Lehrende, die sich entscheiden, ihre klassisch-organisierten Veranstaltungen mit digitalen Medien anzureichern, sehen sich zunächst mit einer ganzen Reihe von Fragen konfrontiert. Nur, wer gibt die Antworten?
Beim Aufbau eines Beratungs- und Supportangebots an der Hochschule muss
die besondere Fortbildungskultur beachtet werden. An erster Stelle lernen
Hochschullehrende über "Learning-by-doing", an zweiter Stelle steht der
Austausch mit Fachkollegen und an dritter Stelle die Rezeption von
Fachliteratur. Diese Beobachtung soll nicht zu der Annahme verleiten,
deutsche Hochschullehrende seien nicht an Fortbildungsveranstaltungen
interessiert. Vielmehr attestiert diese Fortbildungskultur, dass es an den
meisten Hochschulen lange an entsprechenden Strukturen zur
Weiterbildung fehlte. Am meisten Interesse besteht an Weiterbildung
zu Softwaretools (64,1%), allerdings dicht gefolgt von Didaktik
(62,9%), Mediengestaltung (62,5%) und Evaluation (46,5%) (Wedekind, 2004).
Zentrale und dezentrale Ansätze
Üblicherweise werden an Hochschulen Dienstleistungen von zentralen
Einrichtungen organisiert und angeboten. Da oft das Personal in den
Einrichtungen zu begrenzt ist um auf einer breiten Basis Unterstützung
leisten zu können, haben einige Hochschulen das Konzept von studentischen
Helfern ("Student Consulting" (ERCIS), "Rent a Hiwi" (studiumdigitale)) umgesetzt. Studierende leisten
innerhalb eines begrenzten Zeitraums konkrete Unterstützung bei der
Realisierung eines Medienprojekts. Davor werden sie vom Medienzentrum
in verschiedenen Bereichen geschult. Ein Nebeneffekt: Studierende lernen in
geschützter Umgebung das Consulting-Geschäft kennen.
Diese Vertiefung erläutert, wie das grundlegende Aufgabenspektrum von
Supportzentren aussehen kann.
Das Servicespektrum spezieller Supporteinrichtungen umfasst meist
folgende Leistungen (vgl. Kleimann Wannemacher, 2004):
Beispiel:
Beratung und
Coaching
Beratungen sollen die Lösungsfindung kompetent begleiten und dabei die
Handlungs- und Entscheidungskompetenz des Ratsuchenden erhöhen (Lenzen, 1989).
Eine Beratung kann als Ad-hoc Beratung oder als prozessorientierte Beratung
stattfinden, die auch als Coaching bezeichnet wird. Die Prozessbegleitung
ist sinnvoll, wenn es sich nicht um die Lösung eines zeitlich oder
thematisch eng umgrenzten Problems sondern z.B. um die Konzeption und
Realisierung einer virtuellen Veranstaltung samt Inhaltserstellung,
Navigationssystem, Betreuungskonzept, Prüfungen und Testverfahren
handelt.
Die Prozessberatung lässt sich in vier Phasen gliedern (vgl. König Volmer, 1996):
- Orientierungsphase:
Das Problem des Klienten wird definiert und die Möglichkeiten der Beratung
als Beitrag zur Lösung bestimmt. Besonderer Wert wird dabei auf die
Betonung der Eigenverantwortung und Handlungsbestimmung des Klienten
gelegt.
- Klärungsphase:
Die Möglichkeiten und Handlungsalternativen zur Lösung des Problems werden
herausgearbeitet. Durch Fokussieren, Nachfragen und Widerspiegeln wird der
Klient unterstützt, seinen Standpunkt zu fokussieren und bereits
vorgenommene Lösungsschritte zu reflektieren.
- Veränderungsphase:
Neue Lösungsmöglichkeiten werden diskutiert und entwickelt. Dabei stellt
der Berater durch sein Expertenwissen professionelle, praxisorientierte
Handlungsalternativen vor.
- Abschlussphase:
Das erreichte Ergebnis wird auf dem Hintergrund der eingangs getroffenen
Zielbestimmung bewertet.
