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Anreizsysteme

Wie kann man Hochschullehrende für E-Teaching gewinnen? Die Motivationen digitale Medien in die Lehre zu integrieren sind sehr unterschiedlich. Zum Teil stoßen Hochschulleitungen aber auch auf Vorbehalte und Ablehnung.

Wenn es um E-Teaching an der Hochschule geht, treffen mutige Vordenker auf sicherheitsorientierte Skeptiker, karriereorientierte Jungakademiker auf in traditionellen Lehrmustern verhaftete Professoren. Während sich erstere aus eigener Motivation mit digitalen Medien beschäftigen wollen und sich davon die Verbesserung der Qualität der Lehre und die Erweiterung der eigenen (Medien-) Kompetenz erhoffen, müssen anderen Hochschulangehörigen erst Anreize geboten werden, sich auf die neuen Medien einzulassen (Kerres, Engert & Weckmann, 2004). Vielen Lehrenden ist nicht klar, welchen Vorteil ihnen der Einsatz digitaler Medien bringen soll. Viele Studien stimmen darin überein, dass es an Hochschulen immer noch nicht genügend Anreize für Lehrende gibt sich im Bereich E-Teaching zu engagieren (Kerres et al., 2005).

Viele Dozierende haben ein ungutes Gefühl ihre Lehrmaterialien ins Netz zu stellen, sei es aus datenschutzrechtlichen Gründen oder einfach, weil sie das Material für nicht so ausgefeilt halten, dass sie es der Kritik der Kollegen und Studierenden aussetzen wollen. Außerdem ist die Durchführung von digital angereicherten Lerhveranstaltungen z.T mit einem größeren Arbeitsaufwand und zusätzlichen Kosten verbunden. Während finanzielle Mittel über spezifische Förderprogramme zur Verfügung gestellt werden können, kann eine Reduktion des Lehrdeputats ausgelasteten Lehrkräften zu mehr Zeit und damit der nötigen Motivation verhelfen.

E-Learning wird bisher nur von den wenigsten Lehrenden als karriereförderliches Element wahrgenommen. Viele haben das Gefühl, dass ein Mehraufwand in diesem Bereich nicht entsprechend honoriert wird. Eine Evaluation der Lehre, die den Einsatz digitaler Medien bei der Bewertung explizit berücksichtigt, kann hier einen Anreiz bieten. Zu einem innovationsfreundlichen Klima kann außerdem die Ausschreibung und Prämierung guter E-Learning-Projekte beitragen.

Zum Teil fühlen sich Lehrende auch nicht kompetent genug um E-Teaching erfolgreich umzusetzen. Wichtig ist es daher in erster Linie strukturelle und organisationale Rahmenbedingungen an der Hochschule zu schaffen, die die Handlungsbereitschaft der Hochschullehrenden erhöht. Dazu gehören der Aufbau eines entsprechenden Supportangebots sowie Schritte im Bereich Organisationsentwicklung (Kerres et al., 2005).
Mehr zu Supportstrukturen erfahren Sie in einer eigenen Vertiefung im Portal.

Im Folgenden werden finanzielle, formelle, karriereorientierte und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen der Anreizbildung dargestellt und mit konkreten Beispielen aus der Praxis ergänzt (vgl. Pfeffer, Sindler & Kopp, 2005):

Finanziell:

Finanzielle Anreize können durch die Vergabe von hochschulinternen Fördergeldern oder leistungsorientierten Mittelzuweisungen gegeben werden. 

  • An der Uni Dortmund werden jährlich zwei Projekte innerhalb des Förderprogramms e-learning plus gefördert. An Fördermitteln stehen dafür insgesamt 20.000,00 Euro zur Verfügung.
  • Im Rahmen des Förderprogramms LARS (Leistungsanreizsysteme in der Lehre), das 1991 erstmals
    aufgelegt wurde und das Ziel verfolgt, didaktisch innovative Projekte zur Verbesserung der Lehre und
    Lernqualität an den baden-württembergischen Fachhochschulen zu unterstützen, werden
    Projekte auch im Bereich der Medienentwicklung gefördert. Für LARS stehen jährlich zwischen
    einer halben und einer Mio. € zur Verfügung.
  • Wie auch das Beispiel der Universität Stuttgart zeigt, müssen die finanziellen Anreize nicht unbedingt hoch sein. Das Programm 100-online stellte pro Projekt eine Förderung in Höhe von 5000 € zur Verfügung und erreichte damit gut die Hälfte der Dozierenden.

