DIAMOND

DIAMOND - Didactical Approach for Media Competence Development

„DIAMOND” (Didactical Approach for Media Competence Development) stellt eine umfassende Blended Learning Umgebung zur Entwicklung von Informations- und Medienkompetenz dar. Das Konzept fördert insbesondere die Einbettung der Kompetenzvermittlung in den fachlichen Rahmen einer Vorlesung.

DIAMOND zeigt die theoretische Grundlage für das Zusammenwirken der verschiedenen Lernszenarien auf technischer, didaktischer, pädagogischer, methodischer und gestalterischer Ebene. Der Hauptfokus liegt auf den Aspekten Kollaboration, Kooperation und Kommunikation sowie individuelles, selbstgesteuertes Lernen.

Die in DIAMOND im ersten Semester vermittelten Kompetenzen werden von den Studierenden im Rahmen der Vorlesung aktiv benötigt. Im Gegensatz zu einer rein theoretischen Vermittlung, wie in traditionellen Ansätzen häufig praktiziert, erkennen die Studierenden somit unmittelbar die Notwendigkeit der Aneignung der Kompetenzen.

Ziele und Inhalte

"DIAMOND" wird derzeit eingesetzt im Rahmen des Grundlagenmoduls „Einführung in die Informationswissenschaft“ innerhalb des Bachelorstudiengangs für Informationswissenschaft.

Die Lernumgebung schafft einen Bezugsrahmen für eine in das Curriculum integrierte umfassende und aktive Vermittlung von Methoden-, Sozial-, Fach-, Medien- und Informationskompetenz. Das Konzept verfolgt einen umfassenden und integrierten Ansatz mit sechs Bausteinen (Kontext, Technik, Didaktik, Methodik, Pädagogik und Inhalt), die sich wiederum aus verschiedenen Aspekten zusammensetzen.
In der Blended-Learning -Umgebung wird der bewusste Umgang und die Integration verschiedener Medien- und Vermittlungsarten verfolgt. Durch das Angebot verschiedenster Lernszenarien (Wikis, Blogs, Foren, Webseiten, Lernplattformen etc.), können Studierende ihren eigenen persönlichen Lernstil verfolgen. Die Anwendung der vermittelten Kompetenzen wird durch fachliche Vorgaben und Anforderungen direkt herausgefordert.

Didaktisches Konzept

Das didaktische Konzept und die differenziert ausgeprägten Methoden greifen auf vielen Ebenen ineinander und unterstützen eine Vielzahl unterschiedlicher Lernarten sowie -typen, die sich wechselseitig ergänzen.

Durch die Integration neuer Medien und Arbeitsweisen wird ein lernzentrierter Ansatz unterstützt. Die Stärke des Ansatzes besteht in der in die Lehre integrierten Vermittlung von Schlüsselkompetenzen. Es werden zielgerichtete Arbeitsweisen und Fertigkeiten angeleitet eingeübt. Da die Studierenden diese konkret für die Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten und die kritische Diskussion von kontroversen Themen benötigen, erkennen sie unmittelbar die Notwendigkeit dieser Kompetenzen. Somit findet keine losgelöste, theoretische Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz statt, sondern es wird ein integrierter Ansatz verfolgt, der die praktische Umsetzung und Anwendung von erlernten Fähigkeiten unterstützt.

Die Lerninhalte werden sowohl in klassischen Lehrsituationen (zum Beispiel in einer Vorlesung) vermittelt, aber auch durch Einzel- und Gruppenarbeiten vertieft. Diese dreifache Aufteilung in unterschiedliche Lernbereiche dient vor allem der Festigung der gelernten Inhalte durch ineinandergreifende Phasen von alternierenden Lehr- und Lernmethoden.

Der Blended Learning Ansatz ermöglicht ein Zusammenspiel der Präsenzzeiten und der Selbstlernphasen. Die Präsenzphasen werden in Form von Vorlesungen und dem Tutorium abgehalten, die Selbstlernphase besteht aus Leseaufträgen, Vorbereitung von Übungsaufgaben für die Tutorien und Vertiefung der gelernten Inhalte anhand der E-Learningwebseite (mit vielen Verlinkungen und weiterführender Literatur).


