Vom Staubsaugerbeutel bis zum Kaffeefilter: Standards bestimmen unseren Alltag. Warum sollte den digitalen Medien das alte Problem der Standardisierung erspart bleiben? Zumal gilt: Standards sind benutzerfreundlich.
Bei der institutions- und projektübergreifenden Nutzung von
Online-Lernmodulen spielen standardisierte Beschreibungen eine wichtige
Rolle. Nur auf der Basis einer allgemeingültigen Spezifikation sind die
Wiederverwendbarkeit und der Austausch von Lernmaterialien gesichert. Dies
erscheint vorallem im Hinblick auf institutions- und fachübergreifende
Datenbanken zum Austausch von Lernmodulen oder -objekten interessant.
Zudem können standardisierte Beschreibungen auch ein Moment der
Qualitätssicherung darstellen. Allerdings nur falls die Beschreibung auf
Basis allgemeingültiger Standards stattfindet, so dass die Verwaltung
gewährleistet werden kann.
Was sind Standards und Metadaten?
Standards sind allgemein gültige, an Regeln und Richtlinien
orientierte Empfehlungen. Mit Standards wird festgelegt, dass, und vor allem
wie Daten möglichst plattformunabhängig erstellt und in andere
Systeme
importiert und integriert werden können. Eine
Institution, die die Standardisierung des World Wide Web vorantreibt
ist das
W3C
(World Wide Web Consortium) (www.w3.org). Es erarbeitet
Empfehlungen für Spezifikationen, Richtlinien,
Software
und Software Tools, die im
Internet
Gültigkeit besitzen sollten.
Das Resource Description Framework (RDF) ist der Metadaten-Standard des W3C.
Metadaten
sind Daten über Daten. Sie beschreiben elektronische Daten, um
sie besser archivierbar und auffindbar zu machen und um Beziehungen
zwischen ähnlichen oder verwandten Materialien herzustellen. Dabei wird
dasselbe Prinzip wie bei einem Bücherkatalog einer Bibliothek
angewendet.
RDF ist unter anderem auch die Grundlage des Semantic Web, das die
Zielvision aller Bemühungen um Standards und Metadaten
darstellt. Im semantischen Web sollen Daten des Web so definiert und
miteinander verknüpft werden, dass sie für effektivere Such-,
Automatisierungs- und Integrationsprozesse genutzt und über mehrere
Anwendungen hinweg wieder verwendet werden können. Mehr zum Thema Semantic
Web finden sie in folgendem
Artikel
zum Download im PDF-Format.
Ein Beispiel für einen Metadatenstandard für
HTML
stellt der
Dublin Core Standard
dar. Im Folgenden ist ein Auszug aus dem
Quellcode eines HTML-Dokuments dargestellt, das die Funktionsweise des
Standards verdeutlicht:
1: <html>
2: <head>
3: <title>e-teaching.org</title>
4: …
5: <meta content="2003-05-20
14:12:22" name="DC.date.created" />
6: <meta content="2004-08-11
08:42:18" name="DC.date.modified" />
7: <meta content="Document"
name="DC.type" />
8: <meta content="text/html"
name="DC.format" />
9: <meta content="de"
name="DC.language" />
10 : …
11: </head>
12: <body>
13: …
Dem HTML-Dokument werden dadurch Informationen wie Erstellungs- (Zeile 5)
und Änderungsdatum (Zeile 6), Dokument-Typ (Zeile 7) oder Sprache (Zeile 9)
hinzugefügt.
Welche Standards gibt es im Bereich E-Learning?
Die große Dynamik im Bereich des
E-Learnings
legt ebenfalls die Einführung eines internationalen
Standards für Lernobjekte nahe. Lerninhalte können dadurch vergleich-,
austausch-, kombinier- und wieder verwertbar erstellt werden, sind leichter
auffindbar und können in andere Umgebungen implementiert werden.
Das
IEEE
(Institute of Electrical and Electronics Engineers, Inc.) nimmt mit
dem LTSC (Learning Technology Standards Committee) bei der Entwicklung von
Standards eine internationale Vorreiterrolle ein. Im Rahmen der
LTSC-Arbeiten können vier Spezifikationen identifiziert werden:
- Learning Technology System Architecture (LTSA) beschreibt eine
abstrakte Systemarchitektur von Lerntechnologien
- Learning Object Metadata (LOM) beschreibt digitale und nicht-digitale
Lernmodule und ermöglicht somit die Identifikation und den Austausch von
Modulen
- Public and Privat Information (PAPI) bezieht sich auf die Daten der
Lernenden (persönliche Informationen, Informationen über das Lernverhalten
und die Lernleistungen, über Arbeiten und Abschlüsse der Lernenden, sowie
über Benutzerpräferenzen)
- Computer Managed Instruction (CMI) beschäftigt sich mit Spezifikationen
für den Austausch, die Kombination und Administration von Kursen
Referenzmodelle solcher Standards sind vor allem der in Kooperation von
ARIADNE, IMS und
IEEE
LTSC entwickelte Metadaten-orientierte Learning Object
Metadata-Standard (LOM) und das von ADL,
AICC
und
IEEE
entwickelte Content-bezogene Sharable Content Object Reference
Model (SCORM) (Stumpp, B. 2003).
Der Learning Objects Metadata-Standard (LOM)
Das LOM-Basisschema zur Beschreibung von Lernobjekten besteht aus neun
Hauptkategorien, die wiederum in hierarchischer Struktur weitere
Unterkategorien enthalten. Die folgende Grafik soll diese Struktur
veranschaulichen.
