Bei der institutions- und projektübergreifenden Nutzung von Online-Lernmodulen spielen standardisierte Beschreibungen eine wichtige Rolle. Nur auf der Basis einer allgemeingültigen Spezifikation sind die Wiederverwendbarkeit und der Austausch von Lernmaterialien gesichert.
Dies
erscheint vorallem im Hinblick auf institutions- und fachübergreifende
Datenbanken zum Austausch von Lernmodulen oder -objekten interessant.
Zudem können standardisierte Beschreibungen auch ein Moment der
Qualitätssicherung darstellen. Allerdings nur falls die Beschreibung auf
Basis allgemeingültiger Standards stattfindet, so dass die Verwaltung
gewährleistet werden kann.
Was sind Standards und Metadaten?
Unter Standard (dt: "Norm") versteht man eine Regel, Art und Weise, bzw. Vorgehensweise, die rechtlich anerkannt, durch ein Normungsverfahren verbindlich festgeschrieben und in Form eines Dokumentes öffentlich zugänglich ist. Im Sprachgebrauch kann damit auch eine weithin anerkannte Art und Weise etwas herzustellen oder durchzuführen gemeint sein. Bei solchen nicht offiziellen Übereinkommen wird auch von De-facto- oder Quasi-Standards gesprochen. In Deutschland beschäftigt sich das Deutsche Institut für Normung mit der Erarbeitung von Standards, die als DIN-Normen bezeichnet werden. Auf Internationaler Ebene ist die International Organization for Standardization ISO (dt: "Internationale Organisation für Normung") für die Erarbeitung der meisten Standards zuständig.
Mit Standards wird beispielsweise festgelegt, dass, und vor allem
wie Daten möglichst plattformunabhängig erstellt und in andere
Systeme
importiert und integriert werden können. Eine
Institution, die die Standardisierung des World Wide Web vorantreibt
ist das
W3C
(World Wide Web Consortium) (www.w3.org). Es erarbeitet
Empfehlungen für Spezifikationen, Richtlinien,
Software
und Software Tools, die im
Internet
Gültigkeit besitzen sollten.
Das Resource Description Framework (RDF) ist eine Auszeichnungssprache zur Modellierung von Metadaten für Ressourcen des W3C.
Metadaten
sind in diesem Kontext maschinenlesbare Daten über Daten. Sie beschreiben elektronische Daten, um
sie besser archivierbar und auffindbar zu machen und um Beziehungen
zwischen ähnlichen oder verwandten Materialien herzustellen. Dabei wird
dasselbe Prinzip wie bei einem Bücherkatalog einer Bibliothek
angewendet. RDF ist unter anderem auch die Grundlage des Semantic Web. Im semantischen Web sollen Daten des Web so definiert und
miteinander verknüpft werden, dass sie für effektivere Such-,
Automatisierungs- und Integrationsprozesse genutzt und über mehrere
Anwendungen hinweg wieder verwendet werden können. Mehr zum Thema Semantic
Web finden sie in folgendem
Artikel
zum Download im PDF-Format.
Ein Beispiel für einen Metadatenstandard für
HTML
stellt der
Dublin Core Standard
dar. Im Folgenden ist ein Auszug aus dem
Quellcode eines HTML-Dokuments dargestellt, das die Funktionsweise des
Standards verdeutlicht:
1:<html>
2:<head>
3:<title>e-teaching.org</title>
4: …
5:<meta content="2003-05-20
14:12:22" name="DC.date.created" />
6:<meta content="2004-08-11
08:42:18" name="DC.date.modified" />
7:<meta content="Document"
name="DC.type" />
8:<meta content="text/html"
name="DC.format" />
9:<meta content="de"
name="DC.language" />
10 : …
11:</head>
12:<body>
13: …
Dem HTML-Dokument werden dadurch Informationen wie Erstellungs- (Zeile 5)
und Änderungsdatum (Zeile 6), Dokument-Typ (Zeile 7) oder Sprache (Zeile 9)
hinzugefügt.
Welche Standards gibt es im Bereich E-Learning?
