
können, desto höher ist die Aussagekraft bezüglich der Wirkung der
unabhängigen Variable auf die abhängige Variable. Für das Beispiel würde das
bedeuten: Je stärker man den Einfluss von Kaffee, Müdigkeit oder
unterschiedlicher Motivation begrenzt, desto eher ist die Tageszeit für
potenzielle Änderungen bei der Konzentrationsfähigkeit verantwortlich.
Man spricht dann von einer hohen
internen Validität
des Experiments,
die Aussagekraft dieses Versuchsaufbaus ist demnach sehr hoch. Dem gegenüber
steht die
externe Validität, mit der man die Gültigkeit der
Ergebnisse außerhalb des Versuchsaufbaus bezeichnet. Ist die externe
Validität hoch, ist das Experiment in hohem Maße repräsentativ.
Gütekriterien
Um überhaupt aussagekräftig sein zu können, müssen beim Experimentieren
allerdings einige wichtige Gütekriterien erfüllt werden, ohne die keine
echte Validität erreicht werden kann. Dabei kann man zwischen Hauptkriterien
und Nebenkriterien unterscheiden (vgl.
Lienert 1989):
Zu den
Hauptkriterien
zählen:
-
Objektivität
: Die Ergebnisse des Experiments müssen unabhängig
vom Versuchsleiter zustande kommen, andernfalls ist die Messmethode nicht
aussagekräftig.
-
Reliabilität
: Sie gibt an, wie hoch die Zuverlässigkeit der
Messmethode ist und ob der gefundene Wert auch bei wiederholten Messungen
wieder erfasst werden kann.
-
Validität
: Dieses Kriterium sagt aus, ob und wie genau wirklich
das gemessen wurde, was auch gemessen werden sollte. Oft ist dies schwierig
zu ermitteln, z.B. wenn bei psychologischen Experimenten komplexe Faktoren
wie Intelligenz oder Kreativität beurteilt werden sollen.
Darüber hinaus gibt es noch einige
Nebenkriterien, die allerdings
nicht unbedingt alle erfüllt sein müssen, um von einem erfolgreichen
Experiment sprechen zu können::
-
Ökonomie
: Ein Experiment lohnt sich wirtschaftlich, wenn es
mehr nutzt als es kostet.
-
Nützlichkeit
: Gibt an, welchen praktischen, gesellschaftlichen
oder wissenschaftlichen Nutzen die gefundenen Daten haben
-
Normierung, Vergleichbarkeit
: Die Messungen sollten normiert
sein, also mit den Ergebnissen von anderen Objekten oder Versuchspersonen
vergleichbar sein.
Grenzen des Experiments
Gerade in den Sozialwissenschaften gibt es
Grenzen
für diese Methode.
So kann beispielsweise die Versuchssituation eine derart künstliche
Atmosphäre schaffen, dass die gefundenen Daten kaum relevante Rückschlüsse
zulassen. Außerdem gibt es klare moralisch-ethische Grenzen: Ein Experiment
wird problematisch, wenn die Versuchsperson geschädigt wird, bezüglich der
Intention der Untersuchung getäuscht oder in ihren Fähigkeiten z. B. durch
den Versuchsaufbau manipuliert wird. Auch hinsichtlich des Datenschutzes
gibt es hohe Anforderungen an ein Experiment.
Dem Versuchsleiter kommt beim Experiment also eine äußerst
verantwortungsvolle Aufgabe zu, sowohl im Umgang mit den an der Untersuchung
beteiligten Personen, als auch hinsichtlich der Validität der gefundenen
Daten.
Weitere Informationen:
-
Hypertext
zu den theoretischen
Grundlagen des psychologischen Experiments bei Werner Stangl