Suchmaschinen, Bibliothekskataloge, Angebote der Versandhändler: Täglich gehen Sie mit Datenbanken im Internet um. Was macht diese so effektiv? Erfahren Sie hier etwas über die Technik und den Umgang mit ihnen.
Welche praktischen Vorteile bietet die Suche in elektronischen
Datenbanken?
Alle Informationen über ein Medium (z.B. ein Buch), die früher in
Bibliotheken auf Karteikarten festgehalten wurden, machen in einer
elektronischen Datenbank einen Datensatz aus. Jede Kategorie auf der
Karteikarte (Verfasser, Titel, Verlag...) entspricht einem
Datenbankfeld.
Während in klassischen gedruckten Bibliothekskatalogen nur nach
einer
Kategorie gesucht werden kann, gibt es bei elektronischen
Datenbanken die Möglichkeit, mehrere Suchfelder zu verknüpfen und damit die
Suche einzugrenzen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von
"mehrdimensionaler Suche". Wenn Sie beispielsweise alle Titel einer
Verfasserin für ein bestimmtes Jahr erhalten wollen, geben Sie den
gewünschten Namen in das Datenbankfeld "Autor" oder "Verfasser" ein und
verknüpfen das mit dem gewünschten Eintrag im Feld "Jahr" oder
"Erscheinungsjahr".
Bei richtiger Vorbereitung auf eine Recherche können Sie mit Hilfe von
Datenbanken die Relevanz der Suchergebnisse erheblich steigern. Mehr dazu in
der Vertiefung
"Suchaufbau".
Wie gelangen Informationen in
Datenbanken?
Bevor die Informationen in Form von Datensätzen in die Datenbank
gelangen, müssen sie zunächst erschlossen und aufbereitet werden. Dabei wird
unterschieden zwischen formaler Erschließung, die alle Daten über ein
Dokument oder einen Gegenstand erfasst, und inhaltlicher Erschließung, bei
der der Inhalt des betreffenden Dokuments abgebildet werden soll.
Formale Erschließung
Obwohl die Daten "über" ein Dokument objektive Faktendaten sind, können
Sie in verschiedenen Datenbanken unterschiedlich aussehen. Der Datensatz zu
demselben Buch sieht beim Versandhändler anders aus als im
Bibliothekskatalog und wieder anders in der bibliographischen Datenbank. Zum
einen liegt das daran, dass verschiedene Informationen, wie z.B. der Preis,
nicht in allen Fällen gleich interessant sind. Zum anderen liegt das aber
auch am Wert, den die formale Erschließung für den jeweiligen Zweck hat. Ein
Bibliothekskatalog ist ein Nachweisinstrument, das im Idealfall unbegrenzt
zur Verfügung stehen soll, deswegen muss er kontinuierlich und konsistent
geführt werden. Beim Versandhändler werden Bücher aus dem Programm genommen
- ihr Nachweis ist nicht mehr wichtig. Die entsprechenden Datensätze
verschwinden oder können auch verändert werden.
Inhaltliche Erschließung
Eine inhaltliche Erschließung erfolgt in der Regel über eine der
folgenden Möglichkeiten:
-
Stichwort:
Ein Stichwort ist ein aus einem Dokument oder dessen
Titel entnommener Begriff. Im Idealfall ist das Stichwort treffend gewählt,
es kann jedoch auch maschinell extrahiert sein.
In der Regel wird ein Stichwort aus dem Titel eines Dokuments
"abgeschrieben" und ist abhängig von dessen Qualität und Aussagekraft. Es
muss also nicht zwingend repräsentativ für den Inhalt sein. Dennoch kann
man davon ausgehen, daß Autoren sich bemühen, treffende Überschriften zu
finden.
Bei Stichworten handelt es sich nicht um kontrolliertes Vokabular, d.h.
sprachliche Aspekte wie z.B. Synonyme oder Singular-Plural-Ausprägungen
werden nicht berücksichtigt. Bei der Recherche nach Stichworten kann es
daher passieren, das Dokumente, die relevant sind, nicht herausgefiltert
werden können.
