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Wenger, White & Smith (2009). Digital habitats. Stewarding technology for communities. CPSquare Verlag, Portland, OR ISBN: 978-0-9825036-0-7

Stefanie Panke erläutert in der e-teaching.org Buchrezension, warum Community-Interessierte diese Publikation unbedingt auf den Lesestapel legen sollten!

Im August 2009 erhielt ich eine E-Mail von Etienne Wenger, mit der Ankündigung für ein neues Buch, das der Community-Forscher gemeinsam mit Nancy White und John D. Smith verfasst hat. „ Digital habitats. Stewarding technology for communities “ ist eine Neuauflage und Erweiterung eines viel beachteten Berichts zur technischen Unterstützung von Communities of Practice, den Etienne Wenger 2001 veröffentlichte. Situiertes Lernen in einer Community of Practice bedeutet das Hineinwachsen in eine Gemeinschaft - „ learning means to become, that is, to belong differently than we do at the moment “(Lee & Roth, 2003). Seit Howard Rheingolds grundlegender Arbeit zu virtuellen Gemeinschaften (1993), ziehen diese das Interesse von Praktikern und Forschern unterschiedlicher Disziplinen auf sich. Eine grundlegende Frage ist nach wie vor ihre Funktionsweise: Wie werden Online-Communities initiiert? Was sind kritische Erfolgsfaktoren? Und wie kann Technologie die Entwicklung der Gemeinschaft unterstützen?

„Digital-Habitats“ beschreibt die Auswahl, Zusammenstellung und Implementierung digitaler Werkzeuge, um in einer Community Zusammengehörigkeit zu fördern, Austausch zu unterstützen und „digitale Lebensräume“ entstehen zu lassen: „ Technology stewardship is an emerging role that describes both a responsibility and a practice – an attitude as well as all the conversations, decisions, and learning that address the design and management of a community’s technology infrastructure ” (p. 33).

Entstanden ist eine Mischung aus Praxishandbuch, wissenschaftlicher Reflexion und visionärem Pamphlet. Die elf Kapitel des Buches sind in vier Teile gegliedert: „ Introduction “, „ Literacy “, „ Practice “ und „ Future “. Die folgende Zusammenfassung umreißt den Inhalt jedes Abschnitts und hebt Aspekte hervor, die ich besonders ansprechend fand.

Teil I
Die ersten drei Kapitel stellen die Idee des Lernens in virtuellen Gemeinschaften vor, zeichnen nach wie ihre Entwicklung mit technologischen Fortschritten verknüpft ist und stellen schließlich das Konzept des „Technology Stewarding“ vor. Besonders gelungen ist der historischen Überblick über zum wechselseitigen Einfluss zwischen Communities und Technologien (Kap.2). Die Autoren spannen dabei einen Bogen von Web 2.0 zu den Physikern am CERN und Ward Cunninghams Erfindung des Wiki. „ Technologies have changed how we think about communities, and communities have changed our uses of technology “ (p.21).

Teil II   
Kapitel 4 bis 6 stellen drei verschiedene Herangehensweisen vor, um über die Rolle von Online-Infrastrukturen in Gemeinschaften zu konzeptionalisieren. Die erste Perspektive umfasst verschiedene Aspekte von Infrastrukturen wie Werkzeuge, Eigenschaften, Plattformen und Konfigurationen. Die zweite Perspektive unterstreicht die inhärenten Konflikte des täglichen Gemeinschaftslebens: digitale Zusammengehörigkeit vs. örtlich verteiltes Arbeiten, Diskurs- vs. Produktorientierung, Individuum vs. Gruppenidentität. Das dritte Modell beschäftigt sich mit charakteristischen Merkmalen verschiedener Gemeinschaften und ermöglicht damit eine Lagebestimmung. „ Communities learn together in different ways: some meet regularly, some converse online, some work together, some share documents, some develop deep bonds, and some are driven by the mission they serve. We say that these communities have different orientations towards the process of learning together. An orientation is a typical pattern of activities and connections through which members experience being a community “ (p.69).