Der Vorteil einer Beratung ist, dass dem Klienten eine
projektindividuelle Hilfestellung gegeben werden kann. Im Kontext von
Beratungen können außerdem Themeninteressen für nachfolgende Schulungen
identifiziert werden. Die Möglichkeit der Bedarfserhebung und
Bedarfserweckung über ein Beratungsangebot sollte demnach nicht unterschätzt
werden (Kohl, 2004).
Bei einer überschaubaren Zahl von Ratsuchenden steht einer Face-to-Face
Einzelberatung kaum etwas im Wege. Will sich allerdings die Mehrheit der
Lehrenden auf diesem neuen Feld informieren, sind die Ressourcen für
Beratung und Unterstützung schnell ausgeschöpft (Seufert & Euler, 2004).
Eine Alternative zu Face-to-Face-Beratungen stellen Blended Concepts dar.
Dabei unterstützen sich Präsenz- und Online-Angebote im Bereich Beratung und
Qualifizierung. Virtuelle Seminaranteile können am Arbeitsplatz,
beispielsweise direkt im Büro des Hochschullehrenden, absolviert werden und
lassen sich flexibel in den Arbeitsalltag integrieren. In geschütztem Raum
können Formen der Online-Kommunikation getestet und damit experimentiert
werden (Kohl, 2004).
Vertiefende Informationen zu hybriden Beratungs- und
Qualifizierungsangeboten finden Sie im
Langtext Blended Concepts
von Katja Bett und Ulrike
Rinn.
Informationsbereitstellung
Es ist sinnvoll die Beratung durch Materialien, wie z.B.
Informationsschriften, Checklisten oder Vorlagen zu ergänzen. Alternativ
können auch Online-Selbstlernmaterialien auf einer zentralen Lernplattform
zur Verfügung gestellt werden. Oft werden Hilfen und Inhalte „Just-in-time“
nachgefragt, wenn die Lehrenden vor einer neuen Aufgabe oder einem konkreten
Problem stehen. Möglich ist die Einrichtung eines Info-Desk, einer Hotline
(telefonisch oder per E-Mail) oder eines Internet-Forums.
Auch ein Katalog mit bereits umgesetzten E-Learning Projekten kann den
Lehrenden als Orientierungshilfe dienen. Durch eine exemplarische
Darstellung werden die Strukturen eines Sachverhaltes oder Produktes
erkennbar und können zum Teil auf das eigene Projekt übertragen werden (Kohl, 2004).
Als praxisorientierte Hilfe können Leitlinien (Leitfäden) und
Checklisten auf relevante Qualitätsaspekte aufmerksam machen und helfen, die
Themenbereiche zu gliedern.
Beispiele:
Seminare und
Workshops
Der Begriff des Seminars wird für Formen von
Weiterbildungsveranstaltungen genutzt, die sich über einen bestimmten
Zeitraum erstrecken. Seminare können theorieorientiert, aber auch sehr
praxisorientiert sein. Die verschiedenen Bezeichnungen wie Training,
Praxisseminar, Fortbildung oder Seminar werden dabei oft synonym verwendet
(Kohl, 2004). In teilvirtuellen Seminaren werden Präsenz- und
Online-Phasen kombiniert. Mehr dazu erfahren Sie im Langtext zu
hybriden Beratungs- und Qualifizierungsangebote.
Der Einsatz von digitalen Medien in Qualifizierungsangeboten z.B. durch
E-Moderation, Diskussionsforen oder E-Mail macht die Lehrenden relativ
"beiläufig" vertraut mit den neuen Medien.
Entschieden werden muss, ob das Angebot nur hochschulintern oder sogar nur
fachbereichsintern zugänglich sein soll oder auch von externen Institutionen
evtl. kostenpflichtig genutzt werden kann. Im zweiten Fall lässt sich das
Beratungsangebot in ein Geschäftsmodell integrieren.