Abb.: Überblick der bestehenden kursbegleitenden Foren in Claroline

Zur Unterstützung selbständiger Arbeitsweise der Studierenden und zur Entfachung gegenseitiger Motivation werden zusätzlich gruppendynamische Prozesse durch die Möglichkeit des Peer2Peer Lernens geweckt. Die Fähigkeit zur Interaktion und Kommunikation mit der Peer-Gruppe wird im DIAMOND-Ansatz durch die angebotene Systemunterstützung, die sowohl synchrone, als auch asynchrone Interaktion und Kommunikation ermöglicht (Chatfunktionen, Forum, Blogs und Mailkommunikation), stark gefördert.

Kollaboratives Lernen findet im Rahmen von DIAMOND vor allem durch den Einsatz von Wikis statt. In dieser kollaborativen, computergestützten Lernumgebung arbeiten Studierende gemeinsam an kleinen Projekten, werden aber auch dazu angehalten, sich gegenseitig Hilfestellungen und konstruktive Kritik zu geben.

Der Einstieg zu den behandelten Themengebieten wird insbesondere durch einen semantischen Zugang auf der E-Learningwebseite lernförderlich gestaltet. Die Erschließung des gesammelten Wissens in Form von semantischen Wissensrepräsentationen, die die inhaltliche Vernetzung einzelner Themen verdeutlichen, soll den Nutzerinnen und Nutzern die Orientierung und das Herstellen von Bezügen innerhalb der einzelnen Wissensobjekte erleichtern.

Curriculare Verankerung

DIAMOND wird im Rahmen des Pflichtmoduls „Grundlagen der Informationswissenschaft“ innerhalb des Bachelorstudiengangs „Informationswissenschaft“ umgesetzt. Die Lerneinheit ist mit 8 ECTS Punkten im Curriculum für das erste Semester – aber auch in Hinblick auf das gesamte Studium – stark gewichtet. Das erfolgreiche Absolvieren des Moduls ist Voraussetzung für viele Folgekurse der späteren Semester.

Die verfassten Seminararbeiten und Kommentare werden als Leistungsnachweis bewertet, wobei die Studierenden bereits während der Phase der Erarbeitung ein Feedback zu ihren fachlichen und methodischen Fähigkeiten, sowohl von Mitstudierenden, als auch den Lehrenden erhalten. Zusätzlich werden am Ende des Semesters alle weiteren Inhalte des Moduls im Rahmen einer Modulklausur abgefragt und die Kenntnisse und fachlichen Kompetenzen der Studierenden bewertet.

Parallel zur Weiterentwicklung des Konzepts soll eine Guideline erarbeitet werden, die eine Umstellung von einer klassischen Vorlesung in anderen Fachbereichen auf ein Blended Learning Angebot nach DIAMOND ermöglicht. Dadurch soll eine Integration des Konzepts zunächst in anderen Vorlesungen des Studiums der Informationswissenschaft und anschliessend auch eine Übertragung auf andere Fachbereiche und Studiengänge ermöglicht werden.

Technik

Zugang
Alle Zugänge (teilweise mit Passwort) sind ersichtlich über die Webseite: http://www.informationswissenschaft.ch/index.php?id=294

Link zum Modul des Herbstsemesters 2007: http://claroline.fh-htwchur.ch/claroline/course/ index.php?cid=GLIW_IW07VZ

Zugang zur Topic Map für die thematische Übersicht
http://195.176.242.235/networker/standard/LoginPage.jsp (User: l4, Passwort: l4@htw70)

Nutzung
Folgende Systeme und Medien werden eingesetzt:

Claroline
Auf der hochschulweiten Open Source Lernplattform Claroline dient ein für das Modul „Grundlagen der Informationswissenschaft“ aufgesetzter Claroline-Kurs für Studierende und Dozierende als transparenter Einstiegspunkt. Diese webbasierte (und somit interoperabel einsetzbare) und intuitiv bedienbare Oberfläche bietet den Zugang zu allen weiteren Systemen und Quellen/Medien des Kurses. Neben Modulen zum Kursmanagement, zur Verwaltung von Terminen, Ankündigungen, Kursdokumenten, und –Nutzern stellt es Systeme für die synchrone und asynchrone Kommunikation zur Verfügung.