Teil III
Obgleich die Einleitung klarstellt, dass „Digital Habitats“ weder Shopping-Guide für Software noch eine Roadmap zur Plattformwahl darstellt, entspricht dieser Teil des Buches weitgehend einer praxisorientierten Auswahlhilfe. Kapitel 7 adressiert Kontextfaktoren, die sich auf Technologiewahl auswirken, wie das Entwicklungsstadium einer Gemeinschaft, die Verschiedenartigkeit und Komplexität der Beziehungen, die Erfahrungen und Einstellungen der Mitglieder. Kapitel 8 bespricht das Pro und Contra verschiedener Erwerbsstrategien wie „ build your own ”, „ get a commercial platform ”, „ use open source tools ”, „ go for the free stuff ”, etc. Der Fokus von Kapitel 9 ist die Technikwartung im Alltagsleben einer Gemeinschaft. Kapitel 10 gibt eine Zusammenfassung in der Form eines „Action Notebook”, das als PDF zum Download verfügbar ist.

Teil IV
Das abschließende Teil ist ein Blick in die Kristallkugel auf die Zukunft des Technology Stewarding. Die zwei zentralen Fragen dieses Ausblicks sind: „ Where is the interplay between community and technology going? “ und „ How should technology stewards develop their practice? “ Kapitel 11 identifiziert vier Tendenzen, die Interaktionen innerhalb digitaler Lebensräume beeinflussen. Erstens fördern ubiquitäre, mobile Anwendungen und 3D-Umgebungen eine dauerhafte, raumzeitliche Kopräsenz. Zweitens sehen wir uns neuen Formen des Interagierens und Publizierens gegenüber. Das Netz wird ein Medium des Selbstausdrucks wie der Massenkollaboration. Drittens ändert sich die Geographie virtueller Gemeinschaft. Personen können aus einer Vielzahl vergleichbarer Angebote wählen. Die Grenzen zwischen verschiedenen Webangeboten werden damit immer dynamischer. Viertens verwenden Nutzer das Netz in zunehmendem Maße als sozial aktives Medium, indem sie Informationen über Sozialrelationen austauschen und liefern. „ The combination of distributed production, digital representation, and search capability make the web an active medium where the social and the informational build on each other ” (p.179).

Wer sollte dieses Buch lesen?

Eine Rezension sollte nicht nur erklären, was mir persönlich gefällt, sondern auch, was potentielle Leser/innen reizen könnte. Dies macht eine Spezifizierung der Adressatenschaft erforderlich. Glücklicherweise haben die Autoren diese Arbeit bereits selbst erledigt und drei Empfängergruppen beschrieben.
  • „Deep Divers“ betrachten die Interdependenzen zwischen Technikentwicklung und Communities aus einer interdisziplinären Forschungsperspektive.
  • „Attentive Pracitioners“ sind interessiert, an, ihre alltägliche Praxis in reflektierter Form weiter zu entwickeln.
  • „Just Do-It-ers” sind handlungsorientiert und suchen nach praktisch umsetzbaren Tipps und Tricks.
Fazit
Egal welche Beschreibung Ihre Interessen am besten charakterisiert, “Digital Habitats” ist eine anregende Lektüre für all jene, die als Lehrende, Lernende, Forscher oder Praktiker durch digitale Lebensräume streifen und den unterschiedlichen Werkzeuggebrauch verschiedener Gemeinschaften verstehen oder auch steuern wollen. Stärken des Textes sind die intelligente Reflexion von Social Software und die vielfältigen Fallbeispiele unterschiedlicher Communities. Alleiniges Manko ist das lieblos gestaltete Glossar, das zumeist aus gekürzten Wikipedia-Einträgen besteht.

Weitere Informationen: http://technologyforcommuities.com/

Letzte Änderung: 04.11.2009


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