Essentielle Eigenschaft von Peer-to-Peer-Infrastruktur ist die dezentrale Vernetzung. Dezentral bedeutet, dass auf keine zentrale Kontroll-, Daten- oder Dienstinstanz in Form eines Servers zurückgegriffen wird. Stattdessen stellen alle beteiligten Endsysteme Ressourcen und Dienste zur Verfügung, können diese untereinander teilen und gemeinsam nutzen. Die Kommunikation findet also direkt von Endsystem zu Endsystem statt, ohne den Umweg über einen Server einzuschlagen. Die Vertiefung führt in unterschiedliche Architekturen ein und schildert typische Anwendungen.
Durch das Fehlen verwaltender Server muss sich ein Peer-to-Peer-Netz selbst
organisieren. Diese Selbstorganisation stellt die größte Herausforderung
heutiger Peer-to-Peer-Systeme dar. Dazu gehören u. a. das Verwalten eigener
Adressierungsstrukturen und Wegewahlverfahren (z. B. für die Suche beim
File Sharing). Je nach allgemeiner
Organisationsform werden Peer-to-Peer-Systeme in jeweils zwei Klassen
unterteilt: unstrukturierte und strukturierte sowie reine und hybride
Systeme.
Grad der Strukturierung
Diese Unterteilung bezieht sich auf die Art der dezentralen
Selbstorganisation. Die Kernfrage dabei lautet: Wie müssen Daten und
Endsysteme verwaltet werden, um eine effiziente Suche innerhalb des
Peer-to-Peer-Netzes zu ermöglichen?
Beim unstrukturierten Ansatz speichern die teilnehmenden Endsysteme
keinerlei Informationen über die Wegewahl zu den das gesuchte Datum
besitzenden Zielsystemen. Das bedeutet, dass außer dem Zielsystem kein
Endsystem Informationen darüber besitzt, wo das gesuchte Datum zu finden
ist. Daher beruht die Suche in unstrukturierten Peer-to-Peer-Systemen meist
auf einer so genannten Netzflutung, bei welcher die Suchanfrage an alle
beteiligten Systeme (weiter-)geleitet wird. Der Suchaufwand und die dadurch
anfallende Netzbelastung sind dementsprechend hoch und steigen zudem mit
zunehmender Anzahl teilnehmender Endsysteme.
Beim strukturierten Ansatz dagegen besitzen die Endsysteme Informationen
über die Wegewahl und können dadurch eine effiziente Weiterleitung der
Suchanfrage zum Zielsystem ermöglichen. Die hierbei zum Einsatz kommende
Datenstruktur ist die
verteilte Hashtabelle. Hierbei ist jedes Endsystem für bestimmte Daten
zuständig, stellt also Informationen bereit, wo diese Daten zu finden sind.
So wird eine weitaus effizientere Suche ermöglicht, da weniger
Weiterleitungen der Suchanfrage stattfinden.
Grad der Dezentralität
Die Unterteilung anhand des Grades der Dezentralisierung richtet sich
danach, ob es innerhalb des Netzwerks auch zentrale Elemente gibt. Reine
Peer-to-Peer-Systeme sind vollständig dezentral organisiert, verwalten
folglich sowohl Inhalte als auch Wegewahl-Informationen ausschließlich mit
Hilfe der Ressourcen der beteiligten Endsysteme. Hybride
Peer-to-Peer-Systeme dagegen greifen auf den Einsatz von
Servern
zur Koordination des Netzes zurück.
Die Server verwalten dabei sowohl die Adressen als auch die Dateilisten der
Endsysteme. Tritt ein neues Endsystem dem Peer-to-Peer-Netz bei, so schickt
es zuallererst seine Kennung mitsamt Dateiliste an den Server. Der Server
kann auf eine an ihn gesendete Suchanfrage daher sofort mit einer Liste
entsprechender Zielsystem-Adressen antworten. Der eigentliche Datentransfer
erfolgt dann wieder direkt von Endsystem zu Endsystem.
Andere Formen hybrider Peer-to-Peer-Systeme machen vom Prinzip so genannter
Supernodes Gebrauch. Supernodes sind teilnehmende Endsysteme mit besonders
hoher
Bandbreite
und guter Erreichbarkeit. Diese Supernodes bilden eine Art
Rückgrat des Peer-to-Peer-Netzes. Sie nehmen sämtliche Suchanfragen entgegen
und leiten diese untereinander weiter.
Reines P2P-Netz mit gleichberechtigten Teilnehmern.
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Hybrides P2P-Netz mit zentralem Verzeichnisserver.
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Hybrides P2P-Netz mit privilegierten Supernodes.
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Anwendungen
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File Sharing
:
Das
wohl nicht zuletzt wegen der häufigen Urheberrechtskonflikte bekannteste
Anwendungsfeld, das sich eine Peer-to-Peer-Infrastruktur zunutze macht, ist
das
File Sharing
- das Austauschen (d. h. Kopieren) von Dateien zwischen
involvierten Endsystemen. Um an einer solchen Dateitauschbörse
teilzunehmen, wird ein entsprechender Software-Client auf dem eigenen
Rechner installiert. Dateitauschbörsen, die auf einer reinen
Peer-to-Peer-Infrastruktur basieren, bieten eine höhere Anonymität als
solche, die sich einer hybriden Infrastruktur bedienen und dabei auf einen
zentralen Verzeichnisserver zurückgreifen. Letztere sind jedoch meist
einfacher zu betreiben. Je nach Art der Dateitauschbörse verschafft sich
der Software-Client eine initiale Liste teilnehmender Endsysteme bzw.
verbindet sich direkt mit einem zentralen Verzeichnisserver.
-
Distributed Computing:
Beim Distributed Computing können
einzelne Teilaufgaben einer komplexen Gesamtaufgabe auf andere Endsysteme
eines Netzwerks verlagert werden, deren Kapazität nicht ausgelastet ist.
Zumeist wird dabei auf bereits existierende Peer-to-Peer-Infrastrukturen
aufgesetzt. Die Endsysteme müssen lediglich einen zusätzlichen
Software-Client installieren, der die anstehenden Teilaufgaben verwaltet
und synchronisiert. Projekte sind z. B. die Berechnung von Primzahlen
oder auch die Analyse großer Datenmengen aus Simulationen (z. B.
ViroLab,
evolution@home). Ein Beispiel einer
Anwendung aus dem Bereich Distributed Information Storage ist
OceanStore, ein verteiltes Dateisystem zur
Datenspeicherung und -archivierung.
-
Datenkonferenzen:
Auch Anwendungen aus den Bereichen
Instant Messaging
und Internettelefonie (VoIP) nutzen Peer-to-Peer-Prinzipien aus. Die weit verbreitete
VoIP-Software Skype (siehe
Steckbrief) beispielsweise greift nicht auf einen
zentralen Server zurück, um Informationen über momentan angemeldete
Benutzer zu verwalten, sondern bedient sich dem Konzept der Supernodes. Ein
Beispiel einer endsystembasierten Kollaborationsplattform ist
Croquet. Es bietet neben
synchroner Kommunikation
daher auch die Möglichkeit zum Dateiaustausch
und Distributed Computing. Auch das für die e-teaching.org-
Webcasts
verwendete System
Adobe Connect
basiert auf dem
Peer-to-Peer-Prinzip.
Vorteile
Der wohl größte Vorteil einer Peer-to-Peer-Infrastruktur ist deren
hervorragende Skalierbarkeit, denn es gilt: Je mehr Endsysteme am
Peer-to-Peer-Netz teilnehmen, desto größer sind die dem Netz zur Verfügung
stehenden Gesamtressourcen. Denn jedes Endsystem stellt zusätzliche
Ressourcen in Form von bisher ungenutzter Rechenleistung, freiem
Speicherplatz oder verfügbarer Bandbreite bereit. Durch die zumeist
redundante Verfügbarkeit der Daten ist ein Peer-to-Peer-Netz relativ robust,
d. h. kaum anfällig für den Ausfall einiger Endsysteme. Aus demselben Grund
sind Peer-to-Peer-Netze auch sehr resistent gegen jegliche Form der Zensur,
d. h. die Speicherung und Verbreitung der Daten kann nicht unterbunden
werden. Auch mit den Teilnehmer-Identifizierungsproblemen, die z. B.
dynamische
IP-Adressen
und die zunehmende Verbreitung von
WLAN-Hotspots
und mobilen Endgeräten mit sich bringen, haben
Peer-to-Peer-Netze nicht zu kämpfen, da sie ohnehin von einer
unzuverlässigen Infrastruktur ausgehen. Die bereits weiter oben erwähnten
Anwendungsgebiete Distributed Computing und Information Storage machen eine
dynamische Aufteilung von Aufgaben zwischen den verschiedenen Endsystemen
möglich und können die Arbeit erbringen, für die ansonsten ein oder mehrere
Hochleistungsrechner benötigt worden wären – ein wirtschaftlicher
Vorteil.
Nachteile
Zu den Nachteilen zählt die vor allem in reinen, vollständig dezentralen
Peer-to-Peer-Netzen aufwändige Selbstorganisation, d. h. die Verwaltung
teilnehmender Endsysteme (Beitritt, Austritt) und die Zuordnung von Daten,
Aufgaben und Ressourcen. Dass bei einer Software-Aktualisierung alle
beteiligten Endsysteme reagieren müssen, ist ein weiterer Nachteil gegenüber
der Client-Server-Architektur, bei der dies einmalig und an zentraler Stelle
erfolgen kann. Doch vor allem auf rechtlicher Ebene sind die heutigen
Hauptprobleme der Peer-to-Peer-Netze anzusiedeln. Die zunehmende
Anonymisierung der Nutzer und die Verschlüsselung der Dateien machen zum
einen eine Strafverfolgung beim Verteilen urheberrechtlich geschützten
Materials und zum anderen die Unterbindung des Verbreitens gesetzeswidriger
Inhalte beinahe unmöglich – die Zensurresistenz wird hier also zum
Nachteil.
Weiterführende Informationen