Synchrone und asynchrone Kommunikationstechnologien
Die aufgrund der Rahmenbedingungen erforderliche webbasierte synchrone und asynchrone Kommunikation der Studierenden untereinander sowie die Betreuung der Studierenden durch Assistierende erfolgt mithilfe von Gruppen- und Kursmails. Die weitere Kommunikation läuft über Foren (mit geregelter Maximaldauer bis zur Antwort vom betreuenden Lehrpersonal, wenn Fragen von Studierenden gepostet wurden), Chat zwischen den Kursnutzern sowie künftig über Blogs.

eLearningwebseite
Für die Vertiefung und Wiederholung des Vorlesungsstoffes dient eine eLearningwebseite, die im Open Source Contentmanagementsystem Typo3 umgesetzt und betreut wird. Auf der Webseite sind die Inhalte der Einzellektionen nach einem umfassenden didaktischen Konzept aufbereitet. Zu jedem behandelten Gebiet sind auf der Webseite folgende Inhalte zu finden: Zusammenfassung und Lernziel der Thematik, Schlüsselbegriffe und –definitionen, Einführung, Vertiefung mit weiterführendem Lesestoff und Links, Übungen für die Selbstlernkontrolle.

Topic Maps
Als Grundlage für einen stark lernzentrierten und adressatenorientierten Ansatz dient eine intuitive und funktionale Browsingoberfläche auf Grundlage von Topic Maps. In einer Übersichts-Topic Map sind die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Themengebieten der Vorlesung vernetzt dargestellt und zu jedem Gebiet erfolgt eine Verlinkung auf die entsprechenden vertiefenden Beschreibungen der E-Learning-Webseite. Durch dieses Element wird sichergestellt, dass der Diversität unterschiedlicher Studierender (Kulturen, Lerntypen, Sprachen, Gender) Rechnung getragen wird.

Digitale Bibliotheken
Für die Vertiefung des Lernstoffs werden digitale Bibliotheken eingeführt und berücksichtigt. Diese umfassen informationswissenschaftliche Eprintserver, wie beispielsweise E-LIS, Fachdatenbanken, Bibliothekskataloge, Onlineeinführungskurse zur Informationswissenschaft von anderen Hochschulen, Informationswissenschaftliche Onlineglossarien und –Wikipediaenzyklopädien. Die Studierenden erhalten während der Tutoriate Einführungen zur Recherche und den Umgang mit den jeweiligen Ressourcensammlungen, die anschliessend über den Clarolinekurs verlinkt und für die Studierenden frei zugänglich sind.

MediaWIKI
In einer lokalen Installation der Software MediaWIKI werden die kollaborativen Seminararbeiten der Studierenden verfasst. MediaWIKI dient somit zum einen als Systemunterstützung für das kollaborative Erarbeiten von Wissen bzw. für kollaboratives Schreiben und Diskutieren, andererseits aber auch als Wissenstank für Studierende, die sich über eines der im Laufe der Jahre von Kommilitonen verfassten Thema informieren oder einlesen wollen.

Benötigte Software
Die Nutzung von DIAMOND erfordert lediglich einen aktuellen Browser.

Entwicklung
Das technologische Framework von DIAMOND setzt auf eine hohe Diversität durch den Einsatz der verschiedenen Systeme und Kanäle zur Aneignung der Inhalte des Kurses und beruht auf Open Source Software. Weiterhin wird die Kommunikation unter den Studierenden sowie zwischen Studierenden und den Dozierenden und Assistierenden über die verteilten Standorte Zürich und Chur hinweg durch diese Systeme ermöglicht und unterstützt.

Kosten

Durch den Einsatz von Open Source Software und die Einbindung von hochschulweit angebotenen Systemen (wie beispielsweise der universitätseigenen Lernplattform Claroline) sind neben der Entwicklungsarbeit keine grösseren Unterhaltskosten zu berücksichtigen, wodurch auch die langfristige Finanzierung sichergestellt ist. Da es sich um ein dynamisches Konzept handelt, bei dem laufend neues Wissen erarbeitet und dokumentiert wird, vergrössert sich die Wissensbasis kontinuierlich und die Inhalte bleiben stets aktuell. Die Betreuung durch Dozierende und Lehrassistenten ermöglicht eine stetige Weiterentwicklung des Konzepts.

