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Erfahrungsberichte
Projekt ConSENS , TU Berlin
Rollenwechsel: Im Projekt ConSENS der TU Berlin beraten und unterstützen Studierende ihre Lehrenden vor Ort bei der Umsetzung von E-Teaching-Projekten. Wir sprachen mit Dr. Anja Wipper aus dem Projektteam und dem Student-Consultant Markus Kolletzky.
Bericht: Das Beratungskonzept ConSENS der TU Berlin wurde 2006 mit dem Ziel ins Leben gerufen, Lehrende insbesondere in der Anfangsphase von E-Learning-Projekten zu unterstützen und zu begleiten. Die universitätsweite ummittelbare Beratung erfolgt durch studentische Berater – so genannte Student Consultants. Doch wie entscheidet die Hochschule, welche Lehrenden die Dienste der studentischen Berater letztendlich in Anspruch nehmen dürfen? Wie sieht die Arbeit eines Student Consultant aus und wie müssen diese auf ihre Arbeit vorbereitet werden? Was passiert mit den Projekten, wenn die Stunden des Student Consultant aufgebraucht sind? Dr. Anja Wipper aus dem Projektleitung und Markus Kolletzky, der als Student Consultant innerhalb des Projekts tätig war, gewähren in einem Interview einen Blick hinter die Kulissen.

Zum Interview mit Projektleiterin Dr. Anja Wipper 


Zum Interview mit Student Consultant Markus Kolletzky


Einen Überblick über realisierten Projekte, von denen viele im Rahmen des Projekts CONSENS realisiert wurden, erhalten Sie auch auf folgender Webseite
http://www2.tu-berlin.de/zek/wb/onlinelehre/beispiele.php


Interview mit Projektleiterin Dr. Anja Wipper

e-teaching.org: Was sprach dafür, die Vergabe der Consultants über eine Ausschreibung zu regeln?
AW: Ein Beweggrund für die regelmäßige Ausschreibung war, dass dadurch das Förderprogramm immer wieder in Erinnerung gerufen wird und damit auch Lehrende erreicht werden, die Anfangs noch gar nichts mit
E-Learning am Hut hatten. Außerdem sollten durch die Ausschreibung die Anfragen etwas gebündelt werden. Dadurch dass wir einen relativ kurzen Turnus hatten – wir haben zwei Mal im Semester ausgeschrieben – konnten wir dennoch schnell auf Anträge reagieren. Durch die Ausschreibung wollten wir auch verdeutlichen, dass dieses Angebot schon etwas Besonderes ist. Die Beraterstunden sind ja für die Institute und Mitarbeiter völlig kostenlos. Wir wollten nicht, dass die Lehrenden in Zusammenhang mit dem Antrag einen hohen Aufwand haben, aber sie sollten zumindest in einem Kurzantrag begründen, wie sie ihr E-Learning Projekt konzeptionell und curricular in ihre bestehenden Lehrveranstaltungen einbinden wollen. Wir wollten auch vermeiden, dass die Consultants als zusätzliche Tutorenkräfte missbraucht werden.

e-teaching.org: Sie haben die Dienstleistung der Studierenden zeitlich begrenzt. Warum?

AW: Ganz zu Beginn unseres Projekts haben wir eine Befragung unter Professoren durchgeführt und da hat sich gezeigt, was auch andere Studien und Befragungen ergeben haben, nämlich dass sich Professoren vor allem eine personelle Unterstützung wünschen. Die Studierenden sollten daher hauptsächlich eine Starthilfe für die Lehrenden sein – sozusagen eine begrenzte Hilfe zur Selbsthilfe - um die erste Einstiegshürde zu überwinden. Einmal ist der Arbeitsaufwand ja am Anfang am größten; in vielen Projekten ist keine Zeit für die Erstellung der Materialien da oder für die Einarbeitung in die Materie, z.B. vertraut werden mit der Lernplattform. Mit Hilfe der Student Consultant sollten die Lehrenden entlastet werden. Was uns außerdem wichtig war, war die Kompetenzentwicklung. Ziel war es, dass die Lehrenden nach der anfänglichen Hilfe ihre Angebote selbstständig entwickeln und weiterpflegen können. Es ist allerdings auch vorgekommen, dass nach der Anfangsphase nicht mehr so viel Arbeit für die studentischen Berater da war. Manche Projekte dachten sich, dann sparen wir uns den Student Consultant für das nächste Semester auf, dann kann er da den Kurs vorbereiten. Wenn wir merken, dass es nur noch um Routinetätigkeiten geht, dann schließen wir die Projekte auch mal früher ab – das heißt in einer ganzen Reihe von Projekten wurden die 100 Stunden nicht ausgeschöpft, sondern vielleicht nur 50- 60 Stunden. Ebenso haben wir nicht gesagt, jetzt ist Schluss, wenn es mal etwas länger gedauert hat, sondern haben dann auch mal 10-20 Stunden drauf gegeben. 

e-teaching.org: Wie wurden die Student Consultants auf ihre Beratungstätigkeit vorbereitet?

