Für die Erstellung computerunterstützter Übungen und Tests sind oftmals entsprechende Funktionen in Autorenwerkzeugen oder Lernmanagementsystemen verfügbar. Prüfungsgeneratoren hingegen sind spezielle auf die Erstellung von Übungen, Tests und Examen ausgerichtete Programme.
Einführung
Computerunterstützte Übungen und Prüfungen werden an Hochschulen zunehmend
populärer; sie erscheinen Dozentinnen und Dozenten sowie Studierenden
gleichermaßen attraktiv. Die schnelle Rückmeldung über Erfolg oder
Misserfolg und die erleichterte Auswertung sprechen für die Nutzung
digitaler Medien. Zudem bieten sich im Vergleich zu herkömmlichen
schriftlichen Klausuren zusätzliche Möglichkeiten des adaptiven Testens
(Test, bei dem sich je nach gegebener Antworten die weiteren Fragen
bestimmen). Demgegenüber stehen allerdings Einschränkungen auf Seiten der
Prüfungsgestaltung. Meist können nur bestimmte Aufgabentypen (
Multiple-Choice, Lückentext,
Drag & Drop) definiert werden, die dem didaktischen Design enge
Grenzen setzen und auf bestimmte Themengebiete und Lernziele nicht sinnvoll
angewandt werden können. Außerdem darf der Zeitaufwand zur inhaltlichen
Planung und technischen Umsetzung virtualisierter Prüfungen nicht
unterschätzt werden.
Erstellung computerunterstützter Prüfungen
Für die Erstellung computerunterstützter Übungen und Tests sind drei
Bereiche von besonderer Relevanz: Die Inhaltserstellung betrifft das
Entwerfen von Prüfungsfragen oder Übungen, die in bestimmten Formen
(Multiple-Choice, Lückentext, offene Fragen) abgefasst werden. Über die bei
der Dozentin oder dem Dozenten liegende Administration der Prüfungen wird
der Zugang für die Teilnehmer/innen geregelt und Rechte vergeben. Damit
zusammenhängend sind Sicherheitsaspekte zu beachten, z. B. dass kein/e
Teilnehmer/in Prüfungen doppelt ablegen kann, Zeitbeschränkungen eingehalten
werden und der Zugang zur Datenauswertung geschützt ist.
Oftmals sind Funktionen zur Erstellung computerunterstützter Prüfungen in
Autorenwerkzeugen
oder
Lernmanagementsystemen
(LMS) verfügbar.
Autorenwerkzeuge
sind Programme zur multimedialen
Aufbereitung von Lehrinhalten und Entwicklung von Lernsoftware, die sich
auch ohne besondere Programmierkenntnisse bedienen lassen. Mit ihnen lassen
sich kleinere Tests und Übungen entwerfen. Sie ermöglichen also die
Inhaltserstellung, bieten aber keine Administrations- und
Sicherheitsfunktionen. Mit Autorenwerkzeugen erstellte Übungen oder
Prüfungen lassen sich allerdings in LMS integrieren. Beispiele für
Autorenwerkzeuge finden Sie in den
Produktsteckbriefen
(Produktkategorie
CBT/WBT).
Besser geeignet zur Erstellung computerunterstützter Prüfungen sind die in
vielen LMS integrierten Prüfungswerkzeuge. (Weitere Informationen finden Sie
auf den Seiten zu
Lernmanagementsystemen
und den
Produktsteckbriefen
(Produktkategorie LMS)). Ein
Merkmal von LMS ist die abgesicherte Benutzer- und Kursverwaltung, die u. a.
die Verwaltung und die Sicherheit von Prüfungen gewährleisten kann. Die
Inhaltserstellung der Tests, Prüfungen oder Übungen gestaltet sich je nach
LMS unterschiedlich flexibel. Meist werden zu Beginn Fragen entworfen und zu
thematischen Fragegruppen zusammengefasst bzw. kategorisiert. Es stehen
verschiedene Frageschablonen zur Verfügung: Multiple-Choice-Fragen,
Lückentexte, Fragen zur Zuordnung oder Anordnung von Begriffen oder Bildern
sowie Fragen mit numerischen Antworten gehören zum Standard, offene Fragen
mit längerer Texteingabe sind teilweise möglich.
Als Beispiel können Sie die im
Open Source-
LMS
ILIAS
enthaltenen
Prüfungswerkzeuge
anschauen.
