Im Bereich E-Learning findet ein Umdenken statt: Statt Bottom-up-Experimenten wird immer mehr der hochschulweite Einsatz von E-Learning basierend auf einer hochschulübergreifenden Strategie propagiert.
Im Organisationsentwicklungsprozess wird die strategische Ausrichtung
allerdings zumeist erst nach technischen und didaktischen Fragen
thematisiert (
Collis & van der Wende, 2002). Eine umfassende E-Learning Strategie
sollte jedoch die vier Felder Didaktik, Technik, Organisation, Ökonomie und
Kultur umfassen (
Seufert & Euler, 2004).
Kerres definiert vier zentrale Ziele einer E-Learning Strategie (
Kerres, 2001):
- Reform und Verbesserung der Lehre (Inhalte und Methoden),
- Nachhaltige Entwicklung, Produktion und Distribution von
mediengestützten Lehrangeboten nach mediendidaktischen Aspekten,
- Entwicklung der strukturellen und personellen Voraussetzungen zur
Umsetzung der Medienstrategie (Organisations- und Personalentwicklung durch
Qualifizierung oder Umstrukturierung),
- Ausbau und Sicherung der Infrastruktur (Hard- und Software,
Dienstleistungen für Einrichtung, Wartung und Pflege).
E-Learning stellt hier die Initialzündung für weiterreichende
Veränderungen dar, z.B. was die Lehr- und Lernkultur aber auch sich daraus
ergebende Geschäftsmodelle z.B. im Weiterbildungsmarkt betrifft
(Seufert & Euler, 2005).
In Bezug auf die Integration digitaler Medien in die
Hochschullehre werden drei Konzepte unterschieden (
Bachmann et al, 2002
):
I. Anreicherungskonzept:
Ziel: Anreicherung der Präsenzlehre z.B. durch die Bereitstellung
veranstaltungsbegleitender Materialien.
II. Integrationskonzept:
Ziel: Die Kombination von online und Präsenzphasen, Integrativer Einsatz
beider Veranstaltungsformen
III. Virtualisierungskonzept:
Ziel: Vorrangig netzbasierte Veranstaltungen mit hohem online Anteil
und ggf. mit tutorieller Betreuung.
In einer Hochschule können für verschiedene Ebenen unterschiedliche
Strategien bestehen. Neben einer gesamtuniversitären Strategie kann es
Teilpläne für Fachbereiche oder einzelne zentrale Einrichtungen (wie
Bibliothek, Medienzentrum, Hochschulverwaltung) geben. Während ein
Fachbereich sich für das Anreicherungskonzept entscheidet, kann ein anderer
den Virtualisierungsansatz einer einzelnen online Veranstaltung umsetzen (Bremer, 2004
). Wichtig ist, dass die einzelnen Strategien mit der Gesamtstrategie
nicht kollidieren. Bei der Strategieentwicklung muss immer beachtet werden,
dass sie zentrale und dezentrale Interessen berücksichtigt.
Beispiel einer partizipativen Strategieentwicklung:
- An der FH St. Pölten wird im hochschulinternen Projekt EINS Lehrenden
ermöglicht sich an der Entwicklung der E-Learning Strategie zu beteiligen.
Auf der Homepage der
E-Learning Einrichtung "eCampus"
werden sie dazu aufgerufen, sich durch Ausfüllen eines Online-Fragebogens
an der Strategieentwicklung zu beteiligen.
Kritische Faktoren bei der Strategieentwicklung
Mögliche Fehler bei der Entwicklung einer Medienstrategie (vgl.
Kerres, 2005):
Der Aufbau der technischen Infrastruktur wird nicht in Bezug auf didaktische
Konzepte konzipiert.
- Bei der Anschaffung werden konkrete Nachfrage und Einsatzgebiete zu
wenig berücksichtigt.
- Produkte werden entwickelt, deren nachhaltige Nutzung fraglich
ist.
- Strategien in der Mediendistribution werden zu spät aufgebaut.
- Die erforderlichen Serviceeinrichtungen zur Unterstützung bei
medienunterstützen Lehr- und Lernszenarien sind nicht verfügbar oder die
Dienste werden intransparent dargestellt.
- Interne und externe Kooperationen werden zu wenig verfolgt.
Die E-Learning-Strategie kann innerhalb eines
Medienentwicklungsplans
operationalisiert
werden.
Beispiele:
- Auskunft über die strategische Anbindung von E-Learning, die
Initiatoren, die Kernelemente, die Zuständigkeiten und die Ansatzpunkte für
die Implementierung der Strategie geben verschiedene Hochschulen in den
Fallstudien.
- Innerhalb des Auftragsprojekts "
Strategie und
Umsetzung des Einsatzes neuer Medien in der Lehre - nml-nib
" wurden die
E-Learning Strategien österreichischer Hochschulen erhoben. Die
Dokumentation des Projekts zeigt wichtige strategische Aspekte von
E-Learning auf, die innerhalb einer Stratgie dargestellt werden
sollten.
- Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2005 eine
Förderlinie E-Learning-Integration ins Leben gerufen. Auf den Seiten des
BMBF können Sie sich einen Überblick über die
Projekte und Konzepte der einzelnen
Hochschulen
machen.
- Unter
http://www.fhcluster.at/
verbirgt sich ein
vom bm:bwk gefördertes Projekt zur Umsetzung von E-Learning Strategien
an österreichischen Fachhochschulen. Ziel ist es für die jeweilige
Institution ein passendes Konzept zu entwickeln.