E-Portfolios sind netzbasierte Sammelmappen und ähneln einer persönlichen
Website. Ein E-Portfolio wird gewöhnlich als digitaler Speicher der
Artefakte genutzt, die im Verlauf einer Veranstaltung oder beispielsweise
während eines Studiums erstellt werden. Verschiedene digitale Medien und
Services können in Portfolios integriert werden. Hauptbestandteile von
Portfolios sind
- Sammlung von Arbeitsergebnissen,
- Anmerkungen von z. B. Tutoren oder Lehrenden,
- Feedback-Möglichkeiten
- persönliche Reflexionen.
Individuelle Portfolios für den nicht-öffentlichen Einsatz können als eine
Art Lerntagebuch angesehen werden, mit dem Ziel, eigene Kompetenzprofile zu
entwickeln und den Lernerfolg durch die Reflexion über das Gelernte noch zu
steigern.
Die Kommunikation mit dem Tutor oder einer Gruppe ist für die Reflexion
über das eigene Lernen allerdings gleichfalls von großer Bedeutung. Neben
dem E-Portfolio eines Einzelnen sind daher auch so genannte
Community-Portfolios sinnvoll. Sie machen den Lernprozess einer ganzen
Gruppe und die gemeinsame Entwicklung nachvollziehbar. Der Einsatz von
E-Portfolios ist über die Bildungsinstitutionen hinaus empfehlenswert.
Portfolios geben mehr Aufschluss und eine breiter gefächerte Einsicht über
die Entwicklung und Fähigkeiten des Einzelnen, als es ein einfaches Gespräch
oder eine Prüfung je könnten. So eignen sich Portfolios beispielsweise bei
einer Bewerbung als virtuelle Sammelmappe von Arbeitsproben.
Was benötigt ein E-Portfolio?
Die Struktur eines E-Portfolios ist nicht klar definiert; sein Umfang und
seine Funktionen sind nicht klar zu benennen. Grundsätzlich wäre eine
starre, fix geordnete, textbasierte Präsentation bereits die erste Stufe
eines Portfolios. Durch Auswahlmöglichkeiten und Hyperlinks, sowie
Dateianlagen könnte diese Stufe erweitert werden. Ein größeres E-Portfolio
umfasst sowohl Kommentar- und Feedback-Möglichkeiten als auch multimediale
Inhalte. Ein gutes E-Portfolio-System ermöglicht zudem die Reflexion zu
jedem Objekt und das Zusammenstellen eines maßgeschneiderten Portfolios aus
den vorhanden Einträgen im System.
An ein solches E-Portfolio werden also einige technische Anforderungen
gestellt, um eigenes Wissen und eigene Fähigkeiten darzulegen,
Lernfortschritte nachvollziehbar und die Reflexion über den Lernprozess
deutlich zu machen. Die Möglichkeit Feedback zu erhalten und die
Kommunikation mit Tutoren/Lehrern/Studenten sind wichtig für den steten
Lernprozess, den ein E-Portfolio aufzeichnen und wiedergeben können
soll.
Folgende Funktionen sind für die Erstellung und Pflege eines E-Portfolios
wichtig:
- Funktionen zum Sammeln und Ablegen von Dokumenten und Dateien, die für
die eigene Arbeit und das eigene Lernen repräsentativ sind
- Funktionen, um über Dinge zu reflektieren und Zusammenhänge zu
erkennen
- Funktionen, um das Portfolio zu gestalten und die jeweils beste Auswahl
von Arbeiten zur Ansicht bereitzustellen
- Funktionen, um das Portfolio einem bestimmten Publikum zugänglich zu
machen
- Funktionen für Kommunikation und Feedback
Eingesetzt für E-Portfolios werden zu diesen Zwecken meist
Weblogs, ein Nutzerprofil mit detaillierten Kompetenzangaben, ein
Datei-Ablage-System, ein Community-System für den Austausch, die
Kommunikation und die Rechteverwaltung, sowie
RSS-Feeds.
Erstellung eines E-Portfolios
Die Erstellung eines Portfolios erfordert nach Danielson & Abrutyn
(1997) im Wesentlichen die vier Arbeitsschritte Stoffsammlung, Auswahl,
Reflexion und Projektion. Nach
Hilzensauer & Hornung-Prähauser
(2005)
sind es fünf Schritte, die mit der Festlegung von Zielgruppe und
Kontext beginnen. Die Vorgehensweise könnte z. B. wie folgt aussehen:
- Festlegung des Inhalts anhand der Zielgruppe und des Kontexts,
- Sammeln und Sichten aller relevanten Objekte und Dokumente im
System,
- Auswahl der entscheidenden und passendsten Objekte,
- Reflexion, d. h. Kommentare zu den Arbeiten und zu ihrer Einordnung in
den eigenen Lernprozess, sowie zu ihrer Bedeutung für die Verwendung dieses
Portfolios,
- Zusammenführung, Vernetzung und Gestaltung der Objekte,
- Gezielte Bereitstellung oder Veröffentlichung des Portfolios und
- Projektion, d. h. Bewertung und persönliche Sicht zur Erfüllung der
Zielvorgaben (Evaluation).
