Pastperfect

Ein Webprojekt zum 16. Jahrhundert

07.10.2004

"pastperfect.at" schildert das Leben des 16. Jahrhunderts in Form eines avancierten und sinnlich navigierbaren Hypertextraumes, der sich delinearen Rezeptions- und Interpretationsweisen öffnet. Im Gegensatz zur "großen Erzählung" wird ein Netzwerk von mehr als 700 "Geschichten" renommierter wie junger WissenschaftlerInnen angeboten, die neben- und miteinander Geltung haben und sowohl Politik-, Religions- und Wirtschaftsgeschichte als auch Themenfelder wie Alltag, Kultur, Wissenschaft und Gender gleichwertig miteinschließen. Die eigenverantwortliche Rezeption und (Re-)Konstruktion der Inhalte steht im Vordergrund. "pastperfect.at" bietet ein Spielfeld für "offenes" und "entdeckendes" Lernen und hat diesbezüglich Referenzcharakter, insbesondere in Bezug auf die Umsetzung einer innovativen Hypertextstruktur.

2009 wurde die Seite um einen Längsschnitt zur Demokratiegeschichte erweitert. Die hier versammelten Beiträge zur Geschichte der Demokratie beginnen im Europa der Frühen Neuzeit und bewegen sich fünf Jahrhunderte bis hin zur Gegenwart um politische Ereignisse, kulturell-ökonomische Dispositionen und geistesgeschichtliche Entwicklungen. Von großen historischen Umwälzungen bis hin zu mikrogeschichtlichen Alltagserzählungen, von Revolutionen und Friedensverträgen, von Ideen, Idealen und Ideologien, von Staatenbildungen und Bürgertum bis zu Zensuswahl und Talkshows. Erzählt wird dabei keine vermeintlich geradlinige und auf wenige Nenner zu bringende Entwicklung der Demokratie. In den Blick gerückt wird vielmehr eine Vielzahl von Perspektiven auf unterschiedliche Aspekte und Ausprägungen von Demokratie. Dabei entfalten sich unterschiedliche Wege durch das weite Feld, das in der Beschäftigung mit der Demokratie durchwandert werden muss. Die einzelnen Geschichten, die nur einen kleinen Ausschnitt eines umfassenden Themenkomplexes beleuchten können, sind chronologisch nach Jahrhunderten geordnet, können aber auch anders gelesen werden: entlang von Pfaden, die sich um die Begriffe Freiheit, Gleichheit, Partizipation und Gewalt durch die Geschichte der Demokratie bahnen.

Ziele und Inhalte

"pastperfect" vermittelt die thematische Breite kulturwissenschaftlicher Perspektiven auf die Vergangenheit und ist somit für jedwede geistes- und kulturwissenschaftliche Fächer nutzbar. Neben der Vermittlung von historischem Wissen wird auch die Medialität des Projektes in einer geschaffenen Zusatzebene reflektiert, - so kann das Projekt auch für medienwissenschaftlich orientierte Disziplinen von Interesse sein.

Didaktisches Konzept

Im Kern dreht sich das Projekt um die Herausforderung einer bedachten Integration von Medien- und Geschichtsdidaktik.

(1) Als Modellfall für das Ausloten der Möglichkeiten eines Hypertextnetzwerkes im engeren Sinn, das sich von vornherein der Möglichkeit entzieht, linear rezipiert zu werden, kann das Projekt eine Quelle für das sinnliche und lustbetonte Erproben einer (neuen) Kulturtechnik werden: Die weitestgehend eigenverantwortliche Rezeption und (Re-)Konstruktion von delinearisierten Inhalten. Eine Sensibilisierung für das "Wesen eines Mediums", dessen Strukturen, Spezifik und Rahmenbedingungen kann dadurch erreicht/erlernt werden. "Entdeckendes" und "offenes" Lernen steht im Vordergrund.

(2) Neben den Möglichkeiten, Geschichte basierend auf fundierter wissenschaftlicher Forschung im digitalen Raum zu rezipieren/erlernen, schält sich ein geschichtstheoretisches Grundlagenthema durch das konsequente Verfolgen der Hypertextstruktur heraus: Im Hypermedianetzwerk von "pastperfect.at" finden verschiedenste Perspektiven, zuweilen auch Ambivalenzen und Widersprüche konkret und augenscheinlich nebeneinander Platz, ergänzen, erläutern einander. Erzählt wird nicht mehr "eine" Geschichte, angeboten wird vielmehr ein Pool, aus dem heraus sich die UserInnen selbst ihre Geschichten fischen können. Eine mit Anspruch auf Vollständigkeit und überdauernde Gültigkeit besitzende "große Erzählung" findet in dieser offenen Architektur keinen Platz. "pastperfect.at" bietet als Anschauungsobjekt Anlass, sich im universitären Feld eingehend mit Erzähltheorien und Geschichtskonzeptionen auseinander zu setzen; Anlass, sich mit einer möglichen Zukunft der Kulturwissenschaften und deren (digitaler) Produktion und Vermittlung zu beschäftigen.

Weitere Informationen zu Hypertext finden Sie in der Rubrik Didaktisches Design.



