Seit 1998 ist die Weiterbildung neben der Forschung und Lehre als Aufgabe der Hochschule im Hochschulrahmengesetz verankert. Viele Hochschulen formulieren explizit, dass sie sich im Bereich Weiterbildung mehr engagieren wollen. Gerade im Kontext von potentiellen Geschäftsmodellen in Folge auslaufender Drittmittelprojekte wird oft diskutiert, ob sich Lernmodule für den Weiterbildungssektor eignen.
2003 zählt der Stifterverband in einer Studie über 100 Hochschulen in Deutschland, die bereits über
Einrichtungen zur Planung und Durchführung von Weiterbildungsangeboten
verfügen (Stifterverband, Oktober 2003). Natürlich erhoffen sich diese mit
ihrem Weiterbildungsangebot auch die Erschließung neuer Märkte und
Zielgruppen. Die Vermarktung von Fernstudiengängen betreiben
allerdings neben einigen Fernhochschulen oder Fernstudien-Veründen nur
wenige Hochschulen. Deutschlandweit gibt es an Präsenzhochschulen nur ca. 15
akkreditierte weiterbildende Online-Master-Programme mit E-Learning Anteil (Kerres et al., 2006).
Der Auftrag an Hochschulen das lebenslange Lernen zu unterstützen wird
von immer mehr Hochschulen ernstgenommen und mit Angebote unter der
Überschrift Senioren-Studium, Bürger-Uni o.ä. umgesetzt. Die
weiterbildenden Angebote divergieren sehr, was des Angebots- und
Programmprofil betrifft. Große Unterschiede bestehen im Praxis,
Wissenschafts- oder Forschungsbezug. Zum Teil wird das Weiterbildungsangebot
im Rahmen von privatrechtlicher Ausgründungen realisiert. Dies ist zum Teil
auch eine "Hilfskonstruktion" um bürokratische Zwänge des öffentlichen
Haushalts- oder Arbeitsrecht zu umgehen.
Bedarf & Konkurrenz
Erfolg hängt maßgeblichen von der Nachfrage ab. Treffen die
Weiterbildungsangebote nicht die Bedürfnisse der Nachfrager, werden sie
auch keinen Erfolg haben. Den Bedarf können Sie über verschiedene Methoden
ermitteln:
- Befragung von Unternehmen, Studienabsolventen,
- Auswertung des bestehenden Angebots,
- Veranstaltung von Gesprächsforen mit Vertretern aus Wirtschaft undn
Wissenschaft, Einrichtung eines Praxisbeirats.
Konkurenten im Weiterbildungsmarkt sind privatwirtschaftliche Anbieter
oder Corporate Universities (firmeninterne
Weiterbildungseinrichtungen). Den Mehrwert den hochschulische
Weiterbildungsangebote vorweisen können ist der Forschungs- und
Wissenschaftsbezug sowie die Abschlussorientierung und Möglichkeit
akademische Grade (Bachelor/Master) zu verleihen. Letztendlich ist der
Anbieter Hochschule für viele ein Qualitätsmerkmal.
Gerade in Berufsfeldern, in denen aktuelles Wissen ausschlaggebend ist,
wie Medizin, Betriebswirtschaft oder Recht sind Weiterbildungsangebote ein
gefragtes Gut. Das konsekutive Studienmodell bietet für Berufstätige
leichter die Möglichkeit einen Wiedereinstieg in die Hochschule zu
realisieren. Mehr dazu erfahren Sie in der Vertiefung zum Thema
Modularisierung.
Letztendlich müssen sich die Hochschulen an die eigene Nase fassen.
Weiterbildung für Mitarbeiter findet an deutschen Hochschulen nur
in sehr geringem Umfang statt. Bevor sich Hochschulen im internationalen
Weiterbildungsmarkt profilieren, lohnt sich ein Engagement auf lokaler
Ebene. Es besteht noch viel Potential für ein Weiterbildungsangebot,
das Mitarbeiter, Hochschulabsolventen und Alumnis der eigenen
Hochschule adressiert.
Mehr dazu finden Sie unter dem Stichwort
Personalentwicklung.
Organisatorische Verankerung
Weiterbildung muss im Leitbild, der Strategie oder im Entwicklungsplan
der Hochschule verankert werden. Allerdings scheinen Konzepte in Bezug
auf die Weiterbildung auf Hochschulebene oder Fachbrereichsebene kaum
vorhanden zu sein. Auch in den Fachbereichen gibt es große Unterschiede.
