Zur Erstellung einer Videodatei kann vorhandenes Material digitalisiert oder neues digital aufgezeichnet werden. Je nach technischer Infrastruktur und Verwendungszweck bieten sich unterschiedliche Programme und Formate an.
Digitalisierung analogen Materials
Eine Übertragung von VHS-Kassetten und Super-8- oder 16mm-Filmen in ein
digitales Format hat den Vorteil, dass das Material mit geringem
Aufwand bearbeitet und flexibel eingesetzt werden kann. Zudem bieten
digitale Datenträger wie DVD den Vorteil, dass häufiges Abspielen oder
Kopieren die Wiedergabequalität nicht verringert. Hinsichtlich der
Archivierbarkeit ist allerdings zu beachten, dass die heute üblichen
Formate, Datenträger und Abspielgeräte in einigen Jahren veraltet und von
modernen Geräten möglicherweise nicht mehr abspielbar sein können.
Um Super-8- oder 16mm-Filme zu digitalisieren, kann das von einem
Projektor an die Wand geworfene Bild mit einer digitalen Videokamera
aufgezeichnet werden. Je nach Art und Einstellung der Geräte schwankt die
Qualität des Ergebnisses. Bessere Resultate erzielen Sie in der Regel durch
die Verwendung professioneller Filmabtaster, die ohne den Umweg über die
Projektion die Bildinformationen digital einlesen.
Videomaterial, dass auf VHS-Bändern gespeichert ist, kann mit Hilfe einer
TV- oder Grafikkarte mit Videoeingang digitalisiert werden ("grabben"). Dazu
wird der VHS-Rekorder an den Videoeingang angeschlossen,
der hierfür meist nötige Adapter (Scart - Cinch) ist
im Fachhandel erhältlich. Die Tonspur muss separat über die
Line-in-Buchse der Soundkarte aufgenommen werden. Mit
Hilfe eines Programms mit so genannter Capturing-Funktion wird das vom
VHS-Rekorder wiedergegebene Video digital aufgezeichnet und in
komprimierter Form (z. B. im
AVI-Format) auf der Festplatte gespeichert. In der Regel wird
ein einfaches Programm mit der TV-Karte mitgeliefert. Die Qualität der
entstehenden Videodatei hängt nicht nur von der verwendeten Hard- und
Softwarekonfiguration ab, sondern auch ganz entscheidend von der Qualität
des Ausgangsmaterials.
Wir haben für Sie eine
Liste mit Programmen, mit denen Videofilme
aufgezeichnet werden können, zusammengestellt.
Der Prozess der Digitalisierung erfordert einen sehr hohen
Rechenaufwand, daher sollte Ihr Rechner neben einer entsprechenden
TV-/Grafikkarte mit Videoeingang und einer Soundkarte über einen
leistungsstarken Prozessor (mindestens 1 GHz, besser ab 2 GHz), ausreichend
Arbeitsspeicher (mindestens 256 MB, besser ab 512 MB) und genügend
freien Festplattenspeicher (stark vom Video abhängig; im
Gigabyte-Bereich) verfügen. Möchten Sie intensiv mit digitalem
Videomaterial arbeiten, bietet sich der Einsatz einer zweiten Festplatte
an.
Bei leistungsschwächeren Rechnern kann alternativ die
Digitalisierung mit Hilfe zusätzlicher Hardware vorgenommen werden,
die in einen Steckplatz (meistens PCI) oder an einen
externen Port (meistens Parallel- oder
USB
-Port) gesteckt wird. Diese so genannten Hardware-Codecs übernehmen
die
Umwandlung und erfordern daher weniger
Rechnerleistung. Sie sind allerdings im Vergleich zur Lösung
TV-/Grafikkarte plus Software deutlich kostspieliger und weniger flexibel.
Für unerfahrene Nutzer können sie jedoch den Vorteil bieten, dass die
weitgehend festgelegte Konfiguration in der Regel zu zufriedenstellenden
Ergebnissen führt, da die Wahrscheinlichkeit von Einstellungsfehlern
geringer ist.
Aufnahme mit digitaler Videokamera
Möchten Sie ein neues digitales Video erstellen, bietet sich die Verwendung
einer digitalen Videokamera an. Solche Kameras sind sehr verbreitet und
werden inzwischen häufiger verkauft als die herkömmlichen analogen. Bei der
Auswahl einer digitalen Videokamera sollten Sie folgendes beachten:
- Je kleiner und leichter die Kamera, um so größere Einschränkungen
müssen in aller Regel hinsichtlich der manuellen Einstellmöglichkeiten und
des Bedienkomforts, eines ruhigen Bildes, der Einsatzbreite des
Objektivs sowie der Tonqualität hingenommen werden.
- Bei der Angabe der Zoomleistung ist nicht der so genannte "digitale
Zoom", sondern der "optische Zoom" ausschlaggebend für die
Leistungsfähigkeit und Qualität des Zooms.
- Um ein Video auf einer großen Leinwand in guter Bild- und Tonqualität
vorführen zu können, ist eine qualitativ hochwertige Kamera notwendig.
- Die häufig dürftige Tonqualität lässt sich durch die Verwendung eines
externen Mikrophons verbessern, dies ist jedoch nicht bei allen Kameratypen
anschließbar.
Digital Video (DV) ist zur Zeit das mit Abstand verbreitetste
digitale Aufzeichungssystem für Videosignale. Der DV-Standard beinhaltet u.
a. ein Kompressionsverfahren (DCT), die Datenrate, die Schnittstelle und das
Kassettenformat.
Für diesen Standard steht eine entsprechend große Auswahl an Software
zur Videobearbeitung zur Verfügung.
Über die vierpolige FireWire-Schnittstelle lässt sich das digitale
Videomaterial komfortabel auf den Rechner übertragen (DV OUT). Verfügt Ihr
Rechner nicht über eine solche Schnittstelle, können Sie ihn mit Hilfe einer
Schnittstellenkarte kostengünstig nachrüsten. Bei vielen in Europa
erworbenen Videokameras ist es nicht möglich, das Video vom Rechner zurück
auf die Kamera zu überspielen (DV IN). Grund: Diese gelten laut EU-Recht als
Videorekorder und sind mit höheren Zöllen belastet.
Über analoge Cinch-Buchsen oder einen VHS-Ausgang kann die Kamera auch
direkt mit einem Fernseher verbunden und das Video wiedergegeben werden.
Bildschirmaufzeichnungen
Mit speziellen Anwendungsprogrammen können die Ereignisse, die auf einem
Bildschirm abgebildet sind, inklusive einer zusätzlichen Audiospur
aufgezeichnet werden. Dies kann z. B. bei Softwareschulungen, Präsentationen
oder Videokonferenzen hilfreich sein, um die entstehende Videodatei den
Teilnehmenden oder auch einem erweiterten Personenkreis im Nachhinein zur
Verfügung stellen zu können.
Programme für die Bildschirmaufzeichnung sind z. B. Camtasia Studio (Steckbrief) oder Lecturnity (Steckbrief). In den Steckbriefen finden Sie
detaillierte Informationen zu den Programmen.
Ein Programm zur Umwandlung von
PowerPoint
-Präsentationen in webfähige
Flash
-Filme ist Articulate Presenter (Steckbrief).
Mit den Produkten GrabCaptureScreen (Steckbrief), SnapNDrag (Steckbrief) und url2bmp (Steckbrief) können Screenshots, sprich
Momentaufnahmen vom Bildschirminhalt, erstellt werden.
Formate und Codecs
Bei der Erstellung einer Videodatei muss zwischen den Begriffen
Format
und
Codec
unterschieden werden. Die Datei selbst liegt
in einem bestimmten Format vor, das an der Dateiendung zu erkennen ist. Ein
Codec
co
diert und
dec
odiert einen Audio- oder Videostrom
nach einem bestimmten Algorithmus. Die meisten Formate sind so genannte
Containerformate, d. h. sie können mehrere Codecs verarbeiten (z. B.
AVI). Zwei Dateien des gleichen Formats müssen also nicht zwangsläufig
mit dem gleichen Codec komprimiert worden sein. Zum Öffnen einer
komprimierten Datei muss der Codec installiert sein, mit dem die Datei
erstellt wurde. Zahlreiche Codecs sind als Teil des Betriebssystems oder
eines Anwendungsprogramms bereits vorhanden. Zusätzliche Codecs können
einzeln oder als Pakete instaliert werden. Eine Übersicht und
Downloadmöglichkeiten bietet die Seite
www.codec-download.de.
Audio Video Interleaved (Endung .avi)
AVI ist ein Containerformat, das alle installierten Audio- und
Video-
Codecs
unterstützt. Beliebte Codecs zum Erzeugen einer
AVI-Datei sind die auf dem MPEG4-Standard basierenden DivX und XviD. Es
erlaubt das relativ schnelle Ansteuern bestimmter Stellen innerhalb
eines Videos sowie eine Synchronisation mit der Tonspur. Nachteilig
kann die Begrenzung der Dateigröße auf 2 GB sowie die mangelnde
Streaming
-Fähigkeit sein. Um das von der Firma Microsoft entwickelte
Format wiederzugeben, ist ein entsprechender Player erforderlich, z. B. der
Windows Media Player.
Moving Picture Experts Group (Endung u. a. .mpg, .mpeg)
MPEG
bezeichnet
zugleich eine Gruppe von Standards für Codecs und ein Format. Dabei handelt
es sich um ein Containerformat, das ausschließlich die MPEG-Codecs
verarbeiten kann. MPEG reduziert über
ein Echtzeitkomprimierungsverfahren die Größe von Videodateien
drastisch und eignet sich gut als Bearbeitungs- und -speicherformat. Während
der MPEG2-Standard auf DVDs Verwendung findet, lassen sich mit dem stärker
komprimierenden und flexibleren MPEG4-Standard ganze Filme auf eine CD
brennen und v. a. auch mobile Endgeräte mit Videomaterial versorgen.
QuickTime (Endung .mov)
QuickTime
ist ein
von der Firma Apple entwickeltes Containerformat. Beliebte Codecs sind z. B.
MPEG4 und Sorenson. Das QuickTime-Format ist
streaming
-fähig, zur Wiedergabe ist der QuickTime-Player
notwendig.
Real Video (Endung u. a. .rm)
Das Real Video-Format eignet sich auf Grund spezifischer Eigenschaften
insbesondere zur Live-Übertragung im Internet (Streaming).
Windows Media Video (Endung .asf, .wmv)
WMV
ist ein
Containerformat, das eine Reihe Microsoft-eigener Codecs verwenden
kann.