Während man Kooperationen mit der Privatwirtschaft an Hochschulen in Deutschland eher skeptisch gegenüber steht, ist diese Finanzierungsform im angelsächsischen Raum weit verbreitet.
| Unter Public Private Partnership (PPP) werden alle möglichen Arten an
Kooperationen zwischen öffentlichen und privaten Akteuren verstanden.
Dabei werden zumeist komplementäre Ziele verfolgt. Durch die
Zusammenarbeit sollen sich Synergieeffekte ergeben, auch wenn die
Identität und Verantwortung der Partner erhalten bleibt. Die Chancen
eines Public Private Partnership bestehen darin, dass damit Projekte
realisiert werden können, die mit ausschließlicher Finanzierung durch die
Hochschule nicht möglich oder nur schwer zu realisieren gewesen wären (Hanft, 2001). |
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In PPP wird die Zusammenarbeit mehr oder weniger formal fixiert. Sie
lassen eine Vielfalt an Organisationsformen und Vernetzungen zu, die im
Folgenden dargestellt werden (vgl. Müller-Böling: Unternehmen Hochschule –
Hochschule unternehmen“, Vorwort, Zschr. Wissenschaftsmanagement, spezial
1/2000):
- als gemeinnützige oder nicht-gemeinnützige GmbH oder Stiftung außerhalb
der kooperierenden Hochschule,
- als An-Institut angebunden an Hochschulen, die privatwirtschaftlich in
Form von GmbHs betrieben werden,
- als gemeinsame Fach- oder Curriculum-Kommissionen, Beiräte,
Kuratorien,
- als virtuelle Kommunikationsnetzwerke.
Insgesamt scheinen die Kooperationsformen weg von einer projektbasierten
Zusammenarbeit hin zu Arbeitsgemeinschaften und Vereinigungen zu tendieren,
die verschiedene Partner aus Wirtschaft und Öffentlichkeit umfassen.
Die Kooperation mit Institutionen aus dem außeruniversitären Bereich wie
Wirtschaftsunternehmen wird bisher nur von wenigen Hochschulen favorisiert
und scheint auch in Zukunft für die meisten eine untergeordnete Rolle zu
spielen. Durch die Kooperation mit der Wirtschaft sehen viele
Bildungseinrichtungen die Freiheit der Lehre in Frage gestellt (PLS Ramboll
Management Studie). Besonders die Universitäten nutzen die Chance der
Bildungskooperationen, aber auch Forschungskooperationen bisher kaum (Hannemann, 2004) .
Anders sieht es bei den Fachhochschulen aus. Die Forschung ist dort
grundsätzlich nutzen- und projektorientierter. Kooperationen mit vor allem
kleinen oder mittelständischen Unternehmen - oft aus der Region – sind keine
Seltenheit. Die Forschungskooperationen gehen dabei direkt von Professoren
oder einzelnen Instituten aus, weniger von der Hochschule als Ganzes.
Von Forschungskooperationen unterschieden werden müssen Auftragsforschungen,
aus denen sich das Unternehmen den Gewinn von für den Unternehmenserfolg
relevantem Know How erhofft. Als Gegenleistung unterstützt das Unternehmen
das Forschungsvorhaben mit Finanz-, Sach- und/oder Dienstleistungen.
Auftragsforschungen werden zum Bereich des Fundraising gezählt
(Hermanns, 2001).
Aufbau von PPP
Bevor Kooperationen eingegangen werden, müssen die Interessen und
Erwartungen der beteiligten Partner klar dargelegt sowie Verständnis für die
z.T. unterschiedlichen Interessen hergestellt werden. Daher sind regelmäßige
persönliche Kontakte zwischen den beteiligten Personen sehr hilfreich und
wichtig. Während Unternehmen grundsätzlich an einem finanziellen Gewinn
interessiert sind, besteht für Hochschulen der Profit in der Steigerung der
Qualität der Lehre. Ein weiterer Punkt in dem sich die Prioritäten von
Unternehmen und Hochschulen unterscheiden ist die Kundenorientierung.
Während sie bei Unternehmen einen großen Raum einnimmt, betrachten nur
wenige Hochschulen ihre Studierenden wirklich als Kundschaft. Dies zeigt
aber auch, dass Hochschulen und Unternehmen in vielen Bereichen voneinander
lernen und es zu einem interessanten Wissensaustausch kommen kann. Ein
weiterer Punkt, der an Hochschulen bisher oft vernachlässigt wird, aber in
Unternehmen eine zentrale Rolle spielt ist das Marketing und die
Öffentlichkeitsarbeit.
Für Kooperationen mit privaten Partnern gibt es an den meisten
Hochschulen keine Strategie. Kooperationen mit privaten Unternehmen sollten
im Entwicklungsplan der Hochschule berücksichtigt werden. Es empfiehlt sich,
dass von der Hochschulleitung wesentliche Grundvoraussetzungen für die
Durchführung von PPP formuliert werden (Klein, 2000).
