Zur Prüfungsvorbereitung können von Lehrenden und auch Lernenden verschiedene digitale Medien eingesetzt werden.
Vorklärungen auf Seiten der Lehrenden
Ziel & Zweck
: Klären Sie die Zielsetzung des Assessment. Warum wird die Prüfung überhaupt durchgeführt? Wer ist die Zielgruppe? Wozu dienen die Resultate? Wer kann die Resultate einsehen? Welche Fähigkeiten sollen geprüft werden? Welche Gewichtung hat die Prüfung für die Gesamtbeurteilung?
Stolperstein
: Wenn beispielsweise lediglich Mindestvoraussetzungen für die Belegung eines Kurses oder Studiengangs überprüft werden, können die Testresultate nicht ohne weiteres “recycelt” werden, um bei hoher Bewerberlage ein Ranking der Aspiranten zu erstellen.
Inhalte
: Prüfungsfragen zu erstellen ist eine Wissenschaft für sich. Besonders wichtig ist die Auswahl prüfungsrelevanter Stoffgebiete. Haben Sie in der Prüfung wirklich das abgefragt, was für Ihre Veranstaltung relevant ist? Um die inhaltliche Reichweite des Assessment abzustecken können die Kursmaterialien gesichtet werden (zum Beispiel das verwendete Lehrbuch). Ein weiteres Problem ist die Verständlichkeit: Sind die Fragen so formuliert, dass die Studierenden begreifen, was von ihnen verlangt wird? Eine Maßnahme ist die Studierenden einzubinden, beispielsweise indem sie nach jeder Veranstaltung aufgefordert werden, Fragen an den Lehrstoff zu formulieren.
Stolperstein
: Jeder Hochschullehrende kennt die Frage: „Ist das prüfungsrelevant?“ Für Studierende ist das erfolgreiche Abschneiden im Assessment der Gradmesser für den eigenen Lernerfolg und die Lernleistung. Sie möchten dafür weder zu viel noch zu wenig getan haben – aus ihrer Sicht verständlich. Ist das Assessment nicht auf die behandelten Stoffgebiete abgestimmt, kann es zum Eindruck der Beliebigkeit kommen.
Zielgruppe
: Welche Charakteristiken weist die Zielgruppe auf und welche Auswirkungen hat dies auf das Design des Assessment? Welche Ausbildungstufen, beruflichen Ziele, Interessenschwerpunkte, Fächergruppen, und Leistungsniveaus sind unter den Prüflingen vertreten? Ist das Prüfungsformat den Studierenden bereits bekannt? Probedurchläufe des Assessment sind eine gute Gelegenheit, Studierende auf die Prüfungssituation vorzubereiten.
Stolperstein
: Insbesondere interdisziplinäre Studiengänge können vor dem Problem stehen, dass ein Assessment bestimmte Studierendengruppen bevorzugt. Zudem kann eine spezielle Prüfungsform für bestimmte Gruppen von Studierenden weniger geeignet sein. So arbeiten manche nicht gut unter Zeitdruck in einer Klausur, andere sind in der mündlichen Prüfung eingeschüchtert und wieder andere haben Schwierigkeiten, die Erarbeitung einer Hausarbeit strukturiert anzugehen.
Kriterien
: Nach welchen Kriterien bewerten Sie? Machen Sie die Ziele, Methoden und prüfungsrelevanten Fähigkeiten transparent! Erklären Sie anhand eines Beispiels, wie Ihr gewähltes Vorgehen der Bewertung mit den Zielen des Assessment zusammenhängt. Für die Studierenden ist es wichtig, die Bewertungskriterien zu kennen und nachvollziehen zu können. So werden in einer mündlichen Prüfung über das reine Fachwissen hinaus weitere Kompetenzen gefordert – beispielsweise freies Formulieren, Präsentationsfähigkeit, das Erklären in eigenen Worten. Stellen Sie klar, auf welche Weise bei der Auswertung vorgegangen wird. Auch der Zeitrahmen der Bewertung sollte festgelegt werden. Dies erspart Ihnen und den Teilnehmer/innen viele überflüssige Nachfragen.
