Durchführung

An E-Teaching Projekten sind oft Personen beteiligt, die nicht über ein sozialwissenschaftliches Studium oder Detailkenntnisse in Methodenlehre und Testtheorie verfügen. Sie stehen damit vor der Frage, ob Sie Ihr Evaluationsvorhaben in eigener Regie durchführen wollen oder aber eine hierin erfahrene Institution beauftragen.

Wenn diejenigen, die auch das Bildungsangebot entwickeln, die Evaluation durchführen, spricht man von Selbstevaluation. Wird die Evaluation von einer unabhängigen Instanz durchgeführt, handelt es sich um eine Fremdevaluation.

Selbst- oder Fremdevaluation

Für Selbstevaluation spricht zumeist, dass sich die Projektmitarbeiter gut im jeweiligen Projekt auskennen und die Relevanz von Problemen, Evaluationsfragestellungen und Daten u. U. besser einschätzen können als Personen, die von außen kommen. Andererseits birgt Selbstevaluation die Gefahr, dass die Evaluatoren zu wenig kritische Distanz zu den zu evaluierenden Sachverhalten entwickeln und selbstaffirmative Ergebnisse produzieren. Deshalb ist es gerade im Falle von Selbstevaluation besonders wichtig, sich an nachvollziehbaren methodischen Standards zu orientieren und diese ebenso offen zu legen wie die darauf basierenden Verfahren der Datengewinnung und –auswertung. Bei einer Fremdevaluation ist zwar die "kritische Distanz" gegeben, es fehlt jedoch leicht der Blick für die tatsächlichen Probleme im Rahmen der Phasen eines Entwicklungsprojekts. Fremdevaluation ist kennzeichnend für den Evaluationsansatz wissenschaftlicher Begleitforschung. Ob einer Selbstevaluation oder Fremdevaluation der Vorzug gegeben wird, hängt von den Funktionen der Evaluation sowie von gegebenen Rahmenbedingungen, z.B. den Vorgaben der Zuwendungsgeber ab. Beide Evaluationsformen können sich im Rahmen eines umfassenden Qualitätsmanagements (vgl. Behrendt & Kromrey, 1995) sinnvoll ergänzen.

Methodenkompetenz

Soll projektintern evaluiert werden, so stellt sich die Frage, wer dies tun soll. Summative und formative Evaluation erfordern gewisse methodische Kompetenzen. Wie ausgeprägt diese sein müssen, hängt im Einzelfall weniger vom Evaluationstyp (formativ, summativ) als vielmehr von der konkreten Fragestellung ab. Es gibt einerseits formative Evaluationsfragen, wie die Durchführung einer empirischen Bedarfserhebung oder einer empirischen Adressatenanalyse, die Kompetenz in der Anwendung sozialwissenschaftlicher Methoden (Datenerhebung, -organisation, -auswertung, -interpretation) verlangen. Es gibt andererseits summative Evaluationsfragen, die keine ausgeprägte methodische Kompetenz erfordern, wie die Ermittlung der Prüfungsbeteiligung und der Prüfungsergebnisse. Ist für die jeweilige Evaluationsfragestellung eine methodische Ausbildung notwendig, wie sie z. B. Psychologen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler oder Pädagogen mitbringen, sollten Sie dies bei der Zusammensetzung Ihrer Projektgruppe berücksichtigen.

 

Letzte Änderung: 03.02.2016
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