Rezension: Sicherung der Nachhaltigkeit von E-Learning-Angeboten an Hochschulen

14.06.2010:
Nikolopoulos, Alexander Stergios:
Sicherung der Nachhaltigkeit von E-Learning-Angeboten an Hochschulen. vwh Verlag. 2009


Anfang des Jahres 2010 wurde im vwh-Verlag eine neue Dissertation zum Thema E-Learning an Hochschulen veröffentlicht. Das Buch von Alexander Stergios Nikolopoulos trägt den vielversprechenden Titel „Sicherung der Nachhaltigkeit von E-Learning-Angeboten an Hochschulen“. Das Thema Nachhaltigkeit ist inzwischen etwas von der Agenda verschwunden und man widmet sich aktuell lieber spezifischen Themen wie dem E-Assessment. Nichtsdestotrotz gibt es bis heute auf die Frage, wie denn nun E-Learning nachhaltig an Hochschulen verankert werden kann keine zufriedenstellenden Antworten.

Die Arbeit von Nikolopoulos schildert die E-Learning-Implementierungs-Aktivitäten der Goethe-Universität Frankfurt. Selbst Mitarbeiter im Projekt megadigitale (heute „studiumdigitale“) hat Nikolopoulos im Rahmen seiner Dissertation im Speziellen die Arbeit in den Fachbereichen beleuchtet. Die Ergebnisse der Interviews machen die (alltäglichen) Probleme auf Fachbereichsebene deutlich und bestätigen die Hypothese, dass dezentrale Koordinationsstellen die Implementierung von E-Learning-Aktivitäten maßgeblich unterstützen können. Besonders anschaulich wird das Problem der Personalgebundenheit von E-Learning-Projekten: Zum einen erscheint es wichtig, dass Mitarbeiter vom Fachbereich, den sie beraten, inhaltliche Kenntnisse besitzen. Zum anderen stellen sich gute Kontakte zur Leitungsebene als wichtig heraus. Ebenso erscheint es vorteilhaft, wenn die Mitarbeiter langfristig zur Verfügung stehen, also nicht nach Ablauf eines Projekts mit ihren wertvollen Erfahrungen davon geschickt werden. Damit wurden auch schon die Hauptergebnisse der Arbeit benannt.

Weitere Untersuchungen bleiben - was das jeweilige Untersuchungsdesign und Ergebnisse angeht - eher blass. So die empirische Ermittlung des wahrgenommenen Nutzens des Einsatzes von E-Learning-Angeboten mittels einer Befragung von Lehrenden und Lernenden, eine Kostenanalyse verschiedener Projekte und eine „managementkybernetische Analyse“. Im Rahmen der kybernetischen Analyse wird die E-Learning Organisation auf drei Ebenen beleuchtet: der Hochschule, der Fachbereiche und einer Professur. Nikolopoulos beschreibt, wie die Aktionen und Interaktionen rund um die Organisation von E-Learning-Veranstaltungen organisiert sind, die Kommunikationskanäle, die jeweils eine Rolle spielen und wie die verschiedenen Ebenen an der Strategieentwicklung beteiligt werden.
 
Was bei der Lektüre nachdenklich macht und den Band sicherlich einige interessante Informationen gekostet hat, ist die Tatsache, dass doch einige Projektverantwortliche tiefer gehende Informationen zu ihrem Projekt lieber für sich behielten. So wurde dem Forscher der Zugang zu Ergebnissen einer von der HIS GmbH durchgeführten Evaluation verweigert, in einigen Fachbereichen stellte sich kein/e Vertreter/in für ein Interview zur Verfügung und in den anderen wurde dem Forscher die elektronische Aufzeichnung der Interviews nicht gestattet. Ein Zeichen dafür, wie sehr es dem Bereich E-Learning noch immer an Selbstvertrauen mangelt bzw. bei MitarbeiterInnen die Furcht besteht, bei ungeschickten Äußerungen, wegrationalisiert zu werden. 

Den Charakter einer Dissertation darf diese Publikation natürlich haben, allerdings leidet darunter auch der Lesespaß. Die Herleitung von Begriffen ist ausführlich, die Darstellung der empirischen Ergebnisse hätte man sich dagegen etwas länger gewünscht. Der Forscher hätte den Blick in die Arbeit auf Fachbereichsebene ruhig ausführlicher gewähren können. Anstatt im Ausblick auf die Potenziale von Entscheidungsunterstützungssystemen für die Beratung, Reifegradmodellen zur Beurteilung von E-Learning-Angeboten und möglichen Kostenfunktionen zur Bewertung hinzuweisen, wäre eine genauere Analyse der Probleme auf formeller und informeller Organisationsebene wohl aussagekräftiger gewesen.  

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Gepostet von: mschmidt
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