Projektphasen
Projektlernen folgt der Logik von Projektphasen. In der Literatur finden sich dazu verschiedene Phasenmodelle. Diese bieten eine Orientierung zur Strukturierung des Semesterplans einer projektbasierten Veranstaltung und können die praktische Umsetzung erleichtern.

In Bezug auf die Gliederung von Projekten in Projektphasen stehen unterschiedliche Modelle zur Verfügung, z. B. die Phasenmodelle nach Frey (1984) und Kerres (2018) oder die Projektmanagementphasen nach DIN 69901. Die Modelle unterscheiden sich sowohl in der Ausgestaltung als auch in der Bezeichnung der Phasen. Im Folgenden werden beispielhaft die Phasenmodelle von Frey (1984) und Kerres (2018) dargestellt.
Phasenmodell nach Frey (1984)
Das folgend vorgestellte Phasenmodell nach Frey (1984) geht von einem definierten Anfang und einem definierten Ende aus:
- Projektinitiative,
- Auseinandersetzung mit der Projektinitiative in einem vorher vereinbarten Rahmen,
- Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes,
- Ausführung des Projektplans,
- Projektabschluss.
Als sinnvolle Ergänzung zu den fünf Phasen empfiehlt Frey das Setzen von Fixpunkten und die Metainteraktion (Reflexion des Prozesses). Hervorzuheben ist außerdem, dass ein Projekt (in der Hochschullehre) nicht mit dessen Veröffentlichung endet.
1. Projektinitiative
Hierbei wird ein Projektthema von Lernenden, Lehrenden oder Externen vorgeschlagen, welches als Angebot für die zukünftigen Projektteilnehmenden verstanden wird. Beispiele aus der subjektiven Lebenswelt der Studierenden können hier motivationsfördernd sein. Die offene Ausgangssituation ist bewusst gewählt, um herauszuarbeiten, welchen Lern- bzw. Bildungswert das Projekt hätte. Die Projektdurchführung bleibt dabei noch ungeklärt.
2. Auseinandersetzung mit der Projektinitiative in einem vorher vereinbarten Rahmen
In dieser Phase wird die Projektinitiative präzisiert, indem die Lernenden Schwerpunkte setzen und ihre subjektiven Vorstellungen zusammenführen. Hierbei soll auch die Machbarkeit geprüft werden. In einer groben Projektskizze wird der Rahmen definiert, bei dem u. a. Regeln der Zusammenarbeit festgehalten werden. Nach der Rahmung äußern die Lernenden aktiv ihre Beteiligungswünsche.
3. Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes
Das Projekt erhält in dieser Phase durch die Teilnehmenden eine Kontur. Jede und jeder Studierende äußert und entscheidet sich nun, was sie oder er genau tun möchte. Ein mögliches Ergebnis könnte ein gemeinsamer Arbeitsplan mit Arbeitseinteilung sein. Dabei ist grundlegend von Bedeutung, dass sich alle bereits in Phase 1 darauf verständigt haben, das Projekt auf ein Bildungsniveau zu heben, damit es sich vom reinen Interessensniveau abgrenzt.
4. Ausführung des Projektplans
Die Studierenden beschäftigen sich verstärkt mit ihrem eigenen Teilgebiet und führen die Ergebnisse zusammen.
5. Projektabschluss
Für den Projektabschluss gibt es mehrere Szenarien, die einzeln oder auch kombiniert stattfinden können. Eine erste Möglichkeit ist die Veröffentlichung der Ergebnisse, bspw. durch eine Vorführung oder den Gebrauch eines erstellen Produkts. Eine weitere Möglichkeit ist die Reflexion, bei der die Aktivitäten im Mittelpunkt stehen. Die Lernenden vergleichen ihre Anfänge mit dem Endstadium und koppeln es zurück an die Projektinitiative und reflektieren den Prozess. Des Weiteren kann auch der Zuwachs einer Handlungskompetenz in den Blick genommen werden. Studierende haben eine Tätigkeit erlernt, die sie zukünftig anwenden können.