Für die Erstellung und technische Umsetzung eines E-Portfolios bieten
bereits
Content
- oder
Lern-Management
-Systeme und Weblogs einige Möglichkeiten und werden
sehr häufig zu diesem Einsatzzweck verwendet. Häufig wird auf
Drupal
oder
Plone
zurückgegriffen, die besonders viel geeignete
Werkzeuge enthalten. Für einige Systeme, wie z. B.
Moodle, gibt es auch Erweiterungen, welche
zusätzliche Portfolio-Funktionen integrieren. Lernplattformen wie
BSCW
oder Moodle speichern bereits ohne zusätzliche
Module persönliche Informationsseiten der Teilnehmer und sind dafür
vorgesehen, deren Aktivitäten und Arbeitsfortschritte der Gruppe zu
dokumentieren und zu archivieren.
E-Portfolio-Systeme
Es gibt aber auch auf E-Portfolios spezialisiertere Systeme, einige
werden im Folgenden näher beschrieben.
Mahara
Mahara ist ein serverbasiertes System zur Erstellung und Verwaltung von
E-Portfolios. Benutzer können ein digitales Kompetenzprofil (Ausbildung,
Fertigkeiten, Ziele usw.) von sich erstellen, ein oder mehrere Weblogs
führen, Dateien hochladen und verwalten und Kontakte zu anderen Mitgliedern
pflegen. Es besteht auch die Möglichkeit zur Gründung eigener Gruppen
innerhalb der Community. Der Benutzer kann verschiedene Ansichten seines
Gesamtprofils erstellen und diese nur für bestimmte Benutzer oder
Benutzergruppen zur Einsicht freigeben. Das System eignet sich
beispielsweise besonders gut für die Zusammenstellung verschiedener
Portfolios, die je nach Art der Nutzung und je nach Adressat andere Inhalte
oder Gewichtungen bekommen können. Dies kann sinnvoll sein, um sich bei
einem bestimmten Arbeitgeber mit einem speziellen maßgeschneiderten
E-Portfolio bewerben zu können.
Der Quelltext ist frei verfügbar (Open Source) und unterliegt der
GNU GPL. Weitere technische
Informationen sowie einen Verweis zu einer Online-Demo finden sie im
e-teaching.org-
Produktsteckbrief zu Mahara
Mahara: Spezielles E-Portfolio-System neuseeländischer Herkunft
Elgg
Elgg ist eine virtuelle Lern- und Kommunikationsplattform, die den
Anspruch erhebt, mit ihr ein eigenes soziales Netzwerk betreiben zu können.
Neben der detaillierten Darstellung des eigenen Profils und der Möglichkeit
ein eigenes E-Portfolio zu erstellen, erlaubt diese Plattform den Austausch
von Dateien mit anderen Benutzern, fördert die Kommunikation unter ihnen und
vereint Benutzer zu Lern- oder Interessengemeinschaften. Auf diese Weise
können in Elgg so genannte Community-Portfolios erstellt werden, die
Aufschluß über den Lernweg einer Gemeinschaft geben.
Elgg ist Open Source und frei verfügbar. Nähere technische Informationen
zu Elgg finden sie im e-taching.org-
Produktsteckbrief zu Elgg.
Einige Systeme befinden sich noch in der Entwicklungsphase. Einige sind
zudem kostenpflichtig. Ein Verzeichnis über frei verfügbare und kommerzielle
E-Portfolio-Systeme ist unter
eife-l.org
erreichbar.
Beispiele
Weiterführende Informationen
- Mehr zur Gestaltung von Portfolios und Beispiele finden Sie im Bereich
Didaktisches Design.
- In der im Februar 2008 durchgeführten virtuellen Ringvorlesung (zur Aufzeichnung
|
zur Forumsdiskussion) im Rahmen der Community-Events des Portals
e-teaching.org referierte Mag. Wolf Hilzensauer zum Thema E-Portfolios und
deren Einsatz v. a. im universitären Bereich. Das
Positionspapier
zu diesem Vortrag ist
ebenfalls erhältlich.
- Ein englischsprachiges Verzeichnis für fast alle kommerziellen und Open
Source-E-Portfolio-Systeme ist über
eife-l.org
erreichbar.
- Bekanntes englischsprachiges Weblog zu E-Portfolio von
Helen Barrett
- Werner Stangls aufschlussreicher Text über die unterschiedlichen
Arten von Portfolios