Anstelle einer Kooperationskultur dominiert an vielen Hochschulen immer noch das Konkurrenzdenken. Viele Institute und Professoren sehen Schwierigkeiten darin, eng mit anderen Instituten zusammenzuarbeiten. Kooperationen aufzubauen und zu pflegen kostet Zeit, noch bevor der Mehrwert sichtbar wird. Auch gehört eine gute Portion Good Will auf Seiten der Partner dazu.
Den richtigen Partner finden
Kooperationen beginnen meist im Rahmen von öffentlichen Förderprogrammen.
Die aktive Suche oder Auswahl von Partnern wird bei diesen Kooperationen
erst aktuell, wenn Partner ausscheiden oder das Netzwerk auf Grund von
Anfragen oder gestiegenen Anforderungen vergrößert werden soll.
Netzwerkvergrößerungen auf Basis von Zufallsbekanntschaften sind leicht zum
Scheitern verurteilt. Im Vorfeld sollte geprüft werden, ob der potenzielle
Partner mit seinem Angebot und seiner Leistungsbereitschaft in das
bestehende Netzwerk passt. Dabei sollte auch auf Kulturunterschiede geachtet
werden. Eine ähnliche Organisationskultur (Umgang mit Studierenden,
Kommunikationsbereitschaft über digitale Medien) und Grundausrichtung
(Ziele) macht die Zusammenarbeit sicher leichter, als wenn nur wenige
Schnittflächen bestehen.
Der Eintritt eines neuen Partners sollte immer mit einem Mehrwert verbunden
sein, d.h. zu einer Kompetenzerweiterung oder zum Ausbau von Marktzugängen
oder Kundenstämmen führen. Bei der Partnerbeurteilung sollten vor allem
qualitative Faktoren berücksichtigt werden. Die Beurteilung kann z.B. anhand
einer Checkliste stattfinden (
Hagenhoff, 2001).
Die RWTH Aachen bietet potenziellen Kooperationspartnern aus Wirtschaft und
Wissenschaft die online
Kooperationsdatenbank DARCOR
an.
Leistungsausgleich
Die Kooperationspartner bringen unterschiedliche Leistungen in ein Netzwerk
ein. Wichtig ist, dass die Leistungen anerkannt und gegenseitig verrechnet
werden. Messgröße bei der Bewertung von Leistungen kann die dafür
aufgewendete Zeit darstellen oder die erbrachten Ergebnisse wie etwa die
Anzahl der realisierten Animationen. Außerdem können z.B. Informationen über
die Zahl der Studierenden, die das Angebot des Kooperationspartners nutzen,
hilfreiche Eckdaten über den Betreuungsaufwand liefern. Basierend auf diesen
Informationen können die Geldmittel auf die beteiligten Partner verteilt
werden (
Hagenhoff, 2001).
Bei universitären Bildungskooperationen ist es allerdings schwierig die
Leistungen nach Marktpreisen zu bewerten, da dies innerhalb von Hochschulen
wenig gängig ist und vermutlich auf Akzeptanzprobleme der beteiligten
akademischen Partner stoßen würde.
Wesentlich ist die Dokumentation von Leistungen und Verpflichtungen
innerhalb eines Kooperationsvertrags. Falls Mittel von anderen Hochschulen
empfangen werden, muss dies durch einen Partnerschaftsvertrag geregelt
werden. Ebenso sollten Verträge mit den einzelnen Arbeitspaketleitern
abgeschlossen werden.
Wie Sie Kooperationen vertraglich am besten absichern, erfahren Sie in der
Vertiefung "Rechte und Verwertung":
http://www.e-teaching.org/projekt/rechte/kooperation/.
Nachhaltig kooperieren
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Kooperationsbeziehungen ist die
Nachhaltigkeit. Für das langfristige Überleben und die Funktionstüchtigkeit
ist es wichtig, dass Kooperationen nicht als Prototypen mit temporären
Einzelerfolgen behandelt, sondern strategisch in der Struktur der Hochschule
verankert werden (
Seufert & Euler, 2004). Dafür ist die Sicherung des
Wissenstransfers, der Podukt- und Angebotspflege sowie der Finanzierung
entscheidend. Gewonnenes Wissen kann in Publikationen nachhaltig
festgehalten oder erneut in neue Kooperationen eingebracht werden. Die
Finanzierung sollte auf Basis eines geeigneten Geschäftsmodells organisiert
werden. Informationen zu verschiedenen
Geschäftsmodellen
erhalten sie im Portal.
Beim kooperativen Angebot von Lehrveranstaltungen stellen
gemeinschaftliche
technologische Standards
eine wichtige
Voraussetzung dar. Erst dann macht eine gemeinsame Entwicklung und Nutzung
von Lernmaterialien Sinn. Auch sollte das zur Verfügung gestellte
Lehrmaterial über ein kohärentes Instruktionsdesign verfügen. Das
kooperative Angebot eines virtuellen Kurses bedeutet jedoch nicht, dass sich
darüber die Zahl der Kursteilnehmer beliebig steigern lässt. Auch hier gilt
eine Teilnehmerzahl von 15-20 als optimal (
Van der Wende, 2002). Der gemeinsamen
Betrieb von Online-Studiengängen erfordert außerdem die permanente
Bereitstellung aktueller Studienmaterialien sowie die langfristige Sicherung
der Betreuung der Studierenden (
Hannemann, 2004).
Sechs Punkte für das Gelingen einer Kooperation
Folgende Punkte können als entscheidende Voraussetzungen für den Erfolg von
Kooperationen angesehen werden:
-
Strategie:
Eine klare Strategie der Kooperation und ein
profundes Marktwissen.
-
Vertrauen:
Alle Partner müssen sich zu gleichen Teilen der
Kooperation verpflichtet fühlen.
-
Struktur:
Die kooperierenden Hochschulen sollten eine ähnliche
interne Struktur besitzen, so dass sie die internen Prozeduren und Probleme
verstehen können.
-
Geschäftsmodell
: Die Finanzierung muss auch über den
Förderzeitraum hinaus gesichert werden. Zwischen den Kooperationspartnern
muss ein Leistungsausgleich stattfinden.
-
Qualität:
a. Die Qualitätsansprüche und Motivationen sollten auf Basis einer
systematischen Analyse der benötigten Kompetenzen/Qualifikationen geklärt
werden.
b. Ranghohe Mitarbeiter sollten einbezogen werden, um Verbindlichkeit und
Dringlichkeit der Kooperation zu signalisieren.
c. Wirtschaftliche Aspekte sollten nicht pädagogische Aspekte in den
Schatten stellen.
-
Anreiz:
Das Anreiz- und Beitragsverhältnis muss stimmen. Mit
Anreizsystemen kann die Teilnahme gefördert werden.