Kursmodelle aus der Praxis

In einigen deutschen Universitäten hat man bereits begonnen, in enger Zusammenarbeit von Fachbereich und Bibliothek Kursangebote zur Informationskompetenz als Pflichtveranstaltungen in das Lehrangebot aufzunehmen. Sie könnten als Beispiele und Argumentationshilfen für Ihren eigenen Hochschulstandort dienen.

An diesen Universitäten hat man bereits Konzepte realisiert, oder arbeitet an deren Umsetzung:

  • Themen des Informationskompetenzunterrichts und Anregungen zur Stoffstrukturierung lassen sich aus dem fachspezifischen Schulungsprogramm guter Universitätsbibliotheken entnehmen (z. B.  Heidelberg).
  • Die Universität Freiburg hat Informations- und Medienkompetenz als Wahlpflichtveranstaltung in Studienordnungen eingebunden (BA/MA). Berufsorientiert, kooperativ und interaktiv sind die Freiburger Veranstaltungen ein gutes Referenzbeispiel des Einsatzes Neuer Medien im Unterricht. Eine ausführliche Darstellung der Ziele und der Durchführung des Projekts ist 2002 publiziert worden (Sühl-Strohmenger et al., 2002).
  • Die Universitätsbibliothek Freiburg bietet E-Learning Module an, die Nutzern Recherchekompetenzen vermitteln sollen. Die Module bestehen im wesentlichen aus Bildschirmaufzeichnungen, die mit gesprochenen Erläuterungen und der Hervorhebung von Funktionselementen angereichert sind.Für das Abspielen der Module muss ein aktueller Macromedia Flash-Player installiert sein.

  • An der Universität Kassel, ermöglicht durch individuelle Kooperation von Hochschullehrenden, werden interaktive und regelmässig evaluierte Kurseinheiten zur Informationskompetenz in Curricula eingebunden. Die eingehende Schilderung in Rockenbach, 2003 ist eine gute Einführung in die Methodik und die Herausforderungen der Praxis.
  • An der Technischen Universität Hamburg-Harburg wird Informationskompetenz jeweils an mehreren Stellen im geplanten Studienverlauf eines Faches thematisiert und in verschiedener Form in die Fachveranstaltungen eingebettet - allerdings ohne dass die Teilnahme für jeden Studierenden Pflicht wäre (vgl. Hapke, 2000).
  • Kursbeispiele aus den Geisteswissenschaften sind die Einführung in das wissenschaftliche Informationswesen des Seminars für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance und der Pilotkurs Digitaler Führerschein des IT-Zentrums Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität München.
  • Die Universitäts- und Landesbibliothek Münster hat mit LOTSE (Library Online Tour and Self Paced Education) einen Wegweiser entwickelt, der Studierende, Dozierende und Bibliothekar/-innen in die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens einführen soll. Die Datenbank enthält kleine Videos mit Tipps und Tricks sowie Literaturhinweise zu den Themen Internetrecherche, Plagiate und Zitieren.

Übergreifende Initiativen bieten allgemeine Hilfe und Informationen an:

  • Kompetente Hilfe bietet das breite Veranstaltungsangebot des  Lernsystems Informationskompetenz, das von ausgewiesenen Informationsfachleuten betreut wird: Angeboten werden u. a.  Coaching (Beratung bei der Planung und Begleitung bei der Einführung von informationsdidaktischen Veranstaltungen, Inhouse-Fortbildungen, Training), Fortbildungen (mit methodischen und didaktischen Inhalten für Lehrende und Multiplikatoren zur Planung, Durchführung und Evaluation von informationsdidaktischen Veranstaltungen) und Workshops (kollegialer Praxisaustausch mit Expertenunterstützung zu informationsdidaktischen Themen).
  • Zusammenfassend zum Unterricht von Informationskompetenz in Deutschland und im internationalen Raum siehe Umlauf, 2003  und Lazarus, 2002.
  • Auch international wird vermehrt über die Zusammenarbeit von Bibliothekaren und Hochschullehrenden in diesem Bereich nachgedacht (vgl. z.B. Dirst 2003). Bestes Beispiel: Eine Sammlung von Fallstudien, wie die Fachinformationssysteme des englischen Resource Discovery Network (RDN) in den praktischen Unterricht einbezogen werden können, findet sich unter RDN Case Studies. Praktische Anregungen zur Vermittlung von Informationskompetenz in der Hochschullehre bietet MSACHE, 2003.
Früh mit der Vermittlung beginnen

Wichtig ist es zudem, den Aspekt Informationskompetenz gleich zu Beginn des Studiums ins Blickfeld der Studierenden zu rücken. An der Universität Freiburg etwa bietet die Hochschulbibliothek eine "Starter-Kit CD" an, die kompakt und leicht bedienbar in ihre vielfältigen Informationsangebote und -dienstleistungen einführt; die CD enthält zahlreiche Schulungsmaterialien sowie praktische Software und einen virtuellen Rundgang. Wäre das nicht auch etwas für Ihre Universität?

Letzte Änderung: 16.07.2015
Druckansicht