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Zwischen konstruktiver Konkurrenz und Zusammenarbeit: Föderale E-Learning-Politik in Deutschland

In mehreren deutschen Bundesländern wird die Digitalisierung der Hochschullehre durch Ländereinrichtungen gefördert. Deren Zielsetzungen, Angebote, Organisationsstrukturen und Fördermodelle sind föderal vielfältig. Im Gespräch mit Dr. Paul Rühl (vhb) und Dr. Norbert Kleinefeld (ELAN e.V.) geht es um die Unterstützung von E-Learning an Hochschulen durch politische Maßnahmen auf der Ebene der Bundes und der Länder - und um Möglichkeiten der Kooperation über die Ländergrenzen hinaus.

Inhalt

Seite 1 - Die Bedeutung der politischen Förderung für die digitale Hochschullehre
Seite 2 - Aufgaben, Strukturen und besondere Merkmale der vhb und des ELAN e.V.
Seite 3 - Unterschiede zwischen den deutschen E-Learning-Ländereinrichtungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Die Bedeutung der politischen Förderung für die digitale Hochschullehre

Die beiden Gesprächspartner im folgenden Interview vertreten als Geschäftsführer zwei Einrichtungen, die auf der Ebene eines Bundeslandes tätig sind und den Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre dieses Landes unterstützen: Dr. Paul Rühl die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb) und Dr. Norbert Kleinefeld den ELAN e.V., das eLearning Academic Network des Landes Niedersachsen.

e-teaching.org: Sie beide waren schon früh dabei, als es darum ging, den Einsatz von Medien in der Hochschullehre zu fördern. Im Rückblick betrachtet: Wie beurteilen Sie die bisherigen Fördermaßnahmen des Bundes oder anderer Geldgeber?

Norbert Kleinefeld: Zunächst begrüße ich grundsätzlich entsprechende Fördermaßnahmen des Bundes oder anderer Geldgeber, denn sinnvolle Veränderungsprozesse z. B. zur Ermöglichung des Einsatzes digitaler Medien in der Hochschullehre erfordern i. d. R. am Anfang einen erhöhten Ressourcenbedarf in den Hochschulen. Die geförderten Projekte des Programms „Neue Medien in der Bildung“ Anfang des neuen Jahrtausends haben zunächst eine „Türöffner-Funktion“ für das Thema digitale Hochschullehre übernommen. Leider waren die Projekte nicht sehr gut untereinander innerhalb und außerhalb der Hochschulen vernetzt, es gab daher viele „solitäre Diamanten“. Kriterien wie Nachhaltigkeit, Verstetigung oder Niedrigschwelligkeit der Angebote, Strukturen oder Werkzeuge zur praktischen Verbesserung der Qualität der Hochschullehre wurden erst in späteren Förderprogrammen gezielter und stärker eingefordert.

Paul Rühl: Die bisher wichtigste Fördermaßnahme war das BMBF-Programm „Neue Medien in der Bildung“. Dieses Programm hat dazu beigetragen, an vielen deutschen Hochschulen E-Learning-Kompetenzen aufzubauen. Leider wurde zu wenig dafür getan, dass diese Kompetenzen auch eine dauerhafte Wirkung entfalten konnten. In welchem Umfang nicht nur Forschende und Entwickelnde, sondern auch Studierende von den Ergebnissen dieses Förderprogramms profitiert haben, ist unklar geblieben. Das BMBF selbst war nach meinem Eindruck mit den Ergebnissen dieses Programms nicht wirklich zufrieden - jedenfalls wurde die Content-Entwicklung anschließend kaum noch gefördert. Die Hochschulen blieben daher weitgehend auf sich allein gestellt, und die Entwicklung neuer E-Learning-Angebote ging eher zurück.

e-teaching.org: Wie wichtig ist es für die Hochschulen Ihres Landes, dass E-Learning auf Länderebene unterstützt wird?

