Ein Hilfsmittel, das sich leicht in räumlich unabhängige Lernprozesse integrieren lässt, ist der Personal Digital Assistent (PDA). Ein PDA auch Pocket PC, Palmtop oder Handheld genannt, ist eine Art „Taschen-PC“: PDAs haben standardmäßig keine Tastatur, sondern arbeiten in der Regel mit Handschriftenerkennung und einem Eingabenstift. Moderne Geräte erreichen mittlerweile die Leistung eines 500MHz PCs.
|
Vor- und Nachteile
Der Vorteil von PDAs liegt in ihrer handlichen Größe. Ein PDA
kann als mobiles Endgerät in Lehr- und Lernumgebungen integriert werden,
ohne diese zu dominieren (Pinkwart et al., 2003).
Ein Nachteil ist die ungewohnte Eingabe per Kunststoffstift, der
kleine Bildschirm und die relativ geringe Akkulaufzeit. Obwohl sich die
Interface-Gestaltung im Laufe der Zeit verbessert hat, brauchen Benutzer
rund 60% länger für die Eingabe von Notizen in den PDA als für die
handschriftliche Erstellung (Scheele et al., 2001).
|
|
Funktionen
Der Funktionsumfang von PDAs variiert je nach Gerät und Ausstattung.
Viele Funktionen sind durch Zusatzkarten integrierbar. Die folgende
Zusammenstellung gibt einen Einblick in die Bandbreite der Funktionen:
- Schnittstelle zur Daten-Synchronisation mit
Desktop
oder
Laptop,
- Internetzugang über
WLAN
(Datenübermittlung und Datenabfrage)
- Synchrone und
asynchrone Kommunikation,
- Stand-alone Anwendungen, z.B. Datenerfassung, Textbearbeitung,
Tabellenkalkulation, Terminkalender
- Laden und Abspielen, teilweise auch Aufzeichnen, von Multimedia-Daten
(Bilder, Audio, Video).
Einsatzgebiete
Der Einsatz von PDAs ist in verschiedenen Szenarien möglich, u.a.
Recherche
PDAs spielen besonders im Rahmen von „Wireless Campus“-Projekten eine
Rolle. Ziel ist es den Studierenden zu jeder Zeit und von jedem Ort am
Campus aus einen drahtlosen Zugang zu Lehr- und Wissensinhalten zu
ermöglichen. Dies ist über WDAs (Wireless Digital Assistents) - PDAs mit
WLAN
Anschluss - möglich.
|
Die PDAs mit Internetanbindung fungieren als handliche
Informationspools: Die Studierenden können sich z.B. die
Vorlesungsinhalte aus dem Internet auf ihren PDA herunterladen und
überall mit sich führen. Die PDAs verfügen über spezielle
Browser
mit Navigations- und Suchfunktionen, um z.B.
Vorlesungsinhalte durcharbeiten zu können.
Durch eine Personalisierung kann die Informationsvermittlung auf die
individuellen Bedürfnisse ausgerichtet werden.
In den USA wird der PDA vor allem in der Medizin eingesetzt. Auf den
mobilen Computern sind medizinische Nachschlagewerke wie die Rote Liste
oder MEDLINE gespeichert, die die Mediziner bei der optimalen
Patientenbetreuung unterstützen sollen. In Deutschland setzt bereits die
Universität Münster auf
PDAs als Informationsspeicher für Mediziner.
Der Informationszugang über geläufige Suchmaschinen wie Google und
Yahoo ist auch im PDA-Format möglich (320 x 480 pixel). Die Abbildung
zeigt ein Beispiel
|
Datenerfassung
Auch für Studierende anderer Disziplinen kann der Einsatz von PDAs
interessant sein. Geografen, Geologen, Biologen oder auch Ethnologen ziehen
regelmäßig ins Feld und sind auf ortsunabhängige Informationsdienste und
Informationsspeicher angewiesen. Die handlichen PDAs können dabei einen
nützlichen Reisebegleiter darstellen. Sie ermöglichen die direkte
Einspeicherung von Notizen und Daten, den Abruf von Informationen und den
Kontakt mit Lehrenden zu Hause (
Milrad et al., 2004).
Übung und Feedback
Der Lernerfolg von Studierenden ist größer, wenn sie die Möglichkeit
haben, während der Datenbearbeitung Fragen zu stellen (Tatar et al., 2003). Feedback zu geben gestaltet sich in räumlich
verteilten Lehrszenarien allerdings oft schwierig. Verfügen die PDAs über
einen Internetzugang können Studierende unabhängig von ihrem Aufenthaltsort
an den Dozierenden Fragen und Anmerkungen richten.
Auch in traditionellen Vorlesungen können PDAs als Feedback-Medium zum
Einsatz kommen: Die Studierenden geben ihre Kommentare in PDAs ein; diese
werden per Funknetz auf den Präsentationsrechner des Dozierenden übertragen.
So erhält der Lehrende z. B. Rückmeldung darüber, ob das Tempo der
Veranstaltung zu schnell oder der Stoff zu schwierig ist. Über ein
integriertes Quiz-Tool kann der Lehrende während der Vorlesung
Multiple Choice-Fragen stellen und Abstimmungen durchführen. Die
Antworten können statistisch ausgewertet und während der Veranstaltung
angezeigt werden (vgl. Scheele et al., 2004). Ein Beispiel ist das
Projekt WILD
an der Universität
Mannheim.
Über Simulationen mit Drag & Drop Funktionen können Studierende mit
dem PDA die Bedienung von Apparaten im voraus über Simulationen lernen. An
der Hong Kong Polytechnic University wurde so den Studierenden ermöglicht,
sich mit den Funktionen einer Augenoptik Apparatur auf dem PDA vertraut zu
machen. Zu sehen sind Fallbeispiele die dem Benutzer eine individuellen Gang
durch Informationen erlauben, sowie Videos, Bilder und Audio, die die
Fallbeispiele ergänzen.
Kooperation
PDAs verfügen i. d. R. über einen Messaging Dienst und können als
Kommunikationsplattform (u.a. für
Chats) genutzt werden. Neben handschriftlichen Nachrichten können auch
annotierte Grafiken verschickt werden. Der Kommunikationsverlauf kann später
herunter geladen und auf einem Rechner verwaltet werden. Notizen können über
das PDA leicht anderen Studierenden zugänglich gemacht werden. Diese können
über ihren PDA Anmerkungen und Korrekturen zu den einzelnen Punkten
hinzufügen und alle Diskussionsbeiträge speichern. An der Universität
Paderborn wird eine Kooperationsumgebung entwickelt, auf die auch mittels
PDA zugegriffen werden kann:
http://www.open-steam.org/
Annotation
Elektronische Folienpräsentationen können entweder während oder nach der
Lehrveranstaltung auf einen PDA geladen und annotiert werden. Allerdings
werden die Folien auf Grund des Formats um 30% kleiner dargestellt und sind
unter Umständen nur schwer zu entziffern – über eine Zoom & Scan
Technologie kann die Bearbeitung erleichtert werden. Während einer
Veranstaltung können die Annotationen eines Teilnehmenden vom PDA auf ein
Whiteboard projektiert und mit allen Studierenden diskutiert werden.
Beispiele:
Technik
Weitere technische Hintergrundinformationen zum Thema PDA finden sie im
Bereich Medientechnik.