LaTeX (sprich: Latech) ist ein Hilfsmittel zum Setzen von Text. Mit ihm lassen sich auf einfache Weise Dokumente von der Qualität eines professionellen Schriftsetzers anfertigen.
LaTeX stellt dafür vordefinierte Kommandos zur Verfügung. Diese so
genannten
Makros
steuern automatisch die Formatierungen für Briefe, Folien über
PDF
-Dateien bis hin zu kompletten Publikationen. Eine weitere, große
Stärke von LaTeX ist das komfortable Setzen mathematischer Formeln wie
Indizes, Integrale oder Summenfunktionen. Daher ist diese Textverarbeitung
unter Mathematikern und Naturwissenschaftlern weit verbreitet. Aber auch für
besondere Zeichensätze wie Lautschrift, Noten oder altsprachliche Texte
bietet das Programm mächtige Möglichkeiten. LaTeX setzt auf
TeX
auf.
Von TeX zu LaTeX
Ein Schriftstück sollte sich nicht allein durch seine ästhetische
Aufmachung, sondern auch durch eine gute Lesbarkeit auszeichnen. Es gibt
zahlreiche Regeln und Konventionen für das Setzen von Text. Deren Einhaltung
gestaltet den rein technischen Vorgang des Lesens angenehm. Um in diesem
Sinne „schöne“ Dokumente – insbesondere mathematische – mit dem Computer
herstellen zu können, entwickelte
Donald E. Knuth
ab 1977 an der
Stanford
University
das Textsystem TeX (Tau Epsilon Chi). TeX kennt mit 900
Befehlen im Prinzip alle Geheimnisse der Buchdruckkunst. Die Benutzung ist
jedoch recht kompliziert. Damit sich Autoren die zeitintensive, komplexe
Erarbeitung eigener Layouts ersparen können, entwickelte
Leslie
Lamport
ein auf TeX aufsetzendes Programm: LaTeX. Es vereinfacht die
Nutzung und bietet vorgefertigte, professionelle Layouts an. Jene setzen
Textinhalte gemäß der logischen Struktur z. B. automatisch als Überschrift,
Fußnote, Tabelle oder Formel. Sie können dabei die Standardeinstellungen von
LaTeX benutzen oder diese Ihren individuellen Bedürfnissen anpassen.
Arbeitsweise von LaTeX
Bei
WYSIWYG
-Textverarbeitungen wie Word, Works oder KWord bestimmt und
sieht ein Autor schon während des Schreibens das Layout seines Textes. Er
kann sich unmittelbar vom Aussehen seines Dokuments überzeugen und es
gegebenenfalls gleich ändern. Die Arbeitsweise von LaTeX unterscheidet sich
von den sehr verbreiteten WYSIWYG-Systemen grundlegend: Der größte
Unterschied ist zunächst, dass LaTeX selbst keine grafische
Benutzeroberfläche (GUI) zur Verfügung stellt. Es sind jedoch einige LaTeX-Editoren wie
WinEdt oder
TeXnicCenter
erhältlich, die derlei
GUI-Hilfsfunktionen wie auch aus Word bekannt, bieten (siehe Abildung
1).
Der Formatierungsprozess ist darüber hinaus zweigeteilt. Im ersten Schritt
schreibt der Autor seinen Text in einem beliebigen Editor nieder und gibt
ihm die logische Struktur mit – in der Art „Dies ist ein Kapitel, eine
Aufzählung usw.“ Im zweiten Schritt erzeugt er die gelayoutete Ausgabe. Die
folgenden Abbildungen zeigen zum einen den
Quelltext
eines LaTeX-Dokuments und zum anderen die Ausgabe des
Dokuments als PDF-Datei.
Abbildung 1: LaTeX-Quelltext im Editor WinEdt
Abbildung 2: Aus dem Quelltext erzeugte PDF-Datei
Man setzt einen Text mit LaTeX, indem man ihn mit den entsprechenden,
vordefnierten Makros in einem
Editor
erstellt. Diese sind nach dem Schema
\kommando{parameter}
aufgebaut und steuern im zweiten Schritt die Formatierung und Anordnung. So
löst im obigen Beispiel der Befehl
\section{Einleitung}
das Setzen
einer Überschrift mit dem Titel Einleitung aus. Durch
LaTeX {}
erscheint im späteren Fließtext das Logo. Durch die Auswahl einer
Dokumentenklasse – hier mit
\documentclass{article}
– legen Sie vorab
das grundsätzliche Layout Ihres Textes fest. LaTeX bietet hier mehrere
Optionen an: z. B.
book
für Bücher,
report
für umfangreiche
Dokumente und
article
für Texte kleineren Umfangs. Die Arbeitsweise
von LaTeX erscheint auf den ersten Blick umständlich und kompliziert.
Dadurch kann diese Textverarbeitung jedoch exakter arbeiten und an spezielle
Anforderungen besonders gut angepasst werden.
