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Muster veröffentlichen

Bevor ein Entwurfsmuster veröffentlicht wird, sollte es mehrere Prozesse der Qualitätssicherung durchlaufen. Da die Musterbeschreibung nicht nur Peripherie ist, sondern zur Substanz des Musters beiträgt, fällt besonderes Augenmerk auf adäquate und verständliche Beschreibungen. In der Pattern-Community sind daher ein spezielles Review- Verfahren und Autorenwerkstatt (Writer’s Worshops) als Methoden etabliert.

Das (wissenschaftliche) Publizieren innerhalb der Pattern-Community folgt im Wesentlichen diesem Prozess:

  • Muster finden (Pattern Mining): Auffinden wiederkehrender und relevanter Problemlösungen mit Hilfe induktiver Methoden,
  • Muster beschreiben (Pattern Writing): Beschreiben des Musters in einem strukturierten Pattern-Format,
  • Betreuung bei der Verbesserung und Verfeinerung (Shepherding): Nicht-anonymisiertes Gutachterverfahren auf Vertrauensbasis,
  • Autorenwerkstatt (Writer’s Workshop): Diskussion des Musters in einer Autorengruppe,
  • Finale Version schreiben: Die Kommentare aus dem Writer’s Workshop werden von den Autoren verwendet, um die finale Version zu erstellen
  • Veröffentlichung: Die Entwurfsmuster werden in Konferenzbänden, Büchern oder als Online-Publikation veröffentlicht und gegebenenfalls für Zeitschriften erneut eingereicht


Shepherding
Beim Shepherding handelt es sich um ein nicht-anonymous Peer Review-Verfahren zur Betreuung und Begutachtung. Es wird weltweit bei den Pattern Languages of Programs (PLoP)-Konferenzen und auch für viele Buchpublikationen im Patternumfeld eingesetzt. Im Gegensatz zu anonymen Gutachterverfahren steht eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen dem Shepherd (Schäfer) und den Muster-Autoren (Sheeps oder Schäfchen) im Vordergrund; Ziel ist die konstruktive Kritik und Verbesserung der vorgelegten Musterbeschreibungen. Zunächst stellen sich Shepherd und Autoren einander vor, in der Regel per E-Mail. Darauf folgen meist drei Runden mit Rückmeldungen, Lob und Verbesserungsvorschlägen. Während in der ersten Runde allgemeine Kritikpunkte angesprochen werden, geht es in der letzten Runde eher um Detailfragen. Neben der Verständlichkeit achtet der Shepherd auch auf Vollständigkeit, Plausibilität, Strukturierung und die Granularität der Muster. Die Muster-Autoren werden als Experten des Gegenstands betrachtet, die Anmerkungen beziehen sich daher oft primär auf die Form und nicht auf die Inhalte. Empfehlungen des Shepherds sind zudem nicht bindend, die Verantwortung für die Musterbeschreibung bleibt bei den Autoren. Die Erfahrungen des Shepherding-Prozesses sind ebenfalls in einer Mustersprache festgehalten: „The Language of Shepherding – A Pattern Language for Shepherds and Sheep .

Writer's Workshops
Spätestens nach dem Shepherding ist eine Musterbeschreibung reif für den Writer’s Workshop. Es handelt sich hier um eine weitere Methode, die Musterbeschreibungen zu begutachten, zu evaluieren und Verbesserungspotenziale auszuarbeiten. Bei einem Writer’s Workshop trifft sich eine Gruppe von Diskutanten, die das Muster gründlich gelesen haben, um die Stärken und Schwächen zu diskutieren und Empfehlungen für Verbesserungen vorzuschlagen. Ungewöhnlich ist dabei, dass die Autoren selbst nur zuhören und ihren Text nicht verteidigen dürfen. Die Idee dahinter ist, dass eine gute Dokumentation für sich alleine stehen muss und keiner zusätzlichen Erklärung bedarf. Schließlich sind die Autoren in der Regel auch nicht anwesend, wenn jemand ihr Handbuch oder ihre Veröffentlichung liest. In der Pattern-Community ist ein bestimmter methodischer Ablauf während des Workshops üblich:

    1. Die Autorin liest einen selbst gewählten Abschnitt aus dem Papier, um hervorzuheben, was ihr wichtig ist, und um den Text mit ihrer Person in Beziehung zu setzen.

 

    1. Für die nächsten Abschnitte zieht sich die Autorin zurück und wird zur reinen Zuhörerin, die sich Notizen macht. (Die Autorin wird zur „Fly on the Wall“).

 

    1. Einer oder mehrere Diskutanten fassen das Papier aus ihrer persönlichen Perspektive zusammen. So erhält die Autorin einen Eindruck, wie ihr Text von anderen aufgefasst wird.

 

    1. Die Gruppe hebt die positiven Aspekte des Papiers hervor, sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch stilistisch.

 

    1. Nachdem die positiven Aspekte genannt sind, werden Verbesserungsvorschläge für Inhalt und Form diskutiert. Es geht nicht einfach darum das Papier zu kritisieren, sondern konstruktive Empfehlungen auszusprechen, wie es verbessert werden könnte.

 

    1. Nach der Diskussion kehrt die Autorin zurück in den Diskussionskreis und erhält Gelegenheit, sich Kommentare oder Unklarheiten erläutern zu lassen. Es geht ausdrücklich nicht darum, das Papier zu verteidigen.

 

  1. Eine Workshop-Sitzung endet damit, dass die Diskutanten der Autorin für das Schreiben des Papiers danken


Dieser formale Ablauf wird in den meisten Writer’s Workshops auf Pattern-Konferenzen eingehalten und von einem Moderator geleitet. Der Ansatz stammt ursprünglich aus der Schreib-Szene und wurde von Richard Gabriel (2002) auf das Schreiben von Mustern übertragen und formalisiert. Der Vorteil dieser Methode ist es, eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven zu erhalten, die sehr effektiv faktische Fehler, grammatikalische Schwächen, strukturelle Gliederungsfehler, kulturelle Faux-Pas, Inkonsistenzen, unlogische Argumente usw. aufdecken. Die Voraussetzungen sind eine Vertrauensbasis zwischen den Teilnehmern und eine Kultur des Schenkens und Teilens. Sowohl das Sammeln, Schreiben und Teilen der Muster wie auch die Gutachterarbeit werden als gemeinnützige Tätigkeiten verstanden.

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Letzte Änderung: 01.07.2015

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