Zielgruppe

Das Konzept eignet sich am besten für Bachelorstudierende, ist aber auch problemlos übertragbar auf Höhere Stufen (Master, PhD etc.). Eine diesbezügliche Weiterentwicklung ist in Planung.

Der integrierte Ansatz eignet sich für alle Fächer der Hochschullehre, die sich mit Blended Learning auseinandersetzen. Weiterhin ist das Konzept geeignet für den Einsatz in Weiterbildungskursen und zur Aktivierung und Unterstützung von lebenslangem Lernen sowohl im privatwirtschaftlichen Kontext, als auch in Forschung und Entwicklung.

Rahmenbedingungen

DIAMOND wird derzeit eingesetzt im Rahmen des Grundlagenmoduls "Einführung in die Informationswissenschaft" innerhalb des Bachelorstudiengangs für Informationswissenschaft.

Ergebnisse

Im Rahmen des Kompetenzzentrums „Informations- und Medienkompetenz“ des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft wird das DIAMOND-Konzept 2008 umfassend evaluiert und weiterentwickelt.

Ein Zeichen für die Nachhaltigkeit des Ansatzes ist jedoch, dass bereits jetzt auf eine dreijährige Erfahrung mit dem Konzept in der vorliegenden Form zurückgeblickt werden kann. Die Bewertung durch die Studierenden ist überwiegend positiv. Insbesondere in den späteren Semestern kann beobachtet werden, dass Studierende im Nachhinein dem Konzept DIAMOND sehr hohe Wertschätzung entgegenbringen: So wird im Rahmen der Evaluation anderer Module und Kurse häufig auf die guten Erfahrungen aus dem ersten Semester mit diesem Modul verwiesen und die Studierenden bitten um eine Einbindung von einzelnen Elementen, wie beispielsweise die kollaborative Wissenserarbeitung mit MediaWIKI, bis hin zur Vorstellung des Gesamtkonzepts auch in anderen Vorlesungen der höheren Semester.


Zum Projekt

Website

http://www.informationswissenschaft.ch/index.php?id=294

Ansprechpartner/in

Lydia Bauer
Lydia.Bauer@fh-htwchur.ch
Web: http://www.iudchur.net/index.php?id=282


Sonja Hierl
Sonja.Hierl @fh-htwchur.ch
Web: http://www.iudchur.net/index.php?id=228

Zeitraum

Seit mittlerweile drei Jahren wird DIAMOND als Pflichtmodul im Studium eingesetzt. Die Kurse erfolgen jährlich immer in zwei Klassen parallel.


Förderung

Fördernde Institution: Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur HTW; Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft

Wettbewerbe: 1. Preis D-ELINA-Award (Deutsches Netzwerk für E-Learning Akteure e.V., Förderpreis für innovative eLearning-Konzepte von jungen NachwuchswissenschaftlerInnen).

Beteiligungen und Kooperationen

Das DIAMOND-Konzept kommt derzeit im Studium der Informationswissenschaft im Rahmen des Vollzeit- und Teilzeitstudiums jeweils im ersten Semester zum Einsatz. Die Umsetzung dieses Ansatzes erfolgt somit immer jährlich in zwei Klassen parallel. Das Konzept wird sukzessive weiterentwickelt und auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen von Jahr zu Jahr optimiert.

Kategorisierung

Lehrfunktion

  • Informationsvermittlung
  • Wissenserarbeitung
  • Üben u. Anwenden
  • Wissenstransfer
  • Diskussion u. Austausch
  • Motivation
  • Feedback u. Lernerfolgskontrolle
  • Sonstige

Medieneinsatz

  • Hypertext
  • PDF
  • Chat
  • Shared Workspace
  • E-Mail
  • CBT / WBT
  • LMS / Lernmanagementsysteme
  • Sonstigs

Fachbereich

  • Informatik
  • Sonstiges

Lehrszenarien

  • Vorlesung
  • Übung
  • Tutorium
  • Betreuung

Kategorie

  • Lernumgebung