Notebook-Einsatz an der PHZ Schwyz
03.03.2011: Die Direktionskonferenz der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) hat bereits 2003 beschlossen, dass die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) an der PHZ als selbstverständliches Arbeitswerkzeug in die Ausbildung einbezogen werden sollen. Im e-teaching.org-Interview stellen Daniela Knüsel Schäfer und Iwan Schrackmann diesen umfassenden Ansatz zur ICT-Einbindung an der PHZ vor und berichten von ihren Erfahrungen.
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Dieses Interview ist Teil des Erfahrungsberichts „Notebook-Einsatz an der PHZ Schwyz“.
Transkript
e-teaching.org: Meine heutigen Gesprächspartner sind Frau Knüsel Schäfer und Herr Schrackmann, beide von der PHZ Schwyz in Koldau. Wir befinden uns auf einer 1 zu 1 Computing-Tagung, wo es um Schule geht. Ich möchte die beiden aber befragen zu einem 1 zu 1 Konzept an der Hochschule. Herr Schrackmann, was ist die Konzeption dahinter und wie wird das umgesetzt?
Iwan Schrackmann: An der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz haben wir eigentlich seit Anfang, also seit dem Jahr 2004, ein Notebook-Konzept oder anders gesagt ein Notebook-Obligatorium. Das heißt, wir haben eine One-to-One-Computing-Ausstattung. Das war damals die Überlegung dahinter, dass wir an drei verschiedenen Standorten, diese Hochschule, diese eine Hochschule betreiben und wir gingen davon aus, dass unsere Studierenden, wie auch unsere Dozierenden, sehr flexibel, sehr mobil studieren bzw. lernen sollen, also immer an verschiedenen Arbeitsplätzen sich aufhalten würden. Und da hat sich das fast aufgedrängt, dass wir gesagt haben, wir müssen auch entsprechende technische Unterstützung bieten oder ein technisches Konzept fahren, das dieser Situation gerecht wird. Und wir haben uns dann entschieden. Beziehungsweise wurde das auch von der obersten Ebene der Direktionskonferenz so abgesegnet, dass wir dieses Notebook-Obligatorium eingeführt haben und beispielsweise demgegenüber auf Computerräume explizit verzichtet haben.
Mit anderen Worten, an der PHZ ist es jetzt obligatorisch für alle Dozierenden, für alle Studierenden ein persönliches Notebook zu haben, wobei natürlich die Dozierenden von der Schule her unterstützt werden finanziell in Abhängigkeit zu ihrem Pensum. Die Studierenden selber haben freie Wahl. Die können sich ein Gerät kaufen, wo sie wollen, welches sie wollen, das ist klar. Aber sie bekommen keine finanzielle Unterstützung.
Und da war natürlich schon die Frage zunächst, ja, wird das so akzeptiert? Welche Reaktion gibt es auch von den Eltern? Und da müssen wir sagen, nach fünf, sechs Jahren Erfahrung hatten wir eigentlich erstaunlich wenig Probleme, wenig bis keine negativen Rückmeldungen. Das wurde so sehr gut eigentlich akzeptiert. Die Studierenden nutzen diese Geräte ja durchaus, auch zum Teil in den Lehrveranstaltungen. Ich wollte das natürlich auch danach genauer wissen und haben eine entsprechende Evaluation durchgeführt. Aber die Begründung war natürlich, wir gehen heute davon aus, dass keine Lehrperson mehr ohne diese technischen Geräte später einmal im Berufsleben auskommen wird. Und es die Pflicht ist einer jeden pädagogischen Hochschule, die jungen Leute, die angehenden Leute, die angehenden Lehrpersonen auf diese Aufgaben vorzubereiten, sei das, dass sie Computer nutzen können zur Unterrichtsvorbereitung, zur Notenverwaltung, zur Korrespondenz, aber natürlich dann auch im Unterricht selbst, zur Differenzierung des Unterrichts, Binnendifferenzierung und andere Dinge.
Da zeigt einfach die Erfahrung es braucht zum einen grundlegende allgemeine ICT-Kompetenzen, die werden dadurch aufgebaut, dass die Studierenden, unsere Studierenden ihre Notebooks regelmässig im Alltag, im Studienalltag nutzen, auch nutzen müssen, weil die Leistungsnachweise von verschiedenen Modulen das erforderlich machen. Die müssen Videos schneiden, die müssen Präsentationen abgeben, die kommen nicht herum, um diese Geräte zu nutzen.
Und unsere Überzeugung ist, erst dann, wenn diese Geräte mal von der technischen Handhabbarkeit wirklich genutzt werden können, wenn diese Kompetenzen, die rein technischen Kompetenzen, mal aufgebaut sind, das ist dann die beste Voraussetzung oder die Grundlage, dass man dann auch über didaktische Anwendungen mit ihnen sprechen kann.
Also es ist wie eine Voraussetzung, aber es ist natürlich noch nicht genug. Und das ist dann der zweite wichtige Aspekt. Wir wollen ja unsere Lehrpersonen auch auf ihre Aufgaben als Lehrpersonen ausbilden und dementsprechend medienpädagogische, mediendidaktische Kompetenzen vermitteln. Und das ist dann auch unsere Herausforderung. Dass wir eben ihnen, dass wir nicht nur ICT in unseren Lehrveranstaltungen einsetzen, wie das alle Hochschulen machen, sondern dass wir immer auch reflektieren und uns weitere Gedanken dazu machen, wie würde das dann aussehen mal in Zukunft auf ihrer Zielstufe, also auf der Volks- oder Grundschulstufe. Wie könnten Sie in den verschiedenen Fächern dann Notebooks oder Computer, Internet einsetzen?
e-teaching.org: Können Sie noch Aussagen dazu machen, welche Rahmenbedingungen sichergestellt sein müssen, damit Ihr Konzept funktioniert?
Iwan Schrackmann: Ja, als Hochschule muss man sich natürlich darauf vorbereiten, dass dann Studierende mit eigenen persönlichen Notebooks kommen. Das sei mal technisch von der Infrastruktur her. Unsere Hochschule ist relativ neu, die wurde 2006 in Betrieb genommen, 2005 gebaut. Und da haben wir ja gewusst, es gibt keine eigentlichen Computerräume. Aber wir haben eine Infrastruktur aufgebaut, die es dann eben erlaubt, die Notebooks überall zu nutzen, mit entsprechenden WLAN-Verbindungen.
Wir haben auch so Tische eingebaut, wo bereits dann LAN-Anschlüsse, also schnelle per Kabel-Anschlüsse, möglich sind. Wir haben eine Drucker-Infrastruktur aufgebaut, sodass alle Studierenden auch Dokumente ausdrucken können, es aber an den Studierenden selbst überlassen ist, ob sie das ausdrucken wollen, mit entsprechenden Kosten oder halt nicht. Alle Unterlagen werden von der Hochschule nur als PDF-Dokument über die Lernplattform angeboten. Und nichts wird mehr ausgedruckt. Aber das ist mal eine wichtige Rahmenbedingung, dass die Studierenden eigentlich ihre Geräte überall nutzen können. Entsprechend auch von der Sicherheit muss natürlich gewährleistet sein, dass die nicht wegkommen. Wir haben hier glücklicherweise eine Umgebung, wo wir überhaupt keine Probleme mit Diebstahl haben. In anderen Orten, auch in städtischen Gebieten, wo dann vielleicht auch unkontrolliert Leute ins Haus kommen, ist das sicherlich auch zu beachten.
Dann muss sichergestellt sein, dass man einen relativ umfassenden, Support anbieten kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass halt ein 60% Pensum nicht genügt, weil die Probleme immer dann auftauchen, wenn der Support dann nicht im Hause anwesend ist. Es bedingt wahrscheinlich wirklich, dass man einen Rundum-Support, also zu 100% hat, weil es immer irgendwelche Probleme, Fragen gibt. Und das kann so dann gewährleistet werden, dass die Technik eben nicht im Hauptfokus steht, sondern genutzt werden kann. Und die Studierenden wie die Dozierenden sich mit eben inhaltlichen Fragen dann auseinandersetzen können.
e-teaching.org: Frau Knüsel Schäfer, wie sieht dann die konkrete alltägliche Nutzung bei den Studierenden aus? Was kann man dazu sagen?
Daniela Knüsel Schäfer: Das hat die Evaluation aus dem Sommer 2009 eigentlich sehr schön zeigen können. Studierende nutzen ihr Notebook vor allem zu Hause, das etwa drei Stunden am Tag. Sie nutzen es aber auch an der Hochschule. Innerhalb von Lehrveranstaltungen drin, eineinhalb Stunden ungefähr pro Tag. Und dann auch ausserhalb von Lehrveranstaltungen, aber an der Hochschule, in Arbeitsnischen usw. auch etwa eineinhalb Stunden pro Tag.
Was sie tun mit diesen Geräten in den Lehrveranstaltungen drin, ist auch sehr spannend. Sie geben an, sie schauen vor allem Dokumente an zur Lehrveranstaltung. Sie brauchen ihr Notebook aber auch, um privat zu recherchieren, privat zu kommunizieren. Diese private Nutzung ist doch auch sehr häufig. Also nicht nur für schulische, studienrelevante Zwecke. In Praxisgefässen, also wenn unsere Studierenden ein Praktikum haben, da nutzen sie ihr Gerät vor allem für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts. Eher selten direkt im Einsatz mit Schülerinnen und Schülern. Wenn sie das dann mal einsetzen, da lassen sie Schülerinnen und Schüler recherchieren oder einen Text schreiben, ein digitales Dokument herstellen. Aber das geschieht noch recht selten.
e-teaching.org: Gibt es aus Ihrer Evaluation Hinweise, wie erfolgreich die Nutzung ist? Also solche Netbooks zu nutzen ist die eine Sache, sie sinnvoll zu nutzen ist die andere Sache. Können Sie dazu schon Aussagen ableiten?
Daniela Knüsel Schäfer: Also wir haben vor allem auch angeschaut, welche Kompetenzen, ICT-Kompetenzen, eignen sich unsere Studierenden an. Also auf der technischen Seite, aber auch auf der mediendidaktischen Seite, da haben wir einerseits mit Vignetten die Kompetenzen selbst einschätzen lassen. Auf der anderen Seite haben wir auch einen ICT-Test durchgeführt.
Wir haben gesehen, dass unsere Studierenden eigentlich recht hohe technische Anwendungskompetenzen haben, dass sie aber im mediendidaktischen Bereich doch noch Entwicklungspotenzial haben. Also insbesondere wenn es darum geht, ganz fächerspezifisch aufzuzeigen, wo können Studierende sinnvoll ihre Geräte einsetzen, in welchem Fach? Und was bringt das für das Lernen? Da besteht offenbar noch Potenzial.
e-teaching.org: Ja, ich bedanke mich recht herzlich für diese Information von der PHZ Schwyz.
Daniela Knüsel Schäfer: Gerne.