Installation
Um mit LaTeX zu arbeiten muss zunächst eine entsprechende
Software
installiert werden. Für viele
Betriebssysteme
gibt es mittlerweile TeX- und LaTeX-Distributionen. Der
Unterschied liegt im Umfang der beigefügten Pakete.
-
MikTeX & Co
(Windows):
Installation eines TeX-Gesamtsystems aus MiKTeX (2.4.2154), Adobe Reader
(7.0) und dem Editor WinEdt (5.4) für Windows Me/NT/2000/XP (eine
ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Bildern)
- Wie man
LaTeX unter MacOS
installiert, erklärt
Ihnen Simon Berwert.
- Die
Installation unter SuSE Linux
wird
Ihnen unter www.dante.de erklärt.
Packages & Co
Für LaTeX stellen freie Entwickler zahlreiche Ergänzungspakete zur
Verfügung. Mit ihnen kann man das Programm um weitere
Gestaltungsmöglichkeiten erweitern, spezifische Funktionen einbinden und
damit an den individuellen Bedürfnissen ausrichten. Es ist außerdem möglich,
eigene Pakete zu schreiben. Diese so genannten Packages werden mit der
Anweisung
\usepackage {Name des Package}
in das LaTeX-Dokument
integriert. Eine große Auswahl von Standardpackages hat LaTeX2 bereits an
Bord: „
german, ngerman
“ berücksichtigen deutsche
Spracheigenschaften sowie die neue Silbentrennung, „
float
“ ist für
Abbildungen, „
graphicx
“ für Grafikeinbindungen, „
multicol
“
für mehrspaltigen Text mit Kolumnenausgleich, „
longtable
“ für
mehrseitige Tabellen, „
rotating
“ zum Drehen von Objekten.
Zitieren mit BibTeX
Im Zusammenspiel mit BibTeX lassen sich in LaTeX komplexe
Literverzeichnisse deutlich einfacher herstellen und handhaben. Das Programm
wurde speziell für die Erstellung von Literaturangaben und –verzeichnissen
entwickelt. Der Autor notiert alle notwendigen Angaben in einer externen
Datei. Auf diese Weise kann dann von beliebig vielen Dokumenten aus auf die
Daten zugegriffen werden. Die Zuweisung erfolgt über den Befehl
\cite. BibTeX übernimmt die Einträge, auf die verwiesen wird,
automatisch in das Literaturverzeichnis und sortiert sie. Der im Dokument
eingestellte BibTeX-Style regelt, in welcher Formatierung die
bibliografischen Angaben ausgegeben werden. Der „
jurabib
“-Style zum
Beispiel führt Formatierungen nach rechtswissenschaftlichen Gepflogenheiten
aus.
Das Programm bietet auch auf diesem Gebiet neben sehr guten Standardlayouts
viele, ausgereifte Möglichkeiten zur individuellen Anpassung. Da BibTeX auch
in der Kombination von umfangreichen Publikationen mit sehr großen
Literaturbeständen stabil und zuverlässig arbeitet, hat es sich im
wissenschaftlichen Bereich schon seit langem als Standard für
Literaturangaben durchgesetzt. Parallel unterstützt LaTeX die Erstellung von
Fußnoten auf sehr komfortable Weise: Ein einziger Befehl ist ausreichend, um
Fußnoten automatisch am Seitenende in einer kleineren Schrift zu
setzen.
Unter informationskompetenz.net finden Sie ein kleines
BibTeX-Beispiel. Auf der Seite
http://www.cs.stir.ac.uk/
wird Ihnen
die ganze Bandbreite
gezeigt. Für den
Einstieg in die Praxis und eine Auflistung nützlicher Tools rund um BibTeX
empfiehlt sich der
Eintrag bei Wikipedia.
Weitere Anwendungsbeispiele
- LaTeX für Mathematiker: Wie bereits angesprochen, ist LaTeX beim Setzen
von mathematischen Formeln unschlagbar. Schon mit wenigen Grundkenntnissen
lassen sich Gleichungen und Funktionen schneller als mit vielen
WYSIWYG-Textverarbeitungen setzen. LaTeX liefert besonders bei
komplizierten Formeldarstellungen qualitativ hochwertige Ergebnisse.
Hierfür werden meistens die
AMS-Pakete
der American Mathematical
Society verwendet.
- LaTeX für Musiker:
MusiXTeX
ist ein Paket mit Makros und
Schriften zum Setzen von Noten. Daneben gibt es weitere Hilfsprogramme wie
zur Erstellung von Lyrics oder Gitarrenakkorden.
