Opencast 2

Opencast (ehemals Opencast Matterhorn) ist eine Open Source Software zur Planung, Aufzeichnung und Veröffentlichung audiovisueller Lerninhalte. Weltweit haben sich mehrere Hochschulen als Opencast Community zur Pflege und Weiterentwicklung der Software zusammengeschlossen und sind zudem Teil der Apereo Foundation, einem Konsortium von Open Source Projekten im akademischen Umfeld.

Aufgrund offener Standards wird die Integration von Opencast in bestehende Architekturen und die Verwendung vorhandener Ausrüstungen gefördert. Aufzeichnungen werden automatisiert oder per Hand ins System geladen und können aus beliebigen Quellen stammen. Beispielsweise reicht bereits eine Kamera/Mikrofon-Kombination am Laptop oder dem Smartphone für eine einfache Aufnahme aus. Die Möglichkeiten erstrecken sich bis hin zu großen, professionellen Kamerainstallationen bei gleichzeitiger, synchroner Aufnahme des Bildsignals der Vortragsfolien für Side-by-Side-Videopräsentationen (Aufnahmen vom Vortragenden und der Präsentation liegen nebeneinander). Die Dateien, die in Opencast eingespeist werden, stammen in der Regel von damit über das Netzwerk verbundenen Capture Agents. Diese können einfache Windws-PCs, professionelle Aufzeichnungsrecorder oder auch ein kleiner RaspberryPi (<100€) sein. Opencast und einige damit verbundene Systeme bieten die Erstellung von Zeitplänen für Aufzeichnungen an.

Aufgezeichnete Inhalte können editiert (Schnitt, Metadaten anpassen) und in eine Vielzahl aktueller Dateiformate mit verschiedenen Qualitätsstufen gewandelt werden. Für die Freigabe der Videos wird ein flexibles Rechtemanagement geboten. Möglich sind etwa die Einbindung in verschiedene Lernplattformen (Moodle, ILIAS, Stud.IP, etc.) für einen eingeschränkten Nutzerkreis, die Freigabe der Aufzeichnung im Internet und die Publikation auf anderen Kanälen, z.B. als RSS- oder Atom-Feed oder bei Youtube.

Autor des Testberichts ist Christoph Jobst, Mitarbeiter des Zentrums für multimediales Lehren und Lernen (@LLZ) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - herzlichen Dank für diesen Gastbeitrag! Der Text wurde am 25.10.2015 veröffentlicht. Spätere Ergänzungen und Aktualisierungen erfolgen durch das Redaktionsteam von e-teaching.org.

Vorteile

  • Kostenlos
  • Für den Hochschulkontext entwickelt
  • Aktive und hilfsbereite Community mit monatlichen (Online-)Treffen sowie jährlichen Treffen jeweils im deutschsprachigen Raum und im internationalen Kontext
  • Der komplette Prozess (Planung bis Veröffentlichung) wird unterstützt
  • Anpassung und Erweiterung aufgrund des frei zugänglichen Quellcodes möglich
  • Vereinfachte Installation aus einem Repository für einige Plattformen
  • Capture Agents sind vorkonfiguriert von verschiedenen Herstellern erhältlich oder dank freier Software mit eigener Hardware selbst zusammenstellbar
  • Kontinuierliche Entwicklung neuer Features für Opencast und zusätzlicher Unterstützungssysteme (z.B. automatische Verfolgung von Vortragenden im Hörsaal mit beweglichen Kamerasystemen)

Nachteile

  • Die Administration einer performanten, sicheren und verteilten Umgebung erfordert umfangreiche Kenntnisse zur Konfiguration von Software, Plattform und Speicher
  • Einige Funktionen von Opencast können noch nicht über die Nutzeroberfläche verwendet werden, sondern erfordern die Verwendung anderer Schnittstellen (REST) oder die direkte Manipulation der Datenbankinhalte
  • Die Dokumentation ist stellenweise noch zu oberflächlich
  • Opencast bietet kein vollumfängliches Video-Content-Management

Beispiele

  • Lernfunk der Universität Osnabrück (selbstentwickelte Oberfläche)
  • OpenLecture der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (mit angepasstem Front-End "lf-portal")

Einstiegslevel

Eine All-in-One Installation (die Opencast-Komponenten zur Administration, Verarbeitung und Veröffentlichung laufen auf einem einzigen Server) zu Demonstrations- oder Probezwecken ist einfach durchzuführen.

Für eine verteilte Installation von Opencast sind fundierte Systemadministratorkenntnisse erforderlich. Durch die Installation aus einem Repository mit vorbereiteten Installationsprofilen (z.B. Administrationsserver, Präsentationsserver, etc.) kann der Aufwand gemindert werden, man büßt jedoch die Anpassbarkeit des Systems teilweise ein.

Tutorials

Dieses Video beschreibt die grundlegenden Funktionen von Opencast und bietet einen Einblick in die Nutzeroberfläche.

Die Dokumentation für Administratoren, Nutzer und Entwickler wurde für Version 2.x grundlegend überarbeitet.

Alternativen

  • Kaltura
  • TechSmith Relay
  • Panopto
  • Mediasite
  • Echo360

Kompatibilität

Formate

Aufgezeichnete Inhalte können in nahezu beliebigen Formaten verarbeitet und ausgegeben werden. Opencast arbeitet mit dem Multimedia-Framework FFmpeg, dessen Funktionsumfang je nach den eigenen Bedürfnissen genutzt werden kann. Mögliche Formate sind beispielsweise:

  • Video
    • H.264
    • Ogg Theora
  • Audio
    • Ogg Vorbis
    • AAC
    • MP3
  • Flash

Plattformen

  • Unix / Linux

Technische Voraussetzungen

Linux

  • RedHat Enterprise Linux *
  • CentOS *
  • Scientific Linux *
  • Fedora *
  • Debian
  • Ubuntu

* Für diese Plattformen wird die komfortable Installation fertiger Programmdateien über ein Repository geboten. Alternativ kann Opencast auch stets selbst kompiliert werden.

Allgemeines

Getestete Version

Release 2.0.1

Hersteller

Opencast Community (http://www.opencast.org)

Preis

Opencast ist kostenlos erhältlich. Doch sollte beachtet werden, dass ausreichend Ressourcen für Administration und Wartung bereitgestellt werden müssen. Alternativ bieten Dienstleister diesen Service gegen Entgelt an.