Eingeleitet wurde die Konferenz von Jens Lattmann (Staatsrat
der Finanzbehörde Hamburg) und Prof. Dr.
Jörg Siekmann, Direktor des CeLTech (Centrum für e-Learning Technology) und
Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Der
Siebzigjährige lieferte einen der kurzweiligsten Vorträge. Er setzte sich
insbesondere mit der Frage moderner Lernwelten auseinander und stellte dar,
dass die Ideen zum Hörsaal der Zukunft oft sehr fantasielos aussehen. Er
präsentierte alternative Modelle, in denen Studierende an runden Tischen mit
eingelassenen Multitouchscreens arbeiten und ihre Ergebnisse auf interaktiven Wänden
präsentieren können. Er betonte die Dichte der Interactive Whiteboards an
Hamburger Schulung und dass die Ausstattung - natürlich immer nur in
Kombination mit gut qualifizierten Lehrkräften - für die Eltern schon als
Qualitätskriterium gilt. Zum Thema Lernen - Anytime, Anywhere beschrieb er das Learning
Center in Shanghai, wo in vielen Räumen parallel mittels automatischen Kamera
Tracking Systemen Vorlesungen aufgezeichnet und von 10 000 bis 100 000
Studierenden über Handy verfolgt werden. Fragen werden klassifiziert und zum Großteil
automatisch beantwortet.
Der dritter Redner Prof.
Dr. Arndt Bode, u.a. Leiter des Leibniz-Rechenzentrums und von 1999–2008 Vizepräsident
und CIO der TU München stellte erst einmal klar, dass er lieber über das Thema
Energieeffizienz als neues Optimierungskriterium für Hochschul-IT gesprochen
hätte. Er beschrieb die Entwicklungsgeschichte der IT Strategie der TU München
und betonte u.a. die Bedeutung der Autonomie beim IT-Management. Zum
onlinebasierten dialogorientierten Verfahrens zur Vermittlung von
Studienplätzen bemerkt er, dass die Abstimmung mit den Hochschulen bzw.
Campusmanagementsystemen unterschätzt wurde.
Prof. Dr. Michael
Kerres betonte in seinem Vortrag „LMS revisited“ im Rahmen des ersten
Tracks eLearning, dass Internetplattformen immer mehr zu sozialen Orten werden,
in denen die Nutzer z.B. durch Kommentare erheblich zum Wert beitragen. Als Herausforderungen
sieht er Lösungen für die Sichtbarmachung von Beiträgen und die Gestaltung von
Gruppenbildung in Lerngruppen. Im Projekt Online Campus werden statt Threads in
Foren alle Diskussionsbeiträge auf einer Seite zusammengeführt. Dies hat die
Diskussion insgesamt angeregt, allerdings wurde die fachliche Diskussion
geringer und die Diskussion insgesamt flüchtiger. Als zentrale Frage in Bezug
auf soziale Lernplattform sieht er das Thema Privatheit.
Über Serious Games
ging es im Vortrag von Prof. Dr. Dr.
Klaus Peter Jantke vom Fraunhofer IDMT (Institut für Digitale
Medientechnologie). Er betonte, dass mit ziemlich jedem Spiel etwas gelernt werden
kann, es allerdings extrem auf den Kontext ankommt. Zum Thema Spiele als
Auslöser von Gewalttaten stellte er fest, dass davor das „Fass schon sehr voll
sein muss“ und dafür viele andere Faktoren eine Rolle spielen; daran müsse man
arbeiten. Im Vortrag machte er anschaulich klar, was unter Virtualität und
Realität in Spielen zu verstehen ist. Während Häuser, Gebäude und Figuren
virtuell sind, so sind und bleiben z.B. eingebundene Bilder immer real ebenso
wie die Handlungen die von den Spielern vollzogen werden. So könne man z.B. im
Spiel World of Warcraft ganz real Teamarbeit lernen. Mediendidaktik bezeichnete
er als „die Kunst des virtuellen Verpackens“. Diese könne Jugendliche dazu
motivieren, sich mit realen Kontexten auseinander zu setzen.
PD Dr. Christoph Igel
(Centrum für e-Learning Technology) sprach über intelligente tutorielle
Systeme. Er ging dabei insbesondere auf das Projekt Math Bridge ein, mit dessen Hilfe Studienanfängern der
Einstieg in das Fach Mathematik erleichtert werden soll. Das Angebot wurde als
Gemeinschaftsprojekt von neun Universitäten aus sieben Ländern entwickelt. Die
Lernaufgaben werden individuell generiert und an Vorwissen und z.B. Fach
angepasst.