Abb.: Struktur des Metadatenstandards LOM (in Anlehnung an
www.celab.de)
Lernobjekte lassen sich dadurch mit zahlreichen Informationen versehen,
um die gewünschten Kriterien der Plattformunabhängigkeit zu erfüllen. Die
Metadaten werden dem Dokument meist in Form von
XML
-Dateien beigefügt. Es existieren diverse LOM-
Editoren
zum leichteren Erstellen der Metadaten mit Hilfe von
auszufüllenden Formularen.
Das Sharable Content Object Reference Model (SCORM)
Das SCORM-Modell kann als wachsende Sammlung technischer Bücher, die
Spezifikationen und Standards enthalten, aufgefasst werden. Die folgende
Grafik veranschaulicht dieses Modell.
Abb.: SCORM-Bücherregal (ADL, SCORM 2004 2nd Edition Overview)
Die Lernobjekte des SCORM-Modells werden "Sharable Content Objects"
(SCOs) genannt und deren Informationen im "Content Aggregation Model"
festgehalten. Sie bestehen aus mehreren multimedialen Bausteinen ("Assets")
wie z.B. Grafiken, Textelementen oder Audiodateien. Die SCOs werden an die
SCORM-Laufzeitumgebung ("Run-Time Environment") gebunden, mit Hilfe welcher
sie in ein
Lernmanagementsystem
integriert werden können. Die Beschreibung der
verschiedenen Lernressourcen erfolgt über Metadaten des LOM-Standards.
In umfangreichen (Online-)Bibliotheken ("Content Repositories") werden die
SCOs gesammelt und können für neue Lernkurse wieder verwendet werden
(ADL, SCORM 2004 2nd Edition Overview).
IMS Learning Design
Learning Design stellt einen Standard für Kursdrehbücher dar, damit diese
zwischen Lernplattformen austauschbar werden. Mit der LD-Sprache lassen sich
die Rollen der Lehrenden und Lernenden in bestimmten Lernsituationen unter
Nutzung der Lernmaterialien und Werkzeuge der Lernumgebung festlegen. LD
wird hohes Potential für die Zukunft vorausgesagt. Noch lassen sich jedoch
nur in die wenigsten Internet-Lernplattformen LD-Kurse integrieren.
Die
Spezifizierungen des IMS Learning Design
finden Sie
hier.
Plattformkompatibilität von Standards
Wie bereits beschrieben lässt sich das IMS Learning Design bisher kaum
integrieren. Aber auch die Verwendung von z.B. SCORM garantiert nicht
die Übertragbarkeit auf beliebige SCORM-fähige Plattformen. Lediglich
die Kompatibilität eines Bestandteils von SCORM, des Content Packaging,
konnte bisher bestätigt werden. Auch der für den Austausch von Übungen und
Tests verbreitete Standard
QTI
garantiert keinen problemlosen Austausch zwischen den Plattformen.
Hier ist noch wesentliche Konsolidierungsarbeit nötig.
Beispiele:
- Im April 2002 fand an der Universität Frankfurt ein internationaler
Workshop zum Thema "Standardisierung im E-Learning" statt. Die Beiträge zu
den Erfahrungen und zum Einsatz von Metadaten, Lernplattformen und
Autorentools sowie zum Nutzen für eine vielfältige und flexible Nutzung
multimedialer Lernmaterialien wurden in einem
Reader
zusammengefasst.
- Die beiden Spezifikationen PAS 1032-1 und PAS 1032-2 (Publicly
Available Specification) des Deutsches Institut für Normung e.V. bieten ein
praktikables Referenzmodell zur Qualitätssicherung und zu speziellen
didaktischen Anforderungen an E-Learning. Sie identifizieren und
beschreiben Prozesse der Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation
von Bildungsprozessen und Bildungsangeboten unter besonderer
Berücksichtigung von E-Learning. Zudem stellen sie Kriterien zur Prüfung
der Qualität von E-Learning-Produkten zur Verfügung. Sie können beim
Beuth
Verlag
bestellt werden.
- Im Zusammenhang mit Lerning Objects werden auch verschiedene
Geschäftsmodelle diskutiert. Sind Lernobjekte wiederverwendbar und damit
austauschbar, kann der Zugriff innerhalb von Datenbanken erfolgen,
wo in Metadaten die zugehörigen Rechtsinformationen abgelegt werden
können. Der Nutzer kann einzelne Lerninhalte aus der Datenbank auswählen
und die Rechte für die Nutzung erwerben. Bereits realisiert wurde dieses
Modell innerhalb des Projekts
eduSourceCanada, einer Zusammenarbeit
von 30 kanadischen Universitäten.
- Auf den Seiten von
CampusContent
findet man viele Infos
rund um das Thema Lernobjekte. CampusContent verbessert die
Nutzungskonzepte für digitale Lernmaterialien, so dass sie großflächiger
verwendet werden können. Um dies zu erreichen, werden die Lernmaterialien,
auch von verschiedenen Autoren, kompatibler gestaltet und mit pädagogischen
Funktionen angereichert. Zum Beispiel werden Inhalte mit Aktivitäten und
Lernzielen verknüpft. Ziel ist der Aufbau einer Umgebung, die Dozenten
erlaubt, Lernmaterialien zu sammeln und auszutauschen, und auch mit
Unterstützung des Systems, aktive Online-Seminare zu gestalten.