Abb.: Das Zeitrad ist (neben weiteren) ein zentrales Navigationselement

Curriculare Verankerung

Gemäß der inhaltlichen Ausrichtung, der spezifischen Weise Geschichte zu vermitteln und dem medientheoretischen/mediendidaktischen Background wird das Projekt v.a. in drei Lehrveranstaltungstypen eingebunden:

  • In Lehrveranstaltungen zur europäischen Geschichte der Neuzeit (Aspekt-, Epochen- und räumlich orientierte Fächer: Vorlesungen und Seminar),
  • In Kursen zur Wissenschafts- und Erkenntnistheorie (I und II)
  • In Kursen zur "Informatik und Medien in der Geschichtswissenschaft", allesamt Pflichtlehrveranstaltungen im Studium der Geschichte. Neben diesen Lehrveranstaltungstypen wird nun auch an eine verstärkte Integration in Fachdidaktikseminaren gedacht, in denen das Projekt zu Lehr- und Demonstrationszwecken als Modellfall für eine Vermittlungsmöglichkeit von Geschichte herangezogen und diskutiert werden kann. Darüber hinaus wird pastperfect.at auch in Gymnasien eingesetzt. Umfangreiches Arbeitsmaterial zur Gestaltung von Unterrichtseinheiten finden Sie unter: http://www.lehrer-online.de/url/zeitenwende

Technik

Zugang
Das Projekt war unter der Adresse www.pastperfect.at frei zugänglich, wird aber nicht mehr gepflegt. Ggf. muss ein Flash- Plug-In (Link auf Startseite) heruntergeladen werden.

Nutzung
Das Flash-Interface soll eine dynamsiche und sinnlich-funktionell navigierbare Begegnung von Text, Bild und Ton ermöglichen.
Ein Autorenwerkzeug soll in der laufenden Projektphase integriert werden und so auch UserInnen die Möglichkeit geben, weitere Knoten in das Netzwerk von "pastperfect.at" zu knüpfen.

Benötigte Software

  • Ggf. muss ein Flash-Plug-In (Link auf Startseite) heruntergeladen werden.
  • Kompatibel mit allen gängigen Browsern.
  • Empfohlene Bildschirmauflösung: 1024*768.

Entwicklung

Das Redaktions- und Datenbanksystem (Adaption des "VMS5" von VanGoghTV) beruht auf MySQL/ PHP - XML ; Das Interface wurde mit Flash umgesetzt, die Textversion des Projektes ist HTML -basierend.

Zielgruppe

SchülerInnen, Studierende, FachwissenschafterInnen und Geschichtsinteressierte

Ergebnisse

(1) Als Evaluationsmethode wurden hier - nach teilstrukturierten Gruppendiskussionen zur Exploration - standardisierte Online-Fragebögen zur Untersuchung der Zielgruppen/Usability entwickelt. Die Resultate dienen der Optimierung bzw. einer Ausweitung der Webseite ; da aber eine Version des Projektes im Netz zugänglich ist, ist die Funktion der Evaluation zugleich bilanzierend und gestaltend. Die bisherigen Ergebnisse der Evaluation sowie die gewonnenen praktischen Erfahrungen zeig(t)en, dass die medien- und geschichtsdidaktischen Intentionen generell ihre Wirksamkeit entfalt(et)en.

(2) Die im Zuge des Projektes erarbeitete technische wie personelle Struktur wurde bereits für weitere Medienprojekte mit genutzt. (etwa den Hypertextcreator). Das technische System (CMS mit Flash -Interface - Anbindung) wie auch das geschaffende personelle Netzwerk (aus den Bereichen: Kulturwissenschaft, Mediendesign und Informationstechnologie) werden nun weiteren Projekten zur Verfügung gestellt.

Zum Projekt

Ansprechpartner/in

Prof. Dr. Wolfgang Schmale, E-Mail: wolfgang.schmale@univie.ac.at

Zeitraum

In den zwei - je einjährigen - Projektphasen wurde nicht nur ein Produkt geschaffen, sondern v.a. auch eine personelle wie technische Struktur, die in unterschiedlichen Kontexten genutzt worden ist.

Förderung

 

  • Vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank wurden die bisherigen zwei Projektphasen (Nov. 2000 – Okt.2001 und Okt. 2002 – Sept. 2003) mit insgesamt 122.000 Euro gefördert.
  • Medida-Prix 2004 : Förderpreis der Jury und Publikumspreis

Beteiligungen und Kooperationen

Kooperationen hinsichtlich der Fortentwicklung des Projektes:

Hinsichtlich der Erhöhung des Bekanntheitsgrades in akademischen Fachkreisen (sowie Diskussion des Projektes) u.a.:

Hinsichtlich Erhöhung des Bekanntheitsgrades im schulischen Kontext (sowie dbzgl. Diskussion, Kritik, Feedback) u.a.:

Kategorisierung

Lehrfunktion

  • Informationsvermittlung
  • Wissenserarbeitung
  • Wissenstransfer
  • Motivation

Medieneinsatz

  • Hypertext

Fachbereich

  • Geistes- und Sozialwissenschaften

Lehrszenarien

  • Vorlesung
  • Übung
  • Seminar

Kategorie

  • Lernmaterial(-sammlung)