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Open Course

Open Course

Hinter dem Begriff Open Course steckt die Idee, Kurse anzubieten, an denen jeder teilnehmen kann, der Interesse hat - ohne Zulassungsbedingungen, wie sie zum Beispiel von Hochschulen vorgeben werden; Open Courses werden im Gegensatz zu vielen Bildungs- und Weiterbildungsangeboten kostenlos angeboten. Im Folgenden werden die Charakteristika sowie auch mögliche "Stolpersteine" dieses neuen Kursformats vorgestellt.

Rahmenbedingungen

Weiterbildungsangebote sind für Anbieter und Teilnehmende in der Regel kostenintensiv. Für Berufstätige oder Personen, die familiär eingebunden sind, ist eine Teilnahme an Präsenzveranstaltungen nur schwer möglich bzw. mit erheblichem organisatorischen Aufwand verbunden. Dennoch besteht bei vielen Personen ein Interesse an Weiterbildung- und zwar nicht nur mittels Büchern. Erwünscht ist sowohl die Interaktion und der Austausch mit anderen Lernenden als auch die Flexibilität und Freiheit, den Umfang der Beteiligung gegebenenfalls an andere persönlich relevante Einflussfaktoren (wie z.B. Beruf und Familie) anpassen zu können. Das Internet bietet vielerlei Möglichkeiten sich zu informieren, zu kommunizieren oder zusammen zu arbeiten. Die Vielfalt der Informationsquellen und Angebote kann aber auch überfordern.

Lösung

Ein Open Online Course ist ein rein webbasierter Kurs ohne Teilnehmerbeschränkung, der sich über mehrere Wochen oder Monate ziehen kann. Nimmt eine große Zahl an Personen teil, wird dieser auch als Massive Open Online Course (MOOC) bezeichnet. Veranstaltungen, Kommunikation und Interaktion finden unter Einsatz verschiedener Werkzeuge im Internet statt. Die Veranstalter geben regelmäßig thematischen Input und moderieren die sich anschließende Diskussion. Die aktive Beteiligung der Nutzer stellt einen wichtigen Baustein dar, ist allerdings nicht verpflichtend. Je nach Zeitressourcen ist es auch möglich, nur passiv am Kurs teilzunehmen. Zum Teil bieten die Anbieter die Möglichkeit, nach Abschluss der Veranstaltung einen Leistungsnachweis zu erhalten, wenn bestimmte Leistungsanforderungen erfüllt wurden.

Details

Die Idee der Open Online Courses geht auf ein Konzept zurück, das von den kanadischen E-Learning-Experten Stephen Downes und George Siemens eingeführt wurde. Laut Stephen Downes wurde das Konzept von vorhergehenden Online-Kursen beeinflusst, und zwar Alec Couros' Online Graduate Course und David Wileys auf einem Wiki basierendem Kurs. Das Aufkommen von „Massive Online Conferences“ stellte einen weiteren Einflussfaktor dar. Der erste von Siemens und Downes initiierte „Open Online Course“ fand unter dem Titel „Connectivism and Connective Knowledge“ 2008 statt.

Kennzeichnend für einen Open Course ist seine offene und dezentrale Infrastruktur. Der Kurs findet rein webbasiert statt; es gibt keine Teilnehmerbeschränkung und alle Materialien sind frei zugänglich. Es gibt Kurse, in denen die Teilnehmenden ihre Lernziele selbst definieren. Teilweise besteht aber auch eine Anbindung an eine Hochschule oder einen anderen Bildungsanbieter, der Leistungen und Lernziele vorgibt, verbunden mit der Möglichkeit, einen Leistungsnachweis (Zertifikat, Badge oder auch Seminarschein) zu erwerben (z.B. beim Open Course zu „Artifical Intelligence“ von Sebastian Thrun, Universität Stanford). Die Anforderungen zum Erwerb eines Leistungsnachweises können ganz unterschiedlich sein. Zumeist wird eine bestimmte Form der Beteiligung gefordert (z.B. mittels schriftlicher Beiträge und Kommentare). Eine Registrierung stellt sicher, dass die Teilnehmenden alle wichtigen Informationen der Veranstalter erhalten können.

Einführende Papiere und Live-Sessions mit Experten geben Impulse und setzen einen thematischen Fokus. Die Teilnehmenden lesen, kommentieren, stellen Fragen und diskutieren online weiter. Downes und Siemens sehen folgende vier Aktivitätsmuster als prägend für das vernetzte Lernen an: Aggregation, Remixing, Creating, Feed-Forward (PLENK 2010). Der Kurs kann Live-Events (wie Online-Vorträge) beinhalten. Meist wechseln sich Live-Events und Phasen für Diskussion und Austausch ab.