Auch im
E-Learning
gibt es vermehrt Initiativen zu Durchsetzung allgemeingültiger Standards, mit Hilfe derer Lerninhalte vergleich-,
austausch-, kombinier- und wieder verwertbar werden. Desweiteren sollen sie dadurch leichter
auffindbar oder in andere Umgebungen implementiert werden können. Konkret
ist es zum Beispiel ein Ziel von Standards, dass einmal entwickelte und erstellte
Lerninhalte oder Lernobjekte durch eine standardisierte Beschreibung und
normierte Schnittstellen problemlos von einem Lernmanagementsystem in ein
anderes übertragen werden können.
Problematisch am Thema Standards im Bereich E-Learning gestaltet sich, dass sich
für Lehren und Lernen nicht auf dieselbe Art und Weise Standards definieren lassen, wie z.B. für
Technik. Norm Friesen sieht es daher als Problem an, dass der Begriff
des Lernobjekts als essentieller Bestandteil vieler Standards im E-Learning genutzt
wird, aber nicht eindeutig definiert ist. Der Objekt-Begriff wurde in diesem
Zusammenhang der „Objektorientierten Programmierung“ der Informatik entlehnt.
Demnach hat ein Objekt bestimmte Eigenschaften und Methoden. Allerdings können Lehrende
mit dem Konzept von Lernobjekten oft nur wenig anfangen (Friesen, 2004).
Mittlerweile liegen für das E-Learning zahlreiche Standards vor, die unterschiedlichste
Aspekte betreffen. Es gibt es Standards für
- den Austausch von Lerninhalten und –materialien,
- für die Beschreibung von Lernaktivitäten,
- für Schnittstellen von Repositorien,
- für die Beschreibung von Lernenden und deren individuellen Präferenzen,
- für die Verteilung von Lernobjekten in Paketen sowie
- für die Beschreibung von Lehrstrategien, –modellen und –methoden.
Die folgende Übersicht listet populäre Standards (Quelle:
EloQ).
- Lerninhalten und
–materialien
- Lernaktivitäten
- Repositorien und des
Zugriffs auf diese
- Lernenden und deren
individuellen Präferenzen
- Lernpakete als
Zusammenstellung unterschiedlicher Lerninhalte
- Lehrstrategien, –modellen
und –methoden
Das
IEEE
(Institute of Electrical and Electronics Engineers, Inc.) nimmt mit
dem LTSC (Learning Technology Standards Committee) bei der Entwicklung von
Standards eine internationale Vorreiterrolle ein. Im Rahmen der
LTSC-Arbeiten können vier Spezifikationen identifiziert werden: Learning Technology System Architecture (LTSA) beschreibt eine
abstrakte Systemarchitektur von Lerntechnologien, Learning Object Metadata (LOM) beschreibt digitale und nicht-digitale
Lernmodule und ermöglicht somit die Identifikation und den Austausch von
Modulen, Public and Privat Information (PAPI) bezieht sich auf die Daten der
Lernenden (persönliche Informationen, Informationen über das Lernverhalten
und die Lernleistungen, über Arbeiten und Abschlüsse der Lernenden, sowie
über Benutzerpräferenzen), Computer Managed Instruction (CMI) beschäftigt sich mit Spezifikationen
für den Austausch, die Kombination und Administration von Kursen.
Referenzmodelle solcher Standards sind vor allem der in Kooperation von
ARIADNE, IMS und
IEEE
LTSC entwickelte Metadaten-orientierte Learning Object
Metadata-Standard (LOM) und das von ADL,
AICC
und
IEEE
entwickelte Content-bezogene Sharable Content Object Reference
Model (SCORM) (Stumpp, B. 2003).
Der Learning Objects Metadata-Standard (LOM)
Das LOM-Basisschema zur Beschreibung von Lernobjekten besteht aus neun
Hauptkategorien, die wiederum in hierarchischer Struktur weitere
Unterkategorien enthalten. Die folgende Grafik soll diese Struktur
veranschaulichen.
