Lektüre gesucht? Aktuelle Publikationen zur digitalen Hochschullehre
08.09.2026 | LesetippWie lässt sich Kompetenz im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) an Hochschulen fördern? Welches Potenzial liegt darin, Learning Analytics und KI zusammenzudenken? Und wann gefährdet die Nutzung generativer KI den eigenständigen Kompetenzerwerb im Studium? Diesen und anderen Fragen gehen zwei aktuelle Publikationen nach: der Tagungsband zur Learning AID 2025 und ein Diskussionspapier des Hochschulforums Digitalisierung zur digitalen Autonomie Studierender. Beide sind kostenfrei verfügbar.
Tagungsband zur Learning AID 2025

Cover: Tagungsband zur Learning AID 2025
Der Tagungsband zur vierten Learning AID ist erschienen. Die Tagung wird vom Projekt KI:edu.nrw ausgerichtet, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, und fand am 2. und 3. September 2025 an der Ruhr-Universität Bochum statt. Ziel ist der interdisziplinäre Dialog zwischen Forschung und Praxis sowie die Vernetzung über Fach- und Community-Grenzen hinweg. Vorgeschaltet war ein Community-Tag, an dem verschiedene Netzwerke und Communities eigene Austauschformate anboten.
Der Band bündelt die Beiträge entlang von drei Linien, die den Diskurs derzeit prägen: die Förderung von Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI), das Zusammenspiel von Learning Analytics und KI sowie die Beteiligung Studierender im Umgang mit generativer KI. Die Keynote entwirft dazu ein Rahmenkonzept, das Learning Analytics, KI-gestützte Interventionen und pädagogische Zielsetzungen in geschlossenen Feedback-Schleifen zusammenführt. Vorgestellt werden außerdem hochschuleigene KI-Interfaces und Experimentierumgebungen, ein sokratischer KI-Tutor, ein Serious Game zur Förderung von AI Literacy sowie Learning-Analytics-Systeme, die individuelle Lernempfehlungen und formatives Feedback ermöglichen. Mehrere Beiträge werten zudem Nutzungs- und Befragungsdaten aus, etwa zum Einsatz generativer KI im Studium.
Der 2026 in der Reihe „Zukunft der Hochschule“ erschienene Band steht unter der Lizenz CC BY als Open-Access-Publikation kostenfrei auf der Webseite des transcript-Verlags zum Download bereit.
HFD-Diskussionspapier: „Gefährdet generative KI die digitale Autonomie im Studium?“

Cover: HFD-Diskussionspapier Nr. 41
Im Diskussionspapier Nr. 41 des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) argumentieren Stefan Münzer, Stefanie Go und Benjamin Paaßen, dass Handlungsfreiheit beim Einsatz generativer KI noch keine digitale Autonomie bedeutet. Darunter verstehen sie eine Selbstbestimmung, die auf authentische Bildungsziele gerichtet ist: auf fachlichen Kompetenzerwerb, Persönlichkeitsentwicklung und die Integration in eine fachwissenschaftliche Kultur. Effizienz allein, etwa ein möglichst geringer Lernaufwand, zählt nicht dazu.
Generative KI gehört inzwischen zum Studienalltag. Die vorliegenden Befragungen erfassen nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren allerdings nur Selbsteinschätzungen und messen keine Kompetenzen. Das Papier zieht daher qualitative Studien und Beobachtungen heran, etwa Interviews zur KI-Nutzung beim Lesen wissenschaftlicher Texte und beim Verfassen von Hausarbeiten. Diese deuten darauf hin, dass Lernschritte übersprungen und an die KI ausgelagert werden, was im Papier als Deskilling beschrieben wird. Die befragten Studierenden empfinden ihr eigenes Vorgehen zudem als Grauzone und geben an, keine klaren Informationen darüber erhalten zu haben, welche Nutzung erlaubt ist und welche die Eigenständigkeit gefährdet.
Als Ansatzpunkte skizziert das Papier einen Dreiklang aus Curricula, Lehrenden und Studierenden. Jedes Fach soll klären, welche Kompetenzen zu seinem Kern gehören und wie sie ohne KI-Einsatz nachgewiesen werden können; für diesen curricularen Teil dienen die Fächer Informatik und Psychologie als Fallbeispiele. Lehrende sollen Aufgaben und Prüfungen entsprechend gestalten und Lernumgebungen bereitstellen, die das Lernen unterstützen, ohne die gestellten Aufgaben zu lösen. Studierende sollen die Zwecke ihrer KI-Nutzung hinterfragen.
Das Diskussionspapier (PDF) steht auf der Webseite des Hochschulforums Digitalisierung zum Download zur Verfügung.
Bild im Blog und auf Social Media: pepe2505 / Pixabay.