Je größer die Reichweite des Supportangebots, desto größer ist das
Aufgabenvolumen und der Koordinationsaufwand, der von der Einrichtung
geleistet werden muss. Das Angebot muss jeweils die hochschul- und
fachspezifischen Rahmenbedingungen (Prüfungsordnungen, Anzahl der
Studierenden und Dozierenden, Zuständigkeiten für Contententwicklung etc.)
berücksichtigen. Der Vorteil einer fach- und hochschulübergreifenden
Zusammenarbeit ist die Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen (Kubicek, 2004). Für Ratsuchende ist es einfacher, wenn ihnen eine
zentale Anlaufstelle zur Verfügung steht.
Beispiele:
- Das Lehrzentrum Sprachen und Kulturen (LSK) der TU Dresden bietet einen
kostenpflichtigen Intensivkurs MEDIENPASS an. Der
MEDIENPASS
soll bei der
Planung von Multimedia-Projekten für den Unterricht, der multimedialen
Gestaltung der Unterrichts-Materialien, der Erstellung von Online-Übungen
mit Autorenwerkzeugen, der Gestaltung von interaktiven Webseiten für Kurse
auch ohne Programmierkenntnisse sowie beim Anlegen und Moderieren von
kursbezogenen Diskussionsforen helfen
- Das Multimedia Kontor Hamburg bietet im Rahmen der
finkenau academy
eine
Schulungsreihe zu Kernthemen des E-Learning an. Das Seminarangebot ist
kostenpflichtig und kann auch von Externen genutzt werden.
- Train-the-Trainer heißt das modulare Weiterbildungsprogramm, das von
der FH Joanneum und Projektpartnern entwickelt wurde:
http://train-the-trainer.fh-joanneum.at/.
Vernetzung und
Kooperation
Die Erfahrungen von Mitarbeitern, die sich bereits im Bereich E-Learning
engagiert haben, bieten einen wertvollen Wissensschatz, der genutzt werden
sollte. Zum Teil initiieren Hochschullehrende für sich den
Erfahrungsaustausch in sogenannen E-Learning AG`s, wo sich motivierte
Lehrende austauschen um den Einsatz digitaler Medien zu diskutieren. Es ist
aber auch Aufgabe der Hochschule entsprechende
Kommunikationsstrukturen, wie Diskussionsforen für den Erfahrungsaustausch
bereitzustellen. Auf diese Weise kann sich innerhalb der Hochschule eine
Wissenscommunity herausbilden, die Transparenz in den Veränderungsprozess
bringt und helfen kann, Fehl- und Doppelentwicklungen zu verhindern. Aus der
Vernetzung zwischen den einzelnen Projekten innerhalb einer Hochschule kann
außerdem ein großes Motivationspotential resultieren (Seufert Euler 2004). Einerseits ist es Aufgabe der Hochschule den
Lehrenden eine entsprechende Infrastruktur für den Aufbau eines Netzwerks
zur Verfügung zu stellen. Damit ist es aber nicht getan: Die Vernetzung und
Kooperation der Lehrenden muss aktiv begleitet und moderiert werden.
Neben einer internen Vernetzung ist auch die Vernetzung nach außen wichtig.
Nicht zuletzt bieten Kooperationen die Möglichkeit Ressourcen einzusparen
oder Finanzmittel zu akquirieren.
Mehr zu
Kooperationsmöglichkeiten
erfahren Sie in der
Vertiefung.
Gerade im Bereich digitaler Medien, innerhalb dessen viel Arbeit auf
Projektbasis stattfindet, muss mit einer großen Mitarbeiterfluktion
gerechnen werden. Ein durchdachtes Wissensmanagment ist wichtig, damit
gewonnenes Know-How nicht verloren geht.
Beispiele:
Das
CeDiS
Center für Digitale Systeme der Freien Universität
Berlin unterhält Kooperationsbeziehungen mit der Internet-Company Cisco
Systems Inc, der Fraunhofer Gesellschaft, dem Berliner Senator für
Wirtschaft, dem BMBF, dem Deutschen Forschungsnetz (DFN). Im Kontext der
BMBF Projektverbünde bestehen darüber hinaus Kooperationen mit insg. 20
Hochschulen. Gute Arbeitsbeziehungen bestehen mit dem DAAD, der MHSG
(Multimedia Hochschulservice Berlin GmbH) und dem Springer
Verlag.