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Rechte und Verwertung » Open Access

Open Access und Open Content

Die Open Access Bewegung zielt auf die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Informationen - in der Regel Publikationen – im Internet ab. Erwartet wird, dass der leichtere Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen die Forschung insgesamt vorantreibt. Weiterhin spricht die zumeist öffentliche Förderung für eine freie Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse. Die freie Verfügbarkeit – so argumentieren verschiedene Initiativen – könne außerdem dazu beitragen, die digitale Kluft, d.h. den ungerecht verteilten Zugang zu elektronisch gespeichertem Wissen, zu verkleinern (Muck, Gradmann & Mey, 2004).

Die Open Access-Bewegung ist als Reaktion auf die Publikationspraxis des Verlagswesens zu verstehen, innerhalb dessen Wissenschaftler traditionell die ausschließlichen Nutzungsrechte an ihren Veröffentlichungen auf die Verlage übertragen. Der Verlag kann Wissenschaftlern/-innen dabei untersagen, ihren Artikel zum freien Download auf der eigenen Webseite zu Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite profitieren die Autor/innen natürlich auch vom Ansehen der Verlage.

Auch die Bibliotheken treiben die Open Access-Initiative voran, denn die Gebühren für Print- und Online-Journale führen in Zeiten knapper Hochschulkassen dazu, dass viele Bibliotheken sich nur noch eine beschränkte Anzahl wissenschaftlicher Zeitschriften halten können (Sietmann, 2006).

Für E-Learning und E-Teaching ist der freie Zugang zu Inhalten von besonderer Relevanz. Medienbrüche, zeitraubende Recherchen und der hohe Aufwand zur Erstellung von E-Learning-Content beinträchtigen die Performanz innovativer Lehr-/Lernmethoden. Gleichzeitig müssen für Open Access und Open Content in der Wissenschaft klare Spielregeln aufgestellt werden, die mit der Kultur wissenschaftlichen Arbeitens vereinbar sind. Kooperative Arbeitsprozesse sind zu unterstützen, ohne die Vertrauenswürdigkeit der Forschungsdaten und -ergebnisse und individueller Autorenschaften zu gefährden.

Alternative und kreative Lizenzvereinbarungen: 

Wer eine Publikation ungebunden an Verlage oder das Urheberrecht vorzieht, hat die Möglichkeit das publizierte Dokument mit einer alternativen Lizenzvereinbarung zu versehen.

  • Creative Commons ist eine gemeinnützige Organisation, die kreative (nicht am Urheberrecht orientierte) Lizenzvereinbarungen im Netz zur Verfügung stellt. In den Lizenzverträgen werden die Voraussetzungen für die freie Nutzung von Inhalten dargestellt. Zum Beispiel kann bei der Verbreitung von Bildern verlangt werden, dass die Urheberschaft an dem Foto durch Nennung des Namens anerkannt wird. Mit Hilfe eines Lizenzierungstools sind Autoren in der Lage, aus einer Reihe von Lizenzelementen einen individuellen Lizenzvertrag zusammenzustellen. Die Creative Common Lizenzen stehen in vielen Sprachen auf dem Portal creativecommons.org
zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Open Access fördern und unterstützen an Hochschulen
Unabhängig vom Verlagsrecht, muss sich in den Institutionen auch die Publikationskultur ändern, damit Open Access (OA) zur Umsetzung kommt. Den Wissenschaftler/innen müssen Anreize gegeben werden, ihre Publikationen frei zu veröffentlichen und im Gegenzug auf das Renommee einer etablierten Zeitschrift zu verzichten. Um die Akzeptanz bei Autoren und Rezipienten in Bezug auf OA-Materialien zu steigern, muss das Thema auf die Tagesordnung der Hochschulleitung. Vor allem Evaluationsmethoden und Bewertungsstandards werden als wichtig angesehen, damit OA Erfolg hat (Muck, Gradmann & Mey, 2004).

