| Bei einer Online-Schulung demonstriert ein Trainer die Bedienung einer
Software auf seinem Bildschirm, der an entfernt sitzende
Schulungsteilnehmer übertragen wird. Im Gegensatz zur Präsenzschulung
sieht er dabei nicht exakt das gleiche Bild wie die Teilnehmer:
Teilnehmer sehen die Aktionen mit Verzögerung, geringerer Bildauflösung
und niedriger Wiederholungsrate beim Bildaufbau. Zudem ist der
übertragene Bildschirm in ein Konferenzsystem integriert, welches oft
weitere visuelle Elemente (Videobild des Trainers, Chat-Fenster)
enthält. |
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Problem
Der Trainer sollte beim Kommentieren seiner Operationen über die
Bildschirmdarstellung sprechen, die von den Teilnehmer gesehen wird –
und nicht über das, was er sieht. Stimmen gesprochener Kommentar und
gezeigtes Bild nicht überein, so können fehlerhafte mentale Modelle bei
den Teilnehmern entstehen.
Rahmenbedingungen
Beim Kommentieren bezieht sich der Trainer auf die Arbeitsschritte, die
er gerade ausführt, aber Teilnehmer bekommen die Bildschirmdarstellung
mit zeitlicher Verzögerung übertragen.
Schnelle Änderungen der Bildschirmdarstellung (Animation, Video oder
schnelle Eingabe von Texten) werden aufgrund von Komprimierung und
geringer Bandbreite nicht detailgetreu übertragen. So fehlen oft
Zwischenbilder oder die Eingabe einzelner Buchstaben sieht bei den
Teilnehmern wie die Eingabe eines vollständigen Wortes aus.
Wenn die Arbeitsoberfläche verkleinert oder mit geringerer Bildqualität
übertragen wird, dann können Einzelheiten verloren gehen. Was der
Trainer klar sieht, ist im Extremfall für den Teilnehmenden nur
schwammig sichtbar.
Häufiges Umschalten zwischen Fenstern oder das Scrollen des Bildschirms
verlangsamen die Übertragung (da sich jeder Bildschirmpunkt verändert),
der Trainer merkt dies aber nicht, da sich sein Rechner "normal"
verhält.
Lösung
Neben dem Rechner, auf dem die Schulung aufgenommen wird, kommt ein
zweiter Rechner mit Kontroll-Monitor zum Einsatz. Auf diesem Rechner
loggt sich der Trainer als normaler Schulungsteilnehmer ein und erhält
so die Sicht der Teilnehmer.
Details
Der Trainer kann nicht nur beobachten, wie sein Bildschirm übertragen
wird, sondern sieht gleichzeitig alle anderen Komponenten des
Konferenzsystems (z.B. sein eigenes Kamerabild).
Kommt es zu Verzögerungen in der Übertragung sollte eine kurze
Sprechpause eingelegt werden, um das übertragene Datenvolumen zu
reduzieren und so Server-Kapazitäten sowie die Leitungen zu entlasten.
Stolpersteine
Beim Abwenden vom eigenen Arbeitsbildschirm, schaut man nicht mehr in
die Kamera und daher häufig aus dem Bild. Der Kontrollmonitor sollte
also nicht zu weit entfernt aufgestellt werden, um Drehungen des
gesamten Oberkörpers zu vermeiden. Das häufige zur Seite schauen kann
unaufmerksam oder unsicher wirken.
Steht der Kontrollmonitor zu dicht am eigentlichen Monitor, so können
die parallel wahrgenommenen, zeitverzögerten Änderungen irritieren oder
ablenken.
Die Tonausgabe des zweiten Rechners muss unbedingt ausgeschaltet sein,
da es sonst durch Aufnahme des Mikrofon des Trainers zu unangenehmen
Echo-Effekten kommt.
Vorteile
- Beobachtet man den Kontrollmonitor, so gewöhnt man sich schnell eine
andere Sprechart an. Statt "Sie sehen jetzt..." sagt man "Sie sehen
gleich..." und trifft damit das tatsächliche Geschehen besser.
- Ein zweiter Monitor erlaubt es, Chat-Nachrichten wahrzunehmen und in passenden
FRAGEPAUSEN
die Fragen nachzulesen.
Nachteile
- Zu häufiges Schauen auf den Kontrollmonitor beeinträchtigt den
Arbeitsfluss, denn die Operationen werden weiterhin auf dem
Schulungsrechner und nicht dem Kontrollrechner ausgeführt.
- Es wird zusätzliche Hardware benötigt.
- Aufwändiger Aufbau am Arbeitsplatz des Trainers.
- Der Trainer schaut während des Trainings häufig zur Seite und nicht
in die Kamera, was irritierend für die Teilnehmer sein kann.