Nachteile der LMS-Prüfungswerkzeuge sind die fehlende Flexibilität bei den
Frageformen und die Einschränkung der (statistischen) Auswertung und
Reporterstellung. Auch ein adaptives Testen, bei dem sich je nach gegeben
Antworten die weiteren Fragen (z. B. nach Schwierigkeitsgrad) bestimmen, ist
mit den in LMS integrierten Werkzeugen meist nicht möglich. Will man diese
Funktionen nutzen, muss man auf spezielle Prüfungsgeneratoren
zurückgreifen.
Spezielle Prüfungsgeneratoren
Prüfungsgeneratoren sind auf die Erstellung von computerunterstützten Tests,
Übungen und Prüfungen spezialisierte Software. Es handelt sich um
eigenständige Programme (Stand-Alone), die nicht in ein LMS integriert
werden müssen und auf einem Einzelplatzcomputer, in einem Netzwerk/Intranet
oder über einen
Webserver
betrieben werden können. Die technischen Voraussetzungen für
die Benutzung der Prüfungsgeneratorensoftware sind davon abhängig, ob auf
Einzelplatzrechner oder mit Webservern gearbeitet wird. Das Produkt
Perception for Windows
der Firma Questionmark
beispielsweise benötigt das Betriebssystem Windows 95 oder höher, den
Internet Explorer und den Datenbanktreiber ODBC (Open DataBase
Connectivity), der z. B. mit Microsoft Access installiert wird. Ein
CD-Brenner sollte zur Rechnerausstattung gehören, da die Programme teilweise
die Funktion enthalten, Prüfungen auf CD zu erstellen.
Prüfungsgeneratoren umfassen Funktionen der Inhaltserstellung,
Testauswertung, Kommunikationsmöglichkeiten (Foren etc.), Administration und
Sicherheitsverwaltung. Um Fragen bzw. Aufgaben zu entwerfen und zu Prüfungen
(auch Assessments genannt) zusammenzustellen, stehen viele vorgegebene
Formate zur Verfügung. Es können auch selbst definierte Formate entwickelt
werden. Dadurch lassen sich verschiedene Prüfungsformen entwerfen. So können
beispielsweise die Fragen einer Prüfung nach dem Zufallsprinzip angeordnet
werden und für jede Frage(form) ein spezielles Feedback definiert werden.
Durch das an die Antworten der Prüflinge gebundene Ausführen bedingter
Sprünge in der Fragensammlung ist ein adaptives Testen möglich.
Als Beispiel wird hier die zum Prüfungsgenerator Perception gehörende
Autorenkomponente vorgestellt. Um eine Prüfung oder einen Test zu erstellen,
legt der Lehrende eine Datenbank mit Fragen an, die selbst gewählten
Themenbereichen zugeordnet werden. Die Fragen können dann zu Prüfungen
(Assessments) zusammengestellt werden. Perception bietet in der neuesten
Version 4.1 20 vordefinierte Fragearten an, von einfachen Ja/Nein oder
Richtig/Falsch-Fragen über Multiple-Choice, Lückentext, Fragen, bei denen
bestimmte Teile einer Grafik markiert werden sollen, bis zu Texteingaben
einzelner Wörter und freien Aufsätzen. Auch Simulationen und das Aufnehmen
gesprochener Antworten sind möglich. Eine Multiple-Choice-Frage wird z. B.
so angelegt wie in den Abbildungen 1 bis 3 zu sehen ist. Man wählt einen
Themenbereich aus, zu dem die Frage gehören soll, und ruft die Funktion
„Neue Frage hinzufügen“ auf. Aus der Liste der zur Verfügung stehenden
Fragetypen wählt man den gewünschten Typ (hier Multiple-Choice, Abbildung 1)
und geht weiter zur Eingabe des Fragetextes.
Abbildung 1: Auswahl des Fragetyps
Der Text der Frage kann frei eingeben und im gewissen Rahmen formatiert
werden (Abbildung 2).
Abbildung 2: Eingabe der Frage
Im nächsten Schritt gibt man die Antworten ein, die zur Auswahl stehen
sollen und legt zu jeder einen Wert und ein individuelles Feedback fest
(Abbildung 3). Zusätzlich kann man bestimmen, ob die
Multiple-Choice-Antworten jeweils zufällig angeordnet werden sollen oder
nach einer definierten Reihenfolge.
Abbildung 3: Eingabe von Wert und Feedback
Im Fragenmanager kann man die Fragen anschließend im Vorschau-Fenster
betrachten (Abbildung 4).