Mögliche Aktivitäten um an der Hochschule auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen sind (Graf, 2003):

  • Bildung einer Open Access-Arbeitsgruppe
  • Bestandsaufnahme der Publikationskultur an der Hochschule mit Hilfe einer Onlinebefragung
  • Erarbeitung einer Empfehlung der Hochschulleitung zum Thema "Wissenschaftliches Publizieren“
  • Informationen zum Thema bereitstellen (z.b. Vortragsreihe, Informationsbroschüren)
  • Bekanntheit des Volltextservers (wenn vorhanden) steigern
  • Support für das Einstellen von Publikationen bereitstellen
Seit 2009 können Universitäten bie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Mittel beantragen um Publikationen ihrer Wissenschaftler/innen in originären Open-Access-Zeitschriften zu finanzieren. Zum Merkblatt der DFG zum Open-Access-Publizieren.

Beispiele:

  • Für die sächsischen Hochschulen steht zur Open Access-Publikation der Publikationsserver Qucosa (Quality Content of Saxony) zur Verfügung – aufgebaut und administriert von der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Mit ihm soll den Wissenschaftlern in Sachsen eine Möglichkeit zur kostenfreien Publikation geboten werden, die zugleich den Nachweis und die langfristige Archivierung von Dokumenten sichert. Hierbei handelt es sich allerdings nur um einen „Publikationsort“. Das Layouten der Beiträge und deren Bewerbung muß von den Autoren selbst übernommen werden.
  • Die Universität Zürich verpflichtet in ihren Leitlinien zu Open Access ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine vollständige Fassung aller publizierten wissenschaftlichen Arbeiten im Zurich Open Repository and Archive (ZORA) mit Open Access zu hinterlegen, sofern dem keine rechtlichen Hindernisse entgegenstehen. Der Film " Open Access - der freie Zugang zum Wissen " informiert zusätzlich zum Thema.
  • Der britische Wellcome Trust hat als erste Fördereinrichtung eine Verpflichtung zur OA-Publikation in seine Förderrichtlinien aufgenommen. Da die Wissenschaftler zuerst ihren Förderantrag unterschreiben und dann den Vertrag mit einem Verlag, sitzt die Förderinstitution am längeren Hebel. Lehnt ein Journal ein eingereichtes Manuskript aufgrund der OA-Verpflichtung ab, können die Autoren versuchen, zu verhandeln. Bleibt das erfolglos, rät der Trust, in einer anderen Zeitschrift zu veröffentlichen.
  • Die internationale Initiative „Compact for Open-Access Publishing Equity“ (COPE) wurde von der Harvard University, dem MIT und weiteren führenden amerikanischen Universitäten zur Förderung des Open-Access-Publizierens initiiert. Im Oktober 2011 hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als erste deutsche Forschungseinrichtung COPE unterzeichnet, im November 2011 sagt die Helmholtz-Gemeinschaft dem Projekt ihre Unterstützung zu. In diesem Zusammenhang beabsichtigt die Einrichtung auch die Etablierung von Mechanismen, um Open-Access-Publikationsgebühren zu übernehmen.
  • Ein Diskussionsentwurf zur Einreichung im Senat und einen Foliensatz zum Aktionsprogramm zur Umsetzung der "grünen Strategie" des Open Access der Universität Stuttgart.
  • 2006 führte die Ludwig-Maximilians-Universität München in Zusammenarbeit mit der University of Arkansas at Little Rock eine Studie zur Akzeptanz des Open Access Prinzips unter Wissenschaftlern durch.


Gefundenes Wissen „lebt“ länger.