Abb.: Struktur des Metadatenstandards LOM (in Anlehnung an CELAB)
Angewendet wurde der LOM Standard für die Datenbanken
JORUM
von JISC,
ARIADNE
und
GLOBE.
Lernobjekte lassen sich dadurch mit zahlreichen Informationen versehen,
um die gewünschten Kriterien der Plattformunabhängigkeit zu erfüllen. Die
Metadaten werden dem Dokument meist in Form von
XML
-Dateien beigefügt. Es existieren diverse LOM-
Editoren
zum leichteren Erstellen der Metadaten mit Hilfe von
auszufüllenden Formularen.
Der LOM-Standard ist in Teilen in anderen Metadaten-Formaten enthalten, z.B. in CanCore oder Vetadata. Aber auch der Standard Dublin Core ist mit LOM kompatibel.
Dublin-Core Standard
Die Dublin Core Metadata Initiative (DCMI) ist eine unabhängige Organisation, die sich für die Entwicklung und die Interoperabilität von Metadaten Standards zu verschiedenen Zwecken einsetzt. Folgende 15 Kernfelder, engl. core elements, werden als
„Dublin Core Metadata Element Set, Version 1.1 (ISO 15836)“ von DCMI empfohlen. Viele Repositorien und Informationssysteme unterstützen das Dublin Core Element Set.
- ID (identifier)
- Technische Daten (format, type, language)
- Beschreibung des Inhalts (title, subject, coverage, description)
-
Personen
und Rechte (creator, publisher, contributor, rightsHolder, rights, provenance)
- Vernetzung (source, relation, audience)
- Lebenszyklus (date)
Die Kernfelder sind Teil eines größeren Sets an Metadaten
und technischen Spezifikationen der Dublin Core Metadata Initiative (DCMI). Das
gesamte Vokabular des Standards (DCMI Metadata Terms, DCMI-TERMS) beinhaltet
weitere Sets zur Klassifizierungen von Ressourcen sowie Kodierungschemen für
Syntax und Semantic (u.a. das DCMI Type Vocabulary, DCMI-TYPE).
Das Sharable Content Object Reference Model (SCORM)
Das SCORM-Modell kann als wachsende Sammlung technischer Bücher, die
Spezifikationen und Standards enthalten, aufgefasst werden. Die folgende
Grafik veranschaulicht dieses Modell.
Abb.: SCORM-Bücherregal (ADL, SCORM 2004 2nd Edition Overview)
Die Lernobjekte des SCORM-Modells werden "Sharable Content Objects"
(SCOs) genannt und deren Informationen im "Content Aggregation Model"
festgehalten. Sie bestehen aus mehreren multimedialen Bausteinen ("Assets")
wie z.B. Grafiken, Textelementen oder Audiodateien. Die SCOs werden an die
SCORM-Laufzeitumgebung ("Run-Time Environment") gebunden, mit Hilfe welcher
sie in ein
Lernmanagementsystem
integriert werden können. Die Beschreibung der
verschiedenen Lernressourcen erfolgt über Metadaten des LOM-Standards.
In umfangreichen (Online-)Bibliotheken ("Content Repositories") werden die
SCOs gesammelt und können für neue Lernkurse wieder verwendet werden
(ADL, SCORM 2004 2nd Edition Overview).
E-Learning-
Standards
IMS Learning Design
Learning Design stellt einen Standard für Kursdrehbücher dar, damit diese
zwischen Lernplattformen austauschbar werden. Mit der LD-Sprache lassen sich
die Rollen der Lehrenden und Lernenden in bestimmten Lernsituationen unter
Nutzung der Lernmaterialien und Werkzeuge der Lernumgebung festlegen. LD
wird hohes Potential für die Zukunft vorausgesagt. Noch lassen sich jedoch
nur in die wenigsten Internet-Lernplattformen LD-Kurse integrieren.
Die
Spezifizierungen des IMS Learning Design
finden Sie
hier.
