Recherchepraktiken mit Google

17.11.2008: Historiker und Informationswissenschaftler Peter Haber über das Google-Syndrom
Beim wissenschaftlichen Arbeiten hat man den Anspruch, ein Thema vollständig zu recherchieren und zu bibliografieren. Das Wissen darüber, wie man recherchiert und wo man die passenden Quellen findet, gehört zum Handgepäck eines Forschers oder einer Forscherin - zumindest in den Geisteswissenschaften. Der Historiker und Informationswissenschaftler Peter Haber hat das Werkzeug Google für die wissenschaftliche Recherche kritisch in den Blick genommen.

"Wir haben, wenn wir mit Google suchen, ja sehr oft diese Erfahrung, dass man immer irgendetwas findet", sagt Haber. "Also man gibt irgendeinen Begriff ein, und es kommt etwas zurück, und das ist sehr fantastisch. Und auf der anderen Seite geht es mir immer so - und ich glaube, es geht vielen Menschen so -, dass immer so ein komisches Gefühl übrig bleibt: Da müsste doch eigentlich noch mehr gewesen sein."

Haber geht es um die konkreten Auswirkungen der Google- Recherche-Praktiken auf die Forschung: "Das Problem ist, dass man ja immer etwas findet und dann sehr schnell sich damit zufriedengibt. Man denkt sich dann, warum soll ich mir die Mühe machen, das Gleiche noch einmal in einer Bibliothek, in einem Archiv, in einer Bibliografie oder einem Fachportal zu suchen. Ich habe ja eh schon so viele Treffer, das kann ich ja gar nicht alles lesen. Diese Allwissenheit und die Leerstelle gleichzeitig, das ist das, was ich meine mit dem Google-Syndrom."

In einemInterview auf Futurezone@orf.at kann man seine Erläuterungen zum Begriff des "Google-Syndroms" nachlesen.

Peter Haber:
Peter Haber ist seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projektes «digital.past | Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter» am Historischen Seminar der Universität Basel und Lehrbeauftragter am Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel. Er schreibt regelmäsig imWeblog des Portals "hist.net", in dem es um Geschichte und digitale Medien geht.

Gepostet von: mschmidt
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