Paul Rühl: Die Förderung durch das Land ist für die Kooperation der bayerischen Hochschulen von ausschlaggebender Bedeutung. Ganz besonders gilt das für die hochschulübergreifende Nutzung von E-Learning-Angeboten mit der notwendigen Betreuung. Nach unserer Erfahrung arbeiten die meisten Studierenden dann erfolgreich mit umfangreichen Online-Kursen, wenn sie in diesen Kursen individuell von Tutoren betreut werden. Diese Betreuung muss finanziert werden, und keine Hochschule hat die Mittel, Teilnehmende von anderen Hochschulen mit zu betreuen. Deshalb ist die zentrale Finanzierung der hochschulübergreifenden Betreuung notwendig.

Norbert Kleinefeld: Eine dauerhafte Begleitung der o. g. Veränderungsprozesse ist m. E. für eine gewisse Zeit unerlässlich, um eine erfolgreiche Stabilisierung der Veränderungen zu erreichen, den es geht nicht nur um Veränderungen z. B. im Bereich der Technik, sondern es handelt sich hier um einen ganzheitlichen Kulturwandel. Die Prozesse der Etablierung von E-Learning und Digitalisierung gehen mit tiefgreifenden Veränderungen im Sinne der Organisationsentwicklung in den Hochschulen einher.

e-teaching.org: Wie schätzen Sie den Stand des Medieneinsatzes in der Hochschullehre Ihres Bundeslandes ein?

Norbert Kleinefeld: Es liegen hier keine genauen quantifizierbaren Ergebnisse vor, da die Hochschulen in diesen Bereichen autonom agieren. Neben der Geräte-Durchdringung bei den Studierenden, die sich an niedersächsischen Hochschulen im bundesrepublikanischen Durchschnitt bewegen, gibt es viele aktive Lehrende, die für ihre innovativen Lehrszenarien auch bundesweit schon ausgezeichnet worden sind. Bei dem größeren Teil der Lehrenden ist aber weiterhin intensive Überzeugungsarbeit zu leisten. Hier sei auf das BMBF-geförderte Projekt eCULT+ verwiesen, wo entsprechende Anstrengungen auf breiter Ebene unternommen werden.

Paul Rühl: Einen vollständigen Überblick über den Medieneinsatz in der Lehre der einzelnen bayerischen Hochschulen habe auch ich nicht. Die vhb kümmert sich um die hochschulübergreifende Online-Lehre. Viele unserer Trägerhochschulen nutzen daneben unabhängig von der vhb unterschiedliche Formate des Blended Learning für ihre eigenen Lehrangebote. Diese Aktivitäten der Einzelhochschulen und die Förderung der hochschulübergreifenden Online-Lehre durch die vhb stärken einander. Deshalb gehe ich davon aus, dass die bayerischen Hochschulen in der digitalen Lehre überdurchschnittlich gut aufgestellt sind. Ein Indiz dafür: Unter den acht Finalisten des Ars legendi-Preises 2015, der für herausragende und innovative Leistungen im Bereich des Digitalen Lehrens und Lernens verliehen wurde, waren Lehrende von fünf bayerischen Hochschulen. Andererseits gilt auch für Bayern: es ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Lehrende diese Form der Lehre kennen lernen, um sich eine Meinung zu bilden.

e-teaching.org: Bevor Ihre beiden Einrichtungen, die ja beide auf der Ebene Ihres Bundeslands operieren, etwas ausführlicher vorgestellt werden, noch die Frage: Welche Vorteile – und welche Nachteile – hat die föderale Organisation des Bildungswesens in Deutschland? Was sind die Vorteile für die Unterstützung der digitalen Hochschullehre?