- LaTeX für Linguisten: Für LaTeX gibt es vielfältige Packages, die
Linguisten das Publizieren erleichtern. „
tipa
“ ermöglicht es,
Laute adäquat im Internationalen Phonetischen Alphabet zu repräsentieren, „
gb4e.sty
“ Glossare zu erstellen, „
qtree
“ verschiedenste
Strukturbäume einfach und dennoch formschön zu setzen. Wie Sie diese
einbinden, erklärt Alexander Linke in seiner Anleitung
LaTeX für Linguistiken.
- LaTeX und mehrere Sprachen: Das
Babel
-Paket definiert Erweiterungen für verschiedene
Sprachen. Damit kann man mehr als eine Sprache in einem Dokument verwenden
und korrekt trennen. Weitere Details dazu erfahren Sie in einem
Skript der LaTeX-Administratoren der
Universität Bielefeld.
- LaTeX im Seminar: Mit der
„
beamer
“-Klasse
und einem weiteren Package
lassen sich Präsentationen zum Beispiel für den Hörsaal erzeugen, mit „
seminar
“ Folien.
pdfTeX
bietet sich an, um aus LaTeX
systemübergreifende Dokumente für die Distribution via E-Mail oder Internet
zu generieren.
- LaTeX und Typografie: LaTeX ist als US-amerikanische Entwicklung an
dortigen typografischen Konventionen und Papierformaten ausgerichtet. Das
Paket- und Klassenbündel
Koma-Skript
erlaubt die Anpassung an
europäische Formate. Des Weiteren gehen die Fähigkeiten von
Koma-Skript
weit über die typografischen Möglichkeiten von LaTeX
hinaus. Die
Anleitung
steht als PDF-Datei zum
Download bereit.
Neben diesen Paketen gibt es eine Fülle weiterer, die spezielle Probleme
lösen und sich über die entsprechenden
Foren
finden lassen.
Vor- und Nachteile
Auf den ersten Blick erscheinen WYSIWYG-Textverarbeitungen und
DTP
-Programme vorteilhafter. Besonders für diejenigen, die bisher
niemals Text mit
Markup
erstellt oder sich ihr System aus mehreren Komponenten
zusammengebaut haben. Ferner wirkt die zweigeteilte Arbeitsweise von LaTeX
im Vergleich mit Word kompliziert und unnötig. Auf den zweiten Blick jedoch
enthüllt LaTeX eine enorme Leistungsfähigkeit. Zunächst zwingt es den Autor
sich über die logische Struktur seines Textes Gedanken zu machen, um im
Dokument die notwendigen Befehle anzugeben. Auf diese Weise entstehen gut
strukturierte Texte. Die gestalterischen Details übernimmt LaTeX. Der Autor
kann sich auf den Inhalt konzentrieren und muss sich nicht mit den
Formatierungen herumschlagen.
Zugegeben, für die Benutzung muss man sich einarbeiten und einige
Kommandos erlernen. Für grundlegende Abweichungen von den Standardlayouts
sind zudem tiefergehende Kenntnisse notwendig. Aber die Mühe lohnt sich,
denn schlussendlich spart LaTeX viel Zeit: Mit nur einer geänderten
Anweisung lässt sich ein Text zum Beispiel zweispaltig ausdrucken, das
gesamte Layout umstellen oder eine Sonderformatierung im ganzen Dokument
ändern. Fußnoten, Literatur- und Inhaltsverzeichnisse, Tabellen und vieles
mehr können mit wenig Aufwand automatisch erzeugt und aktualisiert werden.
Sie werden sagen, das kann meine Textverarbeitung auch. Wer sich jedoch
schon mal durch eine längere, formatierungsintensive Publikation gequält
hat, weiß, dass das, was sich bei wenigen Seiten noch einfach gestaltet,
schnell zum Fiasko werden kann.
Im Gegensatz zu den meisten WYSIWYG-Systemen stürzt LaTeX auch bei über
hundertseitigen Büchern nicht ab und belastet die Rechenleistung deutlich
weniger. Die Dokumente werden stabil und zuverlässig formatiert. Besonders
mathematische Formeln werden schön und schnell gesetzt. Außerdem entstehen
selbst im Blocksatz keine „Löcher“ im Text, die das Lesen erschweren. LaTeX
gleicht die Wortabstände in einer Zeile immer in einer sauberen Größe aus.
Daher ist LaTeX nicht nur an wissenschaftlichen und technischen Instituten
weit verbreitet, sondern auch bei Verlagen. Ein weiterer Grund ist die in
der Regel problemlose Portierbarkeit von LaTeX-Dokumenten von einem
Computersystem auf ein anderes. Beim Herunterladen der Software müssen Sie
leider lange Downloadzeiten in Kauf nehmen. Dafür ist es eine
Freeware.
Links & Literatur
Im Internet finden Sie weiterführender Literatur und
Online-Tutorials:
Beide Programme – TeX und LaTeX – werden von ihren ursprünglichen Autoren
nicht mehr gepflegt. Den Weiterentwicklungen widmen sich diese
Organisationen: