Als Application Sharing wird die gemeinsame Nutzung von
Anwendungsprogrammen während synchroner Computerkonferenzen bezeichnet. Eine
typische Anwendung ist eine Sitzung, in der gemeinsame Dokumente erstellt
oder bearbeitet werden sollen (R. Steinmetz & K. Wehrle). Ein Teilnehmer kann ein Programm auf
seinem Rechner für die gemeinsame Nutzung freigeben. Andere Teilnehmer
können dann dieses Programm auf ihren Bildschirmen sehen und, sofern
erlaubt, auch bearbeiten. Der Blick der Teilnehmer ist dabei auf die
gemeinsame Anwendung gerichtet, wobei an allen Arbeitsplätzen in der Regel
ein identisches Bild zu sehen ist. Die zu bearbeitenden Dokumente, zum
Beispiel Texte oder Skizzen, können von mehreren Teilnehmern gleichzeitig
manipuliert werden. Eine mündliche Kommunikation kann darüber hinaus über
eine Audioverbindung gewährleistet sein. Zusätzlich bieten viele Systeme
eine
Chat
-funktion an. Derartige Systeme finden sowohl in
Face-to-Face-Arrangements als auch bei räumlich verteilten Sitzungen
Anwendung.
Fernsteuerungsrechte
Bei Konferenzen mit Application Sharing können Teilnehmerinnen und
Teilnehmer Dokumente auf Rechnern ihrer Partner verändern. Dies wirft Fragen
nach dem Eigentum an Dokumenten auf. Um diese zu regeln, kann ein Moderator
einzelnen Teilnehmerinnen oder Teilnehmern Fernsteuerungsrechte einräumen.
Diese können dann die auf dem Rechner des Moderators geöffnete Applikation
aus der Ferne bedienen. Ebenfalls kann die Art des Zugriffs geregelt werden.
Es kann beispielsweise festgelegt werden, ob Dokumente nur betrachtet oder
auch verändert werden dürfen. Mit einfachem Tastendruck können diese
eingeräumten Fernsteuerungsrechte jederzeit wieder entzogen werden.
Netzwerke: Peer-2-Peer oder Server-Client?
Die Kommunikation zwischen Computern kann nach unterschiedlichen
Prinzipien erfolgen: Bei einer Client-Server-Architektur greift der Client
auf Daten des Servers zurück. Das dezentrale
Peer-to-Peer
-Konzept verbindet dagegen Rechner als „Gleichgestellte“,
das heißt, dass die Computer in ihren Funktionen gleichberechtigt sind.
Jeder
Host
in einem derart gestalteten Netz kann gleichzeitig
Client
und
Server
sein. Peer-to-Peer-Netzwerke umgehen Probleme mit
Firewalls. Eine Firewall kontrolliert in Client-Server-Netzen den
Datenaustausch eines Computers mit dem Netz. Häufig kommt es beim
Application Sharing zu Problemen, wenn Firewalls nicht entsprechend
konfiguriert sind.
Peer-to-Peer
-Netzwerke sind sinnvoll, wenn
damit wenige Arbeitsstationen verbunden werden. Eine größere Bedeutung haben
sie auch im Zusammenhang mit Tauschbörsen erlangt, da Dokumente oder
Software, die auf einem Rechner vorhanden sind, allen anderen Rechnern
ebenso zur Verfügung stehen. Auch dieser Aspekt ist beim Application Sharing
von Bedeutung.
Open-Source Software und Feeware
EtherPad
EtherPad wurde ursprünglich von der Firma AppJet als webbasiertes Textverarbeitungsprogramm für das kollaborative Erstellen und Bearbeiten von Texten in Echtzeit entwickelt. Zum gemeinsamen Bearbeiten eines Dokuments wird eine Sitzung, ein sogenanntes Pad, gestartet und der dabei generierte Link an die gewünschten Teilnehmer gesendet. Über diesen Link erhalten die Teilnehmer Zugang zum Pad und sind autorisiert, Änderungen am Dokument vorzunehmen. Neben dem Erstellen neuer Dokumente können im HTML-, Word- oder RTF-Format vorliegende Dokumente importiert, bearbeitet und in unterschiedliche Formate exportiert werden.
Der Hersteller AppJet wurde Ende 2009 von Google Inc. übernommen und die Entwicklung von EtherPad in ein
Open-Source
-Projekt überführt. Der Quellcode von EtherPad ist unter der Apache-Lizenz 2.0 frei verfügbar. Die Projektseite ist
hier
zu finden.
NetMeeting
NetMeeting ist ein
Freeware
-Konferenz-Tool von Microsoft zum Führen von Audio-, Video-
und Datenkonferenzen. Die Application Sharing-Funktion unterstützt die
Gruppenarbeit mit beliebigen Windows-Anwendungen. Das entsprechende
Anwendungsprogramm muss daher nur auf einem der verbundenen Computer
installiert sein. NetMeeting bietet auch ein
Whiteboard. Alle Funktionen sind auf Industriestandards basiert, so dass
Anwender anderer kompatibler Programme auch teilnehmen können. Für die
Audio- und Videoübertragung werden die Protokolle H.323 beziehungsweise
H.263 verwendet. Weitere Informationen zu NetMeeting erhalten Sie im
Steckbrief
hier im Portal.
Kommerzielle Produkte
Netviewer
Ein eher für die kommerzielle Nutzung konzipertes Programm ist Netviewer,
das unterschiedliche Anwendungsszenarios wie Support, Vertrieb, Meetings und
Administration beziehungsweise Fernzugriff bietet. Allerdings wird die Software für den privaten Gebrauch auch als
Freeware
angeboten. Ein Vorteil ist der
geringe Umfang des Client-Programms von nur 250 KB:
http://www.netviewer.de. Weitere Informationen zu
Netviewer erhalten Sie im
Steckbrief
hier im Portal.
pcvisit
Eine weitere kommerzielle Lösung ist pcvisit. Ab der Pro-Version ist auch
hier eine Fernsteuerung von Anwendungen möglich. pcvisit kann durch eine
sehr leichte Bedienung und eine gute Übertragungsqualität aufwarten. Weitere
Informationen zu pcvisit erhalten Sie im
Steckbrief
hier im Portal.
TeamViewer
Der TeamViewer ist ein für den Privatgebrauch kostenloses Desktop- und
Application-Sharing-Werkzeug, das vor allem durch seine kinderleichte
Bedienbarkeit trumpfen kann. Zwar kann er weder mit Audio- noch
Videokommunikation oder einem Whiteboard dienen, Chat und
Dateitransfermanager sind jedoch integriert. Blick- und
Steuerrichtungswechsel sind ebenfalls möglich, so dass neben der
Fernsteuerung auch Fernpräsentationen oder -schulungen vom eigenen Rechner
aus gehalten werden können. In den kommerziellen Versionen stehen weitere
Möglichkeiten zur Verfügung, unter anderem die Benutzung eines Kundenmoduls
und einer schnelleren Verbindung. Mehr Informationen über den TeamViewer
erhalten Sie im
Steckbrief
hier im Portal.