Norbert Kleinefeld: Nachteilig ist in jedem Fall, dass eine länderübergreifende Zusammenarbeit z. B. aktuell noch nicht zentral durch den Bund unterstützt werden kann. Hier greifen bisher nur zeitlich und thematisch begrenzte Projekte wie z. B. aktuell im Bereich Open Educational Resources. Auch verwaltungstechnisch ist es nicht möglich, finanzielle und anderweitige Ressourcen über Ländergrenzen hinweg auszutauschen. Auch gestaltet sich eine Übertragung von Praxiserfahrungen oftmals schwierig. Die föderale Organisation hat auf der anderen Seite den Vorteil, dass unterschiedliche Modelle der Unterstützung entwickelt und erprobt werden können. So haben sich in unterschiedlichen Ländern z. B. unterschiedliche Rechtsformen der dort eingesetzten Landeseinrichtungen entwickelt, die im Rahmen ihrer Schwerpunktsetzungen auch seit Jahren gut funktionieren. Auch in den Hochschulen selbst wurden unterschiedliche Ansätze entwickelt, die sich für einen Austausch auf der Arbeitsebene gut eignen.

Paul Rühl: Deutschlands föderale Struktur bietet grundsätzlich große Vorteile. Gerade im Bildungswesen könnte eine konstruktive Konkurrenz um die besten Lösungen viel Gutes bewirken. Zur konstruktiven Konkurrenz in einem föderalen System sollte aber auch die Bereitschaft gehören, gute Lösungen zu übernehmen, die anderswo entwickelt wurden. Diese Bereitschaft scheint mir deutschlandweit noch ausbaufähig.

Aufgaben, Strukturen und besondere Merkmale der vhb und des ELAN e.V.

e-teaching.org: Lassen Sie uns an dieser Stelle etwas genauer auf die vhb und den ELAN e.V. eingehen: Was sind deren zentralen Aufgaben?

Paul Rühl: Zentrale Aufgabe der vhb ist die Förderung der Entwicklung und der hochschulübergreifenden Nutzung von netzgestützten Lehr- und Lernangeboten mit individueller Betreuung durch Teletutoren. Die mittlerweile über 450 Kurse unseres Programms wurden in aller Regel an jeweils einer unserer 31 Trägerhochschulen entwickelt; sie stehen allen Trägerhochschulen zur Nutzung in ihren Studiengängen zur Verfügung. Die Studierenden unserer Trägerhochschulen können an allen Kursen entgeltfrei teilnehmen und einen Leistungsnachweis erbringen. - Wer mehr wissen will, findet eine Kurzbeschreibung der vhb auf den Seiten von e-teaching.org. Vor allem aber möchte ich unser Leser einladen, unsere Homepage www.vhb.org zu besuchen. Dort gibt es im Bereich „Publikationen“ umfangreiche Informationen.

Norbert Kleinefeld: Ziel des gemeinnützigen Vereins „E-Learning Academic Network“ in Niedersachen (www.elan-ev.de) ist die Förderung der Qualität der Präsenzlehre vorrangig an niedersächsischen Hochschulen insbesondere durch den Einsatz von E-Learning. Die Mitglieder werden bei ihren E-Learning- und Digitalisierungsaktivitäten durch erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt, die in den etablierten Kompetenzbereichen mit unterschiedlichen Ausrichtungen arbeiten. Auf e-teaching.org gibt es übrigens auf der Seite Bundesländer ebenfalls eine Kurzbeschreibung des ELAN e.V..

e-teaching.org: Wie wird Ihre Einrichtung finanziert?

Paul Rühl: Die vhb ist eine im Staatshaushalt verankerte Einrichtung des Freistaats Bayern und wird unmittelbar vom Freistaat finanziert. Die Trägerhochschulen zahlen einen eher symbolischen Mitgliedsbeitrag von einem Euro je immatrikulierte Person und Semester. Im laufenden Jahr stehen der vhb 6,2 Millionen Euro an „frischem Geld“ zur Verfügung. In den beiden nächsten Jahren hoffen wir auf eine Aufstockung um je 0,5 Millionen – der Doppelhaushalt 2017/2018 muss aber noch vom Landtag beschlossen werden.

Norbert Kleinefeld: Die Mitglieder des ELAN e.V. zahlen jährlich einen von der Mitgliederversammlung beschlossenen Mitgliedsbeitrag. Es gibt drei Formen der Mitgliedschaft: ordentliches, assoziiertes und förderndes Mitglied mit je unterschiedlichen Umfängen der Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kompetenzbereiche. Weitere Einnahmen werden im Rahmen von Projektförderungen auf Landes- und Bundesebene generiert. Im Rahmen des Geschäftsbetriebs werden Einnahmen durch Aufträge Dritter erzielt.

e-teaching.org: Was würden Sie als „Alleinstellungsmerkmal“ der vhb bzw. des ELAN e.V. beschreiben?

Paul Rühl: Ein Alleinstellungsmerkmal der vhb ist die hochschulübergreifende Nutzung von betreuten Online-Kursen, die in Studiengängen der Präsenzlehre anerkannt sind. Ich möchte betonen: Es handelt sich leider noch um ein Alleinstellungsmerkmal - wir würden uns freuen, wenn auch in anderen deutschen Ländern solche Kurse zur Verfügung stünden und wir zu einem länderübergreifenden Austausch kommen könnten. Unser Konzept ist so erfolgreich, dass im Studienjahr 2015/16 mehr als 57.000 Studierende unserer Trägerhochschulen insgesamt 174.000 Kursbelegungen vorgenommen haben. Vermutlich haben wie schon in den bisherigen Semestern rund 55% aller Belegungen mit der Teilnahme am abschließenden Leistungsnachweis des Kurses geendet. Auch dieser Umfang und diese Breite der Nutzung von E-Learning dürften Alleinstellungsmerkmale der vhb sein. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Peer Review als Instrument der Qualitätssicherung von Hochschullehre.

Norbert Kleinefeld: Seit der Gründung des ELAN e.V. im Jahr 2008 hat sich dieser immer mehr von einer Service-Einrichtung für die Mitgliedshochschulen, die er immer noch ist, zu einer „Mittlerinstanz“ zwischen Hochschulen und Ministerium entwickelt, die auch proaktiv im Sinne der Mitglieder und des Landes wichtige hochschulische Themen wie Open Access, Open Educational Resources, Campus Management, Datenschutz und Urheberrechtsfragen, Digitalisierungsstrategien usw. in den Blick nimmt. e-teaching.org: Was ist aus der Perspektive der Hochschulen bzw. auch der Lehrenden der besondere Vorteil der vhb / des ELAN e.V.? Gibt es Aspekte, die für Sie als Einrichtung wichtig sind (z.B. QS-Maßnahmen), aber für die Beteiligten an den Hochschulen eventuell schwierig? Norbert Kleinefeld: Auf der Hochschulebene leistet der ELAN e.V. neben der angesprochenen Unterstützung durch die Kompetenzbereiche z. B. auch Unterstützung bei Verbundaufgaben (MWK- und/ oder BMBF-Anträge) oder begleitet Hochschulabteilungen, die, wie z. B. bei komplizierten rechtlichen Fragestellungen (u. a. Datenschutz, § 52a UrhG) oftmals der Fall, auf externes Know how zugreifen müssen und vernetzt die Hochschulen, um Ressourcen und Kräfte bezüglich wichtiger gemeinsamer Herausforderungen zu bündeln. Auf der Ebene der Lehrenden helfen die erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den etablierten Kompetenzbereichen bei Alltagproblemen im Rahmen der Präsenzlehre schnell und effizient. Die Mitgliedshochschulen müssen daher nicht für alle Aufgaben eigene Ressourcen vorhalten.

Paul Rühl: Mit der vhb verfügen die bayerischen Hochschulen und deren Lehrende über eine stabile Förderung der netzgestützten Lehre, und zwar nicht nur für die Entwicklung, sondern auch für die Durchführung, das heißt: für die Betreuung der Studierenden. Das gemeinsame Portfolio von bereits über 450 Kursen (mehr als 100 weitere sind in Entwicklung) hilft, die Studienbedingungen für die wachsende Zahl derjenigen Studierenden zu verbessern, denen ein 100%iges Präsenzstudium nicht möglich ist – beispielsweise wegen familiärer Verpflichtungen. Auch kurzfristige Engpässe wegen Freisemestern oder Erkrankung von Lehrenden können mit vhb-Kursen überbrückt werden.

e-teaching.org: In welche Richtung würden Sie die Ihre jeweilige Initiative bzw. Einrichtung. gerne weiterentwickeln?

Paul Rühl: Zum einen sehe ich eine quantitative Weiterentwicklung, denn der Bedarf an örtlich und zeitlich flexibel studierbaren Lehrangeboten ist noch längst nicht gedeckt. Zugleich sollten wir unser Qualitätsmanagement weiterentwickeln, und dazu gehört der verstärkte Einsatz von Verfahren des Leistungsnachweises, die dem Medium Internet angemessen sind. Derzeit steht am Ende sehr vieler vhb-Kurse immer noch die klassische, unter Aufsicht geschriebene Klausur. All das werden Themen für meine Nachfolgerin Dr. Steffi Widera, mit der ich seit Oktober die Geschäfte der vhb gemeinsam führe. Im April 2017 wird Frau Widera die alleinige Geschäftsführung der vhb übernehmen.

Norbert Kleinefeld: Zunächst gibt es das Leitziel, die Anzahl der Mitglieder weiter zu erhöhen, um noch weitere niedersächsische Hochschulen auf ihrem Weg in die Digitalisierung effektiv unterstützen zu können. Das Spektrum der hierfür etablierten Kompetenzbereiche hat sich im Laufe der Jahre als sinnvoll und notwendig erwiesen. Wichtig bei aller Kontinuität ist allerdings, immer neue Entwicklungen kritisch zu prüfen und auf ihre Bedeutung für die Präsenzlehre der Lehrenden hin zu beurteilen. So nimmt neben den etablierten Kompetenzbereichen auch der Bereich der (Medien-)Kompetenz einen immer größeren Stellenwert auch als Querschnittsaufgabe ein.

Unterschiede zwischen den deutschen E-Learning-Ländereinrichtungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit

e-teaching.org: Die Vorstellungen Ihrer Einrichtungen haben gezeigt, dass die Unterstützung des Medieneinsatzes in der Hochschullehre in verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich aussehen kann, und außer Ihren Einrichtungen gibt es noch weitere in anderen Bundesländern. Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie?

Norbert Kleinefeld: Allen Landeseinrichtungen gemeinsam ist die Zielsetzung, die Lehrenden bei dem Einsatz digitaler Lehrszenarien und Werkzeuge in der Präsenzlehre zu begleiten und zu unterstützen sowie die Studienbedingungen zu verbessern. Darüber hinaus haben sich in den einzelnen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte herausgebildet.

Paul Rühl: Mit den vergleichbaren Einrichtungen in anderen deutschen Ländern verbindet uns sehr viel. Auch wir kümmern uns z. B. um Fragen der technischen Infrastruktur. So haben wir unsere Trägerhochschulen beim Aufbau einer auf Shibboleth basierenden Autorisierungs- und Authentifizierungs-Infrastruktur unterstützt, damit alle Studierenden unserer Trägerhochschulen ohne großen Aufwand auf sämtliche Kurse des vhb-Programms zugreifen können, unabhängig davon, von welcher Hochschule der jeweilige Kurs angeboten wird. Bevor ein Kurs entwickelt wird, informiert unser Projektmanagement die Entwickler darüber, welche rechtlichen Gesichtspunkte zu beachten sind. Wir veranstalten in jedem Jahr mehrere Workshops für Lehrende, die in die digital unterstützte Lehre einsteigen wollen. Wir arbeiten am Thema E-Assessment, um in Zukunft Formen des Leistungsnachweises anbieten zu können, die dem Internet angemessen sind.

e-teaching.org: Auf der letzten Seite haben Sie Ihre jeweilige Landesinitiative/-einrichtung beschrieben. Gibt es Aspekte am Konzept der vhb, dass Sie, Herr Kleinefeld, auch beim ELAN e.V. gerne umsetzen würden?

Norbert Kleinefeld: Der Aspekt des Content-Austauschs, der im Rahmen der vhb eine zentrale Rolle einnimmt, ist im ELAN e.V. bisher nur randständig entwickelt. Im Zuge der Vernetzungen der Mitgliedshochschulen soll hier insbesondere auch unter Einbeziehung der Bibliotheken ein stärkerer Austausch angeregt werden. Diesbezüglich stehe ich mit meinem Kollegen Paul Rühl schon seit geraumer Zeit im direkten und fruchtbaren Austausch. e-teaching.org: Und umgekehrt, Herr Rühl: Gibt es Anregungen aus dem ELAN e.V., die Sie gerne auch in der vhb nutzen würden?

Paul Rühl: ELAN e.V. und vhb sind im Wesentlichen in denselben Bereich aktiv, wenn auch zum Teil in unterschiedlicher Weise. Deshalb schätze ich den regelmäßigen Austausch gerade mit Norbert Kleinefeld sehr. Was bei der vhb hinzukommt ist die Konzentration auf die hochschulübergreifende Zusammenarbeit in der Praxis der digitalen Lehre, die ganz unmittelbar den Studierenden zu Gute kommt. Ich würde mich sehr freuen, wenn die vhb künftig auch auf diesem Gebiet von Erfahrungen und Anregungen des ELAN e.V. profitieren könnte.

e-teaching.org: Die verschiedenen E-Learning-Landesinitiativen in Deutschland sind ja schon seit langem im Gespräch miteinander. Sie, Herr Rühl, haben schon Anfang der 200er Jahre einen Kreis ins Leben gerufen, in dem sich Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichen Landesinitiativen halbjährlich treffen und informell austauschen. Welche Idee steckte dahinter?

Paul Rühl: Unser Kreis hat sich das erste Mal im Mai 2003 in Bamberg getroffen. Das war in der Mitte der Laufzeit des BMBF-Programms „Neue Medien in der Bildung“. Wir sind seither nahezu in jedem Semester zusammengekommen, um uns über die Entwicklungen in unseren Ländern auszutauschen und uns gegenseitig bei der Lösung von Problemen zu beraten. Leider ist die spätere Entwicklung nicht in allen Ländern günstig verlaufen, die anfangs dabei waren. Mehrere Landesministerien haben die Förderung der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit im E-Learning teils völlig eingestellt, teils stark zurückgefahren.

e-teaching.org: Vor kurzem hat dieser Kreis der Ländereinrichtungen und Landesinitiativen ein Konzeptpapier veröffentlicht und darin seine Bereitschaft dargestellt, sich stärker in den aktuellen politischen Diskurs einzubringen. Was hat die Initiativen bisher gehindert, stärker zusammen zu arbeiten?

Paul Rühl: Eine engere und vielleicht auch organisatorisch festere Zusammenarbeit der Landesinitiativen fände ich sehr zweckmäßig, wenn wir konkrete Ziele definiert haben, die wir gemeinsam erreichen wollen. Die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und vor allem bei der länderübergreifenden Nutzung von digitaler Hochschullehre wäre aus meiner Sicht ein besonders lohnendes Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten außer Bayern weitere Länder bereit sein, ihre Hochschulen zur Zusammenarbeit in der Online-Lehre zu motivieren. Eine Landesinitiative kann nur solche Ziele vertreten, für die sie sich der Unterstützung ihrer Trägerhochschulen und vor allem seitens des verantwortlichen Ministeriums sicher sein kann.

