15 Jahre Blackboard Learn an der Universität Salzburg

Die Paris Lodron Universität Salzburg bietet ihren derzeit fast 18.000 Studierenden an vier Fakultäten rund 5.600 Lehrveranstaltungen pro Studienjahr an. Seit 2001 unterstützt das Zentrum Flexibles Lernen (ZFL) Lehrende und Lernende in E-Learning-Fragen. In puncto Technik wurde von Beginn an die Plattform „Blackboard Learn“ eingesetzt.

Bettina Schlass, Client-Managerin bei Blackboard, sprach in ihrer Rolle als Mitglied des Hochschulforums Digitalisierungs mit Mitarbeitern/innen des ZFL darüber, wie digitale Lehre an der Universität Salzburg verankert werden konnte.

Der Eingang der naturwissenschaftlichen Fakultät der Paris Lodron Universität Salzburg. Am Zentrum für Flexibles Lernen (ZFL) der Universität setzt man seit längerem die Lernplattform „Blackboard Learn“ ein.

14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen derzeit am ZFL mit ihrem Engagement zum reibungslosen Ablauf des Lehrbetriebs an der Universität Salzburg bei. Neben E-Learning sind auch weitere Bereiche am Zentrum angesiedelt, etwa die Koordination des postgradualen Weiterbildungs- sowie außercurricularen Zusatzangebots für Studierende, die Redaktion des jährlich erscheinenden PLUS Reports oder der Bereich Curriculumsentwicklung. Die Medienabteilung unterstützt Lehrende seit Jahren in allen Fragen der mediengestützen Lehre, bietet Kurse und Lehrveranstaltungen an und erstellt Medienprodukte für die gesamte Universität. Lehrveranstaltungsaufzeichnungen  und Plagiatsüberprüfungen werden ebenfalls am ZFL durchgeführt.

Nach beinahe 15 Jahren Betrieb von Blackboard (kurz: Bb) Learn werden pro Semester mehr als 90% aller angebotenen Lehrveranstaltungen der Universität Salzburg parallel zum Präsenzunterricht auch über dieses Lernanagement-System abgebildet. Mit durchschnittlich 2000 Zugriffen pro Tag hat sich Bb Mobile Learn ebenfalls zu einem unverzichtbaren Teil des mobilen Lehr- und Studienalltags entwickelt.

Interview

Das folgende, bisher unveröffentlichte Interview mit dem stellvertretenden Leiter des ZFL, Richard Posch, und Nina Grabner, der Verantwortlichen für den User Support, entstand im Rahmen einer qualitativen empirischen Studie der Themengruppe „Change Management und Organisationsentwicklung“ des Hochschulforums Digitalisierung (HFD). In ca. 1,5-stündigen Gesprächen wurden an 14 Hochschulen im deutschsprachigen Raum Einführungs- und Verlaufsprozesse digitaler Lehr- und Lernformate mit Experten/innen besprochen.

Aller Anfang ist „befristet“

Was war der Anlass dazu, E-Learning an der Universität Salzburg einzuführen?

Richard Posch: 2001 beschloss das damalige Rektorat E-Learning für die gesamte Universität anzubieten. Beratend standen hierbei der ZFL-Beirat sowie Prof. Josef Strobl, Leiter des Universitätslehrgangs UNIGIS, zur Seite. Die Fernlehre hatte beim UNIGIS-Konsortium bereits eine lange Tradition, wobei die Kurse teilweise noch in Papierform verschickt, teilweise über Webserver oder E-Mail unterstützt wurden. Diese Unterlösungen sollten in eine sinnvolle Standardlösung zusammengefasst werden. Damit wollte sich die Universität als moderne Präsenzuniversität weiterentwickeln, die Qualität der Lehre verbessern und auf die neue Zeit reagieren. 2001 war alles im Umbruch, um jedoch einem Wildwuchs an Einzelsystemen zuvorzukommen, entschied man sich, ein zentral organisiertes Angebot auszurollen, das den Early Adopters entgegenkam und kosteneffektiver war. Die Verantwortung für die Einführung hat klar beim Vizerektor für Lehre gelegen und von dort ging eine direkte Linie ins ZFL.

Das klingt nach einem größeren Vorhaben. Wie wurde es zu Beginn ausgestattet?

Posch: Wie es für Hochschulen nicht untypisch ist, wurde zuerst ein zeitlich befristetes Projekt ins Leben gerufen und eine Planstelle geschaffen. Diese wurde aufgeteilt in jeweils eine halbe Stelle für die Büroorganisation und für den technischen Part. Von Anfang an haben sich die Strukturen rasant entwickelt. Im März 2001 wurde das Projekt gestartet und bereits im September des gleichen Jahres konnte nach interner Evaluation die Lernplattform Blackboard Learn in Betrieb genommen werden; überschaubar, aber mit Erfolg. Der weitere Ausbau erfolgte über direkte Projekte, Drittmittel, Sonderwidmungen usw. Gerade in der Aufbauphase wurde wirklich alles an Mitteln verfügbar gemacht.

Wachsende Strukturen

Welche Ansprüche bestanden seitens der Universität Salzburg an die technische Infrastruktur?

Posch: 2004, am Ende des Projekts, gab es seitens der Universitätsleitung ein ganz klares Commitment, das ZFL weiter existieren zu lassen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Infrastruktur stetig verbessert und erweitert. Heute ist es Standard, aber 2001 waren Systeme nicht unbedingt die stabilsten und wir haben anfangs viel Zeit investiert, die Services flächendeckend und zeitnah zur Verfügung zu stellen. Möglicherweise hat dies bei der Akzeptanz durch die Nutzerinnen und Nutzer geholfen.

Wie gestaltete sich die Weiterentwicklung der Lernplattform?

Posch: Der technische Betrieb der Lernplattform wird gemeinsam mit den IT-Services gewährleistet; um den Zugang zur Lernplattform zu verbessern, wurde 2004 die Anbindung der Lernplattform an das Anmeldesystem der Universität in Betrieb genommen. Seither gilt das Benutzerkonto der Universität auch bei der Anmeldung an die Lernplattform. Die tägliche Synchronisation der Kurse und Teilnehmer mit PLUSonline wurde 2008 realisiert, um die Anmeldung für Blackboard-unterstützte Lehrveranstaltungen zu erleichtern. Im Sommer 2009 wurde mit echo360 der erste Lehrveranstaltungsrekorder im Audimax installiert. Durch den Einsatz dieser neuen Technik wurde es möglich, Lehrveranstaltungen auf Wunsch der Lehrenden automatisch zur Lehrveranstaltungszeit aufzuzeichnen und im jeweiligen Blackboard-Kurs für die Studierenden zur Verfügung zu stellen. Dazu werden alle Termine der Lehrveranstaltung am ZFL vorprogrammiert; die Aufzeichnung des Beamerbildes, des Tons und auf Wunsch auch des Videobilds erfolgen anschließend automatisch. Seit Herbst 2011 stehen an fünf zentralen Standorten der Universität echo360-Aufzeichnungsgeräte zur Verfügung.

Welche Supportangebote gibt es für Lehrende?

Nina Grabner: Blackboard wurde im Sommer 2010 auf die aktuelle Oberfläche umgestellt. Da es sich dabei um die erste große Veränderung der Benutzeroberfläche seit acht Jahren gehandelt hat, wurde ein umfangreiches „Hilfspaket“ für Lehrende und Studierende durch das ZFL aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Selbstlernunterlagen sowie Fachbereichsschulungen durch das Personal des ZFL wurden von den Lehrenden und Studierenden gut angenommen, sodass die Umstellung reibungslos funktionierte.

Posch: Es gibt immer Akteure, die sofort das Neueste wollen und es sich selbstständig aneignen, die Early Adopters. Rückblickend kann man sagen, dass sie für uns ein Geschenk waren. Dann gibt es diejenigen, die etwas unsicher sind, und diejenigen, die möglicherweise Ressentiments gegen die neue Technik hegen. Die Unsicheren kann man mit Tutoren und entsprechender Unterstützung sehr schnell gewinnen. Bei den Late Adopters bedarf es der Überzeugungsarbeit, sich das Angebot einmal anzusehen und zu testen; allerdings ohne Druck von oben, kein Müssen, sondern Können. Die Universität Salzburg war damals und ist heute eine Präsenzuniversität. Bis auf den kleinen Fernlehrbereich UNIGIS ersetzen E-Learning-Kurse die Präsenz-Lehrveranstaltungen nicht.

Grabner: E-Learning in Form von Blended Learning dient als Hilfsmittel, das von den Lehrenden betreut wird und nicht vice versa. Es werden keine Konserven erstellt, die die Präsenz ersetzen. Die Lehrenden wissen dies inzwischen und dementsprechend ist die allgemeine Akzeptanz und die Abdeckung an Kursen auf der Lernplattform hoch. So ist den Lehrenden und den Studierenden gedient.

Allmähliche Verankerung – ohne Zwang

Mit welchen Anreizen werden Lehrende motiviert, E-Learning-Anwendungen auszuprobieren?

Posch: Wir haben uns bewusst entschieden, E-Learning ohne Zwang einzuführen. Die Universitätsleitung hat nie Druck ausgeübt und die Lehrenden verpflichtet, das Angebot sofort nutzen zu müssen oder Kurse zu befüllen. Darin liegt wahrscheinlich auch das ganz große Geheimnis unseres Erfolgs. Wir haben das Angebot als unterstützende Maßnahme nach außen getragen, innerhalb der Universität Vorträge gehalten und damals noch zeitintensiv und mit viel Handarbeit im Team Kurse angepasst. Unser Motto war damals Train the trainer. Wir haben für Leuchtturmveranstaltungen studentische E-Tutoren ausgebildet, um die Lehrenden zu unterstützen. Ob diese nun ein Dokument auf der Plattform zur Verfügung stellen oder einen elaborierten E-Learning-Kurs, entscheiden die Dozenten selbst.

Geht es dann in den Gesprächen mit Lehrenden auch um didaktische Fragestellungen?

Grabner: Die Frage nach Didaktik wurde früher vermehrt gestellt. Lehrende kamen mit ihren didaktischen Konzepten natürlich aus der Präsenzlehre, daher war der Diskussionsbedarf höher. Jetzt ist es so, dass die Lehrenden, die sich an das ZFL wenden, ungefähr wissen, was sie umsetzen möchten, und wir übernehmen die Übersetzerrolle. Unser aktuelles Bestreben ist, in Spezial-Workshops auf die Lehrenden zuzugehen und ihnen verschiedene Tools und Möglichkeiten zu zeigen, wie man mit Blackboard arbeiten kann. Dies vermitteln wir so, dass es möglichst zeitsparend und mit möglichst viel Mehrwert verbunden ist. Wir wissen, die Zeit in der Lehre ist begrenzt und sehr wertvoll, und als ZFL sind wir bemüht, die Lehrenden zu befähigen, aus der wenigen, verfügbaren Zeit das Beste herauszuholen. Das ist unsere Funktion und unser Servicegedanke. Neu hinzukommende Lehrende bekommen an der Universität im Rahmen der Personalentwicklung mittlerweile bereits zu Beginn ihrer Tätigkeit Blackboard-Einführungskurse angeboten.

Wie werden Studierende in E-Learning-Aktivitäten eingebunden und begleitet?

Posch: Neustudierende werden seit einigen Jahren zu einem Erstkontakt eingeladen. Im Rahmen eines Orientierungstags werden sie über sämtliche Systeme und Abläufe der Universität informiert und natürlich auch in Blackboard eingeführt. Die jetzigen Studierenden sind es gewöhnt, sich im Netz frei zu bewegen. Sie kennen vielleicht noch keine Lernplattform, aber die Arbeit mit solchen Systemen bedeutet normalerweise nur eine ganz geringe Umstellung für sie. Im weiteren Verlauf sind sie dann selbstexplorativ tätig. Wir haben beobachten können, dass Studierende die Vorteile von E-Learning-Tools schnell sehen und die Lehrenden als Multiplikatoren auf die Möglichkeiten hinweisen.

Welche Kommunikationsstrategien setzen Sie ein, um auf die E-Learning-Möglichkeiten aufmerksam zu machen?

Posch: Anfänglich verlief die Kommunikation vor allem face-to-face, in Vorträgen, in Leuchtturmprojekten und über die E-Tutoren. Informationen werden auf der Universitätswebsite zum Download angeboten: kleine Handbücher, ein großes Handbuch. Es steht ein Helpdesk zur Verfügung, bei dem Lehrende und Studierende Unterstützung aus einer Hand erhalten, und es werden spezielle Workshops abgehalten.

Was sind die Erfolgsfaktoren, die es Ihnen erlaubt haben, das E-Learning an der Universität Salzburg zu verstetigen?

Posch: Subsumierend zeichnet sich die digitale Lehre an der Universität Salzburg dadurch aus, dass sie auf verbindlichen Organisationsstrukturen beruht. Das ZFL hat sich in den letzten 15 Jahren zu einer Abteilung entwickelt, die dem Namen „Flexibles Lernen“ tatsächlich Rechnung trägt. Man „macht“ nicht nur E-Learning oder neue Medien, sondern trägt Verantwortung für Curriculumsentwicklung, Studienergänzungen und Weiterbildung. Es wird ein eigenes AV-Studio betrieben, wo Spezialisten Medienkompetenzen vermitteln, und es werden Schulungen im Bereich der Personalentwicklung abgehalten. Die Implementierung der Lernplattform war eine strategische Maßnahme. Blackboard hat sich über die Jahre als verlässliches Werkzeug erwiesen, um Lerninhalte einfach und sicher an Studierende zu übermitteln sowie didaktisch kreative Lernszenarien zu verwirklichen. Mit dem Partner Blackboard wurde gemeinsam im Rahmen diverser Entwicklungsprogramme aktiv an der Entwicklung und Verbreitung des Lernplattformeinsatzes gearbeitet.

Grabner: Unser Erfolgsrezept war, dies ohne jeden Druck anzubieten und den sanften Weg einzuschlagen. Zu Beginn ging es vor allem darum, den Nutzern die Angst zu nehmen und sie zu ermutigen, anzufangen und die Möglichkeiten auszutesten. Heute liegt unsere Aufgabe mehr darin, die mannigfaltigen Mehrwerte des E-Learnings aufzuzeigen und die Lehrenden bei der Umsetzung zu unterstützen.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Perspektiven für die nahe Zukunft im Bereich digitaler Lehr-Lern-Szenarien?

Posch: Der Fokus wird sich über kurz oder lang auf die mobile Nutzung verschieben. Wir sind selbst überrascht, wie unendlich schnell sich Mobilgeräte bei Studierenden und Lehrenden durchgesetzt haben; ad hoc hat jeder sein Tablet und sein Mobiltelefon und man will diese Geräte auch nutzen. Es stellt sich also die Frage, wie man Lehre und Lernen auf das Mobilgerät bringt und wie man Lehrende motiviert und unterstützt, ihre Lehre dahingehend anzupassen.

 

Zu den Interviewpartnern/innen:

Logo Uni Salzburg

Richard Posch, M.Sc.

Richard Posch ist als stellvertretender Leiter des Zentrums für Flexibles Lernen zuständig für die Lernplattform Blackboard, Echo360 und elektronische Plagiatsüberprüfung.

Mag. Nina Grabner

Mag. Nina Grabner ist zuständig für den Lehrenden/Studierenden e-Learning Support, die Koordinatorin der Doctorate School PLUS und verantwortlich für die Koordination der Studienergänzungen & Studienschwerpunkte an der Universität Salzburg.