Fixpunkte
Fixpunkte sind selbst nicht als Phase zu verstehen, vielmehr schaffen sie im Projektverlauf als verbindliche Treffen einen Überblick über den aktuellen Projektstand. Projekte und Projektinitiativen im Hochschulkontext sind auch immer im Einklang mit der Organisation Hochschule zu denken. Fixpunkte können dabei helfen, den Informationsaustausch innerhalb des Projektes oder außerhalb mit der Organisation zu sichern, bspw. durch nächste Arbeitsschritte und vorläufige Resultate. Fixpunkte können auf zwei Arten entstehen, geplant als feste Termine oder bei Bedarf, wenn es zu Unklarheiten oder anderen Herausforderungen kommt. Die Kombination beider Arten ist empfehlenswert.
Metainteraktion
Da es sich beim Projektlernen um ein offenes Lehr-/Lernszenario handelt, müssen auch soziale Interaktionen berücksichtigt werden. In jeder Art der Zusammenarbeit können Spannungen entstehen, die es zu erkennen und anzugehen gilt. Eine begleitende Reflexion dieser Prozesse kann hilfreich sein, dazu gehört auch die Selbstreflexion der Lernbegleitung.
Phasenmodell nach Kerres (2018)
Kerres (2018) bietet eine weitere Möglichkeit Projektphasen zu strukturieren. Er beschreibt die Entwicklung von Projekten als systematischen Prozess mit sieben Phasen, wobei die Phasen nicht streng linear zu verstehen sind. In der Praxis können Schritte wiederholt, überarbeitet oder angepasst werden.
1. Aufgabenstellung
Zu Beginn wird eine klare Projektidee oder Problemstellung formuliert. Sie legt Zielrichtung und Rahmen des Projekts fest.
2. Analyse
Die Ausgangsbedingungen werden untersucht. Dazu zählen Zielgruppe, Kontext, Ressourcen und Anforderungen. Ziel ist ein fundiertes Verständnis der Problemstellung.
3. Konzeption
Es wird ein didaktisches und organisatorisches Grundkonzept entwickelt. Lernziele, Inhalte, Methoden und Medien werden festgelegt.
4. Entwurf
Das Konzept wird konkret ausgearbeitet. Materialien, Aufgabenformate und Strukturen werden detailliert geplant.
5. Umsetzung
Die geplanten Elemente werden realisiert. Lernangebote oder Produkte entstehen.
6. Testen
Das entwickelte Produkt wird erprobt und überprüft. Rückmeldungen führen gegebenenfalls zu Anpassungen.
7. Präsentation
Die Ergebnisse werden veröffentlicht oder präsentiert. Eine abschließende Reflexion des Prozesses kann den Projektverlauf sichern.
Eignung der Phasenmodelle
Während das Phasenmodell von Frey (1984) stärker den Lernprozess, die Mitbestimmung der Studierenden und die persönliche Entwicklung in den Mittelpunkt stellt, ist das Modell von Kerres (2018) klarer strukturiert und stärker auf die Planung und Erstellung eines konkreten Produkts ausgerichtet. Welches Modell besser passt, hängt also davon ab, was in der projektbasierten Lehrveranstaltung im Fokus steht: Geht es vor allem um gemeinsames Lernen, Austausch und Reflexion, eignet sich eher das Phasenmodell nach Frey (1984). Steht dagegen eine systematische Planung und die Entwicklung eines überprüfbaren Ergebnisses im Vordergrund, ist das Phasenmodell nach Kerres (2018) hilfreicher.
In der Praxis kann es unter Umständen auch hilfreich sein, beide Modelle zu verbinden. Dadurch lässt sich sowohl auf einen guten Lernprozess als auch auf ein qualitativ hochwertiges Ergebnis achten.
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