Wichtig wird es im Rahmen von kurzfristigen Kooperationen nicht die
langfristige Perspektive aus den Augen zu verlieren. Ein Grund warum die
Umsetzung von Public Private Partnerships vor allem bei der operativen
Umsetzung Probleme bereitet (
Konegen-Grenier, 2000
). Außerdem stoßen Hochschulen
auf rechtliche Beschränkungen in Bezug auf die Vermögensfähigkeit und die
Organisationsfreiheit. Um Kooperationen mit der Wirtschaft zu ermöglichen
ist es notwendig, dass Hochschulen sich an Unternehmen oder
Kapitalgesellschaften beteiligen, bzw. einen Körperschaftshaushalt errichten
können (Hanft, 2001). Hochschulen, die sich nicht zu sehr an Unternehmen binden
wollen, aber dennoch auf zusätzliche Finanzmittel angewiesen sind, können
versuchen über die privaten Stiftungen, wie sie zahlreiche Unternehmen
besitzen, Drittmittel für Forschungsprojekte zu generieren. Mehr zu
Stiftungen, erfahren Sie im
Kapitel zu Sponsoring.
Weitere Informationen zu PPP finden Sie unter folgenden
Links:
- Eine Informationsbroschüre zur Bildung von verantwortungsvollen
Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft stellt die European
Industrial Research Management Association bereit. Besonders interessant
für Hochschulen ist der Leitfaden für Kooperationen:
http://www.eirma.org/f3/local_links.php?action=jump & id=796
Beispiele für Kooperationen mit Unternehmen:
Outsourcing
Kooperationen bietet immer die Möglichkeit finanzielle und
infrastrukturelle Ressourcen zu bündeln, z.B. durch Outsourcing. Die
Auslagerung der technologischen Infrastruktur kann Kosten senken und die
Qualität verbessern. Im einfachsten Kooperationsmodell übernimmt der Partner
aus der Wirtschaft die Rolle des Technologieverkäufers, z.B. von
kommerziellen
Learning Management Systemen. Im weitesten Fall übernimmt der Partner
alle Funktionen und die Partner teilen sich die Verantwortung für die
Inhaltserstellung und -vermittlung (Seufert & Euler, 2004).
Im Falle von Outsourcing besteht die Gefahr, dass die akademischen
Mitarbeiter den direkten Kontakt mit der ausgegliederten Institution
verlieren und dadurch weniger Einfluss ausüben können. Der Vertrag sollte
daher genau abgestimmt werden.
- Die Universität Utrecht entschied sich auf Grund organisatorischer und
finanzieller Probleme 1999 das Rechenzentrum der Universität auszugliedern
und für 8 Millionen Euro an die Firma Cap Gemini/Ernest & Young zu
übertragen. Diese schaffte es die Kosten des Instituts um die Hälfte zu
reduzieren.
Das Spin-Off als Kooperationspartner
Verbreitet ist auch die Kooperation mit Spin-Off Unternehmen der eigenen
Universität:
- Die TU Darmstadt kooperiert mit folgenden Spinn-Offs: Der
Weiterbildungseinrichtung
TUDIAS, dem
EIPOS
(An-Institut für postgraduale Bildung und wissenschaftliche Untersuchungen)
sowie der
Dresden International University
(DIU), die als private Hochschule und Anbieter wissenschaftlicher
Weiterbildung fungiert.
- Die
oncampus GmbH
ist das Dienstleistungsunternehmen des
oncampus Studienangebots. Finanziert wird die Aktualisierung und Pflege des
Online-Studienmaterials sowie die Nutzung des gemeinsamen Lernraumsystems
von oncampus aus den eingenommenen Medienbezugsgebühren. 80 % erhält
jeweils die fachverantwortliche Hochschule, um die Aktualisierung und
Überarbeitung daraus zu bestreiten, 20 % der Medienbezugsgebühren erhält
die oncampus GmbH für das Lernraumsystem, die Online-Bereitstellung der
Module sowie die Abrechnung und Verteilung der Gebühreneinnahmen. Hierzu
wurde ein entsprechender Servicevertrag zwischen der oncampus GmbH und den
Verbundhochschulen im Dezember 2003.
- Die
Multimedia Hochschulservice GmbH
Berlin übernimmt die
Vermarktung von digitalen, multimedialen Lehr-/ Lerneinheiten von neun
Berliner Hochschulen, die 2000 die GmbH als Plattform gegründet haben. Sie
vertreibt von den Hochschulen entwickelte Lernprogramme, bietet finanzielle
Unterstützung für E-Learning Projekte an, hat einen Lernplattformservice
und berät Lehrende und Mitarbeiter von Medien- und Rechenzentren der
Berliner Hochschulen.
- Das
Bochumer Institut für Angewandte Kommunikationsforschung
(BIFAK)
ist ein Spin-Off der Ruhr-Universität.