Durch die Integration digitaler Medien verändern sich auch die Ansprüche an das Kompetenzprofil der Hochschullehrenden. Welche Kompetenzen im Kontext digitaler Medien notwendig sind und wie die Hochschulen die Lehrenden unterstützen können, ist Thema des folgenden Kapitels.
Personalentwicklung und Personalführung sind Felder, die an vielen
Hochschulen unterentwickelt sind. Dies hängt damit zusammen, dass meist
nicht die Hochschule sondern der Staat Arbeitgeber der Lehrenden ist und an
der Hochschule mehr oder weniger nur die Personalverwaltung
stattfindet. Personalentwicklung fasst alle Aktivitäten wie Fort- und
Weiterbildungsangebote eines Arbeitgebers zusammen, die die Leistung und das
Potenzial der Mitarbeiter fördern. Die Personalentwicklung verfolgt
letztendlich das Ziel, die Organisation als Ganzes weiterzubringen, wobei
das Personal als wichtiger Antriebsfaktor gesehen wird (Pellert, 2001).
Kompetenzen erfassen
An fast allen Hochschulen gibt es Lehrende, die bereits
Erfahrungen im Bereich E-Learning gesammelt haben. Ihre Erfahrungen
bieten einen wertvollen Wissensschatz, der genutzt werden sollte
(Seufert & Euler, 2004). Vor der Aufstellung von Personalentwicklungsprogrammen in Bezug auf
E-Teaching wird daher empfohlen innerhalb einer Zustandsbeschreibung zu erfassen,
welche Kompetenzen bereits an der Hochschule vorhanden sind und welche
Motivationen im Umgang mit digitalen Medien seitens der Hochschullehrenden
bestehen (Pfeffer, Sindler & Kopp, 2005). Dafür eignen sich verschiedene
Instrumente der Evaluation wie Mitarbeitergespräche oder Mitarbeiterrunden.
Es können aber auch Informations- und Kommunikationstechnologien zur Hilfe
gezogen werden. Zum Beispiel kann Mitarbeitern ein Forum auf der Plattform
der Universität zur Verfügung gestellt werden, innerhalb dessen sie sich zu
verschiedenen Themen äußern können. Auch elektronische Fragebögen lassen
sich leicht generieren, verteilen und auswerten.
Verschiedene Methoden zur Evaluation werden im
Bereich Didaktisches Design
erläutert.
Wie sich die Akzeptanz von E-Learning und
E-Teaching verbessern lässt erfahren Sie in der
Vertiefung zu
Anreizsystemen.
Kompetenzen entwickeln
Personalentwicklung sollte bei der Einführung neuer Mitarbeiter ansetzen und
diese beratend begleiten. Allerdings sind die Arbeitsverhältnisse an
Hochschulen wenig förderlich für die Karriereentwicklung. Zahlreiche
Mitarbeiter arbeiten innerhalb befristeter Stellen oder Projekte, die zum
Teil über Drittmittel finanziert werden. Auch wenn diese Mitarbeiter oft am
Ausbau ihres Kompetenzprofils interessiert wären, zeigen die Hochschulen hier
wenig Engagement – u.a. auf Grund des fehlenden Etats. Den Mitarbeitern in
festen Arbeitsverhältnissen, dagegen fehlt oft die Motivation oder ganz
einfach die Zeit sich fortzubilden (Pellert, 2001). BAT und Beamtenrecht bieten der Hochschule nur wenig
Spielraum, Mitarbeitern motivationssteigernde Anreize in Bezug auf die
Weiterbildung zu geben wie die Anrechnung von Arbeitszeit, die
Zertifizierung von Weiterbildungsprogrammen sowie die Berücksichtigung von
besonderen Kompetenzen bei der Stellenbausschreibungen und
Qualifikationsverfahren (Kerres, Engert & Weckmann, 2004).
Mehr zu formalen und finanziellen Anreizen finden Sie im Bereich
Anreizgestaltung
im Portal.
Weiterbildung
Weiterbildung findet an deutschen Hochschulen bisher hauptsächlich in den
Fachbereichen statt. E-Learning ist jedoch ein interdisziplinäres Thema, das
vielfältige Kompetenzen verlangt. Die nachhaltige Integration von digitalen
Medien erfordert daher die Zusammenarbeit und Kooperation der Lehrenden der
verschiedenen Fachbereiche. Dies ist nicht unproblematisch, an einer
Organisation, die gekennzeichnet ist durch eine hohe persönliche Autonomie
und wenig Interesse an gemeinsamen Zielen oder der Identifikation mit der
Organisation (Pellert 2001). Daher müssen besonders bei der Integration digitaler
Medien Organisationsentwicklung und Personalentwicklung Hand in Hand gehen
(Albrecht, 2004).
Entscheidend ist letztendlich, dass sich die Hochschulleitung des Themas
Personalentwicklung annimmt. Der Übergang der Personalverwaltung zur
Personalentwicklung kann nur stattfinden, wenn sich auch die
Hochschulstrukturen verändern. Dazu gehört, den Hochschullehrenden ein
entsprechendes Fortbildungs-, Beratungs- und Supportangebot zur Verfügung zu
stellen.
Mehr zum Thema erfahren Sie im Kapitel
Beratung & Support.
Beispiele für Personalentwicklungsmaßnahmen an europäischen
Hochschulen:
- Seit 10 Jahren bietet die TU Berlin ein
Weiterbildungsprogramm für wissenschaftliches Personal
an.
- Im Hochschulportal
WissWeit
finden Lehrende kostenlose und gezielte
Recherchemöglichkeiten nach Weiterbildungsangeboten.
- An der Universität Wien wird ein differenziertes Angebot zur
Personalentwicklung auf einem eigenen
Portal
angeboten.
- Mit der österreichischen Fortbildungsplattform
PlaNet ET
(Plattform
and Network for Educational Technology) soll der innovative Einsatz
digitaler Medien in der Lehre aktiv gefördert werden. Die Materialien
können entweder online genutzt oder für eigene, individuelle Kurse
verwendet werden.
Weitere Informationen:
- Der Stifterverband hat ein Förderprogramm "Akademisches
Personalmanagement" ins Leben gerufen, das von 2006 bis 2009
durchgeführt wurde. Drei Hochschulen wurden im Rahmen eines Wettbewerbs
bei der Erprobung ihrer Personalentwicklungskonzepte unterstützt. Ein
Expertenbeirat hat das Programm begleitet und die beteiligten
Hochschulen haben ihre Erfahrungen in den Modellprojekten nun
zusammengefasst und Leitlinien für die strategische Personalentwicklung
an Hochschulen formuliert. Mehr
Informationen und die herausgegebene Publikation als pdf finden Sie
auf der
Webseite des Programms.