In der vergangenen Woche stand die Hansestadt Hamburg ganz im Zeichen des E-Learning: Vom 11. bis 14. September fand die Jahrestagung der GMW im Verbund mit der Veranstaltung „Campus Innovation“ des Multimedia Kontor statt. Durch die Kooperation konnte ein breites Spektrum an Inhalten aufgegriffen werden: Ob Bologna-Prozess oder Web 2.0, professionelles Campusmanagement oder Open Educational Resources, kreative Hochschullehre oder Open Access. Das Programm bildete eine Tour d’Horizon aktueller Trends und Themen.
Die Keynote zur Eröffnung von Prof. Dr. Norbert Bolz erzeugte viel Applaus
und der Unterhaltungswert lässt sich nicht in Frage stellen. Die Kunst der
Rede ist es allerdings auch – diese Anmerkung sei einer Rhetorikerin erlaubt
- dem im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung wissenschaftlichen Anspruch
des Publikums gerecht zu werden sowie bei der freien Rede deren Struktur im
Auge zu behalten.
Stringenter zog sich das Thema Web 2.0 durch die Tagung - vereinzelt auch
als glanzvolle Verpackung bereits bekannter Studien und Erkenntnisse.
Durchaus gab es aber auch interessante Einblicke in neue Szenarien des Web
2.0, wie zum Beispiel das Graduiertenprojekt von Antje Müller und Martin
Leidl (TU Darmstadt). Sie hatten in einem Pädagogikseminar verschiedene
Lehrszenarien in Second Life erfasst sowie deren Anbieter interviewt. Auf
intelligente Art wurde zudem ein Weblog, die RSS-Funktion und Podcasts für
das Studienprojekt genutzt. Bei aller Euphorie sind auch kritische Stimmen
wichtig, wie zum Beispiel die von Elisabeth Katzlinger (Uni Linz). Sie
schockierte ihre Studierenden mit ihrem detaillierten Wissen über deren
Aktivitäten innerhalb der Lernplattform und zeigte damit, dass hier kaum
Platz für Privatsphäre bleibt. Weite Themen, die diskutiert wurden, waren
die Einsatzmöglichkeiten von E-Portfolios und Wikis, informelle
Lernszenarien und der freie Zugang zu netzbasierten Bildungsressourcen. Die
Auszeichnung als „Best Paper“ wurde an Thomas Sporer, Gabi Reinmann, Tobias
Jenert und Sandra Hofhues vergeben für ihren Bericht zum Thema
„Begleitstudium Problemlösekompetenz“.
Allgemein begeistert zeigten sich die Teilnehmenden vom Conference-Dinner
in Hagenbecks Tierpark – auch wenn sich der Gorilla schon schlafen gelegt
hatte. Hier wurde u.a. der Medida-Prix verliehen. Die Gewinnsumme von
100.000 Euro ging in diesem Jahr an das Projekt megadigitale der Universität
Frankfurt. Geehrt fühlen durfte sich auch Prof. Rolf Schulmeister. Für sein
langjähriges Engagement überraschten ihn Mitarbeiter/innen und Weggefährten
mit gleich zwei Publikationen. Peter Baumgartner und Gabi Reinmann
präsentierten als Herausgeber die Neuerscheinung unter dem Titel
„Überwindung von Schranken durch E-Learning“ und Kerstin Mayrberger und
Marianne Merkt ein Buch über „Die Qualität akademischer Lehre“.
Die Veranstalter zeigten sich mit der Resonanz und dem Verlauf zufrieden.
Uli Schmid vom Multimediakontor Hamburg bezeichnete die Zusammenarbeit mit
dem „großen Bruder“ GMW als gelungen, insbesondere durch die Verknüpfung von
didaktischen und managerialen Aspekten. Die Tagung schloss mit einer Reihe
von Ankündigungen. So plant das Multimediakontor im Verbund mit anderen
Landesinitiativen für 2008 eine überregionale E-Learning-Tagung. Peter
Baumgartner stellte das Konzept für die GMW 2008 vor, bei der insbesondere
der Medida-Prix anders integriert werden soll. Es ist geplant die
Veranstaltungen rund um den Medienpreis mehr aus der Tagung herauszulösen
und für andere Interessengruppen – insbesondere auch Medienvertreter - zu
öffnen. Damit solle dem Preis endlich die Aufmerksamkeit zukommen, die ihm
gebührt.
Zudem wurde vom Stifterverband ein weiterer Wettbewerb angekündigt: Die
Ausschreibung Campus Online soll Hochschulen bei den vielfältigen
Herausforderungen im Wettbewerb um die besten Köpfe unterstützen.
Sie hatten keine Gelegenheit, vor Ort dabei zu sein oder haben einige
Vorträge verpasst? Dann können wir Ihnen die umfassende
Audio- und Videodokumentation.
Weitere Stimmen zur Veranstaltung finden sich im
eDenkarium
von Gabi Reinmann,
education & media
von Mandy Schiefner und im
Konzeptblog
von Joachim Wedekind.