Lernziele

Der Verband der amerikanischen College- und Forschungsbibliotheken "ACRL" hat im Jahr 2000 die viel beachteten "Information Literacy Competency Standards for Higher Education" veröffentlicht.

Der Katalog der Kernkompetenzen umfasst nach der ACRL (ACRL, 2000, S. 3, eigene Übersetzung; Download als pdf) folgende Fähigkeiten:

  • den Umfang der benötigten Information zu bestimmen,
  • auf die benötigten Informationen effektiv und effizient zuzugreifen,
  • Informationen und ihre Quellen kritisch zu bewerten,
  • ausgewählte Informationen in die eigene Wissensbasis zu integrieren,
  • Informationen effektiv zu nutzen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen,
  • die wirtschaftlichen, rechtlichen, und sozialen Begleitumstände des Gebrauchs von Informationen zu verstehen und ethisch und legal auf Informationen zuzugreifen.

Man sieht, dass die rein technische Beherrschung der entsprechenden Medien in diesem Katalog nur einen kleinen Teil ausmacht. Vielmehr muss der sachgemäße Umgang auf allen Ebenen - auch sozial und wirtschaftlich - mit Information bewusst gemacht werden, um diesen Standards für Informationskompetenz gerecht zu werden.

Hauptlernziele im Unterricht zur Informationskompetenz

Für Ihre eigene Lehre ergeben sich also zwei Hauptlernziele im Themenfeld "Recherche": Studierende müssen zunächst den technischen Umgang mit den neuen Informationsmedien beherrschen. Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass sie den korrekten Umgang und Gebrauch von wissenschaftlichen Information erlernen.

Die Defizite sind wissenschaftlich belegt

Wie groß die Defizite in diesem zweiten Bereich sind, zeigte die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebene Studie SteFi (Studieren mit elektronischer Fachinformation) der Universität Dortmund, die 2001 veröffentlicht wurde. Die meisten Studierenden hatten sich Recherche durch "trial and error" selbst beigebracht und sahen zum größten Teil ihr eigenes Informationsverhalten eher unkritisch. Dies spiegelt nach der Studie zum Teil auch die Auffassung vom Stellenwert der Informationskompetenz, die die Lehrenden haben. Denn diese sind im Informationsbereich in der Regel auf dieselbe Weise sozialisiert worden und sind daher oft auch "nur" Autodidakten. Ähnliche Ergebnisse ergaben auch spätere Untersuchungen, nicht nur für Studierende, sondern auch bei Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen (z.B. Kohl-Frey 2007).

Dabei ist auch zu beachten, dass die Defizite in der Informationskompetenz hier in einem Teufelskreis wachsen: Der Umgang mit dem Internet, aber auch mit Datenbanken etc., wird an der Oberfläche zunehmend leichter. Gleichzeitig wächst aber die Masse verfügbarer Information unaufhaltbar. Eine Flut, der man nur gewachsen sein wird, wenn bewusster damit umgeht, auf welchen Wegen man sich welche Information beschafft.

Letzte Änderung: 16.07.2015
Druckansicht