AW: Im Einstellungsgespräch wurde darauf geachtet, dass sie technische Vorerfahrungen haben und eine allgemeine Affinität zu und Erfahrungen mit neuen Medien wie Wikis, Weblogs, Foren usw. mitbringen; eigentlich dass sie insgesamt eine große Bandbreite an Kompetenzen aufweisen und damit flexibel einsetzbar sind. Wir hatten Student Consultants mit Kompetenzen in den unterschiedlichsten Bereichen – zum Beispiel auch eine Flash-Programmiererin. Da uns klar war, dass die Studierenden im konzeptionellen und didaktischen Bereich wahrscheinlich nicht so viel Erfahrung haben, haben wir in den ersten Monaten der Tätigkeit begleitend eine Online-Schulung durchgeführt. Da ging es vor allem um Themen wie Planung, Konzeption, Didaktik, Teletutoring, Evaluation und Grundlagen des Medienrechts. Dazu wurden zum Teil Inhalte aus der TU-Weiterbildung für Wissenschaftliche Mitarbeiter „Online-Lehre lernen“ für die Studierenden angepasst.

e-teaching.org: Was ist aus den Projekten geworden? Hat sich die Betreuung am Anfang auch dahingehend ausgezahlt, dass bei den Projekten mehr auf Nachhaltigkeit geachtet wurde?
AW: Es sind 65 Projekte realisiert worden, quer durch alle Fakultäten . Angefangen von einer Dozentin für Alte Geschichte, die ein Seminar zu Bibeltexten gemacht hat, über einen Dozenten in den Sprachwissenschaften, der ein sprachanalytisches Projekt zu einer Sprache der Ureinwohner in Peru realisiert hat, aber auch klassische Sachen wie Vorlesungen und Seminare zur theoretischen Physik. Eine zeitversetzte Evaluation, was aus den Projekten geworden ist, steht noch aus – da lohnt es sich wahrscheinlich, 1-2 Jahre danach nochmals zu fragen. Bei der Befragung unmittelbar nach Projektabschluss hat aber die Mehrheit angegeben, dass sie sich in der Lage fühlt, ihre Angebote selbst weiterzuentwickeln.

e-teaching.org: Hat sich das Programm auf die Aktivitäten im Bereich E-Teaching insgesamt ausgewirkt?
AW: Was wir beobachten konnten ist ein Schneeballeffekt. Einige Dozenten und Arbeitsgruppen haben angefangen und über ConSENS einen Antrag gestellt und dann hat sich das im Institut rumgesprochen. Die anderen haben dann geguckt, was kann man da machen. Wir haben den Eindruck, dass durch das Programm ConSENS relativ viel losgetreten wurde. Wahrscheinlich, weil es so eine direkte Unterstützung darstellt. Da geht nicht nur einer in eine Schulung, sondern da kommt direkt ein Student oder eine Studentin in die Institute und unterstützt die Lehrenden vor Ort. Die Barriere war dadurch für viele Lehrende relativ gering. Wir hatten viele Dozenten mit relativ wenigen Vorerfahrungen, die einen Medienkompetenz-Kurs wahrscheinlich nicht besucht oder sich alleine ein E-Learning-Projekt nicht zugetraut hätten. Das waren dann wiederum gute Beispiele in den Instituten für andere Lehrende. Die haben gesehen, dass man auch, wenn man technisch nicht so versiert ist, auf eine einfache Art und Weise mit E-Learning seine Lehre unterstützen kann.

e-teaching.org: Können Sie noch ein kurzes Resümee ziehen?
AW: Wir waren ganz zufrieden mit den Ergebnissen. Zunächst klingt das Projekt vielleicht so, als könne man damit nur einen recht kleinen Kreis bedienen. Es hat sich aber gezeigt, dass wir dadurch wahrscheinlich mehr Lehrende ansprechen können, als zum Beispiel mit Schulungen. Die studentischen Mitarbeiter arbeiten ja zum Teil nicht nur für einzelne Lehrende, sondern für ganze Arbeitsgruppen. Vor allem erreicht man damit eine Zielgruppe, die sich sonst wahrscheinlich nicht rangetraut hätte. Insbesondere haben wir auch die Gruppe der Hochschullehrer, Professoren und Professorinnen erreicht, die sonst eher nicht in Weiterbildungen kommen. Die sind auf diesem Wege eher bereit, sich Unterstützung zu holen und indirekt weiterbilden zu lassen. Von daher würde ich sagen, unser Konzept ist uneingeschränkt empfehlenswert. Allerdings ist es tatsächlich meistens gar nicht nötig, die Studierenden für so viele Stunden in diese Projekte zu schicken, sondern man kann das durchaus auch kürzer machen.