Stolperstein: Transparente Kriterien bergen die Gefahr, dass sich Kursteilnehmende ausschließlich auf diese Lernziele hin vorbereiten. Dabei ist schwerlich möglich, alle Kriterien der Leistungsbewertung vorab minutiös darzulegen. So kann trotz aller Transparenz der Eindruck entstehen, bei der Prüfung „hereingelegt“ worden zu sein.
Reliabilität
: Wie reliabel ist das Assessment? Sind die Ergebnisse “wie erwartet” oder hagelt es lauter Überraschungen? Ist das Ergebnis besonders gut oder besonders schlecht ausgefallen? Korrelieren die Resultate mit dem sonstigen Leistungsniveau? Ein Mix verschiedener Aufgabentypen ist am besten geeignet, vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Thematisieren Sie die Aussagekraft der Prüfung im Gespräch mit Studierenden, Kollegen und Mitarbeitern. Eruieren Sie Möglichkeiten, die Prüfung zu wiederholen.
Stolperstein
: Eine offene Diskussion der Bewertungsgrundlagen kann dazu einladen, die Notengebung anzuzweifeln. Es besteht durchaus die Gefahr einer „Beschwerdekultur“ unter den Studierenden, wobei die Klausureinsicht zur nachträglichen Aufbesserung des Ergebnisses instrumentalisiert wird.
Prüfungsvorbereitungen der Lernenden
Materialien
: Zur Prüfungsvorbereitung können auch von den Lernenden bereits verschiedene digitale Medien eingesetzt werden. Dazu zählen
(Hyper)Skripte,
Tutorials,
Übungsprogramme
und gegebenenfalls auch
Aufzeichnungen von Veranstaltungen.
Darüber hinaus können den Studierenden weitere Materialien zur
Prüfungsvorbereitung zur Verfügung gestellt werden. Dafür sind wie in der traditionellen Lehre Lektürehinweise zu
nennen. Hinweise auf online verfügbare Literatur erleichtern für die Studierenden
den Zugriff auf die Quellen. Weiterhin können in virtuellen Szenarien
Linksammlungen sinnvoll integriert werden. Mit Hilfe digitaler Medien
können Sie die verschiedenen Materialien innerhalb eines
elektronischen Semesterapparats
verfügbar
machen.
Beratung
: Nicht zuletzt ist natürlich die persönliche Beratung von besonderer
Bedeutung. Vor einer Prüfung sollte es den Studierenden möglich sein, offene
Fragen in der Sprechstunde mit den Dozierenden abzusprechen.
Auch zur Unterstützung von Sprechstunden können digitale Medien eingesetzt
werden. Wir haben
Informationen
zu den verschiedenen
Möglichkeiten der Verwendung digitaler Medien zur Betreuung der Studierenden
für Sie zusammen gestellt. Beachten Sie außerdem die Vorzüge einer
persönlichen Homepage
und
Veranstaltungshomepage
zur Betreuung der
Studierenden.
Probeklausur
: Der Einsatz von Probeklausuren kann verschiedene Ziele verfolgen. Die
Studierenden können mit Hilfe der Probeklausuren überprüfen, ob sie die
Prüfungsinhalte beherrschen. Durch die „Generalprobe“ können auch
Prüfungsängste reduziert werden. In technischer Hinsicht können sich die
Studierenden mit dem System vertraut machen.
In einer Probeklausur müssen nicht alle Rahmenbedingungen der tatsächlichen
Klausur entsprechen. Es ist durchaus sinnvoll, den Studierenden die Klausur
zur Bearbeitung ohne weitere Kontrollmaßnahmen am heimischen PC zur
Verfügung zu stellen. Andererseits ist ein Testlauf des Prüfungssystems
unter realen Bedingungen gerade für die Lehrenden von großem
Interesse.