Lektüre gesucht? Aktuelle Publikationen zur digitalen Hochschullehre

19.10.2026 | Lesetipp

Zu Beginn des Wintersemesters lohnt ein Blick auf vier Veröffentlichungen aus den vergangenen Monaten: Wie verankern Hochschulen personalisiertes Lernen strategisch, und wie könnten sie mit Künstlicher Intelligenz (KI) umgehen? Was bedeutet KI für eigenständiges Denken im Studium? Und welche Rolle spielt digitale Souveränität für Hochschulen? Darum geht es in Publikationen des Hochschulforums Digitalisierung, des Stifterverbandes und des Wissenschaftsrats sowie in einer Ausgabe der Zeitschrift für Hochschulentwicklung.

HFD-Blickpunkt: „Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter“

Cover: Blickpunkt des Hochschulforums Digitalisierung „Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter“

Im Blickpunkt „Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter“ stellt das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) die zentralen Ergebnisse seines Fokusmonitors 2026 vor. Dafür wurden zwischen Mai und Juni 2026 die für Lehre zuständigen Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten bzw. Prorektorinnen und Prorektoren aller deutschen Hochschulen befragt. Thema war ihre strategische Auseinandersetzung mit Learning Analytics, adaptivem Lernen und KI-Assistenten.

Auf strategischer Ebene befassen sich die Hochschulen im Kontext der Digitalisierung von Studium und Lehre zwar mit Personalisierung und Flexibilisierung, allerdings eher mit mittlerer Priorität. Für 83 Prozent ist es ein strategisch sehr wichtiges Ziel, Studierende auf eine KI- und digital geprägte Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten. Individualisierung und Personalisierung stufen dagegen nur 34 Prozent so ein. Beim adaptiven Lernen liegt eine Differenz zwischen Relevanz und Umsetzung vor: 92 Prozent der Befragten stufen das Thema als eher oder sehr relevant ein, doch nur 14 Prozent berichten, dass adaptive Lernsysteme an ihrer Hochschule (weitestgehend) verbreitet sind.

Etwas fortgeschrittener ist die Umsetzung bei Learning Analytics und KI-Chatbots. 43 Prozent der befragten Hochschulen stellen Learning Analytics als Infrastruktur für personalisiertes Feedback an Studierende im Regel- oder Pilotbetrieb bereit, an 53 Prozent sind KI-gestützte Lernassistenten in der Umsetzung. Aus Sicht des HFD zeigt dies, dass (generative) KI neue Möglichkeiten für personalisierte Lernprozesse an deutschen Hochschulen schafft.

Der Blickpunkt ist über die Webseite des HFD abrufbar, ebenso eine interaktive Darstellung aller Daten.

Stifterverband-Impulspapier: „KI-Masterplan 2030“

Cover: Impulspapier des Stifterverbandes „KI-Masterplan 2030“

Der im März 2026 veröffentlichte KI-Masterplan 2030 trägt den Untertitel „Szenarien zur Entwicklung von Hochschulen in der KI-Transformation“. Das Impulspapier spielt mögliche Zukünfte von KI in der Hochschulbildung durch. Erarbeitet hat es die Taskforce „KI in der Hochschulbildung“, die der Stifterverband 2025 im Rahmen seiner Zukunftsmission Bildung eingerichtet hat. Ihr gehörten 16 externe Mitglieder aus der Allianz für Future Skills an, darunter Hochschulleitungen sowie Leitungen zentraler Einrichtungen und innovativer KI-Projekte. Gefördert wurde die Arbeit von der Dieter Schwarz Stiftung.

Im Zentrum stehen vier zugespitzte Szenarien, die sich im Grad der KI-Integration und der Kooperation unterscheiden:

  • die kooperative Hochschule, die im Verbund arbeitet und KI bedarfsorientiert einsetzt
  • die KI-freie Hochschule als bewusste Gegenwelt zur digitalen Transformation
  • der digitalisierte Solitär, der KI maximal einsetzt
  • das europäische Bildungsnetzwerk mit europaweit regulierter und tief integrierter KI

Die Gegenüberstellung soll zeigen, welche Handlungsoptionen Hochschulen bereits heute offenstehen und welche Chancen und Risiken mit richtungsweisenden Entscheidungen verbunden sind.

Die zentrale Empfehlung lautet, KI in der Hochschulbildung strategisch zu planen. Das Papier rät unter anderem dazu, Szenarien als Planungsinstrument statt als Zielbild zu nutzen und keine Einheitslösung zu verfolgen. Kooperationen sollen strukturell und langfristig angelegt werden. Digitale Souveränität gilt dabei nicht als rein technisches Thema, sondern umfasst auch rechtliche, organisatorische, didaktische und kulturelle Dimensionen.