Norbert Kleinefeld: Durch die o. g. unterschiedlichen Schwerpunktausrichtungen der Landeseinrichtungen zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es in der Vergangenheit nicht genügend große Schnittmengen bezüglich gemeinsamer Themenfelder. Mit dem Erscheinen übergeordneter Themen wie Open Access, Open Educational Resources oder auch der Digitalisierung generell ändern sich hier aktuell die möglichen Handlungsfelder.

e-teaching.org: Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit sehen Sie? Was wäre aus Ihrer Perspektive erstrebenswert und was müsste in den nächsten Jahren getan werden – z.B. auf bundespolitischer Ebene, aber auch von den Hochschulen –, damit Ihre Landesinitiative die Entwicklung des Medieneinsatzes in der Hochschullehre weiter gut unterstützen kann?

Norbert Kleinefeld: Hier ist im Wesentlichen die Frage der Bereitstellung von zentralen Fördermitteln des Bundes für gemeinsame länderübergreifende Aktionen zu klären. In Abstimmung mit allen Beteiligten sind weitere Strategien zur Stabilisierung der digitalen Lehre an den Hochschulen abzustimmen.

Paul Rühl: Ich würde mir vor allem wünschen, dass die hochschulübergreifende Zusammenarbeit in der netzgestützten Lehre auch in anderen Ländern gefördert würde, damit eine länderübergreifende Zusammenarbeit möglich wird. Hier könnte der Bund eine sehr wichtige Rolle spielen, indem er die Länder finanziell unterstützt, damit diese ihre Hochschulen zur Zusammenarbeit motivieren können.

Links im Artikel

Die Bedeutung der politischen Förderung für die digitale Hochschullehre: https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/e-learning-foerderung-in-deutschland-zwischen-foederalismus-konstruktiver-konkurrenz-und-zusammenarbeit/resolveuid/41075372d8bf449080ab3aa124eb6c72

Aufgaben, Strukturen und besondere Merkmale der vhb und des ELAN e.V.: https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/e-learning-foerderung-in-deutschland-zwischen-foederalismus-konstruktiver-konkurrenz-und-zusammenarbeit/resolveuid/43ca751eb4fd4c4ba8a5bb1de50a252c

Unterschiede zwischen den deutschen E-Learning-Ländereinrichtungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit: https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/e-learning-foerderung-in-deutschland-zwischen-foederalismus-konstruktiver-konkurrenz-und-zusammenarbeit/resolveuid/54a6816b70d447ebbc5cdb17e3993864

eCULT+: https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/e-learning-foerderung-in-deutschland-zwischen-foederalismus-konstruktiver-konkurrenz-und-zusammenarbeit/www.ecult.me

Kurzbeschreibung der vhb: https://www.e-teaching.org/projekt/politik/laenderzentren/vhb

www.vhb.org: https://www.vhb.org/startseite/

www.elan-ev.de: https://www.elan-ev.de/

Bundesländer: https://www.e-teaching.org/projekt/politik/laenderzentren

Kurzbeschreibung des ELAN e.V.: https://www.e-teaching.org/projekt/politik/laenderzentren/ELAN

Konzeptpapier: https://www.e-teaching.org/projekt/politik/laenderzentren/konzeptpapier-fuer-laenderuebergreifende-kooperationen

Zitation

e-teaching.org Redaktion (2016). Zwischen konstruktiver Konkurrenz und Zusammenarbeit: Föderale E-Learning-Politik in Deutschland. Zuletzt geändert am 18.10.2016. Leibniz-Institut für Wissensmedien: https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/e-learning-foerderung-in-deutschland-zwischen-foederalismus-konstruktiver-konkurrenz-und-zusammenarbeit/full. Zugriff am 17.01.2017