Wirtschaftswissenschaftliche Fächer sowie die Ingenieurs- und
Rechtswissenschaften gelten eher als weiterbildungsaktiv. Ebenso
Pädagogik und Soziologie aus dem Bereich der
Geisteswissenschaften (Quelle:
Stifterverband, 2003). Es reicht allerdings nicht aus ein
verstärktes Engagement im Weiterbildungsmarkt zu proklamieren. Um wirklich
voran zu kommen, müssen die organisatorischen Rahmenbedingungen stimmen. Der
Einstieg in den Weiterbildungsmarkt muss strategisch geplant und verfolgt
werden. Das Management des Weiterbildungsangebots muss organisiert und
zentrale Akteure festgelegt werden. Die Akteure müssen von der
Hochschulleitung unterstützt werden. Zu oft ist und bleibt der Bereich
Weiterbildung das fünfte Rad am Wagen. Formen der Organisation sind
- Referat des Rektors/Präsidenten,
- Abteilung innerhalb der Verwaltung,
- zentrale (wissenschaftliche) Einrichtung oder Betriebseinheit.
- privatrechtliche Einrichtung (GmbH, Vereine): Gesellschafter sind in
der Regel Fördervereine der jeweiligen Hochschule. Die Hochschule selbst
ist selten unmittelbar an den Unternehmen beteiligt. Dies setzt die
Zustimmung des jeweiligen Landesministeriums voraus. Die Zusammenarbeit
zwischen der Hochschule und der externen Weiterbildungseinrichtung wird
innerhalb von Kooperationsvereinbarungen geregelt.
Die Weiterbildungsmaßnahmen werden in der Regel von Hochschulmitarbeitern
durchgeführt. Im Rahmen von Ausgründungen werden diese als
Nebentätigkeit verrechnet. Innerhalb der Hochschule gehört Weiterbildung zur
Aufgabe der Lehrenden und kann nicht gesondert vergütet werden.
Marketing
Auch eine Marketingstrategie darf nicht fehlen: Marketing und
Öffentlichkeitsarbeit können letztendlich ausschlaggebend sein, ob ein
Produkt auf dem Markt Erfolg hat oder nicht. Zur Öffentlichkeitsarbeit
gehört eine leicht zugängliche und transparente Darstellung des Angebots im
Internet
sowie eine einfache Buchung, am Besten auch über die
Webpräsenz.
Mehr zu
mediengestützer Öffentlichkeitsarbeit
erfahren Sie im
Portal.
Als Weiterbildungsanbieter muss man als Dienstleister agieren. Neben der
Qualität ist der gebotene Service entscheidend für den Erfolg.
Finanzierung
An den meisten Hochschulen decken die Gebühren nicht die tatsächlichen
Kosten des Angebots. Die meisten Einrichtungen sind auf die
Haushaltsfinanzierung einer Mindestausstattung angewiesen.
Weiterbildungsangebote können auch im Rahmen von
nationalen oder internationalen Kooperationen
realisiert werden. Möglich sind Kooperationen mit anderen Anbietern als auch
mit Abnehmern. Besonders auf regionaler Ebene besteht Potential z.B. im
Rahmen der Lehrerfortbildung.
Angebotsformen
- Weiterbildende Studiengänge (online, blended)
- Angebote in Form von Modulen,
- Einzelveranstaltungen (Seminar, Workshop)
Die Zugangsvoraussetzungen sowie die Abschlüsse (Teilnahmebescheinigung,
Zertifikat, Bachelor, Master) divergieren von Angebot zu angebot.
Betreuung
Bereits in der Ausschreibung sollten sie Interessenten die
Kontaktaufnahme leicht machen. Am einfachsten geht dies über die
Mailfunktion auf der Webseite ihres Angebots. Natürlich muss dann
sichergestellt sein, dass Mailanfragen persönlich und in einem
überschaubaren Zeitrahmen beantwortet werden.
Gerade bei Weiterbildungsangeboten ist den Lernenden wichtig, dass das
Angebot flexibel nutzbar ist. Kommunikation und Kooperation sollten daher
webbasiert ermöglicht werden. Wie sie
Kommunikation und Kooperation
mit
digitalen Medien am Besten unterstützen, erfahren Sie im Didaktischen
Design.
Ergänzende Materialien können online zur Verfügung gestellt werden.
Letztendlich bieten sich alle Möglichkeiten des Medieneinsatzes wie in
traditionellen Lehrszenarien. Informieren Sie sich dazu bitte
im Bereich
Lehrszenarien.
Zum Thema
Qualitätssicherung
beachten Sie das Kapitel im
Didaktischen Design.
Beispiele:
- Die TU Kaiserslautern verfügt über das
Zentrum für Fernstudien und
Universitäre Weiterbildung.
- Die
oncampus
GmbH ist eine Tochter der FH Lübeck die neben Online-Studienangeboten auch Weiterbildungen anbietet.
- Das
ESF-Projekt
hat die Entwicklung und den Betrieb einer
Produktions- und Lernumgebung für Online-Weiterbildungskurse im Bereich
Industial Engineering, Health Care Management und Wirtschaftsinformatik zum
Ziel
Weitere Informationen: