Connected Thinking – Seminar zu persönlichen Wissensdatenbanken

Studierende entwickelten in einem interdisziplinären Seminar eine persönliche, vernetzte und individuell adaptierbare Wissensdatenbank, die sie während und nach ihrem Studium begleitete.

Hauptbild des Beitrags

Bild: © Ludwig Lorenz, Obsidian Knowledge Base (2025)

Eckdaten

Kann Lösungsansätze für folgende Problemstellungen der Lehre bieten:

  • Geringe Selbstregulationsfähigkeit der Studierenden
  • Begrenzte Möglichkeiten zum individualisierten Lernen
  • Geringe Kompetenzorientierung in Prüfungs- und Bewertungsformen

Eignet sich für folgende Virtualisierungsgrade:

  • Anreicherung
  • Integration

Nutzt folgende Medieneigenschaften zur Unterstützung des Lernprozesses:

Interaktivität: 5 (trifft vollkommen zu)
Adaptivität: 2 (trifft eher nicht zu)
Synchronizität: 2 (trifft eher nicht zu)
Selbststeuerung: 5 (trifft vollkommen zu)

Im Seminar „Connected Thinking – Grow A Personal Knowledge Base“ setzten sich Studierende bewusst mit der Frage auseinander, wie nachhaltig eigentlich ihr Lerngewinn in einem modulgeprägten Studium ist. Statt das Wissen mit der bestandenen Prüfung abzuheften, stand im Mittelpunkt der Aufbau einer persönlichen Wissensdatenbank, mit der Studierende ihr eigenes Wissen langfristig strukturieren, verknüpfen und reflektieren konnten.

In jeder der zehn Sitzungen wurde das Lernziel unterteilt in die Dimensionen Collect (die Vermittlung der theoretischen Grundlagen und Wissensmanagementmethoden), Curate (das Anwenden des Wissens mit den eigenen Tools) und Connect (die gemeinschaftliche Reflexion der Methoden über die unterschiedlichen Fachgruppen hinweg).

Als zentrales Werkzeug wurde Obsidian eingesetzt. Die Studierenden erprobten dabei unterschiedliche Formen der Strukturierung, Tags und Ordner, Abfragen und Metadaten, sowie weiterführende technologische und gesellschaftliche Aspekte wie Semantic Embedding, Life Logging, Digitale Gärten oder die Extended Mind Theory.

Ein besonderer Bestandteil des Lehr-Lern-Settings waren die Microteachings. Die Studierenden bereiteten in Gruppen kurze Lehrsequenzen zu Themen aus dem Seminar vor und führten diese selbst durch. Das Bewertungsschema wurde vorab gemeinschaftlich beschlossen. Die Microteachings wurden in einem anonymisierten Peer-Verfahren bewertet und gaben den Studierenden dadurch die Möglichkeit, selbst zu Lehrenden zu werden. Feedback und Lernergebnisse wurden in der persönlichen Wissensdatenbank festgehalten, das zum Ende des Kurses im Format eines Lerntagebuchs eine Teilnote gebildet hat.

Die Studierenden haben in der Evaluation sehr positiv das Lehrkonzept und die Entwicklung ihrer eigenen Wissensdatenbank reflektiert. Sie wünschten sich diese Veranstaltung zu einem früheren Zeitpunkt in ihrem Studium und waren motiviert zukünftige Lerninhalte auf diese Art festzuhalten.

Das Seminar war ein studentisches Bauhaus.Modul.

Medieneigenschaften zur Unterstützung des Lernprozesses

Interaktivität: 5 (trifft vollkommen zu)

Die Interaktivität entsteht insbesondere dadurch, dass die Studierenden nicht nur vorgegebenes digitales Material konsumieren, sondern selbst eine digitale Wissensumgebung aufbauen und kontinuierlich mit ihr arbeiten. Die digitale Umgebung wird dadurch zu einem aktiven Bestandteil des Lernprozesses.

Adaptivität: 2 (trifft eher nicht zu)

Keine automatische Adaptivität, sondern Adaptierbarkeit durch die Studierenden: Die Individualisierung erfolgt überwiegend durch die selbstständige Gestaltung der persönlichen Wissensdatenbank und die individuelle Auswahl und Strukturierung von Inhalten.

Synchronizität: 2 (trifft eher nicht zu)

Die Wissensdatenbanken sind persönliche Werkzeuge und werden nicht von mehreren Menschen geteilt verwendet. Allerdings können sie als Webseiten veröffentlicht und geteilt werden.

Selbststeuerung: 5 (trifft vollkommen zu)

Die Gestaltung der persönliche Wissensdatenbank bildet den zentralen individuellen Arbeitsauftrag des Seminars. Die Studierenden übertragen die Inhalte auf ihre eigene Lern- und Studiensituation und entwickeln eine persönliche Struktur für ihr Wissen. Dadurch können sie eigene Schwerpunkte setzen, Inhalte selbstständig recherchieren, Notizen strukturieren und Beziehungen zwischen unterschiedlichen Wissenselementen herstellen.

Lösungsansätze für Problemstellungen der Lehre

Für die folgenden Problemstellungen kann das Praxisbeispiel Lösungsansätze bieten:

  • Geringe Selbstregulationsfähigkeit der Studierenden:
    Die Wissensdatenbank unterstützt die Studierenden dabei, ihren Lernprozess zu strukturieren, zum Beispiel durch die Wiederverwendung von Vorlagen für Paper Reviews, Übungsaufgaben etc. Dadurch entstehen routinierte Abläufe und ein Kontrollgefühl.
  • Begrenzte Möglichkeiten zum individualisierten Lernen:
    Die persönliche Wissensdatenbank wird individuell aufgebaut und an die eigene Lernpraxis angepasst. Die Studierenden können unterschiedliche Strukturierungsformen erproben und entscheiden, wie sie Inhalte organisieren, miteinander verknüpfen und langfristig weiterverwenden.
  • Geringe Kompetenzorientierung in Prüfungs- und Bewertungsformen:
    Das Seminar sieht als Abschluss sowohl ein Microteaching als auch die Abgabe der individuellen Wissensdatenbank als Lerntagebuch vor. Dadurch wird die Zielkompetenz selbst zum Format der Prüfung.

Virtualisierungsgrad

Der Virtualisierungsgrad beschreibt das Verhältnis von analogen und digitalen Elementen in einem Lehr-/Lernszenario. Das Praxisbeispiel unterstützt die folgenden Virtualisierungsgrade:

  • Anreicherung
  • Integration

Ressourcen

Soft- und Hardware

  • Obsidian
  • Moodle
  • Zotero
  • Python
  • Markdown
  • reveal.js

Weitere Informationen zum Praxisbeispiel

Kontakt

Sie möchten mehr über das Praxisbeispiel erfahren? Hier können Sie Kontakt zu den Autorinnen und Autoren aufnehmen:

Ludwig Lorenz
Bauhaus-Universität Weimar
Medieninformatik
Amalienstr. 13
99423 Weimar
ludwig.david.lorenz@uni-weimar.de
Zur Webseite von Ludwig Lorenz