-
Schlagwort/Deskriptor:
Im Gegensatz zu den Stichworten handelt
es sich bei Schlagworten/Deskriptoren um kontrolliertes Vokabular, d.h. es
findet eine intellektuelle Prüfung des Inhalts eines Dokuments statt. Es
ist nicht zwingend notwendig, das dieses Wort in dem Dokument vorkommt. Für
die Ansetzung von Schlagworten/Deskriptoren gibt es Regeln und Normen
(RSWK:
Regeln für den Schlagwortkatalog;
SND:
Schlagwortnormdatei). Damit wird die Relevanz der Treffer bei einer
Recherche erhöht. Die Bildung von Schlagwortketten ermöglichen es darüber
hinaus, verschiedene Aspekte des Inhalts (z.B. beteiligte Personen,
geogprahische Angaben...) abzubilden.
-
Systematik/Klassifikation:
Wissensgebiete werden in der Regel
mit Hilfe einer Systematik/Klassifikation erschlossen. Die Begriffe
innerhalb einer Klassifikation sind hierarchisch, meist als Baumstruktur,
aufgebaut, d.h. es gibt allgemeinere Oberbegriffe und speziellere
Unterbegriffe. Die Unterbegriffe erben alle Eigenschaften der
Oberbegriffe.
Beispiel:
Der Oberbegriff ist Pflanze - ein Baum ist eine Pflanze -
eine Tanne ist ein Baum usw.
Diese Struktur ermöglicht es, sich einem Wissensgebiet bzw. einem
Teilaspekt eines Wissensgebietes über Detailinformationen zu nähern und
einen Überblick über die gesamte Literatur, die einer Systemstelle (z.B.
Tanne) zugeordnet ist, zu bekommen.
-
Thesaurus:
Ein Thesaurus ist eine umfassende Wortsammlung in der
Regel zu einem wissenschaftlichen Themengebiet (z.B. Standard Thesaurus
Wirtschaft oder Getty Thesaurus of Geographic Names). Bei den
Schlagworten/Deskriptoren in einem Thesaurus handelt es sich um
kontrolliertes Vokabular (siehe Schlagwort/Deskriptor). Im Gegensatz zu
einer klassischen Systematik/Klassifikation ist ein Thesaurus
polyhierarhisch aufgebaut, d.h. es gibt nicht nur Ober- und
Unterbegriffsbeziehungen, sondern darüber hinaus Assoziations- und
Äquivalenzbeziehungen. Äquivalenzbeziehungen werden für Synonyme verwendet,
also z.B. Systematik und Ordnung. Assoziationsbeziehungen bezeichnen
homonyme Beziehungen, also z.B. Kiefer (Nadelbaum) und Kiefer (Anatomie).
Alle Beziehungen innerhalb des Thesaurus werden durch Verweise
angezeigt.
-
Abstract:
Ein Abstract ist die
kurze
inhaltliche
Zusammenfassung eines Textes. Es muss in einer natürlichen Syntax
geschrieben sein und darf im Gegensatz zu einer Rezension keine Wertung
enthalten.
Inhaltliche Erschließung ist nicht lückenlos
Sie werden bei der Recherche immer wieder feststellen, dass die in einer
Systematik/Klassifikation oder einem Schlagwortkatalog verwendeten
Begrifflichkeiten Ihren Bedarf nicht abdecken. Das liegt unter anderem
daran, dass die Vergabe von Schlagworten eine intellektuelle und damit eine
sehr individuelle Entscheidung von Personen oder Personengruppen ist. Das
Verständnis von Begrifflichkeiten kann variieren. Daher ist es nötig, sich
vor der Recherche mit dem gewählten Erschließungsinstrument und dem dort
verwendeten Vokabular vertraut zu machen. Um eine Frustration durch
ergebnislose Suche zu vermeiden, sollten Sie ggf. zunächst den Einstieg über
allgemeine, möglichst eindeutige Begriffe suchen.
Es gibt eine Fülle von elektronischen Fachdatenbanken, die sich teilweise
identischer Wissensgebiete annehmen, sich aber dennoch bei der Vergabe von
Schlagworten/Deskriptoren durchaus unterschiedlicher Terminologie bedienen.
Auch hier gilt: Sich vorher mit der Datenbank und ihrem Profil vertraut zu
machen vermeidet zeitaufwändiges, trefferfreies Suchen.