Plattformkompatibilität von Standards
Wie bereits beschrieben lässt sich das IMS Learning Design bisher kaum
integrieren. Aber auch die Verwendung von z.B. SCORM garantiert nicht
die Übertragbarkeit auf beliebige SCORM-fähige Plattformen. Lediglich
die Kompatibilität eines Bestandteils von SCORM, des Content Packaging,
konnte bisher bestätigt werden. Auch der für den Austausch von Übungen und
Tests verbreitete Standard
QTI
garantiert keinen problemlosen Austausch zwischen den Plattformen.
Hier ist noch wesentliche Konsolidierungsarbeit nötig.
Organisationen zur Entwicklung von Standards
-
Advanced Distributed Learning Initiative (ADL)
Die
Advanced Distributed Learning Initiative (ADL)
wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, das Training für Soldaten und anderes Personal des Militärs in den USA zu verbessern. Die ADL wird vom US-Verteidigungsministerium geleitet und ihr gehören Vertreter der Bundesbehörden, der Wirtschaft und verschiedener Hochschulen an. Ziel der ADL ist die Entwicklung von Standards für Trainingssoftware und entsprechender Dienstleistungen. Inzwischen gibt es internationale Partnereinrichtungen auch in Deutschland. In dieser internationalen Kooperation werden die Standards
SCORM
und ADL Registry entwickelt sowie entsprechende Forschung zu diesen Bereichen durchgeführt.
-
IMS Global Learning Consortium
(IMS GLC)
Das
IMS Global Learning Consortium
(IMS GLC) ist eine Gemeinschaft von Organisationen und Einzelpersonen mit dem Ziel, durch die Entwicklung von Standards, Bildungstechnologien zu fördern und zu verbessern. Dem IMS GLC gehören über 140 Mitglieder an, dazu gehören Software- und Hardwareentwickler ebenso wie Bildungseinrichtungen, Regierungsbehören, Multimediaentwickler oder Verlage. Aus Deutschland ist. u.A. die Bildungsportal Sachsen GmbH Mitglied.
Weitere Informationen:
- Das EU finanzierte
Netzwerk ASPECT
(Adopting Standards for European Educational Content) ist ein auf 2, 5
Jahre angelegtes Projekt (Sept. 2008-Feb. 2011) mit 22 Partnern aus 15
Ländern. Ziel ist es, einen länderübergreifenden Austausch zwischen
verschiedenen Standardisierungsinitiativen und Einrichtungen
herzustellen, um die Verwendung von Standards und Spezifikationen für
Lerntechnologien zu verbessern. In der Zusammenarbeit mit Produzenten
von Lernmaterialien und Experten für Standards sollen Best-practice
Beispiele entwickelt werden, die das Auffinden von Lernmaterialien als
auch die Nutzung von Materialien unterstützen.
- Das
CEN WS-LT Learning Technology Standards Observatory
stellt eine EU-übergreifende Plattform zur Verfügung, die als zentrale
Anlaufstelle für Projekte, Forschungsergebnisse, Aktivitäten und
Organisationen dienen soll, die sich mit der Entwicklung und der
Anwendung von E-Learning-Standards beschäftigen.
- Das
Projekt ELoQ
- E-Learningbasierte Logistik Qualifizierung hat auf seiner Webseite
interessante Informationen zum Thema E-Learning Standards zusammen
gestellt.
- Michael Klebl (FernUni Hagen) äußert sich auf der Learntec 2007 in einem
Interview
zum Thema E-Learnings Standards
- Die beiden Spezifikationen PAS 1032-1 und PAS 1032-2 (Publicly
Available Specification) des Deutsches Institut für Normung e.V. bieten ein
praktikables Referenzmodell zur Qualitätssicherung und zu speziellen
didaktischen Anforderungen an E-Learning. Sie identifizieren und
beschreiben Prozesse der Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation
von Bildungsprozessen und Bildungsangeboten unter besonderer
Berücksichtigung von E-Learning. Zudem stellen sie Kriterien zur Prüfung
der Qualität von E-Learning-Produkten zur Verfügung. Sie können beim
Beuth
Verlag
bestellt werden.