Insbesondere in mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern stellt sich bei der Zusammenstellung von Lehrmaterial häufig das Problem, Formeln abzubilden. Hierzu bieten Text- und Präsentationsprogramme in der Regel spezielle Editoren. Diese Vertiefung gibt einen Überblick zu den verschiedenen Optionen, Formeln darzustellen und einzubinden.
Grundlegendes Problem bei der Erstellung und Wiedergabe komplexer Formeln
ist die Diskrepanz zwischen graphischer Darstellung und vorgeschriebener
Notation. Mathematische und andere Formeln müssen anders als gewöhnlicher
Fließtext einer präzisen Notation gerecht werden, bei der nicht nur die
horizontale sondern auch die vertikale Position eines Zeichen von Bedeutung
ist. Diese Notation ist mit gängigen
WYSIWYG
-Editoren allerdings schon bei Formeln mittlerer Komplexität -
zum Beispiel größere Brüche - nicht mehr intuitiv und zu gleich korrekt
umsetzbar. Zudem lassen sich Formeln nicht ohne weiteres am Ende einer Zeile
umbrechen, was die automatische Darstellung erheblich erschwert.
Textverarbeitungsprogramme
Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word, StarOffice oder
OpenOffice
verfügen über integrierte Formeleditoren (Microsoft
Formel-Editor, StarMath bzw. OpenOffice Math). Bei Microsoft Word wird der
Formel-Editor nicht standardmäßig mitinstalliert, daher müssen Sie ihn
möglicherweise nachträglich installieren.
Das Programm
MUPAD
ist als
Plug-In
für Microsoft Word erhältlich. Damit lassen sich mathematische
Formeln setzen, numerische Berechnungen ausführen sowie mathematische
Zusammenhänge als 2D bzw. 3D-Grafiken visualisieren.
Beispiel OpenOffice Math
"OpenOffice Math", ein Bestandteil des kostenlosen
OpenOffice
Pakets, bietet komfortable Optionen, um Formeln per
Drag & Drop
zusammenzufügen oder über eine spezielle
Beschreibungssprache direkt einzugeben. Hierbei handelt es sich um ein
separates Programm, aus dem die Formeln übernommen werden können. Der
Bildschirm ist dabei zweigeteilt: Neben dem Eingabefenster in der unteren
Hälfte wird auch gleich das Ergebnis im oberen Bereich angezeigt.
Das Eingabefenster lässt erkennen, welcher Weg eingeschlagen wird, um die
Problematik der Formelnotation zu lösen: die komplexen graphischen Formeln
werden in einer seriellen Notation aufgeschrieben, bei der die vertikalen
Beziehungen in Formeln über Sonderzeichen und Klammern abgebildet
werden.
Abb. Der Editor OpenOffice Math
Ebenfalls auf dem Screenshot erkennbar sind die Hilfsfunktionen, die
OpenOffice Math dem Benutzer zur Erstellung der Formen an die Hand gibt. Zum
einen gibt es einen Auswahldialog, der in der linken Hälfte des oberen
Bildschirmteils zu sehen ist. Hier kann der Laie aus einer breiten Palette
von Formelvorlagen auswählen. Die gewählte Vorlage wird dann zunächst mit
Platzhaltern in das untere Eingabefenster eingefügt, so dass der Benutzer
Variablennamen u.ä. selber eintragen kann. Zudem bietet das
Kontextmenü
im Eingabefenster den Zugang zu den selben Vorlagen,
allerdings ohne graphische Hilfe. Erfahrene Benutzer können die
Notation selbstverständlich auch von Hand in das Eingabefeld
eintragen.
Die erstellten Formeln lassen sich als eigenständige Dateien speichern und
in andere OpenOffice und sogar Microsoft Office Dokumente integrieren. Es
steht auch eine Export-Funktion nach
MathML
zur Verfügung.
LaTeX
Innerhalb der Naturwissenschaften ist das Textsatzsystem
LaTeX
die unangefochtene Standardanwendung zum Setzen von Formeln.
Insbesondere in der Mathematik, Physik und Chemie werden fast alle
wissenschaftlichen Arbeiten mit LaTeX erstellt. LaTeX bietet einen
„mathematischen Modus“ an, um Formeln einzufügen. Dabei werden die Formeln
nicht in einer WYSIWYG-Weise notiert sondern im LaTeX-Quelltext mit
speziellen Befehlen notiert. Sie können die Formel zum Beispiel zwischen
zwei Dollar-Zeichen setzen ($Formel im Fließtext$) oder längere Formeln in
einer Klammer einbinden. Zudem besteht die Möglichkeit, Formeln zu
nummerieren und mehrfach einzubinden. Hierzu steht der Befehl {equation} zur
Verfügung. Für komplexe und umfangreiche Formelkonstruktionen eignet sich
das AMS-LaTeX-Paket, eine Bibliothek, die verschiedene Umgebungen für
mathematische Formeln und Symbole bereitstellt. Weitere Informationen finden
Sie in der Vertiefung
LaTeX [Artikel folgt].
Präsentationsprogramme
In Präsentationsprogramme können Formeln entweder als Grafik eingebunden
oder aus einem Formeleditor übernommen werden. Des weiteren gibt es auch die
Möglichkeit der handschriftlichen Eingabe über stiftbasierte Systeme, z.B.
Tablet PCs oder Interaktive Whiteboards.
Weitere Informationen bieten die Vertiefungen
"Elektronische Tafeln"
sowie
"Tablets".
WWW
In Webseiten können bislang komplexere Formeln in aller Regel nur als
Grafik eingebunden werden. Eine Unterstützung zur Verwaltung von Formeln in
hypertextuellen Umgebungen schafft der Standard MathML, ein
XML
-basiertes Format zur Darstellung von Formeln.
MathML wird wie viele andere XML-Standards auch vom
W3C
definiert und ist unter
http://www.w3.org/Math/
dokumentiert.
Eine Liste von Editoren für MathML findet sich auf einer speziell dafür eingerichteten Seite des W3C.
Zur Darstellung von MathML eignet sich insbesondere der Browser
Mozilla
Firefox. Firefox unterstützt MathML
seit der Version 1.5 von Haus aus, d.h. ohne Installation eines weiteren
Plugin. Für eine optimale Darstellung sollten aber zusätzliche Schriftarten
installiert sein, da Mathematische Formeln oft mit Sonderzeichen arbeiten,
die in herkömmlichen Schriftarten nicht vorhanden sind. Die Liste der
nötigen Schriftarten findet sich auf den MathML Seiten:
https://developer.mozilla.org/en/Mozilla_MathML_Project/Fonts/
Innerhalb des Internet Explorers werden externe Plug-Ins benötigt, z.B. der
MathPlayer.
Abb. Die Mark-up Sprache MathML
Professionelle Textsatzsysteme QuarkXPress und Adobe InDesign
Im professionellen Bereich werden für den Textsatz in der Regel
QuarkXPress
oder
Adobe InDesign
verwendet. Diese kostspieligen
Anwendungen kommen zunächst nur mit begrenzten Fähigkeiten im Bereich
Formelsatz daher. Mit kommerziellen Erweiterungen lassen sich allerdings
auch hier die meisten Anforderungen an komplexen Formelsatz
bewältigen.