Sie wünschen eine maßgeschneiderte Software, die an Ihre spezifischen Bedürfnisse angepasst ist? Mit Open Source ist das möglich. Allerdings macht ein frei zugänglicher Quellcode eine Anwendung noch nicht zu einer Open Source-Applikation.
Eine
Software
muss mehr Kriterien erfüllen, als nur die „offene Quelle“, für
die „Open Source“ im Deutschen steht. Gemeint ist der Programmiercode einer
Software, der über das ausführbare Programm nicht mehr
zugänglich ist.
„Tauschen und Teilen“
Die Open Source-Bewegung entspringt aus dem Bedürfnis vieler
Programmierer, vorhandene Software nach eigenen Anforderungen
weiterentwickeln bzw. anpassen zu können. Dazu fehlt bei kommerzieller
Software zum einen der Einblick in den Quellcode, der für Änderungen und
Weiterentwicklungen erforderlich ist, und zum anderen die rechtliche
Erlaubnis, gekaufte Software zu verändern.
In den Anfängen des
Internet
war freies Tauschen von Programmen selbstverständlich und
notwendig (vgl.
Tippmann, 2001). Erst
mit der zunehmenden Verbreitung des Internet ging eine stärker werdende
Kommerzialisierung einher. Aus dieser „Tauschen und Teilen“ – Ideologie
heraus entwickelte sich eine Free Software Community und mit der Gründung
des GNU-Projekts und des darin entwickelten Lizenz-Pakets (GNU General Public
License) die Free Software Foundation, Geburtshelferin der Open
Source-Initiative.
Open Source, eine Definition
Die Kriterien für Open Source-Software werden in der Open Source-Definition festgehalten:
- Das lauffähige Programm muss kostenlos weitergegeben werden
können.
- Das Programm muss sowohl in kompilierter Form, als auch in Form des
Quelltextes erhältlich sein.
- Das Programm muss frei verändert werden können und das Ergebnis stets
den gleichen Lizenzen unterliegen wie das Original.
- Es dürfen keine Personen oder Personengruppen sowie Einsatzgebiete
ausgeschlossen werden.
- Die Open Source-Lizenz geht automatisch an den Nutzer über und bleibt
unabhängig von zusätzlicher Software gültig, darf diese jedoch nicht
einschränken.
Die ausführliche Version dieser Definition ist unter
http://www.opensource.org/docs/definition_plain.html
einsehbar.
Open Source-Software wird dank einer meist größeren Entwicklergemeinde im
allgemeinen schneller entwickelt und aktualisiert als kommerzielle Software.
Auf Programmierfehler oder Sicherheitslücken kann schneller reagiert werden.
Da Open Source-Software von keiner bestimmten Firma oder Organisation
abhängig ist, gilt sie generell als zukunftssicherer als proprietäre
Software und wegen des öffentlichen Quellcodes ist eine Form der Spionage
nahezu unmöglich.
Die Entwicklung eines Open Source-Programmes ist jedoch nur selten an
übersichtlichen Entwicklungsetappen orientiert, da es an einem zentralen,
organisierenden Organ mangelt. Außerdem kommt es vor, dass sich innerhalb
einer
Community
verschiedene Entwicklungsgruppen voneinander abspalten und
unterschiedliche Wege einschlagen, welche später nur noch unter großem
Aufwand wieder zusammengeführt werden können. Man sollte immer bedenken,
dass die Beschaffung von Open Source-Software zwar meistens kostenlos
ist, jedoch wegen fehlenden oder unausreichenden Dokumentationen über oder
Hilfestellungen für ein Produkt eventuell für Wartung und Pflege nicht
unerheblich hohe Kosten anfallen können (vgl.
Kaderali & Ehlert (2003)).
Open Source in der Lehre
Auch im Bereich E-Teaching/-Learning bleibt den
Verantwortlichen die Qual der Wahl zwischen kommerziellen oder Open
Source-Anwendungen nicht erspart. Dabei gelten auch hier die generellen Pros
und Contras beider Lösungen. Es muss also für den Einzelfall entschieden
werden, welches Produkt am besten geeignet ist. In beiden Bereichen ist
ein breites Spektrum an Produkten vorhanden, deren Funktionsumfang sich von
karg bis umfangreich erstreckt. Je nach Anforderungen und zur Verfügung
stehenden finanziellen Mitteln und Kapazitäten sollte man seine
Entscheidung dabei vom Grad der Flexibilität, Anpassbarkeit und
Erweiterbarkeit des
Lernmanagementsystems
(LMS) abhängig machen.
