Audiokonferenzen sind Telefonkonferenzen, bei denen mehrere Teilnehmer, die zumindest teilweise örtlich verteilt sind, miteinander verbunden sind. Die Audiokonferenz ist ein Standardwerkzeug der computerunterstützten Gruppenarbeit (CSCW), das nicht speziell für die Unterstützung von Lerngruppen entwickelt wurde. Entsprechend breit ist das Angebot an Hard- und Softwaresystemen und -komponenten.
|
Audiokonferenzen bieten gegenüber
Videokonferenzen
Vorteile, denn die Datenrate ist wesentlich
geringer. Außerdem sind die meisten Menschen die Kommunikation per
Telefon gewohnt, während das Vorhandensein einer Kamera zu Hemmungen
führen kann. Da nur ein Sinneskanal übertragen wird, ist die nonverbale
Kommunikation eingeschränkt. Dennoch bieten Audiokonferenzen gegenüber
dem
Chat
den Vorteil zusätzlicher phonetischer Informationen
insbesondere zu Stimmung und Motivation des Gesprächspartners. Ein
weiterer Vorteil gegenüber dem Chat ist die Möglichkeit, ohne Zeitverzug
auf Beiträge zu antworten und den Diskussionsverlauf damit näher am
Thema zu halten.
Die „Dreiecksmatrix“ der Interaktionsformen Kommunikation,
Koordination und Kooperation bietet eine Möglichkeit der Einordnung der
Audiokonferenz in die Palette der
CSCW-Werkzeuge
(Abbildung).
|
Abb.: Klassifikation von Groupware nach Interaktionsunterstützung ( nach Hinze, 2004)
|
Mit Audiokonferenzen lassen sich synchrone Betreuungssituationen
realisieren. Insbesondere didaktische Hinweise zum Thema Betreuung finden
Sie im Bereich Lehrszenarien:
http://www.e-teaching.org/lehrszenarien/betreuung
Häufig wird ein weiterer Übertragungskanal genutzt, so dass während der
Audiokonferenz an gemeinsamen Dokumenten gearbeitet werden kann. Die Frage,
ob Sie sich in Ihrem individuellen Betreuungsszenario für Audiokonferenzen
entscheiden sollten, können Sie mit Hilfe unserer FAQ entscheiden:
http://www.e-teaching.org/materialien/faq/betreuung
Technische Aspekte
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine Telefonkonferenz technisch zu
realisieren: Hardware-Lösungen sind relativ aufwändig und daher vornehmlich
für Firmen oder den Einsatz in speziellen Sitzungsräumen interessant. Der
Datentransfer kann dabei über analoge oder
ISDN
-Telefonleitungen (digital) erfolgen. Die eigentliche
Konferenztechnik besteht aus einer Telefonanlage, Mikrofonen und
Lautsprechern.
-
Voice over IP
Es ist nicht sinnvoll für Audiokonferenzen ein neues Studio
einzurichten. E-Learning-Szenarien sollten möglichst ohne großen Aufwand in
bestehende Räumlichkeiten eingepasst werden. Die Technik muss an den
vorhandenen Arbeitsplätzen installiert werden können.
Im Hochschulbereich kommen daher Audiokonferenzen in Frage, die über das
Internet abgewickelt werden und für die im Wesentlichen eine entsprechende
Software benötigt wird. Diese Form der Audioübertragung wird auch "
Voice over IP
" genannt. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen
Telefonverbindung wird das Gespräch bei der Internet-Telefonie in kleine
Datenpakete zerlegt. Diese werden über das Internet zum Gesprächspartner
übertragen und dort wieder zurückgewandelt.
-
Halb-Duplex – Voll-Duplex
Die Qualität der Übertragung hängt unter anderem von der Art der Verbindung
ab. Einige ältere Programme erlauben nur das Sprechen einer Person zu einem
Zeitpunkt, so wie es beispielsweise vom CB-Funk oder von Haussprechanlagen
bekannt ist. Diese Form, die keiner natürlichen Sprech-Umgebung entspricht,
wird als Halb-Duplex-Konversation bezeichnet. Voll-Duplex bezeichnet die
Fähigkeit, simultan in zwei Richtungen zu kommunizieren, so dass mehr als
eine Person gleichzeitig sprechen kann.
Doch auch beim Voll-Duplex-Verfahren kann eine kurze Verzögerung zwischen
dem Moment des Sprechens und dem des Empfangs am anderen Ende der Leitung
entstehen. Ein Teil der Verzögerung entsteht durch die Arbeitsweise der
Modems, die eine Fehlerkorrektur und Datenkompression ausführen. Dieser
Effekt kann möglicherweise reduziert werden, wenn die Modemkompression
ausgeschaltet wird.