Interview mit Student Consultanat Markus Kolletzky

e-teaching.org sprach mit Markus Kolletzky, Student der Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin über seine Erfahrungen als Student-Consultant im Projekt ConSENS.

e-teaching.org: Wie sah die Arbeit als Student-Consultant so aus?
Markus Kolletzky: Den Start jedes Projektes
bildete ein Auftakttreffen, bei dem auch die Projektleiter von ConSENS mit dabei waren. Man hat gemeinsam die Projektziele abgesteckt und erste Meilensteine festgelegt. Bei den weiteren Treffen war ich dann mit dem Projektteam alleine. Die eigentliche Arbeit bestand dann aus der Entwicklung von Szenarien, der Vor- und Aufbereitung von Kursen sowie der Sichtung und Analyse bereits vorhandener Materialien. Die konkrete Umsetzung war von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Insgesamt habe ich mich etwa fünf Mal pro Projekt mit den Projektleitern getroffen, um die Ergebnisse abzugleichen und neue Aufgaben zu koordinieren. Die Hauptkommunikation lief über E-Mail und die meiste Arbeit konnte ich vom Büro oder von zu Hause erledigen. Hierbei gab es vor allem zu den Semesteranfängen und -enden naturgemäß vermehrt zu tun.

e-teaching.org: Waren Sie auf die Arbeit gut vorbereitet?

MK: Zunächst haben wir durch die ConSENS-Projektleiterinnen einen Einblick in die Lernplattform (Moodle) bekommen und wurden hinsichtlich Medienpädagogik geschult, was schon mal eine sehr gute Basis war. Darüber hinaus interessiere ich mich auch in der Freizeit sehr für elektronisch gestütztes Lernen und Neue Medien sowie neue Lehr- und Lernformen und da liegt es auf der Hand, dass man einigermaßen gut im Bilde ist, was aktuelle Entwicklungen betrifft. Da wir durch parallel laufende Projekte auch beinahe täglich mit der Lernplattform zu tun haben, stellt sich in diesem Fall auch eine gewisse Routine ein, spontan auf Nachfragen reagieren zu können. Hinzu kommen diverse Tagungsbesuche, auf denen man ebenfalls noch seine Kompetenzen stärkt, weswegen ich diese Frage ganz kühn mit einem „ja“ beantworten würde.

e-teaching.org: War es nicht schwierig als „Fachfremder“ in den verschiedenen Fachbereichen zu arbeiten?
MK: Mal in die anderen Fachbereiche zu schauen war schon spannend; wie deren Lehrpläne sind und wie dort die Lehre so gestaltet wird. Allerdings war das natürlich auch manchmal etwas schwierig. Man hat von den Projektleitern schon Input bekommen, aber man hat ja nicht so die Ahnung von der Materie; z. B. ging es einmal um die Simulation eines Reaktors bei Druck-, Gemisch- oder Temperaturveränderung. Aber durch die laufende Kommunikation konnten Probleme schnell ausgeräumt werden.

e-teaching.org: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Lehrenden? Hatten diese realistische Vorstellungen von ihren Projekten oder mussten Sie da auch mal regulierend eingreifen?
MK: Ehrlich gesagt hatte nur ein geringer Bruchteil der Lehrenden vorab eine konkrete Vorstellung über den Projektausgang. So waren viele Projektleiter von den ihnen vorgestellten Ideen und Möglichkeiten überrascht, welche Blended Learning bietet. Es kam nicht selten vor, dass erst durch das Vorstellen meines Konzeptes die Fantasie angeregt wurde und daraufhin gemeinsam weitere Szenarien entwickelt werden konnte. Das heißt, ich konnte durchaus auch meine eigenen Ideen einbringen. Was mich überrascht hat war allerdings, wie wenig mit dem Computer und mit den neuen Medien allgemein gearbeitet wird. Ich denke so ein Programm wie ConSENS ist wichtig und muss weiter forciert werden.

e-teaching.org: Hatten Sie den Eindruck Ihre Arbeit als Consultant war wirklich Hilfe zur Selbsthilfe oder haben sich die Lehrenden da eher auf Sie verlassen und waren weniger daran interessiert, selbst etwas zu lernen?

MK: Natürlich gab es auch Projekte, bei denen man eher die Rolle einer Aushilfskraft innehatte, die die (Forschungs-) Ergebnisse/ -Materialien auswertet und darstellt. Größtenteils waren jedoch die Projektleiter daran interessiert, das Projekt „nach meiner Zeit“ allein weiterzuführen. In der Regel habe ich nach Projektabschluss noch ein Merkblatt verteilt, auf dem sie nachlesen konnten, wie einzelne Schritte funktioniert haben. Für die Dokumentation musste ich dann meine Erfahrungen verständlich und anschaulich aufarbeiten. Das ist schon eine gewisse Herausforderung und erfordert Disziplin. Der Vorteil ist, dass man dabei die eigene Arbeit auch noch einmal reflektiert. Ich habe den Projekten dazu noch angeboten, dass sie mich auch nach Projektende noch bei Problemen ansprechen können. Das kommt auch immer wieder vor, allerdings sind das meistens Kleinigkeiten.

e-teaching.org: Wie ist der Rollen-Wechsel gelungen? Ließen sich die Lehrenden von Ihnen etwas sagen? Wie war die Zusammenarbeit?
MK: Also ich hatte nie das Gefühl von Lehrenden nicht ernst genommen zu werden. Die Zusammenarbeit erschien mir auch nicht hierarchisch sondern man hat da auf einer Ebene als Team diskutiert – in 70-80% der Fälle hatte man sowieso nicht mit Professoren, sondern mit wissenschaftlichen Mitarbeitern oder studentischen Hilfskräften zu tun.

e-teaching.org: Gab es auch Schlüsselerlebnisse für Sie, wo Sie dachten, da geht das Beratungskonzept nicht auf, da muss ich jetzt anders vorgehen?

MK: Solche Situationen kommen eigentlich in fast jedem Projekt vor, wo man kurzerhand auf Unvorhergesehenes reagieren muss. Aber das sind meist kleine Korrekturen, die sich schnell anpassen lassen. Ein Beispiel: Ein Kurs wurde mit diversen Lernmodulen konzipiert, jedoch ließ hierbei die Studierendenmotivation zu wünschen übrig. Diskussionen wurden nicht geführt, Materialien nicht angeschaut usw. Also überlegten wir uns, warum das so ist und was man dagegen machen kann. Daraus entwickelten wir eine Methode, die vermeintlichen Einstiegshürden zu minimieren, indem man die Teilnehmer durch einfach zu konsumierende Medien (bspw. Videos) langsam mit der Plattform vertraut macht, ihnen Aufgaben stellt und sie sozusagen an die Hand nimmt. Schlussendlich kam der Kurs dann doch ins Rollen und wurde von den Studierenden gut angenommen. Eine tolle Erfahrung: Hieraus habe ich wunderbar lernen können, dass die sog. Neuen Medien noch lange nicht bei jedem Studierenden und Lehrenden angekommen sind.

e-teaching.org:Inwiefern haben auch Sie von der Arbeit als Student-Consultant profitieren können?

MK: Die Arbeit mit dem Team und mit den Menschen, das hat mir Spaß gemacht und glaube ich am meisten gebracht. Durch die Arbeit habe ich viele neue interessante Leute kennen gelernt, mit denen ich auch außerhalb der Arbeit Kontakt pflege. Hinzu kommt durch die Heterogenität der Projekte, dass man einen Einblick in fachfremde Fachbereiche bekommen hat – so durfte ich ein mal in einem Windkanal stehen, habe spannende Einblicke in die Berliner Stadtentwicklung bekommen oder bin mit mir bisher unbekannten Sprachen in Berührung gekommen. Nicht zu verachten ist natürlich auch der Erfahrungszuwachs in Sachen Soft Skills und dem sichereren Umgang mit diverser eingesetzter Software. Ich denke aber, dass mein persönlich größter Zugewinn der ist, durch meine Arbeit ein wenig meine Philosophie moderner Lehre transportieren zu können und vor allem auch in der Praxis angewandt zu sehen. Die Erfahrung und der Spaß in den Projekten haben letztendlich auch dazu geführt, dass ich mir gut vorstellen kann, auch nach dem Studium bzw. Ablauf des ConSENS-Projekts in diesem Berufsfeld tätig zu bleiben.


Erstellt am 12.12.2008

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