Während die Pausen
insgesamt immer gut bemessen waren und man sich dementsprechend ausgiebig
Gesprächen und dem leckeren Catering widmen konnte, wurde der Zeitrahmen gegen
Ende der Konferenztage immer etwas enger. So schloss sich am ersten Konferenztag
unmittelbar an den Nachmittagstrack das Podium
zum Thema „Ist die unternehmerische Hochschule gescheitert?!“ an. Da sich
die Diskutanten einig waren, dass man sich heute über den Begriff „unternehmerische
Hochschule“ nicht mehr streiten müsse, kam es auch nicht zu kontroversen
Dialogen. Diskutiert wurde insbesondere über den Wert und die Aufgaben eines
Hochschulrats und die Finanzierung des Hochschulsystems. Daran an schloss sich
der wohlverdiente Abendempfang mit wie immer guten Snacks und Jazzmusik.
Der Gewinner des
Wettbewerbs Podcampus wurde am Vormittag des zweiten Tages präsentiert. Gewonnen
hat ein Beitrag des Max-Planck-Instituts Bremen „Neues vom Peildeck: Jagd auf heiße
Quellen“ (Abzurufen unter http://www.podcampus.de/nodes/4091) Insbesondere die
Begeisterung der Forscher wurde hier gut an die Zuschauer transportiert. Das
führte bei der Jury wohl dazu, die Tonqualität weniger zu berücksichtigen und
zeigt, dass die Qualität eines Beitrags weniger von guter Technik abhängt.
Interessant im Track
eLearning am zweiten Tag war vor allem das vom ZMML in Bremen vorgestellte
Projekt zu virtuellen fachübergreifenden Veranstaltungen, dort e General Studies genannt. Dabei
handelt es sich um videobasierte Lehrveranstaltungen in denen 3 Creditpoints
erworben werden können. Die Videos gliedern sich in Vortrags- und
Interviewepisoden. In den Interviewepisoden werden insbesondere Fragen
besprochen und beantwortet. Bei den Vortragsepisoden formulieren die Lehrenden
zu Beginn Lernziele, zum Ende gibt es für die weiterführende Arbeit
Übungsaufgaben für das Selbststudium. Wenn der Studierende sich reif für die
Prüfung fühlt, absolviert er an einem der angebotenen Termine die eKlausur (mehr
zum Projekt unter: http://mlecture.uni-bremen.de/egs/).
Für die von Prof. Dr. Peter Baumgartner (Uni Krems) vorgestellte Mustersprache zur Beschreibung u.a. von Szenarien für den Einsatz und die Nutzung von E-Portfolios in der Lehre war eindeutig die Zeit zu knapp. Allerdins lohnt es sich, sich mit dem Pattern-Ansatz etwas näher auseinander zu setzen. Es bleibt der Hinweis auf ein Buch, das Anfang nächsten Jahres zum Thema erscheinen wird sowie Ausführungen dazu auf seinem Weblog.
Die Preisträgerinnen
und Preisträge des Hamburger Lehrpreises konnte man im Rahmen einer
Podiumsdiskussion am Freitagnachmittag zum Thema Lehrinnovation näher kennen
lernen. Allerdings hätte es der Veranstaltung gut getan, wenn die
Preisträger/innen ihre Projekte mit Hilfe von ein paar Folien zu Beginn hätten
vorstellen können. So blieben deren Anmerkungen – zumindest, wenn man sich
nicht zuvor über die Projekte informiert hatte – etwas unkonkret. Es wurde auch
deutlich, dass jeweils sehr individuelle Motivationen hinter den Lehrprojekten
stecken und sich die Erfahrungen nicht so einfach auf andere Lehrprojekte
übertragen oder verallgemeinern lassen.
Dieses Jahr kam das Kochstudio
im Curio-Haus als neue Räumlichkeit hinzu. Serviert wurden hier verschiedene Workshops u.a. zu den Themen Campus
Management Systeme, ePortfolio sowie Mobile Learning & Ditigal Music. Dem
Sinn einen Kochstudios am besten gerecht wurde das Angebot von Prof. Dr. Granow (onCampus) sich mit
ihm in lockerer Atmosphäre und bei einem Cocktail zum Thema Lebenslanges Lernen auszutauschen.
Wie letztes Jahr gestaltete Prof. Dr. Rolf Schulmeister den Abschluss der Konferenztage. Unterhaltsamen
und kurzweilig setzte er sich kritisch mit der Organisation der Bachelorstudiengänge
auseinander. Um eine bessere Studierbarkeit zu erreichen müsse die Dichte der
Veranstaltungen und vor allem Prüfungen abnehmen und die Studierenden mehr
Zeitsouveränität erhalten.
Wenn auch auf der diesjährigen Campus Innovation nicht riesige
Innovationen vorgestellt wurden bzw. werden konnten, so hat sich die
Veranstaltung doch als beliebter und wichtiger Treffpunkt der E-Learning-Community
etabliert.
Alle Vorträge wurden aufgezeichnet. Die Veröffentlichung wird auf der Webseite der Campus Innovation bekannt gegeben.
Diesen und weitere Konferenzberichte finden Sie auf e-teaching.org unter im Bereich Veranstaltungen.