Der KI-Masterplan 2030 steht auf der Webseite des Stifterverbandes als PDF zum Download bereit.

Wissenschaftsrat: „Intellektuelle Souveränität: Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten von generativer KI“

Cover: Empfehlungen des Wissenschaftsrats „Intellektuelle Souveränität“

Generative KI eröffnet Hochschulen nach Einschätzung des Wissenschaftsrats weitreichende Möglichkeiten, etwa einen besseren Zugang zu Wissen, personalisierte Lernunterstützung und neue Formen von Feedback. Zugleich sieht das Gremium grundsätzliche Risiken: KI könnte selbstbestimmtes Denken beeinträchtigen, zu Kompetenzverlust führen und den fachlichen wie sozialen Austausch einschränken. Damit berühre generative KI den Kern akademischen Denkens. In seinen im Juli 2026 veröffentlichten Empfehlungen schlägt der Wissenschaftsrat intellektuelle Souveränität als übergreifende Leitidee vor. Gefordert seien Autonomie, kritische Reflexion und Widerstand gegen Vereinfachung. „Kritisches Denken lässt sich nicht an eine KI delegieren“, betont der Vorsitzende Wolfgang Wick.

Zu den Empfehlungen gehört, KI-Kompetenzen bei Lehrenden und Studierenden aufzubauen, Fachwissen zu stärken und KI-freie Räume im Curriculum zu verankern. Prüfungsformate sollen umgestaltet und eine Kultur gegenseitigen Vertrauens gefördert werden. Das sei wichtiger als kleinteilige Vorgaben zur KI-Nutzung, die sich ohnehin kaum kontrollieren ließen. Außerdem rät der Wissenschaftsrat, Hochschulen als soziale Lernorte wiederzubeleben, die Lernwirksamkeit von KI-Anwendungen wissenschaftlich zu prüfen und souveräne, im Verbund organisierte KI-Infrastrukturen aufzubauen. Die notwendige Transformation sei ressourcenintensiv, aber nicht optional.

Die Empfehlungen sind auf der Webseite des Wissenschaftsrats abrufbar.

ZFHE-Ausgabe 21/3: „Digitale Souveränität und Governance. Zum Verhältnis von Medienpädagogik und Hochschulentwicklung“

Cover: Zeitschrift für Hochschulentwicklung, Band 21, Nummer 3

Die Ausgabe 21/3 der Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE) widmet sich digitaler Souveränität und Governance. Digitale Souveränität ist ein wichtiges Thema, wenn es um Digitalisierung, Veränderungen an Hochschulen und Bildung geht, auch aus medienpädagogischer Sicht. Der Begriff verweist zugleich auf ein Spannungsfeld: Es geht um Autonomie, Selbstbestimmung und Empowerment unter den gegebenen Vorgaben und Strukturen von Hochschulen. Fragen nach technologischen und infrastrukturellen Abhängigkeiten, institutionellen Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten sowie individuellen Handlungsspielräumen hängen dabei eng zusammen.

Die acht Beiträge des Themenhefts reichen von begrifflicher Reflexion über Fragen hochschulischer Governance und Organisationsgestaltung bis zu konkreten Lehr-Lern-Kontexten. Den Auftakt bildet der gleichnamige Beitrag von Alessandro Barberi, Svenja Bedenlier, Gabriele Zehetner und Barbara Zuliani. Thematisiert werden unter anderem hochschulische Strategien zur Sicherung digitaler Souveränität und Hochschulen als deliberative Akteure. Drei Beiträge befassen sich mit KI: in Hochschulverwaltungen, in der Lehrkräftebildung und bei der Verarbeitung von Lehrmaterialien.

Unter den freien Beiträgen der Ausgabe geht es um menschliche und KI-basierte Bewertung von Abschlussarbeiten, um agile Lehre und um Studienwahlmotive im Lehramt. Zwei weitere, englischsprachige Beiträge befassen sich mit Nachhaltigkeit in der Hochschulbildung.

Die Ausgabe steht auf der Webseite der ZFHE zur Verfügung. Die Beiträge sind dort einzeln und als Gesamtausgabe als PDF abrufbar.

Bild im Blog und auf Social Media: memyselfaneye / Pixabay.

Gepostet von: Mmueller
Kategorie: Lesetipp