Ausgangslage ist die Planung und Durchführung einer Online-Schulung zum Erwerb von Software-Kompetenzen.
Problem
In Online-Schulungen hat man als Trainer kein non-verbales Feedback, ob
das Demonstrierte verstanden wird, ob das Tempo angemessen ist und das
Interesse geweckt wird. Ohne dieses Feedback kann der Trainer seine
Schulung nicht auf die Situation anpassen und es werden keine optimalen
Lernfortschritte erzielt.
Rahmenbedingungen
Typische Kennzeichen wie Stirnrunzeln, langweiliges in der Gegend
herumstarren, große Augen, bestätigendes Lächeln usw. geben dem Trainer
bewusst und unbewusst Feedback, ob seine Schulung angemessen ist oder
angepasst werden muss. Doch bei Online-Schulungen sieht der Trainer
seine Teilnehmer nicht.
Zwischenfragen sollten jederzeit erlaubt sein, doch wie signalisiert
ein Teilnehmer zusätzlichen Informationsbedarf wenn er nicht einfach
die Hand heben kann, um sich zu melden?
Uneingeschränkter Redefluss des Trainers ist anstrengend und die
Teilnehmer benötigen gelegentlich Zeit um das Gezeigte zu verarbeiten.
Redepausen wirken in Online-Veranstaltungen jedoch lang gezogen.
Lösung
Planen Sie häufigeres Nachfragen ("Soweit alles verstanden?", "Gibt es
dazu Fragen?") ein als bei Präsenz-Schulungen. Kündigen Sie den
Teilnehmern vorher an, dass Sie während der Schulung zu bestimmten
Zeitpunkten auf Fragen eingehen werden.
Details
Implizites Feedback, das sich aus non-verbaler Kommunikation ergibt,
entfällt bei Online-Schulungen. Daher muss explizites Feedback häufiger
eingefordert werden. Auch am Ende der Schulung können Sie gezielt
Feedback einholen und nachfragen: "War der zeitliche und stoffliche
Umfang OK?", "Was hätte Sie noch interessiert?", "Was wünschen Sie sich
für das nächste Mal?", "Kamen Bild und Ton gut bei Ihnen an?".
Um sich selbst eine Verschnaufpause zu gönnen und die Teilnehmer
stärker zu involvieren, können Sie auch gezielt Fragen an diese
stellen: "Haben Sie hierfür eine Idee?", "Wer kennt weitere
Beispiele?", "Haben Sie einen Vorschlag, was ich da jetzt eintragen
soll?"
Sie sollten die Möglichkeit des Schulungs-Servers nutzen, ein Chat-Fenster für Fragen zur Verfügung zu stellen.
Stolpersteine
Teilnehmer können während der Demonstration des Werkzeugs bereits
Fragen stellen. Da Sie sich auf die Demonstration des
Software-Werkzeugs konzentrieren, übersehen Sie meist die gestellten
Fragen. Sie sollten daher zu Beginn darauf hinweisen, dass Sie nicht
jede Frage sofort beantworten sondern zu verschiedenen Zeitpunkten
während der Schulung darauf eingehen.
Sobald Sie auf Ihrem Schulungs-Rechner in die Umgebung des
Schulungs-Systems wechseln, um Fragen zu lesen, bekommen Teilnehmer die
Administrations-Oberfläche zu sehen wenn der gesamte Desktop
aufgezeichnet wird. Damit dieser Wechsel entfallen kann, empfiehlt sich
ein
KONTROLL-MONITOR.
Damit die Fragen-Pausen nicht vergessen werden, sollte man sie explizit im
SCHULUNGS-KONZEPT
vorsehen.
Wie kann man die Fragen im Chat-Fenter verfolgen wenn man eigentlich
auf seinem eigenen Bildschirm arbeitet? Hier bietet sich ein
KONTROLL-MONITOR
an, auf dem man die Diskussion verfolgen kann.
Fragen können auch von einem
UNSICHTBAREN KO-MODERATOR
notiert und per Zettel weitergereicht werden.
Vorteile
- Integration der Teilnehmer ist möglich
- Fragen und Unklarheiten können aufgegriffen werden
- Schaffung sozialer Präsenz
- Verschnaufpause für den Trainer
Nachteile
- Fragen werden nicht direkt beantwortet wenn sie auftauchen
- Beim nachträglichen Betrachten der Fragen im
Chat-Fenster wird nicht immer klar, auf welche vorgeführten
Arbeitsschritte oder Funktionen sich die Frage bezieht.
- Pausen wirken manchmal künstlich wenn die Teilnehmer sich nicht beteiligen