-
Audio-Qualität
Die Audio-Qualität ist einerseits von der Internetverbindung und
andererseits von der beim Sender oder Empfänger vorhandenen Leistung
abhängig. DSL-Internetverbindungen erlauben eine Tonqualität, die mit der
von herkömmlichen Telefongesprächen vergleichbar ist. Wenn beide Parteien
eine schnelle Netzwerk-Verbindung haben, bieten einige Programme eine
gegenüber dem Telefon sogar deutlich bessere Tonqualität, da sie
16-Bit-Signale statt der beim Telefon üblichen 8-Bit-Signale
verwenden.
Je näher sich eine Tonquelle am Ohr befindet, desto weniger macht sich eine
geringere Audio-Qualität bemerkbar. Kopfhörer sind daher eine preiswerte
Alternative, wenn nur unzureichende Lautsprecher vorhanden sind oder eine
schlechte Audio-Kompression zu Verlusten in wichtigen Frequenzbereichen
führt.
Produktinformationen: Internet-Telefonie (Voice over IP)
Es gibt zahlreiche Software-Lösungen, die teilweise kostenlos aus dem
Internet
bezogen werden können. Hier sollen einige kurz vorgestellt
werden:
-
NetMeeting
Eine kostengünstige Audiokonferenzlösung für Windows ist das
Freeware
produkt NetMeeting von Microsoft. Es ist ein Konferenz-Tool
zum Führen von Audio-, Video- und Datenkonferenzen. Es unterstützt neben
Echtzeit-Audio-Konferenzen auch die Gruppenarbeit. So kann ein Whiteboard
genutzt werden, Textnachrichten können gesendet und Dateien übermittelt
werden. Alle Funktionen sind auf Industriestandards basiert, so dass
Anwender anderer kompatibler Programme auch teilnehmen können.
Mehr Informationen zu NetMeeting erhalten Sie im
Produktsteckbrief
hier im Portal.
Eine detaillierte Beschreibung der Installation verschiedener Versionen von
NetMeeting finden Sie auf dieser Seite:
http://www.hh.schule.de/ak/nt/videokonferenzen.htm
-
Skype
Ein weiteres Freeware-Produkt ist Skype. Es ist für Windows-, Mac OS X- und
Linux-Rechner verfügbar. Da es nach dem Peer-2-Peer Prinzip funktioniert,
erfordert Skype keine Konfiguration der Firewall oder des Routers.
Mehr Informationen zu Skype erhalten Sie im
Produktsteckbrief
hier im Portal.
Einige Chatsysteme bieten ebenfalls Tonübertragungen an. Eine Einführung
in das Thema Internet-Telefonie, weitere Produkte und Anbieter finden Sie im
Online Magazin
Telespiegel.
Hardware-Lösungen
Hardware-Lösungen sind relativ aufwändig. Der Markt bietet eine Vielzahl von
Produkten, unter denen ausgewählt werden kann. Für Audiokonferenzen mit
mehreren Personen in einem Raum werden besondere Anforderungen an ein System
gestellt. Bei der Auswahl der Mikrofone und des Soundsystems sind folgende
Aspekte zu berücksichtigen:
- Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
- Größe des Raumes
- Besondere Eigenschaften: Ist der Raum besonders hoch? Gibt es eine
schalldämmende Deckenverkleidung? Ist der Grundriss teilweise rund oder
ausschließlich rechtwinklig? Gibt es große Fenster oder Metalloberflächen
(zum Beispiel Schränke)? Ist der Raum gegen Lärm von außen gut
isoliert?
- Tischanordnung und Größe des Tisches: quadratisch, rechteckig, rund,
hufeisenförmig?
Die Steuerung der Mikrofone bei Sitzungen kann auf unterschiedliche Weise
geschehen. Tischmikrofone mit Schaltern können von der Person, die gerade
redet, oder von der Sitzungsleitung an- und ausgeschaltet werden. Es gibt
auch Systeme, die die gerade sprechende Person orten und ein Mikrofon auf
diese ausrichten.
Kommerzielle Anbieter für Konferenzsysteme sind leicht – zum Beispiel im
Internet – zu finden, weshalb an dieser Stelle auf Produktinformationen
verzichtet wird. Möglicherweise gibt es an Ihrer Hochschule auch bereits
Erfahrungen mit Herstellern.