Die Suchmaschine Google Scholar ist spezialisiert auf das Auffinden wissenschaftlicher Literatur. Googel Scholar fordert sowohl Verlage wie auch Bibliotheken zur Zusammenarbeit auf. Es wird erwartet, dass eine bessere Auffindbarkeit die Rezeption von Open Access Artikeln verbessert. Es wurde bereits belegt, dass Open Access Artikel insgesamt in wissenschaftlichen Communities stärker wahrgenommen werden und die Zitierhäufigkeit bis zu dreimal so hoch ist wie für Artikel, die gedruckt oder online gegen Gebühr erhältlich sind (Quellen: http://www.zugang-zum-wissen.de/, http://opcit.eprints.org/oacitation-biblio.html). Eine weitere Suchmaschine für wissenschaftliche Internetquellen ist die Bielefeld Academic Search Engine.

Leider gibt es bisher keine zentrale Stelle von der aus Einblick in alle Hochschulzeitschriftenserver gewonnen werden kann oder einen Nachrichten-Service, der über neu veröffentlichte Artikel informiert – auch wenn einzelne Server diesen Dienst bereits über RSS oder Newsletter anbieten.

Datenbanken Verzeichnisse:

  • Das Directory of Open Access Journals liefert einen Überblick über frei im Volltext verfügbare wissenschaftliche und akademische Zeitschriften. Die Datenbank möchte sowohl die Zeitschriften aller Fachbereiche als auch Sprachen abdecken.

  • Die Public Library of Science (PLoS) ist eine nichtkommerzielle Organisation von Wissenschaftlern und Ärzten, die wissenschaftliche und medizinische Literatur frei zugänglich zur Verfügung stellen wollen.

  • PubMed Central ist der Name des frei zugänglichen digitalen Archivs des National Institute of Health mit Literatur aus den Bereichen, Biologie, Medizin und Lebenswissenschaften.

  • OAIster heisst eine Initiative zur Sammlung frei zugänglicher akademischer Ressourcen im Internet.

  • arXiv der Cornell University Library liefert freien Zugang zu über 600.000 digitalen Veröffentlichungen aus den Bereichen Physik, Mathematik, Statistik, Informatik und der quantitativen Biologie.

  • Der Publikationsverbund OPUS entstand 1998 an der UB Stuttgart. OPUS wurde seitdem von vielen anderen Universitäten übernommen. Alle OPUS-Anwender können deutschlandweit über eine gemeinsame Suchmaske auf die Materialien aller Hochschulen im Verbund zugreifen.

  • Das OpenLearn-Projekt der Open University ist eine frei zugängliche Datenbank für E-Learning-Materialien vieler verschiedener Fächer und unterschiedlicher Lernniveaus, die sowohl von Lernenden als auch von Lehrenden genutzt werden können.

  • Bei OpenDOAR findet man ausgewählte, qualitätsgeprüfte Open Access-Archive der ganzen Welt. Die Datenbank wurde als gemeinsames Projekt von der University of Nottingham (UK) und der Lund University (Schweden) ins Leben gerufen. 
  • Das Directory of Open Access Books (DOAB) wird als Katalog frei zugänglicher OA-Monographien aufgebaut und verfolgt das Ziel, die Sichtbarkeit und Reputation von OA-Monographien zu verbessern. DOAB ist ein Discovery Service für qualitätsgeprüfte Monographien, die unter einer Open Access-Lizenz erschienen sind. Entstehen soll nicht nur eine Sammlung von OA-Monographien, die bspw. von Bibliotheken eingebunden werden kann, sondern gleichzeitig auch ein Verzeichnis von OA-affinen Verlagen.
  • Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) möchte eine Sammlung qualitätsgeprüfter Online-Journale darstellen.

Open Content Projekte:

Weitere Informationen:

  • Zur International Open Access Week 2012 hat die Arbeitsgruppe Open Access in der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen die Broschüre „Open-Access-Strategien für wissenschaftlichen Einrichtungen - Bausteine und Beispiele“ veröffentlicht.
  • Im Rahmen der Schwerpunktinitiative "Digitale Information" der Wissenschaftsorganisationen wurde eine Handreichung "Open-Access-Rechte in Allianz- und Nationallizenzen" für Autor/innen und Repository-Manager/innen herausgegeben, die die verschiedenen Begrifflichkeiten im Umfeld des Lizenzmodells erläutert. Enthalten sind zudem zwei Checklisten, die den Autoren/innen und den Einrichtungen bei der Umsetzung helfen sollen.
  • Der im November 2011 publizierte Leitfaden Open-Content-Lizenzen: Leitfaden für die Praxis (11/2011; PDF) von iRights.info-Autor Till Kreutzer erklärt die Grundlagen, rechtlichen Hintergründe und Vor- und Nachteile von Open-Content-Lizenzen. Urheber und Nutzer, die freie Lizenzen einsetzen wollen werden umfangreich über die Rechte und Pflichten informiert. Er wurde im Auftrag der deutschen UNESCO-Kommission erstellt.
  • Die Richtlinien zum Thema Open Access des European Research Council vom Dezember 2007 sowie März 2008 können im Netz abgerufen werden.
  • Das OLCOS-Projekt hat 6 Tutorials zum Thema Open Access und Open Content veröffentlicht, die sowohl für Neulinge in dem Thema als auch für Lehrende ein guter Ansatzpunkt sein können. Die Tutorials liegen in drei Sprachen vor und sind - so wie es sich für ein Projekt zum Thema Open Content gehört - auf einer Open Content Plattform verfügbar.
  • Eine umfangreiche Online-Informationsquelle zum Thema Open Access findet man unter der Webadresse http://www.openaccess-germany.de/. Beteiligt am Projekt sind die Freie Universität Berlin, Center für Digitale Systeme, die Universitätsbibliothek Bielefeld, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und die Bibliothek der Universität Konstanz. Die Plattform bietet Informationen und praktische Hilfestellungen zum Thema Open Access - einerseits für Publikationsmöglichkeiten, andererseits für die Implementierung von Open Access-Angeboten im Wissenschaftsbereich.
  • Eine umfangreiche Linksammlung zum Thema "Wie wirkt sich Open Access auf Verkaufszahlen aus?”.
  • Am 20.11.06 beantwortete Prof. Wolfgang Coy im Expertenchat von e-teaching.org Fragen zur Publikationsstrategie Open Access. Er ist Vorsitzender der Medienkommission der Humboldt Universität zu Berlin. Die HU hat im Mai 2006 nach der Universität Bielefeld als zweite deutsche Hochschule die offizielle Unterstützung von Open Access beschlossen. Lesen Sie im redigierten Transkript die angeregte Diskussion mit dem Open Access Experten.
  • Die Open Access Directory (OAD) ist ein Wiki, das eine Sammlung von OA-Projekten und OA-Expert/innen aus aller Welt zusammenstellt.
  • Im Februar 2007 wurde eine Petition verabschiedet, die sich an die Europäische Kommission richtet und einen gesicherten öffentlichen Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen verlangt. Sie wurde von mehr als 25.000 Menschen unterzeichnet.

Erklärungen
Grundlage der Open Access Initiative sind die so genannten BBB-Deklarationen von Budapest, Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) und Berlin. Weiter

Rechtssituation
Im Zuge der laufenden Novellierung des Urhebergesetzes, dem so genannten „Zweiten Korb“, hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) die Aufnahme einer „dienstrechtlichen Anbietungspflicht“ in das Reformgesetz vorgeschlagen (c't 22/04). Danach sollen Wissenschaftler ihrer Hochschule „ein nicht ausschließliches Nutzungsrecht“ an den im Rahmen ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit entstandenen Werken einräumen. Eine Expertenrunde des Bundesjustizministeriums (BMJ) äußerte jedoch verfassungsrechtliche Bedenken, da die vom Grundgesetz im Artikel 5, Absatz 3, garantierte Wissenschaftsfreiheit auch das Recht, über das Ob, Wo und Wie der Veröffentlichung umfasse. Weiter

Technik
Als eine weitere Hürde wird zum Teil noch die informationstechnologische Infrastruktur angesehen. Zum Betreiben der Open Access Server wird eine Software benötigt. Weiter

Letzte Änderung: 29.11.2012


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