Formell:

Formelle Anreize können durch die Anerkennung von E-Learning Projekten innerhalb von Wettbewerben gegeben werden, aber auch durch die Integration von E-Learning in Studienpläne und Curricula.

  • Die TU Darmstadt verleiht an Lehrende der TUD seit 2004 jährlich den Best-E-Teaching Award. Das Preisgeld von 6.000 Euro wird von der Karin Giersch Stiftung zur Verfügung gestellt.
  • Die Universität Freiburg verleiht seit 2004 einen Medienpreis für drei herausragende Medienprojekte. Dabei erhalten auch Projekte von Studierenden Preise.
  • Mit dem E-Learning Award, der im Rahmen des E-Learning-Tag vergeben wurde, zeichnet die TU Wien ausgewählte Beispiele im Bereich des E-Learning aus. Die prämierten Projekte erhalten 10.000 Euro Preisgeld, die in die Weiterentwicklung der web-basierten Lehre investiert werden.

Karriereorientiert:

Auch die Lehrenden wollen am liebsten von ihrem Engagement im Bereich E-Learning profitieren. Mögliche Maßnahmen im Bereich der Anreizbildung können die Anrechnung von Arbeitszeit, die Zertifizierung von Weiterbildungsprogrammen sowie die Berücksichtigung von E-Teaching bei Stellenbausschreibungen und Qualifikationsverfahren sein (Kerres, Engert & Weckmann, 2004).

Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen

Die Einstellung der einzelnen Hochschullehrer zum Thema E-Learning und E-Teaching wird außerdem maßgeblich davon beeinflusst, wie die Hochschulleitung das Thema kommuniziert und weiterverfolgt. Allerdings darf nicht davon ausgegangen werden, dass sich die in Aktivitäten erster geförderter E-Learning Projekte automatisch auf andere Kollegen, Fachbereiche ausstrahlen und Nachahmer finden. Vor allem bei den Vorreitern in der Medienszene wird davon ausgegangen, dass wenig Interesse daran besteht die eigene Expertise mit Kollegen zu teilen (Kerres, Engert & Weckmann, 2004) . Für noch unsichere Lehrende ist es jedoch umso wichtiger Beispiele zu sehen, wo in ihrem Fachbereich bereits E-Learning-Aktivitäten erfolgreich umgesetzt wurden. Ein wichtiges Informationsmedium um E-Teaching-Aktivitäten der Hochschule nach Innen und Außen transparent darzustellen, ist die Webseite der Hochschule. Diese sollte E-Learning Support- aber auch Lehrangebote strukturiert abbilden. Die Kommunikation von Best bzw. Good Practice Beispielen kann Hochschullehrern entscheidende Anreize für das eigene Engagement bieten. Statt über die hochschuleigenen Webseite kann die Darstellung und Verbreitung auch innerhalb einer Veranstaltung oder Publikation erfolgen.

Beispiele:

  • Mit den Labels eEnrichment, eLearning-Label Basic und eLearning-Label Intensive der Johann Wolfgang Goethe-Universität sollen im elektronischen Lehrveranstaltungsverzeichnis die Veranstaltungen ausgewiesen werden, in denen neue Informations- und Kommunikations-technologien zum Einsatz kommen. Mit den drei Stufen des Labels soll die Intensität des Medieneinsatzes für die Studierenden verdeutlicht werden.
  • An der Uni Osnabrück wurden erfolgreiche E-Learning-Projekte in dem Buch " Good Practice: Netzbasiertes Lehren und Lernen an Universitäten " zusammengefasst.
  • An der HU Berlin existiert ein Förderprogramm für E-Teaching Projekte. 50 Projekte aus nahezu allen Fakultäten stellten sich zudem auf Postern innerhalb einer Ausstellung vor.
  • Auf den Seiten der Ruhr Universität Bochum werden Good Practice Beispiele in einer eigenen Kategorie publiziert.

Positiv auf die Eigen und Fremdwahrnehmung wirkt sich auch die Aufnahme und Darstellung von E-Learning Projekten in regionalen oder überregionalen Projektdatenbanken aus:

 

Letzte Änderung: 03.12.2007


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