Für kommerzielle Lösungen sprechen zum einen der meist üppige
Funktionsumfang und zum anderen der häufig kostenlose Support des
Herstellers. Jedoch unterliegt man auch vielen Einschränkungen: So ist man
häufig an die Corporate Identity des Herstellers und an das daraus
hervorgehende Erscheinungsbild gebunden, ohne individuelle Anpassungen daran
vornehmen zu können. Außerdem sind eigene Modifikationen nicht möglich, da
der zugrunde liegende Quellcode des LMS nicht verfügbar ist. Da die
Hersteller aus marktwirtschaftlichen Gründen meistens eigene Wege
einschlagen und versuchen, eigene Standards einzuführen, ist die Auswahl an
Erweiterungen auf die proprietären Angebote des entsprechenden Herstellers
beschränkt. Kommerzielle Hersteller konzentrieren sich auf Funktionen,
die von vielen Anwendern benötigt werden. Braucht man jedoch spezielle
Funktionen, sind diese meist nur unter großem finanziellen Aufwand
realisierbar.
Open Source-Lösungen bieten neben den geringen Anschaffungskosten und der
daraus resultierenden weiten Verbreitung große Flexibilität in Sachen
Erweiterbarkeit und Modifizierbarkeit. Außerdem ist die Kompatibilität mit
anderen Produkten durch Verwendung offener Standards sehr hoch und man ist
an keinen kommerziellen Anbieter gebunden. Andererseits sind viele der
verfügbaren Produkte noch unausgereift. Die Open Source
E-Learning-Produktsparte ist sehr jung und professioneller Support nicht
immer zu erhalten, daher hilft bei Problemen oder offenen Fragen häufig nur
das Durchstöbern der Foren der Entwickler-Community des
Produkts. Fachwissen ist bei der Verwendung eines Open-Source-LMS daher
von großem Vorteil.
CampusSource, VIRTUS und ILIAS
Die vom Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes
Nordrhein-Westfalen geförderte Open Source-Initiative CampusSource (www.campussource.de) stellt Forschungs- und
Entwicklungsergebnisse des Landes zur technischen Infrastruktur für den
Aufbau und Betrieb Virtueller Hochschulen durch Einsatz von Open
Source-Plattformen einer breiten Nutzung zur Verfügung. Das Ziel dieser Open
Source-Initiative ist es, die Anstrengungen der einzelnen Hochschulprojekte
zu bündeln und die Plattformen als technische Voraussetzung einer Virtuellen
Universität allen Interessenten zur Benutzung und Weiterentwicklung unter
definierten Lizenzbedingungen einer Open Source-Lizenz zur Verfügung zu
stellen.
Das Tochter-Projekt VIRTUS (www.virtus.uni-koeln.de) - entwickelt
an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität
Köln -spezialisiert sich auf den Einsatz digitaler Medien in der
Hochschule. VIRTUS entwickelt Open Source-Anwendungen, die den Einsatz
digitaler Medien im universitären Bereich entscheidend vereinfachen sollen.
Dabei wird die Akzeptanz der Anwendungen bei Studierenden, Dozierenden und
Mitarbeitern durch eine enge Zusammenarbeit von Entwicklern, Benutzern und
Evaluatoren gesichert. Teilresultat dieser Bestrebungen ist die
Lernplattform
ILIAS, mit der Lehr- und Lernmaterialien erstellt
und online verfügbar gemacht werden können.
Weitere Informationen:
- Homepage der Open Source-Initiative:
http://www.opensource.org/
-
FLOSS
(Free/Libre and Open Source Software) ist eine
Intitiative zur Förderung der Weiterentwicklung und Anwendung von Open
Source-Software. Die Initiative arbeitet dafür an der Entwicklung eines
Open Source-Toolkits für Studierende und Lehrende.
- CampusSource bietet interessante Informationen zu Open Source-Software:
http://www.campussource.de/software/
- Das OSAAC (The Open Source Academic Advisory Consortium) hat eine Studie über die Annahme und den Einsatz von Open Source-Software durchgeführt. Die Ergebnisse sind seit Ende des Jahres 2008 hier zu finden:
http://rhetoricalcommons.org/OSAAC/node/22
- Die Fraunhofer Gesellschaft hat eine Studie zum Thema "Open Source
Software - Einsatzpotenziale und Wirtschaftlichkeit" veröffentlicht:
http://www.e-business.iao.fraunhofer.de/docs/fhg_oss-studie.pdf
- OSS Watch hat 2006 eine Studie zum Stand von Open Source in der
Hochschul- und Weiterbildung in Großbritannien durchgeführt:
http://www.oss-watch.ac.uk/studies/survey2006/
- Das aktuelle Heft von innovate ist ganz dem Thema Open Source und
seiner Bedeutung für Lehre und Lernen gewidmet. Einen schönen Einstieg
bildet dieser Artikel von David Wiley, der einen kurzen historischen
Abriss der Open Source-Bewegung bietet und sie zugleich in einen
Zusammenhang mit "open course content" und "open access publishing" stellt:
http://www.innovateonline.info/index.php?view=article & id=354