Die Lernumgebung kann aus verschiedenen Werkzeugen (s.u.) bestehen, die die Distribution von Materialen und Kommunikation abbilden und unterstützen. Die Teilnehmenden können sich über die von ihnen präferierten Medien beteiligen: den eigenen Blog, ihr Facebook-Profil oder den Twitter-Kanal.
 
Die Organisatoren des Kurses geben eine Agenda vor. Ebenso stellen sie die zentrale Anlaufstelle für alle Teilnehmenden dar. Ein kursspezifisches Hashtag dient dazu, alle Inhalte, die mit dem Kurs zu tun haben, zu erkennen und zu aggregieren (z.B. auf einem Weblog). Es ist so gut wie unmöglich, dass die Teilnehmenden alle Beiträge lesen. Daher besteht die größte Aufgabe der Teilnehmenden darin, aus der Masse der Beiträge und Materialien, die für sie interessanten herauszusuchen. Regelmäßige Zusammenfassungen der Organisatoren können, die Teilnehmenden dabei unterstützen, den Überblick nicht zu verlieren. Die Zusammenfassung kann z.B. über einen Newsletter verteilt werden.

Stolpersteine

  • Die Masse an Beiträgen der Teilnehmenden, verteilt über verschiedene Medien, muss verwaltet werden.
  • Die Vielfalt der Quellen kann für die Teilnehmenden unübersichtlich werden.
  • Es besteht für die Teilnehmenden die Herausforderung, die Masse der Inhalte zu ordnen und zu selektieren.
  • Die Teilnahme erfordert viel selbstgesteuerte Aktion und Disziplin von den Teilnehmenden.
  • Teilnehmende müssen (online) betreut und motiviert werden.
  • U.a. wegen des Zeitaufwands steigen viele Teilnehmende während des Kurses aus.
  • Bei einigen Teilnehmenden besteht eine Hemmschwelle, selbst öffentlich Beiträge zu verfassen.
  • Kommentare von Nutzern zu Beiträgen von anderen Nutzern können entmutigend oder verletzend wirken.
  • Wird browserbasierte Software genutzt, muss man sich darauf verlassen, dass diese zuverlässig läuft.
  • Ohne Teilnehmerbeschränkung ist die Gruppe der Teilnehmenden oft sehr heterogen.

Vorteile

  • Die Lehre ist orts- und weitgehend zeitunabhängig, der Lernprozess bzw. die Teilnahme kann weitgehend individuell gestaltet werden.
  • Der Teilnehmerkreis ist nicht beschränkt.
  • Die Kurse sind für die Teilnehmenden kostenlos.
  • Die Gruppe der Teilnehmenden ist sehr heterogen und kann dadurch einen „Blick über den eigenen Tellerrand“ bieten.

Nachteile

  • Der Zeitaufwand ist schwer kalkulierbar.
  • Je nach Umfang können die Veranstalter nur wenig oder kein persönliches Feedback geben.
  • Die Vielfalt und Menge der Informationen kann den Teilnehmenden unübersichtlich erscheinen bzw. die Teilnehmenden überfordern.
  • Es ist schwierig die Leistungen der Teilnehmenden zu bewerten (z.B. in Hinblick auf Zertifikate).

Beispiele

  • Open Course "Workplace Learning 2011": Der Kurs wurde in Kombination mit einer Präsenzveranstaltung an der Universität Tübingen durchgeführt. Studierende der Universität Tübingen im Diplom-Studiengang Psychologie konnten für die Teilnahme an dem Kurs einen Schein erwerben.
  • Open Course 2011: Dieser Kurs wurde unter dem Titel "Zukunft des Lernens" gemeinsam von studiumdigitale, der E-Learning-Einrichtung der Goethe-Universität-Frankfurt am Main, und dem E-Learning-Spezialisten Jochen Robes, der einen eigenen Blog zum Thema Weiterbildung betreibt, veranstaltet.
  • MOOC change11 (Laufzeit Sept. 2011 - Mai 2012): Er wurde von Dave Cormier, George Siemens und Stephen Downes ausgerichtet.
  • PLENK2010: Kurs von Dave Cormier, George Siemens, Stephen Downes und Rita Kop zum Thema "Personal Learning Environments Networks and Knowledge".

Werkzeuge

  • Weblogs
  • Wikis
  • RSS-Feed-Aggregator
  • Mailinglisten
  • Twitter
  • EtherPad
  • Skype
  • Filesharing-Tools (z.B. Dropbox)
  • Application Sharing (Google Docs)
  • Werkzeuge für Online-Veranstaltungen und Live-Streaming (z.B. Adobe Connect)
  • Soziale Netzwerke (wie Facebook, Google+, Xing)

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 31.10.2013


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