Mit dem Projekt cHL-hybrid wird ein technologiegetriebenes
Organisationskonzept entwickelt und erprobt, das Prozess- und
Produktinnovationen im Bereich E-Learning in einer Großuniversität fördert.
Die zentrale Anforderung an ein Organisationsmodell zur Integration von
E-Learning in Großuniversitäten besteht in der Harmonisierung zentraler und
dezentraler Interessen. Als Lösungsansatz dienen Erkenntnisse aus dem
Bereich der Gestaltung und Nutzung hybrider Systeme. Hybridität bedeutet für
das Organisationskonzept einer computergestützten Hochschullehre, nicht nur
eine gemeinsame Basis für das Gesamtsystem zu schaffen, sondern gleichzeitig
auch begründete Unterschiedlichkeiten für die Forschungs- und Lerneinheiten
zu pflegen. Die Heterogenität der Hochschullehre soll nicht etwa
homogenisiert werden, sondern sich als hybrides System entfalten.
Im Zentrum des Projekts steht ein Anreizsystem, das die Interessen der
unterschiedlichen dezentralen Einheiten und die Interessen der
Hochschulleitung aufeinander abstimmt. Zur Realisierung des
Anreizmanagements werden Referenzmodelle und Referenztechnologien eingesetzt
sowie Finanz- und Serviceleistungen angeboten. Durch Referenzmodelle werden
sowohl die Geschäftsprozesse als auch die Kompetenzfelder intersubjektiv
nachvollziehbar dokumentiert. Die Bereitstellung von Referenztechnologien
versetzt die Lehr- und Forschungseinheiten in die Lage, Innovationen auf dem
Gebiet E-Learning nicht nur effizient zu nutzen, sondern diese auch selbst
zu erbringen. Ein "Call for Innovation" bietet den dezentralen Einheiten die
Möglichkeit, Fördergelder (Bundesmittel und zentrale Finanzmittel der
Hochschule) für ihre Innovationsprojekte einzuwerben. Als weiterer Anreiz
werden Serviceleistungen im Bereich E-Learning angeboten, die von den
dezentralen Einheiten unentgeltlich in Anspruch genommen werden können. Zur
Einführung der neuen organisatorischen Strukturen ist ein dezidiertes Change
Management notwendig. Die für den Strukturwandel benötigten Kompetenzen
werden in einem E-Learning-Zentrum gebündelt. Durch ein Coaching-Modell
werden die Aufgaben zur E-Learning-Organisation systematisch an die
Primärorganisation abgegeben.
Im Rahmen des Netzwerkmanagements erfolgt eine Einbindung der Universität
in nationale und internationale eScience- und eBusiness-Netzwerke. Die
Einbindung in eScience-Netzwerke erfolgt durch Nutzung der Potenziale des
Grid-Computing und fördert die Bildung von Wissensnetzwerken. Durch die
Einbindung in eBusiness-Netzwerken können die realisierten Produkt- und
Prozessinnovationen professionell vermarktet werden und somit zusätzliche
Einnahmen generiert werden.
Durch ein Innovationsmanagement sollen Prozess- und Produktinnovationen
an der Universität Münster gefördert werden. Neben den positiven Effekten
für den Standort Münster wird auf diese Weise die Leistungsfähigkeit des
entwickelten Organisationsmodells zur E-Learning-Integration an
Großuniversitäten erprobt.