Beim Zusammenstellen einer Prüfung wählt man die gewünschten Fragen aus den
Themenbereichen aus und legt weitere Optionen für die Prüfung fest
(Zeitbegrenzung, Speichern der Antworten in einer Datenbank, Anzeigen der
Feedback-Texte etc.). Um die Prüfungen zur Durchführung zu bringen, können
sie mit Perception for Windows entweder in einem lokalen Netzwerk in ein
Verzeichnis kopiert oder auf CD gebrannt und an die Prüflinge verteilt
werden. Damit die Prüfung auf jedem Rechner funktioniert, wird auf der CD
ein Betrachtungsprogramm mitgegeben.
Abbildung 4: Voransicht der Fragen in Perception
Um die Sicherheit der Prüfungen zu gewährleisten können die Identifizierung
der Prüflinge über ein Passwort eingerichtet und bestimmte Shortcut-Befehle
(für das Kopieren, Speichern oder Drucken von Antworten) gesperrt werden.
Erweiterte, für die Sicherheit relevante Funktionen wie das Einrichten von
Teilnehmergruppen, das Definieren von Zugriffsdaten und das Festlegen der
Anzahl von Prüfversuchen, sind nur mit der Webserver-Version von Perception
möglich.
Produkte
Die Plattform Perception der Firma
Questionmark
gibt es in zwei Varianten. Einmal
Perception for Windows (Preis ca. 2300 Euro), das auf Einzel-PCs oder in
einem
LAN
-Netzwerk betrieben werden kann, und zum zweiten Perception für das
Web (Preis ab ca. 4900 Euro für 100 Teilnehmerkonten), das über einen
Webserver im Inter- und Intranet genutzt werden kann (benötigt weitere
Datenbank- und Server-Software). Eine Demoversion mit vollem Funktionsumfang
kann kostenlos für 30 Tage getestet werden: Es empfiehlt sich die neueste
englische Version 4.1.
Als kostenlose Alternative zu Perception kann die
Open Source
-Software
WebAssign
empfohlen werden, die auf Java basiert. Diese
Software ist speziell für die Benutzung an Hochschulen entworfen worden und
wird an einigen Universitäten in Deutschland eingesetzt. Der Funktionsumfang
von WebAssign ist kleiner als der des kommerziellen Perception, aber in den
meisten Fällen völlig ausreichend. Es stehen nicht so viele vordefinierte
Fragetypen zur Auswahl, doch die Möglichkeiten zur Erstellung von
Freitext-Aufgaben sind besser als in Perception. WebAssign wird auf einem
Webserver installiert, läuft unter Linux und Solaris und benötigt weitere
Datenbank-Software (entweder Open Source oder kommerziell). Die Installation
und Einrichtung sollte von im Umgang mit Webservern erfahrenen Personen (vom
Hochschulrechenzentrum oder der IT-Abteilung) durchgeführt werden.
Die für Angehörige von Bildungseinrichtungen oder Non-Profit-Organisationen
kostenlos zur Verfügung stehende Software
HotPotatoes (Steckbrief)
ist ein Programm, mit dem man
Tests und Übungen für das Internet erstellen kann. Sie wird vor allem im
Schulbereich eingesetzt und kann auch in Hochschulen für einfache
Übungsaufgaben Verwendung finden. Zur Generierung umfangreicher Prüfungen
oder Examen eignet sie sich vom Funktionsumfang und aus Sicherheitsgründen
nicht.
Das Programm Articulate Quizmaker (
Steckbrief) ist zur Erstellung webbasierter Tests
und Übungsaufgaben geeignet. Es lassen sich zahlreiche Aufgabentypen per
Drag & Drop
ohne Programmierkenntnisse erstellen. Zusätzlich lassen
sich mit der Software auch webbasierte Umfragen erstellen.
Zeitersparnis und Aufwand
Bedenken Sie, dass einer möglichen Zeitersparnis beim computerunterstützten
Prüfen ein großer Aufwand zur ersten Erstellung der Inhalte gegenüber steht.
Zudem lassen sicht nicht alle Inhalte, Themen etc. sinnvoll in eine
computergestützte Form übertragen. Sollten Sie allerdings bereits über eine
Sammlung von Fragen und Übungen in digitaler Form verfügen, kann eine
Verwendung in computerunterstützten Tests möglicherweise sehr einfach sein.
In diesem Fall ist bei Auswahl eines LMS-integrierten Werkzeugs oder eines
Prüfungsgenerators zu prüfen, ob Ihre Fragen/Übungen ohne größere Mühe
importiert werden können.
Sehen Sie zu diesem Thema auch die Information in der Rubrik
Lehrszenarien.