Einigung bei der Reform des Urheberrechts im Bildungs- und Wissenschaftsbereich in Sicht

01.04.2017: Wird das Urheberrecht nun fit für die Wissensgesellschaft gemacht? Nach einem ebenso überraschenden wie wegweisenden Vorschlag aus anonymer Quelle scheint nun eine gerechtere und unkomplizierte Einigung in Sicht.
Experimenteller Lesesaal für die Erfassung der Rezeption von Werksteilen der Universität Osnabrück (Gedächtnisskizze)

Die aktuelle Rechtsprechung hält es für vertretbar, Informationen zur Nutzung von Werksteilen in elektronischen Semesterapparaten über eine zentrale Eingabemaske einzeln zu erfassen. Die praktische Umsetzung dieses Prinzips hat aufgrund des einseitig hohen Arbeitsaufwandes für Unmut an vielen Hochschulen und Universitäten geführt, so dass Ende 2016 keine anschließende Regelung mit der VG Wort für die tatsächlich Umsetzung dieses Ansatzes gefunden werden konnte. Stattdessen einigte man sich darauf, bis Ende September 2017 eine verbindliche, endgültige Regelung zu finden.

Nach einem aktuellen Vorschlag könnte es jetzt jedoch schneller gehen. Um die Vergütung gerechter zu gestalten, soll nun zusätzlich eine Nachweispflicht für die Rezeption eingeführt werden. Damit sollen neben der Einzelerfassung der zur Verfügung gestellten urheberrechtlich geschützten Quellen auch der Grad und die Art der inneren Beteiligung der Rezipierenden bei der Nutzung der Werksteile in die Gesamtbeurteilung bei der Vergütung einfließen.

Praktisch bedeutet das: Werksteile die nicht gelesen werden oder wenig bis gar nicht zum Verständnis beitragen, sollen danach nur noch begrenzt oder gar nicht für eine Vergütung infrage kommen.

Die Universität Osnabrück wird hierzu ein Pilotprojekt durchführen, bei dem untersucht werden soll, wie neben den Einzelmeldungen auch die Rezeption der zur Verfügung gestellten Inhalte in elektronischen Semesterapparaten erfasst werden kann. Dazu wurde bereits ein spezieller Lesesaal eingerichtet, dessen technologische Ausstattung es ermöglichen soll, den Grad der Rezeption bei Studierenden nach den neuesten Erkenntnissen der Kognitionsforschung zu erfassen. Dieses hochkomplexe und innovative Forschungslabor ist derzeit noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Vertreter von e-teaching.org durfte dennoch einen kurzen Blick hinter die Kulissen werfen und eine Gedächtnisskizze anfertigen.

Gegenüber e-teaching.org äußerte sich die verantwortliche Projektleiterin optimistisch: „Zwar wird es auch bei diesem Ansatz einen gewissen Mehraufwand geben, dieser ist jedoch mit Blick auf ein deutlich gerechteres Vergütungsmodell durchaus vertretbar.“ Optimierungsbedarf gebe es dennoch. Daher soll in einer bereits beantragten Folgestudie die langfristige Wirkung der zur Verfügung gestellten Werksteile auf die Qualität der Studienabschlüsse untersucht werden und die daraus gewonnen Erkenntnisse rückwirkend in die Vergütung einfließen. Denn: Nur der tatsächliche Erfolg bei der Ausbildung kann letztlich ein Gradmesser für ein gerechtes Vergütungsmodell sein.

Gepostet von: mschmidt
Kategorie: Kurzmeldung

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